Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau

Einzelhandelskaufleute arbeiten nicht nur im Supermarkt um die Ecke. © Robert Kneschke - Fotolia.com

Einzelhandelskaufleute arbeiten nicht nur im Supermarkt um die Ecke.
© Robert Kneschke – Fotolia.com

Das Berufsfeld

Direkter Service und persönliche Beratung sind heute das große Plus, mit dem der Einzelhandel auch gegenüber Online-Shops immer noch punkten und sich gegen die Internet-Konzerne behaupten kann. Um Kunden und Kundinnen von sich zu überzeugen und an sich zu binden, muss der Einzelhandel in erster Linie über qualifiziertes Personal verfügen. Einzelhandelskaufleute sind darin ausgebildet, Kunden professionell zu beraten und ihnen Waren aller Art zu verkaufen, ohne dabei auf eine bestimmte Branche festgelegt zu sein. Sie arbeiten in Mode- oder Lebensmittelgeschäften oder im Elektrofachhandel, sind in Baumärkten tätig und kommen neuerdings auch verstärkt im Versandhandel zum Einsatz.

Beim Beruf des Einzelhandelskaufmanns / der Einzelhandelskauffrau handelt es sich um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf und einen geschützten Titel, den nur tragen darf, wer die betriebliche und schulische Ausbildung erfolgreich absolviert beziehungsweise die externe IHK-Prüfung bestanden hat. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, im Rahmen einer Umschulung wird sie aber zumeist auf 24 Monate verkürzt, und sie umfasst verschiedene Schwerpunkte, zwischen denen der Umschüler oder Azubi in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb je nach persönlichem Interesse wählen kann. Einzelhandelskaufleute arbeiten in einem facettenreichen Berufsfeld, haben intensiven Kundenkontakt und sind Multitalente im Verkauf.

 

Zukunftsaussichten für Einzelhandelskaufleute

Der Beruf des Einzelhandelskaufmanns/ der Einzelhandelskauffrau hat auch heute, in Zeiten des Online-Booms, aus der Sicht vieler Expertinnen und Experten immer noch Zukunft. Laut der Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftlerin Dörte Nitt-Drießelmann, die beim Hamburgischen WeltWirtschafts Institut tätig ist, befindet sich die Branche derzeit allerdings im Wandel. In den kommenden Jahren werden ihrer Ansicht nach insbesondere die Discounter sowie Fachmärkte einen weiteren Zuwachs erleben, während andere Formen Marktanteile verlieren werden. Zugleich wird das Shopping-Erlebnis für immer mehr Kundinnen und Kunden wichtiger werden, weshalb beispielsweise immer mehr Geschäfte Verkaufsevents unterschiedlicher Art organisieren, um ihre Produkte in Szene zu setzen und den Verkauf anzukurbeln.

Einen Beitrag zu einem solchen Erlebnis leisten künftige Einzelhandelskaufmänner und -kauffrauen, die den Wandel des Einzelhandels miterleben und begleiten werden, sodass sich eine Umschulung in diesem Bereich durchaus als lohnenswert erweisen kann. Das große Geld dabei zu verdienen ist allerdings unwahrscheinlich, sofern man sich nicht nach der Umschulung mit großem Ehrgeiz kontinuierlich weiterbildet. Laut Tarifregister erhalten Einzelhandelskaufleute im Bundesland Nordrhein-Westfalen beispielsweise eine Grundvergütung zwischen 1856-2364 Euro brutto im Monat. Weitere Branchen sind hier aufgelistet.

 

Inhalte und Länge der Umschulung

Angehende Einzelhandelskaufleute lernen im Rahmen ihrer Umschulung beispielsweise, welche Funktionen der Einzelhandel innerhalb des Wirtschaftssystems hat, welche Leistungen er erbringt und wie im Einzelhandel zusammengearbeitet wird. Sie setzen sich mit Gesundheit am Arbeitsplatz auseinander und befassen sich intensiv mit Information und Kommunikation. Auch Teamarbeit und Kooperation am Arbeitsplatz stehen auf dem Lehrplan. Besonders wichtig sind die Grundlagen des erfolgreichen Verkaufs: kundenorientiertes Verhalten, Beschwerdemanagement, Kassieren, Marketingmaßnahmen, Werbung, Präsentation, Kundenservice sowie Preisbildung gehören zu den Kernelementen der Ausbildung beziehungsweise Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau. Aber selbstverständlich müssen Einzelhandelskaufleute sich auch mit ihrer Ware auskennen, die Grundlagen des Rechnungswesens beherrschen und IT-Anwendungen für ihre Zwecke nutzen können. Die Industrie- und Handelskammer Oldenburg hat Interessierten an der Aus- oder Weiterbildung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau einen ausführlichen Rahmenlehrplan zum Download zur Verfügung gestellt.

Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre in Vollzeit und schließt mit einer Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer ab. Wer eine Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau anstrebt, kann aber mit einem kürzeren Lehrgang rechnen, der ihn oder sie auf die externe IHK-Prüfung vorbereitet. Hier ist mit Umschulungszeiten von 20 bis 24 Monaten inklusive einem Betriebspraktikum oder mehreren Praxiseinheiten zu rechnen. Außerdem gibt es Aufstiegsfortbildungen, die zum Handelsfachwirt oder Handelsbetriebswirt führen können.

Förderung durch Jobcenter

Zertifizierte Umschulungen sind in der Regel für die Förderung durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter zugelassen. Eine Liste mit Anbietern finden Interessierte, wenn sie im Kursnet der Bundesagentur für Arbeit den Beruf “Kaufmann/ Kauffrau im Einzelhandel” eingeben.

Ein Bildungsgutschein kann in diesem Fall zur Finanzierung der Umschulung eingesetzt werden. Der Erhalt eines Bildungsgutscheins ist jedoch an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt: Es muss eine längere Arbeitslosigkeit vorliegen oder Arbeitslosigkeit drohen und die Umschulung oder Weiterbildung muss die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Ob diese Bedingungen vorliegen, kann allerdings nur im Einzelfall entschieden werden. Interessenten an einer Umschulung oder Aufstiegsfortbildung sollten sich deshalb frühzeitig mit ihrem Arbeitsvermittler in Verbindung setzen.

 

Zielgruppe dieser Umschulung

Die Qualifizierung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau richtet sich an Personen, die im Einzelhandel professionell tätig werden und sich durch den Berufsabschluss neue Karriereperspektiven eröffnen möchten. Insbesondere kann die Umschulung für all diejenigen von Interesse sein, die sich später durch zusätzliche Weiterbildungen oder Aufstiegsfortbildungen weiterqualifizieren und auf diese Weise auch ohne Studienabschluss weiter kommen möchten. Die meisten Bildungsanbieter setzen dabei einen mittleren Bildungsabschluss voraus.

 

Anbieter der Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau

Kaum eine Umschulung wird an so vielen Standorten angeboten wie die Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau. Von A wie Aachen bis P wie Pforzheim: Umschulungen werden in vielen Städten an Berufskollegs und von privaten Bildungsanbietern durchgeführt.

 

Verwandte Bereiche der Umschulung als Fernstudium

Wer sich gegen die Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau und für ein berufsbegleitenden Fernstudium in einem verwandten Bereich entscheidet, hat die Qual der Wahl. Die klassische universitäre Alternative ist sicherlich Betriebswirtschaftslehre. Eine interessante Option könnte aber auch ein duales Studium in den Bereichen Handelsmanagement, Logistik, Lebensmittelmanagement, Tourismusmanagement oder Wirtschaftsinformatik darstellen. Diese Studiengänge nehmen die Verkaufs-, Vertriebs-, Dienstleistungs- und Managementaspekte der Umschulung zum Einzelhandelskaufmann/ zur Einzelhandelskauffrau auf, versprechen aber dank des akademischen Abschluss bessere Karrierechancen und flexiblere Einsatzmöglichkeiten.