Arbeitslos und Praktikum: Erlaubt? Wenn ja, wie lange?

Ein Praktikum bietet die ideale Möglichkeit, in ein anderes Berufsfeld hineinzuschnuppern.

Ein Praktikum bietet die ideale Möglichkeit, in ein anderes Berufsfeld hineinzuschnuppern.

Ein Praktikum während der Arbeitslosigkeit hört sich im Prinzip wie eine gute Idee an, selbst wenn es unbezahlt ist, denn es ist eine Bildungsmaßnahme, die Ihnen Arbeitserfahrung und zusätzliche Qualifikationen verleiht, also Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht.

Außerdem kann es vielleicht nach seiner Beendigung in eine bezahlte Beschäftigung übergehen. Folglich sollte einem Praktikum während der Arbeitslosigkeit also doch eigentlich nichts im Wege stehen. Leider ist dem nicht so, denn es gibt einige bürokratische Fallstricke, die Sie gegenüber der Agentur für Arbeit beachten müssen.

 

Die Vorschriften der Agentur für Arbeit

Grundsätzlich dürfen Arbeitslose bis zu 15 Stunden pro Woche arbeiten, also auch ein Praktikum ableisten. Sie dürfen sogar Geld verdienen. Unter einem Freibetrag von EUR 165 pro Monat können Sie Ihr Praktikumshonorar behalten, wenn es über EUR 165 liegt, wird es mit Ihrem ALG I verrechnet.

Das Problem ist die Zeit: Sie sind nur berechtigt, ALG I zu empfangen, wenn Sie für eventuelle Nebentätigkeiten, zum Beispiel geringfügige Beschäftigungen oder selbstständige Tätigkeit, nicht mehr als 15 Stunden pro Woche aufwenden. Auch ein Praktikum wäre eine derartige Nebentätigkeit. Wenn Sie nun im Praktikum mehr als 15 Stunden arbeiten, was ja nicht unwahrscheinlich ist, dann verfällt Ihr Anrecht auf die Leistungen der Agentur für Arbeit, Sie bekommen kein Arbeitslosengeld I (ALG I) mehr ausgezahlt, und das selbst wenn Ihr Praktikum unbezahlt ist!

Das ist zunächst schwer zu verstehen. Das Arbeitsamt argumentiert hier folgendermaßen: Jeder Arbeitslose muss zu jedem Zeitpunkt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit er jederzeit eine Stelle antreten kann. Sobald Sie also einen Praktikumsvertrag unterschrieben haben und für mehr als 15 Stunden pro Woche als Praktikant/in arbeiten, stehen Sie aus Sicht der Arbeitsagentur dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Und damit erlischt nach den Regeln der Agentur für Arbeit eine Ihrer Voraussetzungen, die Sie dazu berechtigen, ALG I zu empfangen.

Bei ALG II (Hartz IV) ist es anders: Hier dürfen Sie so viel nebenher arbeiten wie Sie wollen, eine zeitliche Begrenzung ist nicht gegeben. Es gibt lediglich die materielle Grenze des Freibetrags, die genau wie beim ALG I geregelt ist, also bei EUR 165 liegt. Wenn Sie die Grenze überschreiten, wird alles was über dem Freibetrag liegt, mit Ihrem ALG II verrechnet. Mit einem unbezahlten oder nur symbolisch (also unter EUR 165 pro Monat) honorierten Praktikum hätten Sie als Bezieher von ALG II also keine Probleme.

Für diesen Artikel heißt das: Wir konzentrieren uns in erster Linie darauf, wie die Probleme beim ALG I zu lösen sind.

 

Die Sichtweise Ihres Betreuers

Je nach Betreuer bei der Agentur für Arbeit und auch abhängig von Ihren Qualifikationen und der Chance, schnell etwas neues zu finden, haben Sie unterschiedliche Chancen, Ihre Idee mit einem Praktikum zu “verkaufen”. Wenn Sie zum Beispiel eine Ausbildung in einem gefragten Feld haben, zum Beispiel Erzieher oder KFZ-Mechanikerin sind, sich aber nur aus privaten Gründen beruflich verändern wollen und deshalb ein Praktikum in einem ganz anderen Feld machen wollen, dann wird Ihr Betreuer sicherlich nicht begeistert sein. Denn das Ziel der Agentur für Arbeit ist, Sie schnell wieder in Lohn und Brot zu bringen, nicht jedoch, Ihnen private berufliche Veränderungswünsche zu finanzieren.

Wenn Sie dagegen gelernter Daubner oder Buchbinder sind und es weit und breit keine Betriebe gibt, die Sie einstellen könnten oder wenn Sie gar noch gar keine Ausbildung haben, dann wird die Arbeitsagentur eher willens sein, Ihnen eine Umschulung zu bezahlen oder Ihnen ein Praktikum zu bewilligen, ohne dass Ihnen Ihre Leistungen gekürzt werden. Denn in diesem Falle ist das wahrscheinlich der schnellste Weg, Sie wieder in einen bezahltes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu bringen.

 

Argumentationshilfen gegenüber Ihrem Betreuer

Wenn Sie die eben beschriebene Denkweise verinnerlichen und sich in Ihren Betreuer hineinversetzen, wird Ihnen die Argumentation sicher leichter fallen. Sie können Ihm Ihr Praktikum zum Beispiel als Weiterbildungsmaßnahme verkaufen, die er Ihnen bescheinigen kann, so dass sie auch in seiner Erfolgsstatistik auftaucht.

Sie können sich auch von Ihrem Chef im Praktikumsbetrieb eine Bescheinigung ausstellen lassen, derzufolge Sie für Bewerbungsgespräche freigestellt sind und jederzeit fristlos den Betrieb verlassen dürfen, wenn Sie vom Arbeitsamt eine Stelle vermittelt bekommen. Diese Bescheinigung Ihrer Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt ist zwar nur eine Formsache, hilft aber, Ihren Betreuer zu beruhigen und Ihnen weiterhin den Anspruch auf ALG I zu erhalten.

 

Wenn alle Stricke reißen

Sollte Ihr zuständiger Betreuer sich kategorisch weigern, Ihr Praktikum machen zu lassen oder sogar damit drohen, Ihnen Ihr ALG I zu sperren, wenn Sie das Praktikum antreten, dann lassen Sie sich das schriftlich geben. Danach können Sie gegenüber der Agentur für Arbeit unter Vorlage dieses Schreibens schriftlich Einspruch erheben. Normalerweise wird der Fall dann einem anderen Betreuer oder dem Vorgesetzten übergeben, wo Sie gute Chancen haben, auf mehr Verständnis zu stoßen.

Und ganz wichtig: In jedem Fall, egal wie frustrierend das Gespräch sein mag, bleiben Sie ruhig, gelassen und höflich. Denken Sie daran, dass Ihr Betreuer auch nur ein Mensch ist, der eben seine eigene Perspektive hat. So werden Sie sicher mehr Erfolg haben als mit erhobener Stimme und einer Mentalität, die mit dem Kopf durch die Wand will.

 

Fazit:

Ein Praktikum während des Bezugs von ALG I ist prinzipiell möglich, wenn Sie es nur schaffen, die Agentur für Arbeit auf Ihre Seite zu bringen. Wenn Sie das schaffen, ist prinzipiell auch keine Zeitbegrenzung für das Praktikum gegeben, außer Ihrer Bezugsdauer für ALG I.

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