Berufswechsel als Erzieher/in: Möglichkeiten und Vorgehensweise

Erzieher -für viele ein Traumberuf, für andere nicht...

Erzieher -für viele ein Traumberuf, für andere nicht…

Viele Erzieher haben in ihrem Beruf ihre persönliche Erfüllung gefunden. Dennoch kommt es immer wieder dazu, dass jemand seinen Beruf nicht länger ausüben kann oder möchte. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Möglichkeiten zum Berufswechsel gibt es durchaus und der Sprung auf die nächste Stufe der Karriereleiter ist durchaus realistisch.

 

Berufswechsel durch eine Umschulung oder ein Studium

Erzieher arbeiten nicht nur in Kindertagesstätten. Auch in Kinder- und Jugendwohnheimen, Tagesstätten für Menschen mit Behinderungen, Ferienheimen und Freizeiteinrichtungen oder Sucht- und Familienberatungsstellen finden sie interessante Beschäftigungsmöglichkeiten.

Wer den pädagogischen Bereich grundsätzlich verlassen möchte, kann dies mit einer Umschulung oder einem Studium jederzeit tun. In einer Umschulung erlernen Sie schließlich einen anderen Beruf mit all seinen Facetten und können Ihr bisheriges Berufsleben einfach abschließen. Bei der Wahl Ihres neuen Berufes unterliegen Sie kaum einer Einschränkung. Ob und inwiefern Sie Ihre Vorkenntnisse nutzen möchten oder können, ist Ihnen selbst überlassen. Doch das pädagogische Wissen und die Erfahrung im Umgang mit Menschen und zwischenmenschlichen Konflikten werden Ihnen letztlich in nahezu jedem späteren Beruf weiterhelfen.

Ein Studium bietet im Prinzip dieselben Möglichkeiten. Haben Sie einen ersten Berufsabschluss und bereits mehrere Jahre Berufserfahrung, können Sie sogar ohne Abitur studieren – allerdings nur in Ihrem Fachbereich. Ein grundlegender Wechsel des Berufsfeldes ist auf diesem Weg nur bedingt möglich. Doch ein Studium kann Sie auch für höhere Aufgaben qualifizieren.

 

Wechsel des Berufes durch Weiterbildung

Ein Studium ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Ein Hochschulabschluss befähigt Sie jedoch zum Beispiel eine Kindertageseinrichtung zu leiten, in pädagogischen Beratungsstellen zu arbeiten oder selbst Erzieher auszubilden. Sie entfernen sich damit trotz allem schon deutlich vom eigentlichen Job als Erzieher, ohne jedoch alles aufgeben zu müssen. Die Arbeit als Dozent an privaten Bildungseinrichtungen ist hingegen theoretisch auch ohne Studienabschluss möglich. Sie sollten in diesem Fall jedoch über relevante Zusatzqualifikationen (Integration, Inklusion etc.) und langjährige Berufserfahrung verfügen, um als Dozent ernst genommen zu werden. Verwandte Studienfächer sind zum Beispiel Bildungswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Waldorfpädagogik oder die Pädagogische Psychologie. Nach dem Abschluss eines Studienganges besteht natürlich immer auch die Chance, im wissenschaftlichen Bereich zu arbeiten.

Eine Weiterbildung, die nicht an einer Hochschule stattfindet, ermöglicht dennoch den Wechsel des Berufes. Weiterbilden können Sie sich zum Beispiel zum Fachwirt für Erziehungswesen, zum Betriebswirt für Sozialwesen oder zum Fachwirt für Organisation und Führung im Bereich Sozialpädagogik. Diese Qualifikationen ermöglichen Ihnen den Aufstieg in höhere Führungsebenen. Geeignet sind sie vor allem dann, wenn Sie nicht länger im direkten Kontakt mit Kindern arbeiten möchten, aber dennoch dem Fachgebiet treu bleiben wollen.

 

Berufswechsel durch Spezialisierung

Darüber hinaus können Sie den Beruf wechseln, indem Sie sich auf einen besonderen Bereich spezialisieren und in diesem eine Anstellung finden. Sie haben zum Beispiel als ausgebildeter Erzieher die Option, sich zum Heilpädagogen, zum Sonderpädagogen oder auch zum Fachlehrer an Sonderschulen zu qualifizieren.

Eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Heil- oder Sonderpädagogen kann bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen. Sie arbeiten in dieser Zeit jedoch weiter und erhalten wie üblich Ihr monatliches Gehalt, sodass Sie damit ein überschaubares Risiko eingehen. Führen Sie eine solche Spezialisierung in Vollzeit durch, dann kann deren Dauer aufgrund Ihrer Vorkenntnisse von 24 auf 18 Monate verkürzt werden. Selbst wenn Ihnen unmittelbar im Anschluss noch kein Wechsel in eine neue Position gelingt, greifen Sie nun auf zwei Ausbildungen zurück, die sehr eng miteinander verwandt sind und verbessern damit Ihre Berufschancen. Weiterbildungen mit dem Schwerpunkt Verwaltung und Management eigenen sich hingegen gut, um zum Beispiel im Jugendamt eine Tätigkeit aufnehmen zu können.

 

Als Erzieher in ein anderes Arbeitsfeld gelangen

Zunächst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, was Sie anstelle Ihrer jetzigen Arbeit tun möchten. Welche Ausschreibungen und Angebote gibt es in diesem Bereich und welche Anforderungen werden gestellt? An diesem Punkt können Sie ansetzen und Ihre weiteren Schritte planen. Versuchen Sie, Weiterbildungen berufsbegleitend zu absolvieren. Sie zeigen damit einerseits Einsatzbereitschaft, können aber andererseits auch Ihr Wissen schnell anwenden und praktische Erfahrungen sammeln. Sind Sie bereits von einer Kündigung betroffen oder bedroht, dann ist das Jobcenter oder die Arbeitsagentur der richtige Ansprechpartner.

Sie erhalten einen Bildungsgutschein und können damit möglichst zeitnah eine Umschulung oder Weiterbildung beginnen. Rechtfertigen Sie Ihren Wunschberuf, indem Sie strategisch argumentieren und Ihre Stärken und Ziele herausstellen. Kündigen Sie jedoch selbst Ihr Arbeitsverhältnis, drohen Ihnen finanzielle Sperrfristen und auch ein Bildungsgutschein wird voraussichtlich nicht gewährt.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Berufswechsel?

Der Wechsel des Berufes sollte zumindest keine spontane Entscheidung sein. Wann der richtige Zeitpunkt erreicht ist, hängt auch von Ihren späteren Plänen ab. Eine Umschulung in einem ganz anderen Bereich setzt keine Berufserfahrung voraus, sodass Sie theoretisch bereits direkt im Anschluss an die erste Ausbildung eine zweite beginnen können. Einen Bildungsgutschein werden Sie in solch einer Situation jedoch nicht erhalten. Da es sich bei Erziehern um Fachkräfte handelt, die derzeit sehr gefragt sind, kann die Finanzierung einer Umschulung durch Jobcenter der Arbeitsagentur ohnehin verweigert werden. Schätzen Sachbearbeiter Ihre Lage als unproblematisch ein und gehen davon aus, dass Sie schnell eine neue Anstellung finden können, dann wird kein Gutschein ausgestellt. Sie müssen dann die Kosten der Umschulung sowie Ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren.

Für berufsbegleitende Fortbildungen ist praktische Berufserfahrung häufig eine wichtige Voraussetzung. Dies gilt insbesondere bei Aufstiegsweiterbildungen. Überdies sollten Sie sich rechtzeitig über die zeitlichen und finanziellen Anforderungen informieren. Einerseits fallen meist Kosten für die Weiterbildung an. Ihr Arbeitgeber kann Sie zwar unterstützen, einfordern können Sie dies jedoch nicht. Andererseits ist es eventuell notwendig, die Arbeitszeit zu reduzieren, um Zeit für die Fortbildung oder das Studium zu haben. In diesem Fall verringert sich Ihr monatliches Einkommen entsprechend. Der Schritt zum Berufswechsel sollte aus diesen Gründen langfristig geplant werden. Leiden Sie unter psychischen Problemen, ist zudem eine therapeutische Begleitung ratsam. Sie verhindern damit Kurzschlussreaktionen und können sich über Ihre Bedürfnisse klarer werden, um letztlich eine gut durchdachte Entscheidung zu treffen.