Berufswechsel mit 30,35 oder 50? Man ist nie zu alt!

Die Zeiten sind vorbei, in denen man den erlernten Beruf ein Leben lang ausübte.

Die Zeiten sind vorbei, in denen man den erlernten Beruf ein Leben lang ausübte.

Je älter man wird, desto mehr scheut man sich meist vor einem Neuanfang. Und vor allem das Ergreifen eines neuen Berufes stellt noch einmal Anforderungen, mit denen man längst nicht mehr gerechnet hätte. Doch egal ob freiwillig oder aufgrund von beruflicher Perspektivlosigkeit oder sogar Arbeitslosigkeit: Für den Wechsel in einen anderen Beruf ist es nie zu spät und mit einer guten Vorbereitung gelingt es auch Ihnen, diese Aufgabe zu bewältigen.

 

Verschiedene Gründe für einen neuen Beruf

Die Gründe, aus denen Sie sich für einen ganz neuen Beruf entscheiden, können selbstverständlich sehr individuell sein. Vielleicht sind Sie von Arbeitslosigkeit bedroht oder es ist Ihnen bereits längere Zeit nicht gelungen, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen. Haben Sie Ihren Beruf zuvor Jahrzehnte ausgeübt, entspricht Ihr Wissen möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Standard. Eine Alternative zu einer neuen Ausbildung kann dann auch eine Weiterbildung oder eine Umschulung sein. Doch vielleicht gibt es Ihren ursprünglichen Beruf inzwischen gar nicht mehr. Dann kann eine Neuorientierung durchaus eine realistische Chance sein.

Neben drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit ist der gesundheitliche Zustand ein häufiger Grund für das Ergreifen eines neuen Berufes. Sei es durch einen Arbeitsunfall oder den körperlichen Verschleiß: Kann jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben, bleibt oft keine andere Alternative als eine neue Ausbildung. Dies trifft zum Beispiel hin und wieder Friseurinnen und Friseure, die im Laufe ihres Berufslebens eine Allergie gegen bestimmte chemische Stoffe entwickeln. Ein anderes Einsatzgebiet ist in diesem Beruf kaum denkbar, sodass die Ausbildung für das weitere Berufsleben nicht hilfreich ist.

Die dritte Gruppe sind diejenigen, die aus freien Stücken noch einmal einen beruflichen Neuanfang wagen. Eine Umschulung, eine Weiterbildung, ein Studium oder eine zweite Ausbildung sind gute Möglichkeiten, dem Leben eine neue Wendung zu geben und sich neue Perspektiven zu eröffnen. Schlechte Erfahrungen, ungünstige Aussichten oder fehlende Freude an der Arbeit können hier ausschlaggebend sein.

 

Schadet der Umbruch im Lebenslauf?

Ob sich ein Berufswechsel nachteilig auswirkt, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Manche Arbeitgeber wissen die Erfahrung der Bewerber mit einer vielfältigen Berufsbiographie zu schätzen. Andere hingegen legen Wert auf einen stringenten Lebenslauf mit nachvollziehbaren Stationen. Sie können bei einer Bewerbung auf eine neue Arbeitsstelle nie einschätzen, wie die Entscheider reagieren werden.

Ist Ihr Jobwechsel gesundheitlich bedingt, besteht zudem hin und wieder die Gefahr, dass man Sie für nicht dauerhaft leistungsfähig oder belastbar hält. Einen Arbeitsunfall hingegen können Sie durchaus im Lebenslauf erwähnen, während Sie eine schwere oder chronische Erkrankung zunächst besser verschweigen sollten. Bereiten Sie sich dennoch darauf vor, dass man Sie in Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch nach Ihren Gründen für den Wechsel des Berufes fragen wird. Eine ehrliche, aber dennoch überlegte Antwort sollte dieses Thema schließlich schnell klären können.

Der Berufswechsel sollte zudem weniger im Fokus Ihrer Bewerbung stehen als die Erfahrungen, die Sie bisher sammeln konnten. Schließlich können Sie von diesen enorm profitieren und durch andere Qualifikationen überzeugen.

 

Welche Möglichkeiten zur Aus- oder Weiterbildung gibt es für Erwachsene?

Grundsätzlich können Sie erst einmal alle Ausbildungswege wählen, die auch jungen Menschen offen stehen. Eine Altersgrenze gibt es in der Regel nicht. Verfügen Sie nicht über die Hochschulreife, können Sie eine zweite Berufsausbildung absolvieren, sich um eine Weiterbildung bemühen oder eine rein schulische Qualifikation an einer einschlägigen Bildungseinrichtung belegen. Sogar eine normale Berufsausbildung im dualen System ist rechtlich ohne Probleme möglich. Stellen Sie sich in diesem Fall allerdings darauf ein, dass Sie kaum auf Menschen Ihres Alters treffen werden. Das durchschnittliche Alter derjenigen, die im Jahr 2010 einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, lag bei 20 Jahren. Auch Ausbildungsbetriebe können keine rechtlich verbindliche Altersgrenze festlegen, da Sie mit einer solchen Grenze gegen das Gleichstellungsgebot verstoßen würden.

Überzeugen Ihre Qualifikationen und Ihr Auftreten, dann steht der dualen Ausbildung theoretisch nichts im Weg. Der Vorteil für Sie liegt vor allem darin, dass Sie rechtlich abgesichert sind und eine monatliche Vergütung erhalten. Rein schulische Weiterbildungen sind hingegen mit Kosten verbunden, die durch das Jobcenter, die Arbeitsagentur, die Rentenversicherung oder Sie selbst getragen werden müssen. Einkommen beziehen Sie ebenfalls vom entsprechenden Finanzierungsträger oder greifen auf Ihr Erspartes zurück.

 

Mit über 30 noch an die Universität?

Ebenso wie bei Berufsausbildungen oder Weiterbildungen gibt es auch an Hochschulen in der Regel keine Altersbeschränkung. Zwar kann eine Bewerbung in zulassungsbeschränkten Studiengängen durchaus abgelehnt werden, der der Grund dafür ist nicht das Alter. Beachten Sie jedoch, dass für Studieninteressierte, die ihr Abitur nicht im aktuellen Jahr absolviert haben, in der Regel andere Bewerbungsfristen gelten. In Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung können Sie sich hingegen bis zum Semesterbeginn einschreiben. Vor allem in Bachelorstudiengängen werden Ihre Kommilitonen zwar ebenfalls überwiegend jünger sein als Sie selbst, doch erwachsene Studierende sind keine exotische Ausnahme.

Im Wintersemester 2012/2013 waren immerhin 3,5 Prozent der Studienanfänger über 30 Jahre alt. Der Anteil der Studierenden dieser Altersgruppe liegt insgesamt bei etwa 15 Prozent. Möchten Sie dem Druck der Prüfungen aus dem Weg gehen, aber dennoch etwas Neues lernen, dann können Sie sich erst einmal als Gasthörer einschreiben.

 

Ein Schritt, der wohl überlegt sein will: Was nun auf Sie zukommen könnte

Haben Sie bereits mehrere Jahre praktisch gearbeitet, wird Ihnen das gezielte Lernen neuer Theorie wahrscheinlich schwer fallen. Auch mehrstündiges Zuhören ist eine große Anstrengung. Zudem sollten Sie vertraut im Umgang mit neuen Medien sein, sodass Sie die technischen Anforderungen bewältigen können. Lehrmaterial finden Sie häufig online auf Lernplattformen, die Ausbildungs- oder Studienorganisation findet zu einem sehr großen Teil online statt und verschiedene Web-Tools helfen Ihnen, Ihre Unterlagen zu ordnen oder Referate vorzubereiten. Vor allem während eines Studiums werden Sie regelmäßig Ausarbeitungen anfertigen, Semesterarbeiten verfassen oder eigene Unterrichtseinheiten halten, sodass Sie im Umgang mit Office-Software sehr sicher sein sollten. Zudem sollte Sie der Umgang mit jüngeren Menschen nicht verunsichern. Vielmehr können Sie voneinander profitieren, wenn sich alle Beteiligten aufgeschlossen zeigen.

Bevor Sie sich jedoch für einen Weg entscheiden, sollten Sie sich auf eine neue Organisation Ihrer Zeit einstellen. Ein großer Teil der Arbeit für ein Studium findet zu Hause statt, doch der zeitliche Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Auch eine schulische oder duale Ausbildung erfordert Ihren Einsatz der der Präsenzzeit. Der Lehrstoff soll schließlich durch Sie vor- und nachbereitet werden, sodass Sie die Prüfungen möglichst ohne Probleme bestehen.