Berufswechsel als Lehrer/in? Raus aus dem Lehramt

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Für viele ein Traumjob, für einige nicht…doch es gibt Alternativen.

Wer sich für ein Lehramtsstudium entscheidet, muss sich um seine berufliche Zukunft häufig nicht mehr sorgen. Zwar besteht in vielen Bundesländern nicht mehr die Möglichkeit, den Beamtenstatus zu erhalten, doch auch Anstellungen sind oft unbefristet.

Doch die Tätigkeit als Lehrer/Lehrerin bringt viele Herausforderungen mit sich und das Studium bereitet trotz allem nur in einem gewissen Maße auf den beruflichen Alltag in einer Schule vor. Zudem ist der Beruf des Lehrers mit großen Belastungen verbunden, sodass ein nicht geringer Teil der Lehrkräfte frühzeitig in den Ruhestand geht oder einen Berufswechsel anstrebt.

 

Vorsicht vor falschen Erwartungen

Ein Lehramtsstudium nimmt mehrere Jahre in Anspruch und enthält dennoch nur wenige Praxisphasen. Nach dem ein- bis zweijährigen Vorbereitungsdienst, dem sogenannten Referendariat, beginnt die normale Tätigkeit als Lehrer. Absolventen übernehmen dann selbstständig die volle Verantwortung für ihre Schüler. Die Ideen und Pläne, die während des Studiums entstanden sind, werden dann meist schnell von der Realität eingeholt.

Der Alltag als Lehrkraft gestaltet sich doch ganz anders als erwünscht, erhofft oder erwartet. Doch die Möglichkeiten zum Berufswechsel scheinen für Lehrer und Lehrerinnen begrenzt zu sein und die Anstellung ist sicher, sodass die Resignation naheliegend ist. Hinzu kommt ein Einkommen, welches als Lehrer in einem anderen Beruf wohl kaum erzielt werden kann.
Je länger ein Beruf ausgeführt wird, desto schwerer fällt der Wechsel. Dabei leiden vor allem langjährige Lehrkräfte häufig unter psychischen Problemen und riskieren auf Dauer ihre Gesundheit. Eine frühe Pensionierung muss jedoch auch dann keinesfalls die einzige Alternative sein.

 

Raus aus dem Schuldienst?

Die erste Option eines Wechsels besteht darin, sich an eine andere Schule versetzen zu lassen. Gymnasial- und Oberstufenlehrer können durchaus auch an anderen Schulformen unterrichten. Auch der Wechsel an eine Grundschule ist in vielen Fällen möglich. Veränderte Arbeitsbedingungen führen zu neuen Herausforderungen, die möglicherweise besser bewältigt werden können.

Darüber hinaus können Lehrer und Lehrerinnen Positionen im Bereich Verwaltung übernehmen. Ein Arbeitsverhältnis im Öffentlichen Dienst bleibt somit bestehen. Auch für verbeamtete Lehrkräfte ist dieser Schritt möglich. Es müssen jedoch in vielen Fällen finanzielle Einbußen in Kauf genommen werden.

Ein dritter Weg kann darin bestehen, den Dienst an einer normalen Schule zu beenden und stattdessen an privaten Bildungseinrichtungen tätig zu werden. Die Voraussetzungen sind dort oftmals besser. Dies gilt sowohl für die Ausstattung mit Material sowie für die Zusammensetzung der Schülerschaft. Leistungsdruck besteht jedoch auch an Privatschulen und kann ggf. sogar noch höher sein. Wer jedoch nicht mehr im Öffentlichen Dienst angestellt bzw. verbeamteter Lehrer ist, kann alternativ als freiberufliche Lehrkraft arbeiten und sich damit der Bindung an nur eine Schule entziehen. Vor allem Aktivitäten außerhalb des Unterrichtes lassen sich damit einschränken. Freiberufliche Lehrkräfte können zudem an mehreren Bildungseinrichtungen Unterrichtsstunden abhalten, sodass auch die Tätigkeit in mehreren Schulformen (berufsbildende Schulen, Volkshochschulen etc.) infrage kommt.

 

Das Fachstudium nutzen

Ein Lehramtsstudium besteht in der Regel aus zwei Fächern. Klassische Kombinationen sind beispielsweise Mathematik und Physik, Germanistik und Philosophie oder Biologie und Chemie. Hinzu kommt die pädagogische Ausbildung. Wer einen Berufswechsel anstrebt, sollte diesen Umstand nutzen. Vor allem die pädagogische Ausbildung kann hilfreich sein, da Lehrer selbstverständlich auch über sehr viel praktische Erfahrung in diesem Bereich verfügen. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist dies von großem Vorteil. Eine Bewerbung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist immer dann empfehlenswert, wenn vor allem pädagogische Kenntnisse gefordert werden.

Die beiden Fächer, die jeder Lehramtsstudierende belegt, helfen ebenfalls beim Berufswechsel. Traditionell ist es jedoch für Absolventen der kultur- und geisteswissenschaftlichen Fächer meist schwieriger, geeignete Jobangebote zu finden.

 



Mut zum Wechsel

Wer den Beruf wechselt, geht selbstverständlich ein Risiko ein. Ob eine andere Arbeitsstelle in einer neuen Schule, in der Erwachsenbildung, in einer Behörde oder im Bereich Jugendarbeit mehr Zufriedenheit ermöglicht, bleibt fraglich. Sollte dies tatsächlich nicht der Fall sein, bleibt das Beenden der Arbeit als Lehrkraft.

Eine Alternative kann dann ein zweites Studium darstellen. Die Wahl eines neuen Studienfaches an einer Präsenz- oder Fernuniversität sollte dann jedoch mit großer Vorsicht geschehen. Zwar ist der berufliche Neuanfang in jeder Phase des Lebens theoretisch möglich, doch die Aussichten auf eine neue Anstellung schwinden leider mit zunehmendem Alter.

Ein Berufswechsel sollte dann mit Bedacht erfolgen und Interessenten sollten sich ihrer Ziele, Stärken und Talente bewusst sein. Möglicherweise hilft ein professioneller Jobcoach  dabei, Probleme und Chancen zu identifizieren und kann bei allen Plänen konkretere Unterstützung bieten.

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