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Was kann ich während der Arbeitslosigkeit für meine psychische Gesundheit tun?

 

Pflegen Sie weiterhin soziale Kontakte  - igeln Sie sich nicht ein!

Pflegen Sie weiterhin soziale Kontakte – igeln Sie sich nicht ein!

Arbeitslosigkeit ist eine psychische Belastung. Dies beginnt schon mit der Kündigung, die vielen Arbeitnehmern Gefühle von Schuld und Unzulänglichkeit gibt, selbst wenn sie betriebsbedingt war und in keinerlei Zusammenhang zu der beruflichen Leistung des Arbeitnehmers stand.

Dies geht weiter damit, dass Sie quasi über Nacht viele Ihrer sozialen Kontakte verlieren, auf einmal die Kollegen nicht mehr sehen. Das ist nicht zu unterschätzen, denn mit den Kollegen verbringen die meisten Menschen mehr Zeit als mit ihrer eigenen Familie.

Ebenfalls auf die Psyche drückt die plötzliche Veränderung der allgemeinen Lebensumstände und die auf einmal entstehende große Unsicherheit, die durch unbeantwortete Fragen entsteht, zum Beispiel:

  • Finde ich schnell einen neuen Job?
  • Kann ich das Haus oder die Wohnung weiter abbezahlen?
  • Wie reagiert mein soziales Umfeld und meine Familie auf die Kündigung?
  • usw.

 

Gehen Sie offen mit Ihrer Kündigung um

Auch wenn die Kündigung erst mal ein Schock ist und Sie am liebsten davonlaufen würden; sprechen Sie mit Partner, Familie und Freunden offen darüber. Je ehrlicher Sie mit sich selbst und den anderen sind, umso einfacher wird es für alle Beteiligten. Die Kündigung ist nun in der Welt, das heißt, es nützt nichts, zu analysieren, was Sie falsch gemacht haben könnten. Schauen Sie vielmehr nach vorne und machen Sie das beste draus.

Rechnen Sie aus, wieviel ALG I Sie bekommen werden und passen Sie Ihre Finanzplanung entsprechend an. Vielleicht kann Ihr Partner etwas mehr arbeiten, vielleicht können Sie gewisse Kosten reduzieren, um finanziellen Spielraum zu gewinnen. Auch Urlaub daheim kann zum Beispiel zur Abwechslung mal schön sein.

 

Struktur und Ordnung im Alltag

Begreifen Sie Ihre Arbeitslosigkeit als Aufgabe, etwas neues zu finden und als Chance, neue Dinge zu erlernen. Gehen Sie sorgsam mit Ihrer Zeit um und nehmen Sie die Aufgabe einen neuen Job zu finden geordnet in Angriff, mit festen „Bürozeiten“ und einem strukturierten Herangehen (mehr dazu in „Wie gestalte ich als Arbeitsloser positiv meinen Tagesablauf“).

Stehen Sie weiter mit Ihrer Familie oder Ihrem Partner auf und kümmern Sie sich wie gewohnt um Körperpflege und Haushalt, so dass Sie nicht verlottern.

 

Vorsicht vor Alkohol und Drogen

So reizvoll es im vermeintlich „leeren“ Alltag ist, lassen Sie sich nicht verlocken, mehr zu trinken, zu rauchen oder andere Alltagsdrogen zu konsumieren. Zum einen kostet das Geld, das Sie jetzt gerade nicht haben, sondern zusammenhalten sollten, zum anderen machen alle Drogen nur vordergründig froh, zufrieden und gelöst.

Auf Dauer folgt der Katzenjammer, leidet die Gesundheit und steigt die Gefahr psychischer und physischer Erkrankungen. Gerade Alkohol führt in großen Mengen konsumiert neben der psychischen und physischen Abhängigkeit fast unweigerlich zu Psychosen oder anderen Erkrankungen der Psyche. Alkohol ist damit eine der größten Gefahren für einen strukturierten Alltag. Hüten Sie sich vor einem schleichend steigenden Konsum, der auf einmal ganz unbemerkt in der Sucht enden kann!

 

Wenn nötig: Lassen Sie sich helfen

Probleme, die sich stellen, gehen Sie am besten offensiv an. Ihnen fehlen die sozialen Kontakte der Kollegen? Suchen Sie sich ein Ehrenamt oder treten Sie in einen Sportverein ein. Sie fühlen sich nicht ausgelastet? Treiben Sie Sport oder lernen Sie etwas neues. Und lassen Sie nicht darin nach, sich zu bewerben, immer wieder, so frustrierend es auch sein mag.

Nicht zuletzt: Lassen Sie sich helfen, wenn es nötig ist. Wenn Sie wirklich einmal glauben, es geht nicht weiter, dann sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens. Das kann Ihr Partner sein, aber auch Ihre Eltern, ein anderes Familienmitglied oder ein guter Freund. Oder gehen Sie zu einem Seelsorger oder nicht zuletzt auch zu Diensten wie Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter oder Arbeiter Samariter Bund.

Die Sozialstationen dieser öffentlich-rechtlichen Körperschaften verfügen immer über Sozialarbeiter und Psychologen, die Menschen mit Problemen helfen können. Diskret und in der Regel kostenlos.

 

Fazit:

Die Arbeitslosigkeit ist eine große Herausforderung nicht nur für Sie selbst, sondern für Ihre gesamtes soziales Umfeld. Wenn Sie jedoch mit sich und Ihren Mitmenschen offen und ehrlich bleiben, Ihrem Alltag weiter Struktur und Sinn geben und sich wenn nötig auch helfen lassen, dann werden Sie auch dieses Hindernis überwinden und bald etwas neues finden!