Was ist Übergangsgeld?

Der Begriff des Übergangsgeldes bezeichnet zunächst verschiedene Formen öffentlicher unterhaltssichernder Lohnersatzleistungen, die beantragt werden können, wenn sich die berufliche Situation beispielsweise notwendigen medizinischen Rehabilitationen im Anschluss an eine Erkrankung, aber auch bei der beruflichen Rehabilitation im Sinne der Teilnahme an einer Umschulung ändert. Einen Antrag stellen können alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei der deutschen Rentenversicherung versichert sind und die entsprechenden Voraussetzungen, die im Folgenden genauer erläutert werden, erfüllen.

Personen, die keine Beiträge eingezahlt haben, können kein Übergangsgeld beantragen. Geregelt werden diese Leistungen im Sechsten Kapitel des Neunten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX). Der entsprechende Gesetzestext ist im Internet frei zugänglich und kann direkt online nachgelesen werden. Die folgenden Hinweise beziehen sich dabei nur auf solche Personen, die aufgrund der Teilnahme an einer Umschulung Übergangsgeld beantragen möchten.

 

Anspruch auf Übergangsgeld bei Teilnahme an einer Umschulung

Auf die Tatsache, dass lebenslanges Lernen in unserer heutigen Wissensgesellschaft nicht nur immer wichtiger wird und eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Karriere darstellt, sondern oft sogar die Bedingung dafür ist, dass Arbeitssuchende überhaupt einen neuen Job finden können, hat inzwischen auch der Staat reagiert. Verschiedene Leistungen wie der Bildungsgutschein oder die Bildungsprämie sollen es Arbeitssuchenden ermöglichen, eine Umschulung oder Weiterbildungsmaßnahme zu finanzieren, neue Qualifikationen zu erwerben und sich dadurch neu auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Das Übergangsgeld ist eine bedeutende Sozialleistung, die bei der Finanzierung einer Umschulung helfen soll und sich dabei an eine ganz bestimmte Gruppe wendet: Anspruch auf Übergangsgeld haben Personen, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in ihrem ursprünglichen Berufsfeld arbeiten können. Sie haben die Möglichkeit, Übergangsgeld als Leistung zur Teilhabe am Berufsleben zu beantragen. Dabei müssen sie allerdings einige spezifische Voraussetzungen erfüllen, die es vor der Beantragung zu prüfen gilt. Zunächst ist das Übergangsgeld eine Leistung der deutschen Rentenversicherung, wendet sich also an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dort versichert sind.

Die erste Voraussetzung, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei erfüllen müssen, besteht darin, dass die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit von 15 Jahren nachgewiesen werden kann. „Wartezeit“ ist dabei ein versicherungsrechtlicher Fachbegriff, der sich auf die Mindestversicherungszeit bezieht. Im Klartext heißt das im Fall der Beantragung von Übergangsgeld, dass zum Zeitpunkt der Antragsstellung mindestens 15 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt worden sein muss. Berücksichtigt werden dabei aber nicht nur Beitragszeiten, sondern auch sogenannte Ersatzzeiten und Wartezeitmonate. Zudem müssen unmittelbar vor der Beantragung Beiträge gezahlt worden sein oder aber Krankengeld von der Krankenkasse bezogen worden sein.

Alternativ gelten die Bedingungen auch dann als erfüllt, wenn der Antragssteller beziehungsweise die Antragsstellerin eine Erwerbsminderungsrente oder Witwenrente beziehen. Im Fall der beruflichen Rehabilitation gilt dies auch, wenn ohne das Übergangsgeld eine Erwerbsminderungsrente von der Rentenversicherung nur zu zählen wäre (aber aktuell nicht gezahlt wird). Auch für Arbeitslose kann Übergangsgeld gezahlt werden, nicht aber, wenn der Antragssteller ALG II bezieht, in diesem Fall wird die Grundsicherung weitergezahlt. Außerdem ist bedeutend, dass eine medizinische Maßnahme allein nicht ausreicht, damit der Betroffene wieder auf dem Arbeitsmarkt einsatzbereit ist. Um Übergangsgeld zu beantragen, muss außerdem die Teilnahme an einer zertifizierten Umschulung nachgewiesen werden.

 

Was umfasst das Übergangsgeld bei einer Umschulung?

Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, trägt die Rentenversicherung die Kosten für die Umschulung selbst sowie für den Lebensunterhalt während der Dauer der Maßnahme, wenn die Bezüge von Seiten des Arbeitgebers, die Lohnfortzahlungen, ausgelaufen sind.

 

Die Höhe des Übergangsgeld bei der Teilnahme an einer Umschulungsmaßnahme

Die Höhe des Übergangsgeldes bei der Teilnahme bemisst sich prozentual nach dem letzten Nettogehalt vor Antragsstellung. Für Versicherte ohne Kinder beträgt es 68 % des Nettoarbeitsentgeltes. Es erhöht sich auf 75 %, wenn der Antragssteller Kinder und einen Anspruch auf Kindergeld haben, das heißt mindestens bis das Kind oder die Kinder das 18. Lebensjahr vollendet haben, maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn das Kind bis dahin eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium absolviert. Bei Selbstständigen liegt der Prozentsatz bei 80 % des Einkommens, auf dessen Grundlage sich die Beiträge im letzten Kalenderjahr vor Leistungsbewilligung errechnet haben.

Bei Arbeitslosen errechnet sich der Beitrag auf der Grundlage des vor der Arbeitslosigkeit beitragspflichtigen Gehalts. Sollte dieses Gehalt länger als drei Jahre zurückliegen, wird eine Tarifsvergleichsberechnung vorgenommen, im Rahmen derer errechnet wird, wie hoch der Brutto- und Nettoverdienst im Monat vor der Antragsstellung gewesen wären. Sollte während des Bezugs des Übergangsgeldes Lohn bezogen werden, werden die Einkünfte auf die Höhe des Übergangsgeldes angerechnet und die Zahlungen des Übergangsgeldes werden entsprechend gemindert. Einen weniger detaillierten Überblick gibt auch das Portal des gemeinnützigen Betanet, auf deren Internetseiten auch Beratungsstellen verzeichnet sind.

 

Der Antrag auf Übergangsgeld bei der Teilnahme an einer Umschulung zur beruflichen Rehabilitation

Der Antrag auf Übergangsgeld bei der Teilnahme an einer Umschulung zur beruflichen Rehabilitation kann bei der Deutschen Rentenversicherung eingereicht werden. Der Antrag sollte dabei, um Wartezeiten zu verzögern, rechtzeitig gestellt werden; nicht erst, wenn das Krankengeld beziehungsweise die Lohnfortzahlungen des Arbeitgebers auslaufen oder bereits ausgelaufen sind. Benötigt wird dazu ein Einkommensnachweis, der bei Angestellten vom Arbeitgeber vorzulegen ist.

Weitere Informationen erhalten Versicherte bei der Deutschen Rentenversicherung sowie bei den Krankenkassen, die auch im Einzelfall beratend zur Seite stehen. Im Zweifelsfall lohnt sich der Antrag auch dann, wenn sich der Antragssteller oder die Antragsstellering nicht ganz sicher ist, ob er oder sie alle Voraussetzungen für eine Bewilligung erfüllt.

 

Übergangsgeld in der Steuererklärung

Übergangsgeld ist steuerfrei. In der Steuererklärung wird das Übergangsgeld dennoch angegeben, und zwar als steuerfreies Einkommen nach § 32b des Einkommenssteuergesetzes (EStG). Genauere Informationen geben der Steuerberater und der Lohnsteuerhilfeverein.

 

Vorteile der Beantragung des Übergangsgeldes für eine Umschulung

Die Beantragung des Übergangsgeldes zur Teilnahme an einer Umschulung kann sowohl für den Betroffenen als auch für die Deutsche Rentenversicherung von Vorteil sein. Die Deutsche Rentenversicherung vermeidet dadurch Rentenzahlungen; für den Antragssteller aber bedeutet die Zahlung des Übergangsgeldes die Chance auf eine berufliche Rehabilitation und Neuorientierung.

Gerade nach einer schweren Krankheit oder bei einer chronischen Erkrankung, die das Weiterarbeiten im ursprünglichen Job unmöglich macht, können durch eine Umschulung neue berufliche Perspektiven erkundet, neue Einsatzmöglichkeiten entdeckt und neue Fähigkeiten geschult werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können dadurch die Erfahrung machen, dass sie, ihr know-how und ihre Erfahrung weiterhin geschätzt und gebraucht werden, während Arbeitgeber nicht auf die Expertise dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten müssen.


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