Umschulung ohne vorherige Ausbildung?

In vielen Situationen bestehen keine Aussichten, den bisherigen Beruf weiterhin auszuüben. Dafür kann die Situation am Arbeitsmarkt oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch eine Krankheit oder einen Unfall verantwortlich sein. In diesen Fällen kann eine Umschulung sinnvoll sein, um in einem neuen Beruf einen Neuanfang durchzuführen.
Normalerweise ist es jedoch notwendig, über eine abgeschlossene Berufsausbildung zu verfügen, um eine Umschulung durchführen zu können. Wenn jedoch keine Erstausbildung besteht, kann es schwierig sein, eine Umschulungsmaßnahme finanziert zu bekommen. Selbstverständlich können Sie in Eigenverantwortung für die Kosten des Lehrgangs aufkommen, und so selbstständig die Umschulung durchführen. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht möglich, sodass eine Finanzierung der Umschulung notwendig wird.

 

Die Situation bei einer abgebrochenen Ausbildung

Wenn Sie eine Ausbildung begonnen haben, diese jedoch nicht abschließen konnten, sind die Aussichten für eine Finanzierung der Umschulungsmaßnahme in vielen Fällen recht gut. Allerdings hängt dies stets davon ab, aus welchem Grund Sie die Ausbildung nicht beenden konnten. Wenn Sie beispielsweise einen Arbeitsunfall erlitten oder an einer Berufskrankheit leiden, muss die Berufsgenossenschaft für die Umschulung aufkommen. Wenn Sie hingegen die Ausbildung vorzeitig beendeten, weil sich die Arbeitsmarktsituation so verändert hat, dass die entsprechenden Fachkräfte nicht mehr benötigt werden, können Sie sich wegen der Umschulung an das Arbeitsamt wenden. Hier müssen Sie genau begründen, weshalb die Chancen auf eine Anstellung im Beruf, den Sie in der Erstausbildung erlernen wollten, schlecht sind und weshalb sich diese durch eine Umschulung verbessern würden. Relativ schlechte Erfolgsaussichten haben Sie immer dann, wenn kein triftiger Grund dafür bestand, dass Sie die Erstausbildung abgebrochen haben. Wenn Sie beispielsweise feststellten, dass Ihnen der erlernte Beruf keinen Spaß macht und Sie deshalb die Erstausbildung abgebrochen haben, kann es recht schwer sein, eine Finanzierung der Umschulung zu erhalten.

 

Umschulung ohne jegliche Ausbildung

Die Situation stellt sich anders dar, wenn überhaupt keine Ausbildung begonnen wurde. Die Umschulungsmaßnahme zielt immer darauf ab, eine mit der ursprünglichen Situation vergleichbare Ausgangsposition zu schaffen. Wenn Sie beispielsweise in einem Ausbildungsberuf arbeiteten, diesen jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausüben können, soll Ihnen durch die Umschulungsmaßnahme ein neuer Beruf vermittelt werden, in dem Sie dann weiterhin arbeiten können. Wenn Sie jedoch nur eine Anlerntätigkeit ausüben, würde durch die Umschulungsmaßnahme Ihre persönliche Situation erheblich verbessert, da Sie daraufhin eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten. Daher sind die Förderungsmöglichkeiten in diesen Fällen beinahe nicht vorhanden. Sowohl bei der Berufsgenossenschaft als auch bei der Rentenversicherung werden die Anträge nur wenig Aussicht auf Erfolg haben. In diesem Fall wäre es eine der sinnvollsten Maßnahmen, beim Arbeitsamt hinsichtlich einer Finanzierung nachzufragen. Allerdings wäre dies in diesem Fall keine Umschulungsmaßnahme – die ja eine vorherige Berufsausbildung voraussetzt – sondern eine Weiterbildungsmaßnahme.