Der Job des Verkäufers kann mitunter nervenzehrend sein und ist zudem oft schlecht bezahlt.
Der Job des Verkäufers kann mitunter nervenzehrend sein und ist zudem oft schlecht bezahlt.

Verkäufer/innen um Einzelhandel werden auch als Einzelhandelskauffrauen bzw. -kaufmänner bezeichnet. Gebräuchlich ist ebenfalls der Ausdruck Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel. Diese Bezeichnung weist bereits auf etwas Entscheidendes hin: Es handelt sich um eine kaufmännische Ausbildung, die durchaus als Grundlage für verschiedene weitere Berufe dienen kann. Dieser Umstand kann für einen Berufswechsel nur von Vorteil sein.

 

Haben Verkäufer/innen überhaupt noch Zukunft?

Onlineshopping nimmt weiter zu und hat in der Vergangenheit bereits zur Schließung etlicher Einkaufseinrichtungen geführt. Sogar Lebensmittel werden inzwischen gern online bestellt. In den Einrichtungshäusern der Kette IKEA setzt man bereits seit mehreren Jahren darauf, dass Kunden auch das Kassieren selbst übernehmen. Sie scannen ihre Waren eigenständig und zahlen bargeldlos. Der Kassiervorgang soll damit beschleunigt werden, führt aber auch zur Verdrängung des Personals.

Die Sorge um die berufliche Zukunft als Verkäufer oder Verkäuferin im Einzelhandel ist aus diesem Grund durchaus berechtigt. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch im Onlinehandel Servicekräfte benötigt werden, die qualifiziert Auskunft geben, den Versand abwickeln und für die Rechnungsstellung zuständig sind.

 

Den kaufmännischen Anteil der Ausbildung nutzen

Verkäufer und Verkäuferinnen sind nicht nur dafür zuständig in ihrer Filiale Waren aufzufüllen, Fragen der Kunden zu beantworten und die Kasse zu bedienen. Sie beschäftigen sich überdies mit Abrechnungen, dem Einkauf und der Beschaffung von Produkten, der Warenpräsentation und der Verwaltung von Lieferungen. Zu ihrer Ausbildung gehören also auch Buchhaltung, Kalkulation, Lagerwirtschaft und Logistik, Handelsbetriebslehre sowie Marketing und Werbung.

Je nach Ausbildungs- oder Arbeitsstätte kommt fachspezifisches Wissen hinzu. Verkäufer in Supermärkten benötigen andere Kenntnisse als Verkäufer in einem Baumarkt oder einem Einrichtungshaus. Der Wechsel zwischen diesen Branchen kann dennoch erfolgen, da sich die Grundlagen der Ausbildungen gleichen. All diese kaufmännischen Ausbildungsinhalte helfen auch beim Wechsel in andere Berufe dieses Bereiches. Dazu gehören beispielsweise Tätigkeiten in der Buchhaltung und dem Rechnungswesen, aber auch im Sekretariat.

 

Berufswechsel durch eine gezielte Weiterbildung

Wer mit seiner Tätigkeit als Verkäufer unzufrieden ist, diesem Feld jedoch nicht vollständig den Rücken kehren möchte, kann sich durch weitere Qualifikationen auf eine andere Position vorbereiten. Mittels Anpassungsweiterbildungen können sich Einzelhandelskaufmänner und -kauffrauen zum Verkaufsstellenleiter, zum Filialleiter oder zum Einkäufer qualifizieren. In der Regel werden diese Lehrgänge berufsbegleitend absolviert. In vielen Fällen bietet der Arbeitgeber die Kurse selbst an oder beteiligt sich an den Kosten für externe Qualifizierungsmaßnahmen.
Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Aufstiegsweiterbildungen, die gezielt auf eine höhere berufliche Position vorbereiten. Kaufmännische Weiterbildungen sind zum Beispiel zum Fachwirt für Handel, Fachwirt für den Vertrieb im Einzelhandel, Betriebswirt für den Handel, Fachwirt für Wirtschaft oder Fachwirt für Betriebswirtschaft möglich. Darüber hinaus ist natürlich auch ein universitäres Studium in den Fächern Betriebswirtschaft oder Handelsbetriebswirtschaft möglich.

 

Berufswechsel durch eine Umschulung

Aus verschiedenen Gründen entscheiden sich Menschen für eine Umschulung und beginnen noch einmal ein ganz neues Berufsleben. Hierbei muss unterschieden werden, ob sich Interessenten weiterhin im kaufmännischen Bereich orientieren oder einen grundsätzlich anderen Beruf erlernen möchten. Beide Wege haben verschiedene Vor- und Nachteile. Eine Umschulung nimmt weniger Zeit in Anspruch, da auf bereits vorhandenes Wissen aufgebaut wird. Leider sind Umschulungen anders organisiert als duale Ausbildungen. Sie finden rein theoretisch statt und werden lediglich durch Praktika ergänzt. Das heißt, Teilnehmer einer Umschulung stehen in keinem Angestelltenverhältnis und haben infolgedessen kein Einkommen.

Die Kosten für die Umschulung werden entweder privat getragen oder durch das Jobcenter bzw. die Bundesagentur für Arbeit übernommen. Wer stattdessen eine zweite Ausbildung beginnt, kann dies im Rahmen einer Anstellung als Auszubildender tun und erhält ein monatliches Gehalt. Die duale Ausbildung nimmt jedoch im Gegensatz zur Umschulung erneut drei statt zwei Jahre in Anspruch.
Ob es für eine Umschulung oder Ausbildung bestimmte fachliche Anforderungen gibt, lässt sich nicht pauschal beantworten. In den meisten Fällen genügt es jedoch, wenn vor einer Umschulung überhaupt eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde. Diese muss nicht fachverwandt sein. Das Spektrum möglicher neuer Berufe ist damit sehr weit, sodass Sie zuvor Ihre Stärken und Talente klar definiert haben sollten.

 

Neue Berufswege gehen

Wer eine Ausbildung absolviert hat, bleibt keineswegs immer in seinem Beruf. Nahezu die Hälfte der Absolventen wechselt bereits direkt nach dem Abschluss der Ausbildung in einen anderen Beruf. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, doch oftmals kollidieren die Vorstellungen, die man zuvor von einem Beruf hatte, mit der späteren Realität. Viele Absolventen wechseln jedoch lediglich den Arbeitgeber. Verkäufer haben dabei überraschend viele Möglichkeiten. Da Berufswechsel inzwischen recht häufig stattfinden, sind viele damit verbundene Ängste weitgehend unbegründet.

Zwar stoßen Patchwork-Biografien mit vielen beruflichen Station hier und da auf Missfallen, doch mit einer guten Begründung lässt sich dieses Problem ausräumen. Wer ernsthaft Interesse an einem neuen Beruf hat, sollte seine Entscheidung nicht überstürzen, sondern seine Ziele genau überdenken. Der Mut zum Wechsel des Berufes bedeutet schließlich auch, dass man neue Herausforderungen nicht scheut – eine Eigenschaft, die viele potentielle Arbeitgeber zu schätzen wissen.


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