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Welche Steuerklasse sollte während der Arbeitslosigkeit gewählt werden?

 

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Ändert sich die Steuerklasse bei Arbeitslosigkeit?

Eine oft nicht bedachte Thematik im Falle der Arbeitslosigkeit sind deren steuerrechtliche Auswirkungen. Diese sind zwar nur indirekter Natur, da sowohl ALG I als auch ALG II (besser bekannt als Hartz IV) steuerfrei sind. Die Steuerklasse hat jedoch Einfluss darauf, wie hoch die Leistung ist, die Sie am Ende bekommen.

 

Die Steuerklassen für Empfänger von ALG I

Es gibt verschiedene mögliche Fälle, hier eine Auflistung:

  • Sind Sie ledig, geschieden, verwitwet oder getrennt lebend, so fallen Sie automatisch in die Steuerklasse 1.
  • Sind Sie alleinerziehend und leben nicht in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft, dann können Sie in die Steuerklasse 2 wechseln, wenn noch weitere – kompliziert zu erklärende – Voraussetzungen erfüllt werden. Ihr Vorteil: Ganz von alleine fällt Ihr Arbeitslosengeld höher aus!
  • Sind Sie verheiratet, können Sie und Ihr Partner sich für verschiedene Kombinationen von Steuerklassen entscheiden. Entweder fallen beide Ehepartner in die Steuerklasse 4 oder Sie kombinieren dergestalt, dass einer von Ihnen in Steuerklasse 3 ist, der oder die andere in Steuerklasse 5. Die Kombinationen sind unabhängig davon, ob nur einer von Ihnen oder Sie beide arbeitslos sind.

 

Steuerklassenänderungen – das Arbeitsamt redet mit

Beachten Sie, dass Sie eine Änderung Ihrer Steuerklasse grundsätzlich mit der für Sie zuständigen Arbeitsagentur absprechen müssen. Wenn durch die Steuerklassenänderung Ihr ALG I niedriger ausfällt, wird das Arbeitsamt schon aus reinem Eigeninteresse zustimmen. Wenn sich durch die Steuerklassenänderung jedoch Ihre Leistungen erhöhen würden, das Arbeitsamt also höhere Kosten hätte, dann liegt es durchaus im Ermessen Ihres Betreuers, die Zustimmung zur Steuerklassenänderung zu verweigern.

Es kann aber trotzdem in Ihrem Interesse sein, weniger ALG I zu beziehen. Beispiel: Sie sind arbeitslos und entscheiden sich für die Steuerklasse 5. Das bedeutet, Ihr berufstätiger Partner fällt in die Steuerklasse 3. Hierdurch sinkt zwar Ihr ALG I, aber Ihr Partner zahlt weniger Steuern und hat dadurch ein höheres Nettoeinkommen, so dass Ihr aufaddiertes Familieneinkommen insgesamt steigt.

 

Steuerklassenänderungen im Todesfall eines Ehepartners

Wenn ein Ehepartner stirbt, wechselt der oder die Hinterbliebene automatisch in die Steuerklasse 3, für das Todesjahr und das nachfolgende Jahr. Danach tritt die Steuerklasse 1 in Kraft. Dies gilt für Lohnsteuerzahler ebenso wie für Bezugsberechtigte von ALG I.

 

Nebenjobs und die Steuerklasse

Nebenjobs können Sie in einem Umfang von bis zu 15 Wochenstunden auch während der Arbeitslosigkeit ausüben. Wenn Ihr Nebeneinkommen nicht mehr als EUR 165 beträgt, können Sie es behalten, danach wird es auf Ihre Leistungen angerechnet.Die steuerrechtlichen Auswirkungen Ihres Nebenverdiensts sind wie folgt: Bei der ersten Nebentätigkeit gilt für Sie eine der Steuerklassen 1 bis 5, je nach Familienstand.

Sollten Sie einen zweiten Nebenjob annehmen, fallen Sie automatisch in die Steuerklasse 6, selbst wenn Sie hier pro Monat nur geringste Beträge im zweistelligen Bereich verdienen. Eventuell zuviel gezahlte Steuern können Sie sich erst im Folgejahr über Ihre Steuererklärung zurückholen.

 

Die Steuerklassen für Empfänger von ALG II (Hartz IV)

Das ALG II ist eine reine Grundsicherung und wird deshalb nicht versteuert. Dennoch werden Sie auch als Empfänger von ALG II gemäß Ihres Familienstands veranlagt. Wenn Sie verheiratet sind, können unterschiedliche Steuerklassen Auswirkungen auf die Höhe Ihrer Bezüge haben.

Die Agentur für Arbeit könnte zum Beispiel nunmehr darauf bestehen, dass Sie als Empfänger von ALG II in die Steuerklasse 5 wechseln und Ihr arbeitender Partner in die Steuerklasse 3. So würde sich das Familieneinkommen erhöhen, Ihre Leistungen würden dagegen sinken. Dadurch würde zum einen das Arbeitsamt Geld sparen, zum anderen würde Ihre Hilfsbedürftigkeit sinken, was immer das Ziel alle Bemühungen der Agentur für Arbeit ist.

 

ALG II und Nebenbeschäftigungen

Als Empfänger von ALG II dürfen Sie so viele Nebenjobs ausüben wie Sie wollen, es gibt weder zeitliche noch finanzielle Einschränkungen. Wenn Sie Ihren monatlichen Grundfreibetrag überschreiten, werden Ihre Leistungen des ALG II um den Betrag Ihres Nebeneinkommens gekürzt.