Umschulung zur Hebamme/ Geburtshelferin

Hebamme ist eine der wenigen Berufe, die nur von Frauen ausgeübt werden.  © Tyler Olson - Fotolia.com

Hebamme ist eine der wenigen Berufe, die nur von Frauen ausgeübt werden.
© Tyler Olson – Fotolia.com

Das Berufsbild

Eine Schwangerschaft umfasst einen langen, erschöpfenden Zeitraum mit vielen Hindernissen und die Geburt eines Kindes ist ein Kräfte verzehrender, häufig nicht ganz unproblematischer Akt. Hebammen unterstützen werdende Mütter während dieser Zeit und bei der Geburt. Sie arbeiten partnerschaftlich mit ihnen zusammen, betreuen und beraten sie und leiten mit eigener Verantwortung die Geburt des Kindes. Bei der Schwangerschaftsunterstützung arbeitet eine Hebamme/ Geburtshelferin präventiv, d. h. sie befasst sich mit frühzeitlicher Erkennung von eventuellen Problemen bei der Mutter und dem Kind, sie gewährleistet eine medizinische Behandlung sowie andere Maßnahmen, die eintreffen können, z. B. Notfallmaßnahmen. Hebammen haben umfangreiche Kenntnisse im Gesundheitswesen und beraten werdende Eltern über alle Abläufe und Eventualitäten innerhalb der Schwangerschaft und während der Geburt. Auch nach der Geburt und während der Stillzeit erfüllen Hebammen eine beratende Funktion und stellen Beobachtungen an, wie sich die Säuglinge entwickeln.


Die Arbeitszeiten sind variabel. Hebammen vereinbaren mit den Eltern Termine, bei denen sie diese beraten oder begleiten. Zugleich sind sie einer Bereitschaft ausgesetzt, d. h. sie müssen bei einer anstehenden Geburt schnell zur Verfügung stehen.
Sie arbeiten vorwiegend in Krankenhäusern, Kliniken und Gesundheitseinrichtungen, praktizieren aber auch oft auf selbstständiger Basis oder in Gemeinden.

 

Zukunftsaussichten

Die sich stetig reproduzierende Gesellschaft gibt die Notwendigkeit einer Vielzahl an Geburten vor. Jedoch verringert sich diese Zahl bei der langfristigen Betrachtung pro Jahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahre 2009 in Deutschland 682.514 Kinder geboren. Im Jahre 1950 waren es 1.116.701 Kinder. Damit ist, langfristig gesehen, ein Trend des Rückgangs der Geburtenrate zu beobachten, was in Deutschland ohnehin als ein großes Problem angesehen wird. Dieser Geburtenrückgang wirkt sich im Beschäftigungsfeld der Hebammen negativ aus. Zudem nutzen viele werdende Eltern das Dienstangebot der Hebammen nicht und informieren sich selbst über den Ablauf einer Schwangerschaft und einer Geburt. Aus diesem Grunde ist dieser Beruf mit eher ernüchternden Zukunftsaussichten versehen. Hebammen werden zwar gebraucht, allerdings in eher kleineren Dimensionen.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine Umschulung zur Hebamme kann in Form einer schulischen Ausbildung absolviert werden. In dieser wird im theoretischen Teil der Verlauf einer Schwangerschaft und einer Geburt gelehrt. Darüber hinaus lernen die Umschülerinnen, was bei unüblichen Schwangerschaftsabläufen (z. B. bei einer Frühgeburt) zu beachten ist, wie die Überwachung des Geburtsverlaufes und der Eingriff im Rahmen der Geburtshilfe abzuhalten sind, wie die Anwendung, Pflege und Wartung von Instrumenten für die Geburtshilfe funktioniert und wie eine kompetente Beratung für Schwangere durchgeführt wird.

Weil Hebammen auch nach der Geburt noch für die Eltern tätig sein können, lernen sie den Aufbau des menschlichen Körpers sowie dessen Entwicklung kennen, wobei beobachtet werden muss, ob sich der Säugling normal entwickelt. Dazu lernen sie die unterschiedlichen Krankheiten kennen, insbesondere diejenigen, die bei Säuglingen üblich sind. Sie können den Eltern bei der Versorgung, Pflege und Wicklung des Neugeborenen assistieren, weswegen sie Kenntnisse darüber erwerben müssen, wie Säuglinge gefüttert, gebadet, gewickelt und angekleidet werden. Außerdem lernen angehende Hebammen, wie Arzneimittel dosiert und verabreicht werden und wie in Notfällen Erste Hilfe geleistet wird. Grundsätzlich müssen die Umschülerinnen alle Eventualitäten und Aktivitäten bei einer Schwangerschaft kennen lernen.

Der praktische Teil der Ausbildung erfolgt in Frauenkliniken und Krankenhäusern. Dort werden die theoretisch erworbenen Kenntnisse angewendet und vertieft, indem sie Ärzten und Ärztinnen sowie ausgelernten Hebammen und Entbindungshelfern assistieren, eigenständige Beratungen durchführen und bei der Begleitung einer Schwangerschaft hospitieren sowie mitwirken. Dabei lernen sie die Organisation von Krankenhäusern kennen.
Die Umschulungsdauer beträgt in der Regel im Rahmen einer Vollzeitausbildung drei Jahre. Wurde zuvor eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Kinderkrankenschwester absolviert, kann die Länge auf bis zu zwölf Monaten verkürzt werden.

 



Zielgruppe der Umschulung

In der Regel ist als schulische Zugangsvoraussetzung ein mittlerer Bildungsabschluss oder ein gleichwertiger Abschluss mit einer regulären Schulzeit von zehn Jahren erforderlich.
Eine Umschulung zur Hebamme ist insbesondere für Berufstätige innerhalb des medizinischen Pflegebereichs, z. B. für Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern, geeignet.

Kommen Personen aus anderen Berufszweigen zu dem Entschluss, eine Umschulung zur Hebamme zu absolvieren, sollten sie bedenken, dass sie Spaß für einen vertrauten Umgang mit Menschen, insbesondere mit werdenden Eltern, empfinden. Sie sollten ebenso kinderlieb sein und eine Gewissenhaftigkeit für die Pflege von Säuglingen haben. Auch ist ein hohes Maß an Empathie notwendig, denn das Hineinversetzen in eventuellen problematischen Lagen von Eltern und die Bereitstellung von Lösungen gehören zu einem beträchtlichen Teil zu den Aufgaben von Hebammen. Sie sollten ebenfalls standhaft gegenüber dem Anblick von Blut sein, denn bei einer Geburt kommt es zumeist zu einem enormen Blutausstoß.

 

Fördermaßnahmen

Obwohl es sich bei einer Umschulung zur Hebamme überwiegend um eine schulische Ausbildung handelt, erhalten die Umschülerinnen für die Praxisphasen eine monatliche Ausbildungsvergütung. Diese beläuft sich im ersten Ausbildungsjahr auf ca. 900 €, im zweiten auf ca. 950 € und im dritten auf ca. 1.000 €. Die schulische Ausbildung ist grundsätzlich kostenlos.
In der Regel können die Umschülerinnen mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) gefördert werden, wenn sie nicht mehr im Elternhause wohnhaft sind und nicht in einer Ehe bzw. eheähnlichen Gemeinschaft leben, in der ein Höchsteinkommen überschritten wird.

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Umschülerinnen auch mit BAföG gefördert werden.

 

Anbieter der Umschulung zur Geburtshelferin (Hebamme)

Die Hauptanbieter einer Umschulung zur Hebamme/ Geburtshelferin sind Krankenhäuser, Kliniken und sonstige Gesundheitseinrichtungen sowie medizinisch-pflegerisch ausgelegte Schulen. Sowohl der theoretische als auch der praktische Unterricht wird im Klassenverband in medizinisch-pflegerischen Berufsfachschulen erteilt. Der rein praktische Teil der Ausbildung findet auf Entbindungs- und Säuglingsstationen in Krankenhäusern statt. Die Schwangerschaftsberatung erfolgt in Praxisräumen der Einrichtungen für Schwangerenberatung.

 

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Alternativ kann an der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) ein Fernkurs zum Pflegediensthelfer bzw. zur Schwesternhelferin belegt werden. Am Institut für Lernsysteme (ILS) kann ein Fernlehrgang zum Präventionsberater bzw. zur Präventionsberaterin im Bereich Gesundheit absolviert werden.

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