Umschulung zum Medizinischen Fachangestellten/zur Medizinischen Fachangestellten

Jede Arztpraxis benötigt medizinische Fachangestellte. © Robert Kneschke - Fotolia.com

Jede Arztpraxis benötigt medizinische Fachangestellte.
© Robert Kneschke – Fotolia.com

Berufsbild

Medizinische Fachangestellte (früher: Arzthelfer) sind umfassend in die Untersuchungen und Behandlungen von Patienten sowie die damit verbundenen organisatorischen Prozesse eingebunden. Sie sind Assistenten der behandelnden Ärzte und sorgen für einen reibungslosen Arbeitsablauf. In Arztpraxen sind sie die Ansprechpartner für die Patienten, vereinbaren Termine, erfassen die angewandten behandelnden Maßnahmen und erstellen Abrechnungen. Sie sind umfassend für die Praxisorganisation verantwortlich. Dabei ist medizinisches Fachwissen und Organisationstalent gefragt, denn medizinische Fachangestellte müssen an sie heran getragene Notfälle erkennen und sie ggf. bei der Terminvergabe und der Praxisorganisation berücksichtigen.


Als medizinische Fachangestellte führen sie einfache Maßnahmen an Patienten selbst aus. Sie sind verantwortlich für das Abnehmen von Blut oder Urinproben für Laboruntersuchungen und führen Gesundheitschecks durch. Desweiteren bereiten sie ärztliche Behandlungen vor, legen die Instrumente bereit und sorgen stets für eine hygienische Anwendung. Sie sorgen für Ordnung und Hygiene im Behandlungsraum und bereiten die Praxis auf Patientenbesuche vor. Während der Behandlung assistieren sie dem Arzt, verabreichen Medikamente und Injektionen und legen Verbände an. Außerdem führen sie Patientengespräche über gesundheitsfördernde Maßnahmen und beantworten Fragen zur Vor- und Nachsorge von Behandlungen.
Im Labor arbeiten medizinische Fachangestellte mit Analysegeräten und führen Untersuchungen an eingesandten Proben durch. Sie arbeiten dabei sehr sorgfältig, denn ihre Ergebnisse sind Grundlage für die Diagnose des Arztes. Medizinische Fachangestellte arbeiten oft mit sensiblen Daten und sind an die Schweigepflicht gebunden.
Ihre Einsatzorte sind meist Arztpraxen und Krankenhäuser. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich bei ambulanten Pflegediensten, in Unternehmen mit ärztlicher Abteilung, medizinischen Laboren oder bei der Pharmaindustrie.

 

Zukunftsaussichten

Aufgrund der stetig älter werdenden Gesellschaft wird für die Zukunft ein steigender Bedarf an geschultem Personal in Gesundheits- und Pflegeberufen erwartet. Somit ist auch der Beruf des medizinischen Fachangestellten einer mit vielen Beschäftigungsperspektiven. Da medizinische Fachangestellte Kompetenzen in vielen Bereichen haben müssen, sind gut ausgebildete Fachleute sehr begehrt. Sie müssen medizinisches Fachwissen ebenso wie organisatorisches Talent einbringen. Desweiteren müssen sie freundlich und empathisch mit Patienten umgehen, ohne ihre professionelle Distanz zu verlieren.

 

Inhalte und Länge der Umschulung

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Bei entsprechenden Vorkenntnissen kann sie auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden. Die Umschulung kann auch in Teilzeit erfolgen. Die Weiterbildung findet dual statt, d. h. sie wird parallel in einer Arztpraxis oder einer ähnlichen Einrichtung und einer Berufsschule absolviert oder als rein schulische Maßnahme. In diesem Fall verkürzt sich die reguläre Ausbildungszeit auf zwei Jahre. Die theoretische Ausbildung an der Berufsschule findet in der dualen Ausbildung an etwa 1-2 Tagen pro Woche statt.
Inhaltlich werden in der Ausbildung wesentliche Themen der medizinischen Arbeit und Organisation abgedeckt. Die Schwerpunkte liegen auf Gesundheitsschutz und Hygiene, Kommunikation, Patientenbetreuung und -beratung, Betriebsorganisation und Qualitätsmanagement sowie Verwaltung und Abrechnung. Ebenso werden Kenntnisse im Bereich Information und Dokumentation gelehrt sowie die Assistenz bei der Durchführung medizinischer Maßnahmen unter Anleitung und Aufsicht des Arztes.

 



Zielgruppe

Die Ausbildung zum Beruf des medizinischen Fachangestellten vermittelt medizinisches Fachwissen, Organisationskompetenzen und den Umgang mit Patienten. Bewerber sollten deshalb Interesse an Medizin haben, gerne mit Menschen arbeiten und zuverlässig und ordentlich arbeiten können. Desweiteren müssen medizinische Fachangestellte belastbar und in der Lage sein, sich unbedingt an die Schweigepflicht zu halten. Schulfächer, die in der Ausbildung relevant sind, sind Biologie und Chemie sowie Deutsch und Mathematik.
In der Regel wird ein Mindestabschluss von Real- oder Hauptschule gefordert, viele Auszubildenden haben aber auch die Fachoberschulreife oder das Abitur. Gesetzlich vorgeschrieben ist dies jedoch nicht. Es ist möglich, dass die Schulen weitere Zugangsbedingungen festlegen.

 

Kosten und Förderung

Die Ausbildung wird, wenn sie in einem Betrieb und der Berufsschule parallel durchgeführt wird, vergütet. Die Höhe hängt von der Branche ab, in der die Ausbildung stattfindet sowie von einem eventuell geltenden Tarifvertrag. Eine mögliche Vergütung kann wie folgt gestaffelt sein: Im ersten Ausbildungsjahr 610 Euro, im zweiten Jahr 650
Euro und im letzten 700 Euro. Diese Zahlen dienen nur der Orientierung, insbesondere tariflich ungebundene Betriebe können die Ausbildungsvergütung frei vereinbaren. Eine Umschulungsmaßnahme kann von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Erfolgt die Ausbildung rein schulisch, kann eine Förderung über das BAföG erfolgen.

 

Anbieter

Ansprechpartner für mögliche Ausbildungsplätze ist vor allem die Bundesagentur für Arbeit, die entsprechende Stellen vermittelt. Desweiteren führen viele Praxen Ausbildungen durch. Ein anderer Anlaufpunkt sind die Berufsschulen, z. B. die medizinische Akademie des Internationalen Bundes, der bundesweit Ausbildungsplätze anbietet.

 

Alternativen als Fernstudium

Im Gesundheitswesen werden verschiedene Möglichkeiten des Fernstudiums angeboten. So besteht die Möglichkeit, Gesundheitsökonomie oder Pflegemanagement im Bachelor oder Management im Gesundheitswesen mit dem Master abzuschließen. Alternativ kann ein Fernstudium zum Pflegedienstleiter begonnen werden.
Desweiteren werden viele Weiterbildungskurse und -lehrgänge angeboten, z. B. zum leitenden medizinischen Fachangestellten oder zum Praxismanager. Mit dem Fernlehrgang Praxisspezialist für Patientenkommunikation können die eigenen kommunikativen Fähigkeiten verbessert werden.