Umschulung zum Osteopathen/ zur Osteopathin

Das Berufsbild

Osteopathie ist viel mehr als nur Massage... © RioPatuca Images - Fotolia.com

Osteopathie ist viel mehr als nur Massage…
© RioPatuca Images – Fotolia.com

Es war der US-amerikanische Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917), der in einer jahrelangen Forschungsarbeit die Wechselwirkungen von Organsystemen und Naturgesetzen herauskristallisiert hatte. Auf dieser Grundlage entwickelte er daraufhin das ganzheitliche, alternativ-medizinische Behandlungskonzept der „Osteopathie“.

Sie kommt zum Tragen, wenn es gilt, Blockaden oder Störungen im Körper des Patienten zu lösen und so den Weg für die Selbstheilungskräfte wieder frei zu machen. Wer sich in dieser Richtung aus- oder weiterbilden möchte, sollte aber wissen, dass es den Beruf des/der Ostepathen/in – trotz aller Bemühungen seiner Befürworter – rein rechtlich gesehen noch gar nicht gibt. Das ruft mitunter schwarze Schafe auf den Plan, die sich wenig Qualität gut bezahlen lassen. Um sich von diesen Anbietern zu distanzieren und dafür zu sorgen, dass die Ausbildung dennoch auf ihrem ursprünglichen, hohen Niveau bleibt, treten diverse Verbände und Bildungseinrichtungen ein.

 

Zukunftsaussichten

Laut dem Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) sind bei uns bislang rund 3.000 einschlägige Praxen registriert. Damit sind die Spezialisten zwar noch meilenweit von den Präsenzahlen der Heilpraktiker oder Physiotherapeuten entfernt. Und das, obwohl die Behandlungsmethode bereits vor rund 140 Jahren entwickelt wurde. Doch das war seinerzeit in den USA. Hingegen ist sie hierzulande noch vergleichsweise jung. Aber ihr Bekanntheitsgrad wächst zusehends. Analog dazu schwindet die Skepsis seitens der Vertreter der klassischen Schulmedizin gegenüber dem alternativen Konzept. Mehr noch: Immer öfter kommt es zwischen Ärzten oder Fachtherapeuten und Osteopathen sogar zur Zusammenarbeit – vordergründig zum Wohle ihrer Patienten. Alles Faktoren also, die für beste Aussichten in der Branche sprechen.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

In Deutschland erfolgt diese medizinische Ausbildung zumeist an einer privaten Schule, und das in der Regel berufsbegleitend über mindestens vier Jahre. Wobei es hernach nur Ärzten und Heilpraktikern erlaubt ist, sofort und eigenständig als Ostheopathen tätig zu sein. Das liegt daran, dass die Behandlungsmethode bei uns als Heilkunde klassifiziert ist.

Insgesamt müssen an den zumeist auf die Wochenenden gelegten Seminare zahlreiche Unterrichtseinheiten (UE) absolviert werden. Der VOD ebenso wie die Akademie für Osteopathie (AFO)veranschlagen für die berufsbegleitende Teilzeit-Ausbildung ein Minimum von 1.350 Schulstunden (= á 45 Minuten). Bei der Deutschen Gesellschaft für Osteopathische Medizin (DGOM) gibt es für Mediziner Kurse, die etwa 780 Stunden umfassen. Und Physiotherapeuten sind hier mit 652 Stunden dabei. Allen Angeboten gemein ist aber die Aufsplittung der UE in Theorie und Praxis. So umfassen sie zum einen medizinische Grundlagenfächer, wie Anatomie und Physiologie. Zum anderen steht das Erlernen verschiedener osteopathischer Techniken auf dem Stundenplan.

Da bei diesem Beruf die Hände eine große Rolle spielen – sei es bei der Diagnostik, sei es bei der anschließenden Behandlung –, wird besonders viel Wert darauf gelegt, sie in feinfühlige Instrumente zu verwandeln. – In diesem Zusammenhang noch der Hinweis, dass anderorts zwar das Erlernen einzelner osteopathischer Techniken allein angeboten wird. Doch hat das nichts mit Osteopathie zu tun! – Beendet wird die Ausbildung mit einer Abschlussarbeit beziehungsweise der Erstellung einer osteopathischen wissenschaftlichen Studienarbeit sowie einer Prüfung.

Einen Zugang zu dem Beruf finden Interessierte auch über Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Anbieter sind die Hochschule Fresenius in Idstein bei Wiesbaden in Zusammenarbeit mit dem VOD, dasAVT-College für Osteopathische Medizin in Nagold und die Osteopathieschule Deutschland (OSD) in Hamburg in Kooperation mit der Dresden International University (DIU).

Alle anderen Personen können ihren Traum im Rahmen einer fünfjährigen Vollzeit-Schulausbildung verwirklichen. Allerdings müssen sie zusätzlich noch über eine staatliche Prüfung den Titel „Heilpraktiker“ erwerben – sei es während oder nach ihrer Ostheopathie-Ausbildung. Ansonsten dürfen sie ihren Beruf nur eingeschränkt und auf Anordnung ausüben.

 

Zielgruppe der Umschulung

So vielschichtig die Behandlungsmethode Osteopathie ist, so variabel sind die Kriterien der einzelnen Institutionen. Beim VOD beispielsweise ist die Teilzeit-Qualifizierung offen für Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten. Bei der AFO wurde der Zweig auch Masseuren/innen und medizinischen Bademeistern/-innen mit einer Zusatzausbildung in „Manueller Therapie“ zugänglich gemacht.

Wer unter den Interessenten zwar die empfohlene Hochschulreife mitbringt, ansonsten aber bar jeglicher medizinischer Kenntnisse ist, und dennoch eine Vollzeitausbildung anstrebt, dem rät der VOD: Vor einer endgültigen Entscheidung am besten einen der kostenlosen Schnupperkurse oder -tage, die von den meisten Schulen angeboten werden, in Anspruch nehmen.

Auch das eine oder andere Gespräch mit Absolventen könnte bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Ansprechpartner finden sich beispielsweise auf der Schülerliste des Osteopathie Deutschland Verbandes oder auf der Therapeutenliste der Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie (BAO).

 

Fördermaßnahmen

Da der Aus- oder Weiterbildung zum/zur Osteopathen/in die staatliche Anerkennung fehlt, ist sie prinzipiell selbst zu zahlen. So kostet die Qualifizierung an der DGOM bei einer Dauer zwischen drei und vier Jahren etwa 2.500 Euro per anno, bei kürzeren Zeitspannen sogar noch ein bisschen mehr. Für ein Studium an der DIU ist mit rund 17.000 Euro zu rechnen. Einen Überblick über die Module und Kosten liefert auch die Akademie des Instituts für praktische Osteopathie (IFPO) auf ihrer Website.

Wo unter Umständen noch eine Fördermöglichkeit auszumachen wäre: bei der Zusatzausbildung zum/zur Heilpraktiker/in. Für diesen Teil der osteopathischen Gesamtausbildung lohnt sicherlich eine Beratung beispielsweise beim Fachverband Deutscher Heilpraktiker.

Einen kurzen, aber anschaulichen Überblick zum Thema Qualifizierungskosten und deren Amortisierung in diesem Beruf gab die Autorin Katlen Trautmann in ihrem Artikel „Lange, teure Ausbildung – dafür aber gute Honorare“, der am 19. September 2011 im Hamburger Abendblatt erschien.

 

Anbieter der Umschulung

Als berufsbegleitende, schulische Variante bestehen hierzulande reichlich Angebote für Aus- und Weiterbildungen zum/zur Osteopathen/in. Allerdings gibt es momentan nur drei Vollzeiteinrichtungen. Diese sind beim COE Europäisches Colleg für Osteopathie  mit Sitz in Ismaning bei München sowie beim College Sutherland  angesiedelt – zum einen in seiner Niederlassung in Schlangenbad bei Wiesbaden, zum anderen in Hamburg.
Eine Liste der von ihm anerkannten Osteopathie-Schulen in Deutschland hat der VOD auf seiner Webseite zusammengestellt.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Ist die Ausbildung zum Osteopathen doch nicht ganz das Richtige, aber die Richtung dahin schon? Und das nach Möglichkeit im Rahmen eines Fernlehrgangs? Dann wäre eventuell eine Umschulung zum/zur Heilpraktiker/in eine Lösung. Auch da gibt es Spezialisierungen und Schwerpunkte, wie zum Beispiel Psychotherapie oder Akupunktur. Tierheilpraktiker/in wäre ein weiterer Vorschlag, oder ein Fernstudium in Naturheilkunde beziehungsweise Alternativmedizin, wie Ayurveda oder Gesundheitsberatung.

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