Umschulung zum Klavierbauer/ zur Klavierbauerin

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Das Berufsbild

Gleich zwei Fachrichtungen gehören zu dem Ausbildungsberuf, der mit der ausführlichen Bezeichnung „Klavier- und Cembalobauer/in“ bedacht wird. Es sind dies das Berufsbild des Klavierbauers und das Berufsbild des Cembalobauers. Bei einem Klavierbauer stehen Pianos und Flügel im Mittelpunkt des Arbeitsalltags. Hier werden diese gebaut, aber im Bedarfsfall natürlich auch repariert, restauriert und gestimmt. Einige Klavierbauer sind in eigenen Werkstätten oder Produktionsbetrieben tätig oder arbeiten dort als angestellte Mitarbeiter in kleinen oder großen Teams.

Einige sehr spannende Arbeitsumfelder bieten auch Theater, Opern- und Konzerthäuser an. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten für Klavierbauer, in spezialisierten Museen oder im Fachhandel für Instrumente tätig zu werden. Der Arbeitsalltag kann – entsprechend den oben genannten – Betätigungsfeldern – sehr unterschiedlich aussehen. Die Liebe zur Musik lässt sich vor allem dann in den Arbeitsalltag integrieren, wenn der Kontakt zu Musikern sehr eng ist – zum Beispiel in einem Opernhaus. Falls die kaufmännischen Neigungen jedoch überwiegen, ist eine Karriere im Musikalienhandel oder in einem Unternehmen für Instrumentenbau sicherlich die bessere Wahl.

 

Zukunftsaussichten

Die Berufsaussichten für Menschen, die sich für eine Karriere in der Klavierbaubranche entscheiden, sind nicht in wenige Worte zu fassen. Eines ist sicher: Wer eine Umschulung oder Weiterbildung in diesem Bereich anstrebt oder sich für eine ähnliche Qualifizierung entscheidet, sollte dies mit Überzeugung und großer Liebe zum Klavierbau tun.

Dies steigert sicherlich die Chancen, selbst in schwierigen Zeiten eine erfolgreiche Karriere zu meistern. Die sich zum Teil sehr rasch ändernden Aussichten sind stark mit Konjunkturschwankungen verbunden: Immer dann, wenn die Wirtschaft stagniert oder sich eher negativ entwickelt, leidet auch die Klavierbaubranche.

Leider ist es – wie Experten konstatieren – nicht zwingend umgekehrt der Fall. Ein Aufschwung ist also nicht automatisch mit einem Boom beim Klavier- und Flügelverkauf verbunden. Hinzu kommt ein zunehmender Anteil von Zukäufen von Instrumenten aus dem Ausland – gerade im asiatischen Markt gibt es einige Hersteller, die (basierend auf günstigeren Herstellkonditionen) Verbraucher mit sehr günstigen Preisen überzeugen. Selbstverständlich gibt es dennoch Chancen für fähige Klavierbauer. Man sollte sich also nicht abschrecken lassen, wenn man die Liebe zu diesem Beruf in sich entdeckt hat und davon träumt, selbst einmal Instrumente zu fertigen oder zu reparieren und ihren Klang zu optimieren.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine Umschulung gehört per Definition in den Bereich der beruflichen Weiterbildung, während der Beruf des Klavierbauers eine abgeschlossene Ausbildung nach einem fest vorgegebenen Reglement verlangt. Daher ist es nicht möglich, auf einem anderen als dem klassischen Weg eine Umschulung zum Klavierbauer zu absolvieren.

Dies muss natürlich kein vernichtendes Urteil für Menschen sein, die sich für den Klavierbau interessieren und zuvor bereits eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen hatten. Gerade diejenigen Menschen, die schon über gewisse Vorkenntnisse verfügen, können sicherlich einen Arbeitgeber von sich überzeugen und eine Ausbildung starten. Diese Art der Qualifizierung erfolgt nach den Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Beide Fachrichtungen – sowohl der Cembalobau als auch der Klavierbau – führen zu dem Abschluss „Klavier- und Cembalobauer/in“.

Die Ausbildung dauert im Regelfall dreieinhalb Jahre und lehrt ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fertigkeiten. Zu den Themen gehören unter anderem das Anfertigen von Zeichnungen und Skizzen im Zusammenhang mit dem Instrumentenbau, das Stimmen von Instrumenten, das Be- und Verarbeiten unterschiedlicher Materialien wie Holz oder Metall, die Lehre von der Funktionsweise der Instrumente sowie die Pflege und Instandhaltung von Klavieren, Cembali und Flügeln. Wichtig sind außerdem Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen – insbesondere auch der Vorschriften in den Bereichen Unfallverhütung und Arbeitsschutz. In der Fachrichtung Klavierbau kommen noch Spezialthemen wie das Vorintonieren von Klavieren, das Vorrichten und Einbauen der kompletten Klaviermechanik, das Bearbeiten von Klaviaturen und Schaltungen und Ähnliches hinzu.

 

Zielgruppe der Umschulung

Wer sich für eine Qualifizierung, Ausbildung oder Weiterbildung im Klavierbau interessiert, sollte (vor allem in der Lehrzeit) keine Spitzengehälter erwarten. Im Handwerk liegen die Vergütungen für Auszubildende bei rund 400 Euro (erstes Lehrjahr) bis 600 Euro (viertes Lehrjahr) pro Monat, in der Industrie darf man etwas höhere Vergütungen erwarten.

Die wichtigsten Eigenschaften, die man für diesen Beruf mitbringen sollte, sind Sorgfalt und Flexibilität. Ein gutes Gehör und handwerkliche Fähigkeiten ergänzend diese Kernkompetenzen um weitere wichtige Aspekte. Wer in einem Bereich mit Kundenkontakt arbeiten möchte – was heute in sehr vielen Klavierbauberufen der Fall ist – sollte außerdem Freude am Umgang mit Menschen haben.

Die freundliche und kompetente Ansprache und Beratung von Kunden ist insbesondere im Instrumenteneinzelhandel gefragt. Gute Umgangsformen werden natürlich überall benötigt, wo Teamarbeit gefordert ist. Wer hier überzeugt und beispielsweise durch Erfahrungen im musikalischen Bereich glänzen kann, findet sicherlich Anklang bei potenziellen Arbeitgebern. Es gibt zwar keine Vorschrift, die einen bestimmten Schulabschluss für künftige Klavierbauer vorsieht, aber in den meisten Fällen (rund 80 Prozent) werden Bewerber mit Hochschulreife als Azubis eingestellt.

 

Fördermaßnahmen

Eine klassische Umschulungsförderung kommt für angehende Klavierbauerinnen und Klavierbauer nicht infrage. Dies liegt daran, dass es keine reguläre Umschulungsmöglichkeit für diesen Berufszweig gibt.

Wer jedoch bereits eine erste Ausbildung abgeschlossen hat und die zweite Ausbildung anschließen möchte, kann leider auch nicht auf die sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) zurückgreifen, da diese nur für die Erstausbildung greift. Es ist allerdings möglich, bei Bedarf Wohngeld für Azubis zu beantragen. Dies ist ggf. eine Möglichkeit, zumindest einen Teil der Kosten decken zu können, die für den Lebensunterhalt anfallen. Da man während einer Berufsausbildung Geld verdient, ist selbstverständlich auch dieses Gehalt bzw. dieser Lohnt dazu geeignet, die „Umschulung“ bzw. Qualifizierung zu unterstützen. Zu eventuell existierende aktuellen Fördermöglichkeiten kann man sich auch beim Jobcenter der eigenen Stadt oder Gemeinde erkundigen.

 

Anbieter der Umschulung

Bei Ausbildungsberufen, die zu den sogenannten geschützten Berufen gehören, sind einfache Lehrgänge für Umschulungen nicht existent, sodass es auch keine schulischen Anbieter für eine Umschulung zum Klavierbauer gibt.

Dies ist auch bei einigen verwandten Berufen der Fall, zum Beispiel bei der Ausbildung mit der Fachrichtung Cembalobau oder bei einer Ausbildung als Orgel- und Harmoniumbauer. Da die Ausbildung aber sowohl in Betrieben als auch schulisch stattfindet (hier gilt das Prinzip der sogenannten dualen Ausbildung), bieten viele Berufsschulen Unterricht für Klavierbauer an. Dazu gehört zum Beispiel die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, bei der unter anderem die Azubis des Unternehmens Steinway & Sons sprichwörtlich die Schulbank drücken.

 

Alternative Umschulungen im Studium bzw. Fernstudium

Nicht nur eine Berufsausbildung zur Klavierbauerin oder zum Klavierbauer kann für Klavierbegeisterte die richtige Wahl sein.

Wer möchte, kann alternativ auch ein Studium beginnen. Der am besten mit dem Berufsbild harmonierende Studiengang ist sicherlich der Musikinstrumentenbau. Der Studiengang wird beispielsweise an der Westsächsischen Hochschule Zwickau angeboten. Ein Fernstudium ist derzeit nicht möglich.