Umschulung zum Schneider/zur Schneiderin

Modeschneider bei der Arbeit. © Robert Kneschke – Fotolia.com

Das Berufsbild

Schneider/innen sind zumeist auf bestimmte Fachrichtungen als Herren- und Damenmaßschneider/innen, Modeschneider/innen, Änderungsschneider/innen oder Wäsche-, Uniform- und Theaterschneider/innen spezialisiert.

  • Maßschneider/innen fertigen nach einem Kundenwunsch oder nach eigenem Entwurf individuell gestaltete Kleidungsstücke. Zumeist sind Maßschneider in Handwerksbetrieben, aber auch in Filmstudios, Fernsehanstalten und Theatern sowie im Änderungsdienst von Bekleidungshäusern tätig.
  • Modeschneider/innen stellen für Serien- und Kollektionsanfertigungen Modelle und Schnittmuster her. Sie sind zuständig für die Planung und Kalkulation der Produktion, den Zuschnitt von Stoffen und die Einrichtung von Nähautomaten und Nähmaschinen. Modeschneider/innen sind in der Bekleidungsindustrie, in Musterateliers und bei Herstellern von Tisch-, Bett- und Hauswäsche beschäftigt.
  • Änderungsschneider/innen, die hauptsächlich in Maß- oder Änderungsschneidereien oder von Kaufhäusern beschäftigt werden, reparieren Bekleidungsstücke oder nehmen individuelle Veränderungen vor. Spezielle Arbeitsbereiche für Änderungsschneider/innen sind der Abendmode- und Brautmodeverleih sowie Betriebe der Tisch- und Bettwäsche.
  • Theaterschneider/innen stellen Kostüme für Film, Fernsehen oder Theater her und führen ggf. erforderliche Änderungen und Reparaturen vor. Theaterschneider/innen benötigen eine schneiderhandwerkliche Ausbildung z. B. als Maßschneider/in.

 

 

Zukunftsaussichten

In einem sich wandelnden Berufsumfeld können angehende Schneider/innen ihre Arbeitsmarktchancen durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen (z. B. Ausbildereignungsprüfung oder Betriebsassistent im Handwerk) sowie durch Spezialisierungen in der Kundenberatung oder der softwaregestützten Textilgestaltung verbessern. Außerdem muss das erworbene Fachwissen laufend aktualisiert werden. Schneider/innen können sich zum Meister, zum/zur Techniker/in oder zum/zur Betriebswirtin weiterbilden.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Die dual in Ausbildungsbetrieben von Handel und Industrie sowie in der Berufsschule stattfindende Ausbildung/Umschulung zum/zur Maß- oder Modeschneider/-schneiderin dauert drei Jahre. Die Ausbildung zum Maßschneider/zur Maßschneiderin wird mit den alternativen Schwerpunkten Damen- und Herrenbekleidung durchgeführt. Duale Ausbildungen zum Änderungsschneider/zur Änderungsschneiderin umfassen zwei Jahre.
Verkürzte Umschulungen werden von Bildungswerken angeboten. So führen z. B. 24-monatige Umschulungen bestimmter Anbieter zum Maßschneider, 21-monatige Ausbildungsgänge um Modeschneider und elfmonatige Umschulungen zum Änderungsschneider.
Dreijährige Ausbildungen vermitteln im ersten Ausbildungsjahr die Erstellung und Anwendung von Skizzen und Zeichnungen, die Herstellung von Schnittschablonen und das Ausschneiden von Werkteilen, die Sticharten bei Näharbeiten, das Übernehmen von Aufgaben und das Planen und Organisieren von Arbeiten, die Führung von Kundengesprächen einschließlich von Terminvereinbarungen, den Einsatz von Kommunikationstechniken, die Unterscheidung und Auswahl von Stoffen und Garnen sowie die Bedienung und Instandhaltung von Maschinen.
Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr erlernt der Auszubildende/Umzuschulende die Gestaltung, Ausarbeitung und Kundenpräsentation von Entwürfen, die Ermittlung von Kundenwünschen, die Feststellung von Körpermaßen, die Kundenberatung und die Erstellung von Modellschnitten, die Ausführung von Teilarbeiten und die Fertigstellung von Kleidungsstücken, die Vorgehensweise bei der Anprobe und bei erforderlichen Änderungen, die Reparatur, Modernisierung und Anpassung von Bekleidung an geänderte Kundenbedürfnisse, die Einschätzung von Kosten und die Materialdisposition und die Anwendung besonderer Gestaltungstechniken wie Zierarbeiten.
Angehende Maßschneider lernen darüber hinaus die Herstellung von Gesellschaftskleidung, Jacken und Mänteln sowie bei Wahl des Schwerpunktes Damen die Fertigstellung von Kleidern und Kostümen oder im Schwerpunkt Herren die Fertigstellung von Anzügen und Sakkos.
Änderungsschneidern (zweijährige Ausbildungsdauer) wird insbesondere auch das Zuschneiden von Kleinteilen und Hilfsstoffen, die Weitung und Verengung von Kleidungsstücken, die Beratung von Kunden über Änderungsmöglichkeiten, die Ausstaffierung mit Futterstoffen, die Änderung von Bezügen, Decken und Vorhängen und die Anbringung von Knöpfen, Haken und Ösen vermittelt.

 

Zielgruppe der Umschulung

Umschulungsangebote setzen teilweise eine bereits abgeschlossene anderweitige Berufsausbildung oder das Bestehen eines Eignungstests voraus. Schneiderei erfordert Interesse für Mode aller Zielgruppen und Altersklassen, die Fähigkeit zu selbständigem Arbeiten und Kreativität.
Der Hauptschulabschluss ist gewöhnlich die schulische Mindestvoraussetzung für einen Ausbildungs-/Umschulungsbeginn. Ausbildungsanfänger (Änderungsschneider) besitzen zu 57 % einen Hauptschul- und zu 27 % einen Realschulabschluss, während 6 % eine Hochschulreife aufweisen. Bei Modeschneidern liegen die entsprechenden Kennziffern bei 23, 48 und 23 % und bei angehenden Maßschneidern bei 21, 28 und 50 %.

 

Fördermaßnahmen

Die Arbeitsagentur kann die Umschulung übernehmen, wenn dies zur Wiedereingliederung eines Arbeitslosen oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten erforderlich ist und keine andere Maßnahme zur Beendigung der Arbeitslosigkeit geeignet ist.

 

Anbieter der Umschulung

Eine Umschulung zum Maßschneider kann z. B. bei der Handwerkskammer Dresden, eine Modeschneider-Ausbildung beim Berliner „Bildungswerk in Kreuzberg“ und eine Qualifizierungsmaßnahme zum Änderungsschneider bei der technischen Akademie der IHK Augsburg durchgeführt werden.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Alternativ zu einer Umschulung zum Schneider/zur Schneiderin können Fernstudiengänge in den Bereichen Textil- und Bekleidungstechnik sowie Mode belegt werden.