Umschulung durch das Arbeitsamt/ Arbeitsagentur

Die erste Anlaufstelle für eine Umschulung sollte die Arbeitsagentur sein.
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Es gibt zahlreiche Lebenssituationen, in denen Menschen eine Umschulung anstreben. Häufig sind gesundheitliche Probleme im bisherigen Beruf dafür verantwortlich, dass die bisherige Arbeit nicht weiter ausgeübt werden kann. Außerdem ist es auch möglich, dass die Nachfrage in der entsprechenden Berufsgruppe durch die wirtschaftliche und technische Entwicklung stark zurückgegangen ist.

Bei vielen Menschen spielen auch persönliche Gründe eine wichtige Rolle. Wenn sich nach einiger Zeit herausstellt, dass die entsprechende Person sich in ihrem Beruf nicht wohlfühlt oder nicht zur Ausübung der entsprechenden Arbeit geeignet ist, kann dies ebenfalls eine Umschulung notwendig machen. Solche Maßnahmen sind jedoch recht teuer und in vielen Fällen ist es während der Ausbildungszeit nicht möglich, einer anderen Arbeit nachzugehen, sodass die betreffende Person ihren Lebensunterhalt in diesem Zeitraum nicht selbst bestreiten kann.

Doch gibt es staatliche Förderungsmaßnahmen, die sowohl die Gebühren für die Ausbildung als auch die Kosten für den Lebensunterhalt übernehmen können. Dieser Ratgeber stellt vor, in welchen Fällen eine Förderung möglich ist und welche Schritte Sie dafür einleiten müssen…

 

Wann werden die Kosten für die Umschulung vom Arbeitsamt übernommen?

Grundsätzlich stellt die Umschulung für das Arbeitsamt eine spezielle Form der Weiterbildung dar. Für die Förderungsmaßnahmen gelten daher weitgehend die gleichen Regelungen wie für die Förderung der Weiterbildung durch das Arbeitsamt. Lediglich hinsichtlich der Bewilligung der Förderung gibt es einige Unterschiede gegenüber einer gewöhnlichen Weiterbildungsmaßnahme.

Bei den Regelungen zur Förderung der Umschulung handelt es sich um eine sogenannte „Kannbestimmung“. Dies bedeutet, dass das Arbeitsamt die Maßnahmen fördern kann, nach der Gesetzeslage allerdings nicht dazu verpflichtet ist. Da kein allgemeiner Anspruch auf eine Förderung besteht, hängt die Entscheidung im Einzelfall stets vom entsprechenden Sachbearbeiter ab.

Dennoch gibt es einige Bedingungen, die in jedem Fall erfüllt sein müssen, wenn eine Förderung erfolgen soll.

Zunächst ist es notwendig, dass der Antragsteller mindestens 18 Jahre alt ist und dass bereits eine Berufsausbildung stattgefunden hat – da es ja sonst keine Umschulung, sondern eine Erstausbildung wäre. Allerdings ist es nicht notwendig, dass diese Berufsausbildung abgeschlossen wurde. Auch wenn der Antragsteller diese abgebrochen hat oder nicht erfolgreich abschließen konnte, ist eine Förderung möglich.

Eine der wichtigsten Voraussetzung dafür, dass die Arbeitsagentur die Förderung der Umschulung übernimmt, besteht darin, dass die Möglichkeit für die Anstellung im erlernten Beruf nicht mehr möglich ist. Bei diesem Punkt werden zum einen gesundheitliche Beeinträchtigungen, auch psychischer Natur,  als Begründung akzeptiert.

Sollte beispielsweise eine Berufskrankheit bestehen, die es unmöglich macht, den bisherigen Beruf weiterhin auszuüben, wird die Umschulungsmaßnahme sehr häufig bewilligt. Zum anderen kann auch die aktuelle Arbeitsmarktsituation als Begründung angenommen werden. Wenn die Zukunftsaussichten im betreffenden Berufsfeld sehr schlecht sind, kann dies ebenfalls zur Bewilligung der Förderung führen. Entscheidend ist dabei immer, dass bereits die Situation der Arbeitslosigkeit besteht oder dass diese in absehbarer Zeit droht.

Eine weitere Bedingung besteht darin, dass in dem Beruf, der durch die Umschulungsmaßnahme erlernt werden soll, die Berufsaussichten gut sind, um so die drohende Arbeitslosigkeit tatsächlich abzuwenden. Wenn Sie einen neuen Beruf erlernen wollen, sollten Sie daher stets einen Beruf auswählen, in dem eine hohe Nachfrage herrscht.

 

Welche Leistungen werden durch das Arbeitsamt übernommen?

Die Förderungsmöglichkeiten für die Umschulung, die vom Arbeitsamt vergeben werden, sind recht umfangreich. Auf diese Weise können die Personen, die eine Umschulung durchführen, während der Ausbildungszeit alle anfallenden Kosten bestreiten. Im folgenden Abschnitt werden die einzelnen Leistungen vorgestellt.

 

Lehrgangskosten:

Für die Umschulung gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es die betriebliche Umschulung, die sehr ähnlich abläuft wie eine gewöhnliche Berufsausbildung. Dabei fallen keine Lehrgangsgebühren an und außerdem erhält der Umschüler auch eine Ausbildungsvergütung. Bei einer reinen schulischen Umschulung hingegen fallen fast immer Lehrgangskosten an und es erfolgt keine Vergütung. Wenn die Teilnahme an der Umschulungsmaßnahme genehmigt wird, übernimmt das Arbeitsamt in Form eines Bildungsgutscheins die gesamten Kosten für die Umschulung.

 

Fahrtkosten:

Die Teilnehmer haben Anrecht auf eine Erstattung der Fahrtkosten. Sollte es möglich sein, die Umschulung in der Nähe des bisherigen Wohnorts durchzuführen, erhält der Teilnehmer die Kosten für die tägliche Anfahrt zur Bildungseinrichtung erstattet. Sollte es notwendig sein, den Wohnort zu wechseln, übernimmt das Arbeitsamt einmalig die Kosten für die Anfahrt zur Bildungsstätte und bei der Beendigung die Kosten für die Heimfahrt. Darüber hinaus finanziert es einmal pro Monat die Fahrt zum bisherigen Wohnort.

 

Kosten für eine auswärtige Unterkunft:

Sollte die Ausbildung in einer so großen Entfernung vom Wohnort stattfinden, dass es nicht zumutbar ist, zu pendeln, kann auch eine auswärtige Unterbringung finanziert werden. Der Teilnehmer kann maximal 340 Euro pro Monat für die Mietkosten erhalten. Auch die Verpflegung wird bei einer auswärtigen Unterbringung gefördert. Die Teilnehmer erhalten in diesem Fall monatlich bis zu 136 Euro.

 

Kinderbetreuungskosten:

Wenn sich der Teilnehmer an der Umschulungsmaßnahme um seine Kinder kümmern muss, bleibt nur wenig Zeit für den Lehrgang. Aus diesem Grund bietet das Arbeitsamt auch einen Zuschuss für die Kinderbetreuung an, um Betreuungsmaßnahmen zu ermöglichen und um auf diese Weise eine regelmäßige Teilnahme am Lehrgang sicherzustellen. Das Arbeitsamt bezahlt aus diesem Zweck pro Kind 130 Euro monatlich – unabhängig von den tatsächlich entstehenden Kosten.

 

Lebensunterhalt:

Eines der größten Probleme bei einer Weiterbildungsmaßnahme besteht in den Kosten für den Lebensunterhalt. Zwar gibt es auch Umschulungslehrgänge, die in Abendkursen stattfinden und die somit eine weitere Erwerbstätigkeit ermöglichen, in vielen Fällen müssen die Teilnehmer jedoch ganztägig an der Ausbildung teilnehmen. Es kommt hinzu, dass viele von ihnen bereits arbeitslos sind, sodass kein regelmäßiges Einkommen anfällt. Das Arbeitsamt kommt daher auch für den normalen Lebensunterhalt auf. Während der Umschulungsmaßnahme erhalten die Teilnehmer weiterhin das Arbeitslosengeld ausbezahlt, um die normalen Lebenshaltungskosten zu tragen. Da das Arbeitslosengeld nur zeitlich befristet ausbezahlt wird, wurden jedoch einige Sonderregelungen für den Fall der Umschulung eingeführt.

Während der Umschulung wird nur die Hälfte der tatsächlichen Zeit vom Bezugszeitraum für das Arbeitslosengeld abgezogen. Wenn sich dieser bereits seinem Ende zuneigen sollte, bleibt außerdem immer ein Restanspruch von 30 Tagen bestehen. So haben die Teilnehmer nach der Beendigung der Maßnahme immer noch einen Monat zur Verfügung, um eine Arbeit im neuen Beruf zu suchen. Sollte zu Beginn der Weiterbildung jedoch der Anspruch bereits unter 30 Tagen liegen, bleibt nur noch der am Anfang der Umschulung bestehende Restanspruch, der jedoch während dieser Zeit nicht weiter vermindert wird.

 

 

Die Beantragung der Förderung

Der erste Schritt für die Beantragung der Umschulungsförderung ist immer der Gang zu einem Sachbearbeiter am örtlichen Arbeitsamt. Eine persönliche Beratung ist nicht nur sinnvoll, um alle Möglichkeiten abzuwägen, sie ist auch vorgeschrieben, wenn Sie eine Förderung durch die Arbeitsagentur beantragen wollen. Hierbei ist es immer sinnvoll, bereits vor dem Gespräch gründlich zu überlegen, welche Gründe Sie für die Umschulung vorbringen können. Da es hierfür keine eindeutigen Regelungen gibt, hat der Sachbearbeiter immer einen gewissen Entscheidungsfreiraum.

Wenn Sie bereits von Anfang an die Notwendigkeit der Umschulung deutlich machen können, kann dies in vielen Fällen hilfreich sein, um den Betreuer zur Bewilligung der Förderung zu bewegen. Nach diesem Gespräch ist es notwendig, einen formellen Antrag für die Förderung der Umschulung zu stellen. Bei dieser Aufgabe ist Ihnen der Betreuer der Arbeitsagentur gerne behilflich und dieser informiert Sie auch über alle Anforderungen, die Sie dabei berücksichtigen müssen.

 

Hilfreiche Tipps für die erfolgreiche Beantragung der Förderung

Die Genehmigung der Förderungsmaßnahmen für die Umschulung ist in vielen Fällen sehr schwer. Sie haben keinen Rechtsanspruch auf die Bewilligung der Bildungsgutscheine und es gibt keine einheitlichen Regelungen, wann diese genehmigt werden. Doch gibt es einige hilfreiche Tipps, die dazu beitragen können, die Förderung zu erhalten:

  • Es ist sehr sinnvoll, sorgfältig auszuwählen, welcher Beruf durch die Umschulungsmaßnahme erlernt werden soll. Bei der Bewertung Ihres Antrags ist es sehr wichtig, dass eine hohe Nachfrage in diesem Berufsfeld besteht. Anträge für eine Umschulung zum Krankenpfleger haben beispielsweise sehr gute Chancen auf eine Förderung, da hier die Nachfrage sehr hoch ist und aller Voraussicht nach auch hoch bleiben wird. Wenn Sie einen Beruf erlernen wollen, bei dem die Nachfrage nur gering ist, bestehen nur minimale Aussichten für eine Förderung.
  • Wenn Sie über eine Berufsausbildung in einem Beruf verfügen, in dem die Aussichten auf eine Anstellung gut sind, wird der Antrag in der Regel abgelehnt. In einem solchen Fall müssen Sie ausführlich begründen, weshalb diese allgemeine Situation auf ihren speziellen Fall nicht zutrifft. Wenn Sie beispielsweise nach der Ausbildung in einem anderen Beruf gearbeitet haben oder längere Zeit überhaupt nicht berufstätig waren, kann dies dazu führen, dass Sie trotz guter Arbeitsmarktsituation keine Chancen auf eine Anstellung haben. Sollten Sie dem Betreuer diese Situation glaubhaft darstellen können, besteht ebenfalls die Möglichkeit zur Förderung.
  • Vor der Antragsstellung sollten Sie sich ausführlich mit dem neuen Berufsfeld beschäftigen. Ein Praktikum kann beispielsweise sehr hilfreich sein, um praktische Erfahrungen zu sammeln und ist für einige Lehrgänge sogar auch vorgeschrieben. Außerdem können Sie eine Ausbildungsstätte besuchen und mit den Lehrkräften und den Schülern sprechen. So können Sie nicht nur selbst besser einschätzen, ob Ihnen der neue Beruf liegt. Fast immer erhalten auch die Betreuer einen besseren Eindruck, wenn sie merken, dass der Antragsteller genau weiß, was auf ihn zukommen wird.
  • Sollte Ihr Antrag abgelehnt werden, sollten Sie den Mut nicht verlieren. Zum einen ist es möglich, sich nochmals für eine Förderung zu bewerben. Wenn Sie beispielsweise Ihre Begründung überarbeiten oder ein anderes Berufsziel wählen, kann dies zur Genehmigung der Unterstützung führen. Außerdem gibt es noch andere Stellen, an denen Sie eine Förderung beantragen können. Wenn Sie beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund eines Unfalls die Umschulung durchführen müssen, können Sie auch einen Antrag bei der Rentenversicherung beziehungsweise bei der Unfallversicherung stellen.