Umschulung zur Tagesmutter

“Mutter” für ein paar Stunden täglich: die Tagesmutter. © detailblick – Fotolia.com

Das Berufsbild

Eine Tagesmutter betreut selbständig und gegen Entgelt Kinder in Form einer zeitweiligen Kindertagespflege und stellt damit eine Alternative zu einer Unterbringung von Kindern in einer Kindertagesstätte dar. Regelmäßig werden Kinder im Alter zwischen 0 und 14 Jahren von Tagesmüttern betreut.
Die Betreuung erfolgt bedarfsorientiert für einige Stunden, halb- oder ganztags. Zuweilen wird z. B. bei einer Nachtschichttätigkeit der Eltern auch eine nächtliche Betreuung vereinbart. Meist erfolgt die Kinderbetreuung in der Wohnung der Tagesmutter, teilweise aber auch im Elternhaushalt. Die Tagesbetreuung wird familiär gestaltet, verfügt über eine feste Tagesstruktur und beinhaltet eine Förderung der Kinder.
Wer dauerhaft (für mehr als drei Monate und über 15 Stunden wöchentlich) als Tagesmutter Kinder betreuen möchte, benötigt eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes nach § 43 SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe. Die Erlaubnis des Jugendamtes berechtigt zur Betreuung von maximal fünf gleichzeitig in der Wohnung der Tagesmutter anwesenden Tageskindern. Landesrechtliche Bestimmungen können auch die Betreuung einer größeren Anzahl von Kindern zulassen, wenn die Tagesmutter über eine pädagogische Ausbildung verfügt.

 

Zukunftsaussichten

Um den hohen Bedarf an Kinderbetreuungskräften abzudecken, fördert das „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Freizeit und Jugend die Fortbildung von Kinderbetreuern/Kinderbetreuerinnen zu Erziehern und Erzieherinnen.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine formelle Ausbildung zur Tagesmutter existiert noch nicht, doch bestehen Richtlinien der Jugendämter und des Tagesmütter-Bundesverbandes.
Das Jugendamt verschafft sich durch Gespräche und Hausbesuche einen Eindruck über die Eignung der Tagesmutter. Die Genehmigung des Jugendamtes wird auf fünf Jahre befristet. Die Erteilung der Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt setzt die Eignung der Tagesmutter voraus, die umfassende Kenntnisse in der Kindertagespflege nachweisen muss, die sie in Fachlehrgängen oder im Rahmen einer Ausbildung erworben hat. Die einzelnen Bundeländer stellen unterschiedliche Voraussetzungen an die fachliche Qualifikation von Tagesmüttern: Während teilweise Fortbildungen von 160 Unterrichtsstunden, eine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung sowie alljährliche Fortbildungen verlangt werden, genügt in anderen Bundesländer ein 16-stündiger Lehrgang.
Die „Qualifizierungs- und Prüfungsordnung“ des Bundesverbandes für Kinderbetreuung in Tagespflege e. V. bezieht 10 Lernfelder ein, die in 160 Unterrichtsstunden zu absolvieren sind. Zu den vermittelten Lernfeldern gehören die Schaffung einer beruflichen Identität der Tagesmütter (Motive der Pflegeperson, Erwartungshaltungen der Tagesmutter an die Kinderbetreuung sowie rechtliche und finanzielle Aspekte), das an die Tagesmutter gestellte Anforderungsprofil (zu erfüllende persönliche Voraussetzungen, Umgang mit Kritik, Rollenerwartungen), die Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung (Arbeitsplatz und Lebensumfeld in der eigenen Familie, Alltagsgestaltung, pädagogische Konzepte), die Kinderbetreuung aus den Sichtweisen der Kinder und ihrer Eltern (das betreute Kind zwischen zwei Familien, der Tagesablauf betreuter Kinder, Bedürfnisse von Kindern unterschiedlichen Alters, das Sicherheitsbedürfnis von Eltern, Gestaltung der Erziehungspartnerschaft, an die Tagesmutter gestellte Elternerwartungen, Kommunikation mit den Eltern, Konfliktlösung, Rechte und Pflichten), der Umgang mit rechtlichen Aspekten der Kindertagesbetreuung (Kinder- und Jugendhilfegesetz, Pflegeerlaubnis des Jugendamtes, Gestaltung des Vertrags mit den Eltern, Unfallversicherung, Datenschutz, pädagogische Aufgaben, strafrechtliche Risiken), Möglichkeiten der Betreuung und Erziehung der Kinder (kindliche Bedürfnisse und Entwicklungsphasen, Sozialverhalten von Kindern, emotionale und kognitive Förderung, Umgang mit Aggressionen, Kinderängsten und Verhaltensstörungen), pädagogische Maßnahmen zur Förderung der Kreativität der Kinder (Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung, Gestalten von Geburtstagen und Festen, Bedeutung von Büchern und Sprache), das Eingehen auf in besonderen Lebenssituationen befindliche Kinder (Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Gewalt und Misshandlungen, Suchtproblemen von Eltern und bei getrennt lebenden Eltern) sowie das Haushaltsmanagement während der Tagesbetreuung.

 

Zielgruppe der Umschulung

Voraussetzung für eine Tätigkeit als Tagesmütter ist Freude am Umgang mit Kindern, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und eine hohe Belastbarkeit. Unerlässlich ist in der Beziehung zu den Eltern eines Pflegekindes Toleranz, Selbstkritikfähigkeit, Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft. Zudem muss die Tagesmutter über ausreichenden Platz zum Spielen, Rückzugsmöglichkeiten und eine entsprechend des Kindesalters abgesicherte Wohnung für die Pflegekinder verfügen. Das Jugendamt verlangt auch ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, ein Arztattest über die physische und psychische Gesundheit der Tagesmutter sowie die Durchführung eines kinderbezogenen Erste-Hilfe-Kurses.

 

Fördermaßnahmen

Die Arbeitsagentur kann die Kosten einer Umschulung zur Tagesmutter durch Ausstellung eines Bildungsgutscheins übernehmen, wenn die Umschulung zur Beendigung einer Arbeitslosigkeit erforderlich ist. Grundsätzlich wird aber ein vorangegangener Berufsabschluss oder eine dreijährige Berufstätigkeit verlangt.

 

Anbieter der Umschulung

Fortbildungsveranstaltungen für Tagesmütter in Form von Vorträgen, Seminaren und sonstigen Fortbildungen werden von Tagesmütterverbänden sowie von einigen Jugendämtern und Volkshochschulen angeboten. An Berufsakademien können Fachlehrgänge zur Ausbildung als Tagesmutter belegt werden.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Für benachbarte Berufe wie Erzieher/in oder Lehrer/in stehen Fernstudiengänge (auch zum Bachelor) zur Verfügung.

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