Umschulung zum Geomatiker/zur Geomatikerin

Das Berufsbild

Der Beruf des Geomatikers ist noch relativ jung. © Gerhard Seybert - Fotolia.com

Der Beruf des Geomatikers ist noch relativ jung.
© Gerhard Seybert – Fotolia.com

Kaum jemand weiß, was ein/e Geomatiker/in ist, dabei begegnen uns die Ergebnisse seiner beziehungsweise ihrer Arbeit tagtäglich: zum Beispiel auf dem Navigationsgerät, auf Maut-Strecken, auf Stadt- und Landkarten. Selbstverständlich gibt es die genannten Bereiche schon lange. Doch erst seit dem 1. August 2010 – der Tag, an dem das neue Feld der „Berufe in der Geoinformationstechnologie“ in Kraft trat –, wurde auch dem/der „Geomatiker/in“ ein eigener Platz zuteil.

Entstanden sind die jetzigen Lehrinhalte aus der Verschmelzung der bisherigen von Kartographen, Vermessungs- und Bergvermessungstechnikern. Die beiden letzteren Ausbildungsberufe wurden nach einer Neuordnung zum/zur „Vermessungstechniker/in“ zusammengefasst, wobei seitdem die Bezeichnungen „Vermessung“ und „Bergvermessung“ nur noch als Fachrichtung fungieren. Ihre wichtigsten Elemente aber – ebenso wie die dauerhaft aktuellen Inhalte des/der Kartograph/in sowie wesentliche Inhalte aus der Photogrammetrie und Fernerkundung – finden sich nun in den Tätigkeitsfeldern des neuen Berufes. Deshalb auch sind im Ausbildungsrahmenplan die Lehrinhalte von Geomatikern und Vermessungstechnikern im ersten Jahr identisch.

 

Zukunftsaussichten

Gerademal vier Jahre jung ist der Beruf des/der Geomatikers/in – und schon jetzt sieht alles sehr erfolgversprechend aus. Insbesondere das Internet und die Smartphones samt ihrer mobilen Dienstleistungen erfordern in immer mehr Arbeits- und Lebensbereichen die so genannten Geografischen Informationssysteme (GIS). Der Mix aus der früheren Vermessungstechnik und der Kartographie, ergänzt und gewürzt mit neuen Technologien zeigt eine entsprechende Wirkung. Nicht nur bei den Schulabgängern, sondern auch bei den Umschülern. Denn so vielfältig und qualifiziert sich die Ausbildung darstellt, so mannigfaltig sind auch die Karrieremöglichkeiten der Absolventen.

Geomatiker können sind damit in privatwirtschaftlichen Firmen genauso zu Hause fühlen, wie im öffentlichen Dienst bei den Kommunen. Denn sie finden sich in Bereichen der Telematik-Anwendungen im Warenhandel wieder, bei Dienststellen mit Anwendung von GIS oder des Kataster- und Vermessungswesens, bei Logistiksystemen bis hin zu Sonderbereichen, wie Energieversorgungsunternehmen. Außerdem sind Geomatiker bei Betrieben und Verlagen der Kartografie angestellt, bei Unternehmen der Geo- und Fernerkundung, sie arbeiten in und bei Ingenieurbüros und -gesellschaften, in den technischen Datenverarbeitungen in der Geographie, in der Städteplanung, oder bei Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren/innen (ÖbVI).

Die Fachleute sorgen durch neue Galileo-Anwendungen für stets aktuelle Navigationen – sei es für Sondertransporte, aber auch für Fußgänger und Fahrradfahrer. Obendrein ergeben sich für Geomatiker immer wieder neue Tätigkeitsfelder durch europäische Richtlinien zur Überwachung von Nahrungsmitteln, der Umwelt und der CO2-Senkung. Und im globalen Geodatenmanagement agieren sie, um die Vorhersagen von Umweltkatastrophen noch weiter zu präzisieren.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine Umschulung zum/zur Geomatiker/in ist hervorragend für Personen geeignet, die sich mit dem Erlernen eines modernen Berufs eine neue Zukunft aufbauen wollen. Das kann in diesem Fall – inklusive eines sechsmonatigen Betriebspraktikums – innerhalb von 24 Monaten bewerkstelligt werden, während die reguläre Ausbildungszeit ansonsten drei Jahre in Anspruch nimmt.

Der aus Absolventen-Sicht sehr praxisorientierte Lehrplan der Geomatik spiegelt auch deren Schwerpunkt wider: Der liegt in der Vermittlung von Ergebnissen aus Geodatenerfassungen in deren Weiterverarbeitung. Sprich die Zahlen werden von Geomatikern analysiert und interpretiert, integriert, bis hin zu 3-D visualisiert und gespeichert. Oder kurz und anders ausgedrückt: „Geomatiker verwandeln Daten in Karten“, wie es in einem Artikel des SPIEGEL vom 6. Januar 2013 hieß.

Abgeschlossen wird der Lehrgang mit einer Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Wer danach noch weiter die Schulbank drücken möchte, hat dafür die besten Voraussetzungen. Denn nun steht auch einer Weiterbildung zum Bachelor oder gar Master in Geomatik, Kartografie oder Geodäsie an einer der einschlägigen Fachhochschulen und Universitäten nichts mehr im Wege.

 

Zielgruppe der Umschulung

Als für die Aus- und Weiterbildung zum/zur Geomatiker/in besonders geeignet gelten Personen mit einem Schulabschluss im Zweier-Durchschnittsbereich mit guten Mathematikkenntnissen. Des Weiteren sollte der/die Kandidat/in neben Teamgeist ein Interesse an grafischer Gestaltung und Arbeit mit Karten und Plänen mitbringen, genau und sorgfältig arbeiten können, eine positive Einstellung dem Umgang mit Computern sowie multimedialen Technologien gegenüber aufzeigen, über ein Seh- und Farbunterscheidungs- sowie räumliches Vorstellungsvermögen verfügen.

Interessant könnte die Umschulung für Berufswechsler generell und für nach den Sozialgesetzbüchern (SGB) geförderte Teilnehmer/-innen sein. Aber auch für Bundeswehrabsolventen mit Anspruch auf eine Fachausbildung sowie Studienabbrecher. Rehabilitanden – also Kranke und/oder Körpergeschädigte beispielsweise nach einem Unfall, deren Leistungsfähigkeit nach einer Genesungsphase soweit hergestellt ist, dass sie (wieder) in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können –, sind ebenfalls gefragt.

Menschen mit einem dauerhaften Handicap ist die Ausbildung beziehungsweise berufliche Umschulung ebenfalls möglich. Laut Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN) stehen die Einrichtungen entsprechenden Bewerbern aufgeschlossen gegenüber. So gibt es beim Punkt Berufsschule beispielsweise für Hörbehinderte die Möglichkeit, eine Institution mit spezieller fachlicher Betreuung im Rahmen von Blockunterricht mit Internatsunterkunft zu besuchen.

 

Fördermaßnahmen

Eine Übernahme der Qualifizierungskosten, zum Beispiel via Bildungsgutschein, kann erfolgen. Jedoch nur im Rahmen einer Einzelfallentscheidung durch die Agentur für Arbeit beziehungsweise das JobCenter, oder einem anderen Leistungsträger, wie Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft oder -förderungsdienst.

Sollte hierüber keine Finanzierung möglich sein, so ergibt sich vielleicht eine Chance während des Betriebspraktikums: Falls der betreffende Unternehmer auch der künftige Arbeitgeber werden sollte, lassen sich die Weiterbildungskosten so eventuell in Kooperation und/oder als (Teil-)Darlehen mit überschaubaren Monatsraten abzahlen.

 

Anbieter der Umschulung

Seit der Aktivierung des neuen Berufsbildes „Geomatiker/in“ haben schon einige Einrichtungen ihr Programm entsprechend erweitert. Zu ihnen gehört das Berufsfortbildungswerk bfw mit Sitz in Berlin. Wer vorab eine weiterführende Fachberatung in Anspruch nehmen möchte, kann sich auch an die Kommission Aus- und Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Kartographie (DGfK) wenden.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Da der Beruf des/der Geomatikers/in nicht mit flexbler Zeiteinteilung im Fernstudium erlernt werden kann, sind Alternativen gefragt. Eine davon könnte eine Qualifizierung zum/zur Vermessungstechniker/in sein. Es gibt Berufskollegs oder Fachschulen unter den Fernlehrinstituten, die eine solche Möglichkeit anbieten. Zu ihnen gehört die Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF).

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