Umschulung wegen Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann kann oft eine berufliche Neuorientierung erforderlich machen.

Morbus Scheuermann kann oft eine berufliche Neuorientierung erforderlich machen.

Bei Morbus Scheuermann (auch als Scheuermannsche Krankheit bekannt) handelt es sich um eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die in der Pubertät auftritt und im jungen Erwachsenenalter zum Stillstand kommt. Zu Beginn verläuft die Erkrankung meist symptomlos und bereitet keine oder nur sehr geringe Probleme, weshalb sie in vielen Fällen auch nicht oder erst sehr spät erkannt wird.

Erst im weiteren Verlauf des Lebens kann es zu teils starken Rückenschmerzen sowie einem sogenannten Rundrücken kommen, bei dem sich die Brustwirbelsäule deutlich krümmt. Auch die Lendenwirbelsäule kann betroffen sein; diese fällt dann flacher aus als im gesunden Zustand. Verantwortlich für Morbus Scheuermann ist ein ungleichmäßiges Wirbelwachstum. Behandelt wird die Krankheit mit Krankengymnastik, Medikamenten und teilweise einem Stürzkorsett. Eine Operation ist in einigen Fällen ebenfalls möglich.

 

Die Folgen von Morbus Scheuermann für das Berufsleben

Welche Auswirkungen Morbus Scheuermann auf das Berufsleben des Betroffenen hat, hängt von der jeweiligen Ausprägung der Krankheit ab. Bereitet die verkrümmte Wirbelsäule nur geringe Schmerzen, kann die gewohnte Arbeit auch dann weiterhin ausgeübt werden, wenn es sich um schwere körperliche Tätigkeiten handelt. Kommt es zu stärkeren Beschwerden und eventuell einem Rundrücken, fallen physische Arbeiten oftmals schwer oder müssen vollständig eingestellt werden. Unter Umständen kann auch ein Beruf, der im Stehen oder im Sitzen ausgeübt wird, Schwierigkeiten bereiten.

Während einer individuell passenden Therapie ist dann mit längeren Ausfällen und Krankschreibungen zu rechnen. Lassen sich die Beschwerden trotz Reha und Medikamenten nicht beseitigen, ist es für Betroffene ratsam, sich über die Möglichkeiten einer Umschulung zu informieren und so in einen Berufsbereich zu wechseln, der sich trotz Morbus Scheuermann dauerhaft bewältigen lässt.

 

Finanzierungsoptionen für die Umschulung wegen Morbus Scheuermann

Ist eine interne Umschulung aufgrund der Morbus-Scheuermann-Erkrankung nicht möglich, sollten sich Betroffene an die Agentur für Arbeit wenden. Diese bietet anteilige oder vollständige Kostenübernahmen für Umschulungen an, die aus gesundheitlichen Gründen stattfinden. Voraussetzung für die Finanzierung ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Krankheit ein Weiterführen der gewohnten Tätigkeit auf Dauer ausschließt und die betroffene Person aus diesem Grund arbeitslos wurde oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Ein ärztliches Attest, gegebenenfalls vom ärztlichen Dienst der Behörde, reicht hierfür aus.

Wird eine Förderung von der Agentur für Arbeit abgelehnt, können Betroffene bei der Deutschen Rentenversicherung einen Antrag auf „Teilhabe am Arbeitsleben“ stellen und sich eine gesundheitsbedingte Umschulung so finanzieren lassen. Dazu müssen mindestens 15 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse einbezahlt worden sein, oder der Antragsteller muss aktuell eine Erwerbsminderungsrente beziehen, die auf Morbus Scheuermann zurückzuführen ist.

 

Umschulungsoptionen: geeignete Berufe bei Morbus Scheuermann

Bei leichte Ausprägungen der durch Morbus Scheuermann verursachten Wirbelsäulenverkrümmung eignen sich grundsätzlich alle Berufsbereiche, da die Erkrankung oftmals nur wenige Symptome verursacht. Kommt es zu Rückenschmerzen und/oder einem Rundrücken, sollten schwere körperliche Tätigkeiten aufgegeben werden, da die Schmerzen sich sonst verstärken und auch die Beweglichkeit des Patienten stark eingeschränkt werden kann. Umschulungen in Tätigkeitsfelder, die vornehmlich aus leichter körperlicher Arbeit bestehen, können Abhilfe schaffen.

So können Betroffene je nach Intensität der Erkrankung etwa im Verkauf, als Erzieher oder als Pädagoge arbeiten. Arbeiten, die hauptsächlich im Sitzen ausgeführt werden, eignen sich ebenfalls für Patienten mit Morbus Scheuermann. Kaufmännische oder verwaltende Berufe kommen ebenso infrage wie kreative oder technische Bereiche. Ratsam ist das häufige Wechseln der Sitzposition, um eine einseitige Belastung der Wirbelsäule zu vermeiden.

 

Weitere Optionen für Arbeitsuchende mit Morbus Scheuermann

Wer sich für eine Umschulung wegen Morbus Scheuermann interessiert, kann auf unterschiedliche Institutionen und Einrichtungen in ganz Deutschland zurückgreifen. Ein Ansprechpartner sind die Berufsförderungswerke, die Fortbildungen für chronisch Kranke und (Schwer-) Behinderte anbieten. Alternativ können Morbus-Scheuermann-Patienten auch ein Fernstudium im gewünschten Bereich absolvieren. Bei diesem können sie in ihrem eigenen Lerntempo auch während einer Krankschreibung zusätzliche Kenntnisse erlangen und sich so für einen neuen Berufsbereich qualifizieren.