Ergänzendes Hartz IV / ALG II bei Zweitausbildung?

Wie sieht es eigentlich mit der Möglichkeit aus, während der Zweitausbildung ALG2 zu erhalten?

Wie sieht es eigentlich mit der Möglichkeit aus, während der Zweitausbildung ALG2 zu erhalten?

Sie überlegen sich, eine Zweitausbildung zu beginnen und fragen sich, ob Sie dabei den Einkommensausfall, den Sie ohne Zweifel haben werden über Arbeitslosengeld II (ALG II) kompensieren können, landläufig als Hartz 4 bekannt.

Hier gibt es die Infos dazu…steht mir während einer Zweitausbildung Förderung in form von ALG2 zu?

 

Einige Infos zu Arbeitslosengeld II

ALG II gibt es für Leistungsberechtigte, die grundsätzlich erwerbsfähig wären und stellt für diese eine Grundsicherung dar. Seine gesetzliche Basis ist das Zweite Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Eingeführt wurde das ALG II im Jahr 2005 mit dem “Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt” (nach dem Staatssekretär Hartz benannt, der für die Ausarbeitung des Gesetzes zuständig war). Hartz IV soll prinzipiell Erwerbsfähigen ohne Arbeit ein menschenwürdiges Einkommen gewähren.

Leistungsberechtigte, die nicht erwerbsfähig sind, können Sozialgeld beziehen, das für diese eine ähnliche Rolle spielt wie Hartz IV. Da Sie aber eine zweite Ausbildung beginnen wollen, sind Sie sicherlich gemäß der Definition erwerbsfähig und damit zum Bezug von ALG II berechtigt. Um ALG II zu beziehen müssen Sie übrigens vorher nicht arbeitssuchend gewesen sein oder ALG I bezogen haben, vielmehr kann man ALG II auch zusätzlich zu sonstigem Einkommen beziehen, um die Lebenshaltungskosten zu decken.

 

Wer hat Anspruch auf ALG II?

Sie bekommen Anspruch ALG II bei Erfüllung folgender Voraussetzungen:

  • Sie sind zwischen 15 Jahre und Rentenalter. Dieses bemisst sich nach §7a SGB II und liegt irgendwo zwischen 63 und 68.
  • Sie sind erwerbsfähig, das heißt jeden Tag könnten mindestens drei Stunden arbeiten, also 15 Stunden pro Woche) arbeiten. Sie sind nicht so krank oder so stark behindert, dass Sie nicht arbeiten können.
  • Sie sind hilfebedürftig, das heißt, Ihr eigenes Einkommen oder Vermögen reichen nicht aus, um Ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie bekommen keine anderen Sozialleistungen, zum Beispiel Kinderzuschlag oder Wohngeld. Oder Sie verdienen in Ihrem Job so wenig, dass Sie noch aufstocken müssen, auch dann gelten Sie als hilfsbedürftig.
  • Ihr gewöhnlicher Aufenthalt ist Deutschland, sie wohnen also nicht im Ausland.
  • ALG II kann des Weiteren für Abhängige bezogen werden, zum Beispiel für Ihre Kinder.

 

ALG II und eine zweite Ausbildung

Ausbildungsberufe

Grundsätzlich ist es beim ALG II genauso wie beim ALG I: Sie müssen jederzeit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, das heißt eine zweite Ausbildung in Vollzeit ist nur mit Einschränkungen möglich und muss differenziert werden. Wenn Ihre zweite Ausbildung in einem klassischen Ausbildungsberuf stattfindet, Sie also gerade eine zweite Karriere als Maurer oder Fleischereifachverkäuferin anstreben, ist es einfach.

Sie bekommen im Rahmen Ihres Ausbildungsvertrages eine tarifliche Vergütung, die normalerweise Ihre Lebenshaltungskosten deckt. Wenn dem nicht so ist, können Sie wie bereits oben erwähnt zusätzlich ALG II beantragen, um Ihr Einkommen aufzustocken. Sie können hierzu zum Beispiel berechtigt sein, wenn Sie – trotz Mindestlohns – extrem wenig verdienen, viele Kinder haben oder alleine erziehen.

 

Studium

Wenn Ihre zweite Ausbildung ein Studium ist, dann liegen die Fakten etwas anders. Bei einem Vollzeitstudium können Sie den Anspruch auf ALG II nämlich in der Regel vergessen. Ein Studium ist nämlich prinzipiell mit BAföG förderungswürdig und schließt damit ALG II aus, völlig unabhängig davon, ob Sie überhaupt BAföG bekämen, entscheidend ist nur, ob ein Studiengang prinzipiell gefördert werden kann.

Die Agentur für Arbeit argumentiert, dass Sie im Falle eines Vollzeitstudiums nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Damit sind sie nicht mehr erwerbsfähig und somit auch nicht mehr leistungsberechtigt. Was anderes ist ein Teilzeitstudium bei dem Sie nicht mehr als 15 Stunden pro Woche studieren. Gemeint ist nicht nur die Zeit an der Uni, sondern auch Vor- und Nachbereitung. Solange Sie unter 15 Stunden pro Woche bleiben, stehen Sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und bleiben damit leistungsberechtigt.



 

Zeitaufwand des Zweitstudiums

Wie berechnet man nun den Zeitaufwand? Sie berechnen die Anzahl der Credits, die in einem Semester erreicht werden müssen. Wollen Sie im Teilzeitstudium zum Beispiel 15 Credit Points erreichen, so multiplizieren Sie jeden Punkt mit 30 Stunden und kommen so auf 450 Stunden. Teilen Sie diese nun durch 23 Wochen, etwa die Dauer eines Semesters und Sie kommen auf knapp 20 Stunden pro Woche.

Da es sich hierbei um „akademische“ Stunden à 45 Minuten handelt, kämen Sie also gerade auf 15 Stunden Zeitaufwand. Ihre Hochschule kann Ihnen den Zeitaufwand übrigens auch bescheinigen, fragen Sie einfach nach einer Bescheinigung im Sinne des SGB III § 139, dann sollten Sie bei Ihrer Zweitausbildung im Teilzeitstudium ohne Probleme Ihr ALG II beziehen können.

 

Förderung eines Studiums

Vielleicht bekommen Sie nicht nur ALG II, vielleicht können Sie sogar eine Förderung herausschlagen. Prinzipiell möchte die Agentur für Arbeit schließlich dafür sorgen, dass ihre Klienten wieder auf dem primären Arbeitsmarkt in Lohn und Brot kommen. So wie die Agentur für Arbeit Umschulungen für Langzeitarbeitslose bezahlt, um diese zu befähigen, wieder eine Stelle zu finden, so könnte prinzipiell auch eine zweite Ausbildung als Teilzeitstudium in diese Kategorie fallen.

Sicher ist die Förderung eines Studiums keine besonders häufige Maßnahme, da die meisten Bezieher von ALG II keinen hohen Bildungsstand haben. Aber prinzipiell sollte eine Förderung möglich sein und Sie sollten Ihren Betreuer bei der Agentur für Arbeit darauf ansprechen. Lassen Sie sich nicht zu leicht abwimmeln, nur weil etwas ungewöhnlich ist, muss es deshalb nicht unmöglich sein.