Zweitstudium Medizin: ein umfassender Ratgeber

 

Ob in der Forschung oder am Patienten: Das Zweitstudium in Medizin ist für viele reizvoll.

Ob in der Forschung oder am Patienten: Das Zweitstudium in Medizin ist für viele reizvoll.

Für ein Zweitstudium im medizinischen Bereich kann es gute Gründe geben. Zum Beispiel wenn man in seinem bisherigen Beruf nicht glücklich ist und gerne einen Neuanfang wagen möchte. Oder aber als Zusatzqualifikation zu einem bereits vorhandenen Abschluss.

Allerdings sollte man sich auch der Risiken bewusst sein, bevor man solch eine Entscheidung trifft. Zunächst einmal darf man nicht außer Acht lassen, dass das Medizinstudium einige Jahre in Anspruch nehmen wird und intensives Lernen erfordert. Sechs Jahre sollte man mindestens einplanen, bis man das Staatsexamen in der Tasche hat (den Abschluss Diplommediziner gibt es nicht mehr), wenn man einen Doktortitel anstrebt kann es sogar noch deutlich länger dauern.

Wie andere Studiengänge auch erfordert das Medizinstudium ein hohes Maß an Disziplin. Wer bereits einen Studienabschluss in der Tasche hat, der wird sich des Aufwandes allerdings besser bewusst sein als ein Studienanfänger. Daher ist davon auszugehen, dass Leute, die sich für diesen Schritt entscheiden, dies auch bewusst tun und die Studienanforderungen nicht auf die leichte Schulter nehmen werden. Es sei noch angemerkt, dass die Arztausbildung mit dem Studienabschluss oder Doktortitel noch lange nicht am Ende angelangt ist.

An das Studium schließt sich nämlich noch die Assistenzarztzeit mit Facharztausbildung an, für die weitere 5 Jahre eingeplant werden müssen. Natürlich verdient man während dieser Zeit schon gutes Geld, kann sich jedoch nicht selbständig als Mediziner niederlassen. Vielmehr muss man die hektischen tagtäglichen Aufgaben in einer Klinik übernehmen, auch Nacht- und Wochenenddienste gehören zu den Pflichten des Assistenzarztes.

 

Die Geduld zahlt sich am Ende aus

Die gute Nachricht: Auf dem Arbeitsmarkt sehen die Chance für Ärzte im Moment sehr gut aus. Assistenzärzte werden vielerorts gesucht, in der Regel vergeht zwischen dem Studienabschluss und der ersten Anstellung nicht viel Zeit. Auch bei niedergelassenen Ärzten besteht seit Jahren Bedarf, vor allem in ländlichen Regionen. Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen, dass jemand, der mit 30 Jahren noch ein Medizinstudium beginnt, nicht vor Ende 30 Geld verdienen und sich erst mit Mitte 40 als Arzt selbständig wird machen können.

 

Bewerbung für das Zweitstudium Medizin

Zentrale Vergabe der Studienplätze

Bis vor wenigen Jahren wurden die Zulassungen für Medizinstudiengänge von der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) in Dortmund koordiniert, diese wurde inzwischen jedoch zur Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) umgewandelt. An ihrem Aufgabengebiet ändert dies allerdings wenig. Nach wie vor gibt es in Deutschland einen bundesweiten numerus clausus für Medizinstudiengänge. Die Studienplätze werden zweimal jährlich von der SfH vergeben.

Interessierte können sich über die Webseite hochschulstart.de anmelden. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob man direkt vom Abitur kommt, bereits ein anderes Studium abgeschlossen hat oder aus einem nicht abgeschlossenen Studium wechseln möchte.

 

Bewerber für ein Zweitstudium werden benachteiligt

Ganz so einfach ist die Einschreibung dann allerdings nicht, denn bei genauem Blick auf die Verordnungen wird ersichtlich, dass die SfH Zweitstudienbewerbern das Studium außerordentlich erschwert. Lediglich drei Prozent der deutschen Medizinstudienplätze (also ca. 270) können für Bewerber im Zweitstudium reserviert werden, dementsprechend hart umkämpft sind die Plätze.

Zudem sind auch die Abschlussnote des Erststudiums sowie ein Motivationsschreiben ausschlaggebend, in welchem der Bewerber gute Gründe für das Zweitstudium anführen muss. Dringend beachtet werden müssen auch die halbjährlichen Fristen bei der Bewerbung.

 

Unkonventionelle Zugänge als weitere Option

Glück haben dagegen diejenigen, die das Medizinstudium an eine abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen Bereich anknüpfen. Diese wird bisweilen sogar positiv angerechnet.

Ein Abitur ist heute übrigens für das Medizinstudium nicht mehr zwingend erforderlich. Einige Universitäten vergeben heute bereits Studienplätze an Bewerber mit einer fachgebundenen Hochschulreife.

Eine oft übersehene Option, die Beschränkung durch die SfH zu umgehen, ist übrigens ein Medizinstudium bei der Bundeswehr. Mit der Abschaffung des Wehrdienstes ist der Personalbedarf der Streitkräfte immens gestiegen und die Altersgrenzen für die Einstellung wurden inzwischen deutlich herauf gesetzt. Unter Umständen kann die Bundeswehr daher auch an Personen interessiert sein, die sich auf dem zweiten Studienweg zum Arzt ausbilden lassen wollen. Eine Nachfrage bei der nächsten Wehrdienstberatungsstelle kann daher nicht schaden. Informationen zum Medizinstudium bei der Bundeswehr gibt es hier.

 

Medizinstudium im Ausland?

Anerkennung des Studiums in Deutschland

Auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes kann die Suche nach einem Medizinstudienplatz gewinnbringend sein. Dies ist heute aufgrund der Internationalisierung von Studiengängen und der Angleichung von Standards innerhalb der Europäischen Union deutlich einfacher als je zuvor. Auch das Studium im außereuropäischen Ausland ist theoretisch möglich, allerdings muss dann eventuell noch eine weitere Prüfung in Deutschland abgelegt werden, um sicherzustellen, dass das Studium den deutschen Anforderungen auch wirklich entspricht.

Wer jedoch innerhalb der EU oder der Schweiz ein Medizinstudium abgeschlossen hat, der kann in Deutschland problemlos die Approbation als Arzt erhalten. Wer sich für einen solchen Schritt entscheidet, der sollte aber davon ausgehen, auch das gesamte Studium im Ausland zu absolvieren. Der Wunsch, nach ein paar Semestern vielleicht nach Deutschland zu wechseln und auf diese Weise die Zulassungsbeschränkungen zu umgehen, ist recht illusorisch, auch wenn diese Strategie mit sehr viel Glück zum Erfolg führen kann.

 

Medizinstudium in Österreich

Österreich ist immer noch Ziel Nr.1 für deutsche Medizinstudenten.

Österreich ist immer noch Ziel Nr.1 für deutsche Medizinstudenten.

Österreich ist aufgrund der fehlenden Sprachbarriere für viele angehende Medizinstudenten aus der Bundesrepublik die erste Wahl, wenn ein Auslandsstudium erwogen wird. Außerdem ähneln die Studieninhalte jenen in Deutschland sehr stark. In Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg gibt es entsprechende Universitäten. Außerdem zahlt man dort keine Studiengebühren (Ausnahme Salzburg, da dies eine Privatuni ist). Zweitstudienbewerber sind im Übrigen Erststudienbewerbern gleichgestellt, beide haben die gleichen Chancen.

Kommen wir zu den Nachteilen: Die Österreicher behalten 75 % ihrer Medizinstudienplätze den eigenen Landsleuten vor. Weitere 20 % sind für EU-Bürger reserviert, 5 % für Studierende aus Nicht-EU-Ländern. Die Abiturnote (oder vorherige Studienabschlussnote) spielt in Österreich keine Rolle, dafür hat man einen anspruchsvollen Aufnahmetest zu bestehen. Alles in Allem legt Österreich Zweitstudienbewerbern damit weniger Hürden in den Weg, aber die generellen Aufnahmebedingungen sind hart (EU-Quote und Aufnahmetest).

Die Paracelsus-Uni in Salzburg bietet übrigens seit einigen Jahren auch in einer Aussenstelle in Nürnberg das Medizinstudium nach österreichischem Recht an. Allerdings ist der Aufnahmetest dieser Privatuni besonders schwer und die Gebühren sind mit 71.000 Euro sehr hoch.

 

Weitere Möglichkeiten innerhalb der EU

Ebenfalls in Betracht gezogen werden kann ein Medizinstudium in Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Polen, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und weiteren EU-Ländern, wenn entsprechende Sprachkenntnisse vorhanden sind. Universitäten in Osteuropa bieten mitunter auch Studiengänge auf Englisch an, eine ungarische Uni sogar auf Deutsch.

 

Die Begründung für das Zweitstudium Medizin sollte wohlüberlegt sein.

Die Begründung für das Zweitstudium Medizin sollte wohlüberlegt sein.

Die Studienbewerbung richtig begründen

 

Berufliche Gründe sind ausschlaggebend

Wie oben bereits geschildert, müssen Zweitstudienbewerber in einem Motivationsschreiben glaubhafte Gründe für ihren Zweitstudienwunsch darlegen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Es können zum Beispiel sogenannte zwingende berufliche Gründe vorliegen. Dies ist der Fall, wenn der Bewerber einen Beruf ausüben möchte, für den zwei abgeschlossene Studiengänge unabdingbar sind.

Ist dies nicht der Fall, so kann es immerhin besondere berufliche Gründe geben. Die bedeutet, dass der zweite Studienabschluss in Verbindung mit der bereits vorhandenen Qualifikation zwar nicht für die angestrebte Berufstätigkeit unabdingbar ist, aber die Berufschancen und Einkommensperspektiven des Bewerbers signifikant verbessern würde.

Sonstige berufliche Gründe können schließlich auch geltend gemacht werden, etwa im Zuge eines Nachteilsausgleiches oder zur Erweiterung des Tätigkeitsfeldes. Diese Argumente sind natürlich die schwächsten, die zwingenden beruflichen Gründe dagegen die stärksten.

Daneben können auch wissenschaftliche Gründe vorliegen. Wenn der Bewerber eine wissenschaftliche Tätigkeit anstrebt (oder dieser im besten Falle bereits nachgeht), so benötigt er das Medizinstudium eventuell als dringende oder nützliche Zusatzqualifikation neben seiner bestehenden Ausbildung. In einem solchen Falle sollten ruhig auch bereits bearbeitete Forschungsprojekte, Praktika, Veröffentlichungen zu Fachthemen, Dozententätigkeiten etc. mit angegeben werden. Eine Übersicht der verschiedenen Kategorien gibt es hier.

 

Richtige Argumentation häufig entscheidend

Wichtig ist es in jedem Fall zu argumentieren, dass das Medizinstudium in Verbindung (!) mit dem Erststudium dem Bewerber einen signifikanten Wettbewerbsvorteil einbringen wird. Lediglich aufzuführen, dass man in seinem bisherigen Beruf unglücklich ist oder dass die Arbeitsmarktchancen zur Zeit schlecht aussehen sind eher schwache Argumente, denn der alleinige Wunsch nach einem Berufswechsel ist weder ein zwingender noch ein besonderer Grund. Wer garantiert schon, dass der Bewerber das Medizinstudium nicht wieder abbricht, sobald sich der Jobmarkt für seine Erstausbildung wieder verbessert? Dies bedeutet natürlich nicht, dass man rein persönliche Gründe bei der Argumentation kategorisch ausschließen sollte. Für sich allein genommen wirken sie aber wenig überzeugend.

Abstand genommen werden sollte auch von abgedroschenen Phrasen, zum Beispiel dass man gerne anderen Leuten hilft, Verantwortung zeigen möchte und so fort. Mit solchen Formulierungen hebt man sich von den Wettbewerbern nicht ab, denn jeder angehende Medizinstudent führt diese in seinem Repertoire.

 

Zweitstudium der Medizin nach anderen Fächern

Bei welchen vorhandenen Abschlüssen ist nun ein anschließendes Medizinstudium besonders erfolgversprechend?
Da wäre zum einen das Studium der Pharmazie zu nennen. Es harmoniert inhaltlich natürlich sehr gut mit dem Medizinstudium.

 

Zweitstudium in Medizin nach einem Studium in Pharmazie

Dadurch ist es unter Umständen sogar möglich, bereits während des Pharma-Studiums abgelegte Studienleistungen für das Medizinstudium anrechnen zu lassen. Anrechnen lassen sich vor allem die Fächer aus dem Grundstudium vor dem Physikum: Biologie, Chemie, Physik, Biochemie und natürlich Pharmakologie. Im besten Falle kann der angehende Medizinstudent auf diese Weise zwei Semester einsparen. Die Anrechnung erfordert jedoch einiges an Aufwand und auch Glück. Zunächst sollte man sich beim Ansprechpartner an seiner bisherigen Uni Scheine ausstellen lassen. Diese reicht man dann beim zuständigen Landesprüfungsamt ein, bevor man sich über die SfH bewirbt. Auf diese Weise kann mitunter ein Einstieg im 2. oder sogar 3. Fachsemester erfolgen.

Doch auch wenn dies nicht passieren sollte, kann man sich immerhin über ein oder zwei gesparte Seminare freuen. Was macht man schließlich mit so einem doppelten Abschluss? Eine gleichzeitige Approbation als Arzt und Apotheker ist in Deutschland nicht möglich. Daher wird die Entscheidung eher in Richtung Arzt tendieren. Eine gute Berufswahl wäre zum Beispiel der Facharzt für Pharmakologie, für den man mit diesen beiden Abschlüssen wunderbar prädestiniert ist.

 

Nach dem Psychologie-Studium Medizin studieren

Eine andere denkbare Kombination von Abschlüssen sind die Fächer Medizin und Psychologie. Wo liegen hier die Gründe und Vorteile? Grundsätzlich gibt es für Psychologen nach dem Studium allerhand Betätigungsfelder: Als schulpsychologische Berater, in Personalabteilungen, in der Hochschullehre, als Studienberater etc. Wer sich damit jedoch nicht anfreunden kann und unbedingt im medizinischen Bereich oder der Forschung tätig sein möchte, der kommt um eine Weiterqualifikation nicht umhin. Der Kardinalsweg für Psychologie-Absolventen ist normalerweise eine anschließende Ausbildung zum Psychotherapeuten, welche 3-5 Jahre in Anspruch nimmt. Da spielt es keine große Rolle, ob man nicht stattdessen noch ein Medizinstudium aufnimmt, das nur unwesentlich länger dauert.

Außerdem ist die Ausbildung zum Psychotherapeuten auch nicht ganz billig, am Ende werden meist über 10.000 Euro an Gebühren fällig, da ist das Medizinstudium auch nicht teurer, eher günstiger. Nach dem Medizinstudium kann man sich dann als Assistenzarzt in der Psychosomatik, später als Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie spezialisieren.

Der Haken an der ganzen Sache: Das Erststudium in Psychologie ist für diesen Berufsweg überhaupt nicht zwingend nötig! Allerdings sollte man es auch nicht als verschwendete Zeit abtun. Schließlich steigt man bereits mit einem großen Vorwissen ein, das man sich nicht erst während des Medizinstudiums (welches ohnehin schon genug Lerndruck beinhaltet) mühsam aneignen muss. Außerdem geht man mit einer klaren Perspektive in das Medizinstudium. Auch mit einem Erstabschluss in Psychologie kann man sich ein paar Seminar zu psychologischen Themen anrechnen lassen, auch wenn es in der Regel nicht genügen wird, um ganze Semester zu überspringen.

 

Zweitstudium Medizin nach einem BWL-Studium

Ebenfalls gute Gründe für ein Zweitstudium der Medizin gibt es nach einem abgeschlossenen BWL-Studium, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so augenscheinlich sein mag. Die meisten Zweitstudenten mit BWL-Vorgeschichte sind nämlich schlicht Leute, die mit ihrer vorherigen Berufswahl nicht zufrieden waren. In diesem Fall hat man natürlich schlechte Karte im Motivationsschreiben, sollte aber dennoch wie stets im Leben sein Glück versuchen. Besser aufgestellt ist dagegen schon, wer explizit eine Berufsrichtung mit wirtschaftlich-medizinischer Ausrichtung anstrebt. Dies ist allein schon deshalb angezeigt, weil der Zwang der Krankenhäuser zum betriebswirtschaftlichen Arbeiten aufgrund von finanziellen Restriktionen durch die Krankenkassen bei gleichzeitig ungebrochenem Patientenansturm in den letzten Jahren immer stärker geworden ist. Schön wäre es auch, wenn die Menschen gar nicht erst krank würden. Die Bereiche Gesundheitsmanagement und Medizincontrolling haben daher in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen und bieten lohnende Tätigkeitsfelder. Allerdings gilt auch hier: Das BWL-Studium ist als Voraussetzung nicht erforderliche. Die nötigen Qualifikationen können vielmehr in Aufbaustudiengängen zu einem bestehenden Medizinstudium erworben werden. Ebenso gilt jedoch: Das BWL-Studium, so einmal vorhanden, kann als Grundlage keineswegs schaden und erleichtert sicher den Zugang zu betriebswirtschaftlichen Lerninhalten.

 

Zweitstudium Medizin nach dem Erststudium Jura

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Medizinstudium nach einem Jurastudium. Um Rechtsmediziner zu werden braucht es kein Jurastudium, vielmehr genügt es, sich während und nach dem Medizinstudium als Assistenz- und Facharzt in diesem Bereich zu spezialisieren. Einen Vorteil kann diese Fächerkombination jedoch haben. Fundierte Kenntnisse in Jura als auch Medizin prädestinieren den Träger dafür, als Rechtsanwalt Patienten zu vertreten, die unter einem Behandlungsfehler und dessen Folgen zu leiden haben. Wer genau in dieser Nische tätig sein möchte, für den ist diese hochspezialisierte Fächerkombination sicherlich der Königsweg. Genau so sollte man übrigens auch im Motivationsschreiben argumentieren, sonst besteht für Juristen in der Regel keine große Chance auf eine Zulassung zum Zweitstudium in der Medizin.

 

zweitstudium studienplatzklageStudienplatz einklagen

Da die Chancen für eine Zulassung zum Zweitstudium der Medizin, wie oben bereits geschildert, tendenziell gering sind, kann auch eine Studienplatzklage in Betracht gezogen werden. Allerdings sollte man die Kosten hierbei nicht außer acht lassen. Da auch die Klage in der Regel keine Erfolgsgarantie bedeutet, genügt es auch nicht, nur bei einer Hochschule Klage einzureichen, sondern es sollten gleich ein paar ins Auge gefasst werden. Die Kosten hierfür können schnell bei 10.000 Euro liegen, etwa 1500 je Hochschule. Rechtsschutzversicherungen übernehmen diese Kosten in der Regel nicht.

Die rechtliche Grundlage ist folgende: Der Kläger unterstellt der betreffenden Universität, sie nutze ihre Studienplatzkapazitäten nicht voll aus. Mitunter hat man Glück und dies ist tatsächlich der Fall. Einige Universitäten sind hier eher erfolgversprechend als andere, Auskunft geben jährlich aktualisierte Rankings im Internet. Schließlich sei jedoch angemerkt, dass die Studienplatzklage gerade in der Medizin in letzter Zeit von immer mehr Bewerbern angewandt wird. Inzwischen gibt es jedes Jahr mehrere Tausend solcher Klagen. Für ein Zweitstudium mit dem entsprechend kleinen Kontingent an Plätzen sind die Erfolgsaussichten daher besonders düster. Hier gibt es weiterführende Informationen zum Thema Studienplatzklage in Medizin.

 

Finanzierung

 

BAföG gibt es nur selten

Hat man es jedoch geschafft und trotz aller Widrigkeiten das ersehnte Zweitstudium begonnen, stellt sich als erstes die Finanzierungsfrage.
BAföG scheidet als Option nahezu völlig aus. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen, zum Beispiel wenn das Zweitstudium in Ergänzung zum Erststudium (!) für die Aufnahme des angestrebten Berufes rechtlich (!) erforderlich ist. Dies ist zugegebenermaßen auch bei den oben genannten Berufsbeispielen selten der Fall, nach einer völligen Neuorientierung gar nicht mehr. In seltenen Fällen kann aber ein sogenannter Härtefall vorliegen. Dieser greift, wenn aufgrund persönlicher Umstände (oftmals eine chronische Erkrankung oder Behinderung) die Ausübung des früher gewählten Berufsweges nicht mehr möglich und daher eine Umschulung unvermeidlich ist.

Ebenfalls können Härtefälle auf Heimatlose, Asylberechtigte und (Spät-)Aussiedler zutreffen, die in Deutschland mit ihrer im Heimatland erworbenen Qualifikation nicht arbeiten können und sich daher neu orientieren müssen. Unter welchen Umständen man auch im Zweitstudium noch BAföG erhalten kann wird hier erklärt.

 

Studienkredite sollten wohl überlegt sein

Oft in Anspruch genommen wird daher auch ein Studienkredit, etwa vom KfW oder der Sparkasse. Da diese Kredite vollständig und nicht selten auch mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen, sollte eine Aufnahme wohl überlegt sein. Nur wer sicher ist, das Studium rasch und erfolgreich zu beenden, sollte zu diesem Schritt greifen. Sonst endet man später in der Privatinsolvenz.

 

Weitere Möglichkeiten

Eine Möglichkeit, ohne finanzielle Einschränkungen zum Medizinstudium zu kommen ist übrigens, wie bereits erwähnt, das Medizinstudium bei der Bundeswehr.
In einigen Bundesländern gibt es auch eine Zuschussförderung von ca. 500 Euro monatlich, wenn man sich im Gegenzug verpflichtet, später für mindestens 3-5 Jahre als Allgemeinmediziner im betreffenden Bundesland zu arbeiten.
Bleibt noch die Möglichkeit des Jobbens. Wer bereits einen ersten Abschluss in der Tasche hat, für den ist diese Option durchaus lukrativ. Man muss sich nämlich nicht mit schlecht bezahlten Minijobs über die Runden schlagen, sondern kann mit etwas Glück sogar ausreichend verdienen, um neben dem Studium noch einen angemessen Lebensstandard sicherzustellen. Für Juristen und BWLer sollte dies kein Problem darstellen.

 

Fazit

Der Weg zum Mediziner über ein Zweitstudium ist lang und steinig. Die erste Hürde bilden bereits die harten Zulassungsregelungen. Bis man endlich die Zulassung zum Facharzt in Händen halten kann, vergeht zudem ein reichliches Lebensjahrzehnt. Dennoch gibt es hier interessante Berufsperspektiven und auch ausgesprochene Nischen. Das Zweitstudium der Medizin sollte daher wohl überlegt sein und mit einer klaren Perspektive angegangen werden.

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