Raus aus der Pflege! Berufswechsel als Altenpfleger/in

Raus aus der Pflege! Vielleicht mit einer Umschulung in einen anderen Beruf?

Zahllose Überstunden, eine unangemessene Entlohnung und psychische sowie körperliche Belastung. Auch wenn vielen Menschen, die im Pflegebereich tätig sind, der Beruf an sich gefällt, so gibt es genauso viele Gründe, ihn zu verlassen. Die Branche ist unlängst bekannt dafür, dass Personal rationiert und die bestehende Belegschaft zu schlecht bezahlt wird.
Die Belastung für den Rücken und die Gelenke durch schweres Heben kann zu Schäden an Bandscheiben bis hin zur Berufsunfähigkeit führen.
Schon jetzt ist für viele Kräfte Pflegealltag auf Dauer nicht mehr zu bewältigen. Die Enttäuschung über die vorherrschenden Zustände und die Tatsache, dass auch die Politik nicht dagegen lenkt, führt zu einer Resignation. Längst werden die Missstände öffentlich angeprangert, beispielsweise in Fernsehen und Zeitungsberichten. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage fordern 97 Prozent aller Deutschen bessere Arbeitsbedingungen im Bereich Pflege.

Altenpfleger/-innen fordern bessere Arbeiterrechte und Regularien, um den Standard der Pflege zu erhalten. Die Bewohner leiden selbstverständlich genauso unter den Folgen.
Aus Zeitmangel werden sie abgefertigt werden und es herrschen gravierende Missstände in der Betreuung. Starren Zeitpläne ermöglichen es kaum, über ein Minimum an Fürsorge hinauszugehen. So wird auch die Stimmung in Pflegeheimen immer rauer.
Es ist kein Wunder, dass zunehmend mehr Menschen nach Alternativen zum Pflegeberuf suchen. Ein Jobwechsel ist für einige Pflegekräfte daher manchmal unumgänglich. Doch welche Alternativen und welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es?

Umschulungen durch die Agentur für Arbeit und deren Kooperationspartner werden zahlreich angeboten. So kann ein/e Altenpfleger/Altenpflegerin sich beispielsweise im Rahmen einer betrieblichen Fortbildungsmaßnahme entweder im Gesundheitswesen oder einer komplett anderen Branche umschulen lassen. Aber nicht nur das, es gibt zudem auch gute Möglichkeiten, sich entweder im Rahmen eines Studiums oder einer Weiterbildung in eine höhere Position aufzusteigen.

 

Aufstiegsmöglichkeiten

Möchten Pflegekräfte nicht aus dem Pflegebereich heraus und ihre Vorkenntnisse weiterhin nutzen, so bieten sich Aufstiegsmöglichkeiten an. Diese beinhalten in der Regel mehr Verantwortung, bessere Schichten und eine deutlich höhere Vergütung. Es ist möglich, eine Weiterbildung an einer Hochschule zu absolvieren, durch die die Pflegekraft den Status Heimleitung/Pflegedienstleitung erlangt. Die Pflegedienstleitung ist die für die Einrichtung verantwortliche Pflegefachkraft und managt die logistischen, medizinischen und personellen Herausforderungen.
Die Kompetenzen, die während der Ausbildung gelehrt werden beinhalten Management, Kommunikation und Führungsqualitäten. Es geht dabei mehr um betriebswirtschaftliche und unternehmerische Aspekte, als nur um den Umgang mit den zu Pflegenden.
Umfangreiches Wissen zu BWL, Recht und auch Mitarbeitermotivation werden vermittelt. Das bedeutet zwar einige Anstrengung und Zeitinvestition, dennoch zahlt sich die Weiterbildung zum Pflegedienstleiter aus. Denn das Gehalt kann sich nahezu verdoppeln.
Die Kosten für die Ausbildung sind überschaubar und beinhalten zum einen eine einmalige Gebühr für die Ausbildung als solche und für die Prüfung.

 

Umschulungsmöglichkeiten

Auch eine Umschulung kann sich als Glücksfall erweisen. In der Regel hat ein/e Altenpfleger/-in bereits Berufserfahrung und kennt seine Stärken. Eine Umschulung kann genau darauf abzielen. Indem die Stärken analysiert werden und anhand dessen der passende Beruf gewählt wird. Auch Berufe, wie Diätassistent, Ernährungs- und Fitnessberater oder Ergotherapeut sind artverwandt. Besonders das gesundheitlich-medizinische Vorwissen zahlt sich aus. Ein Jobwechsel kann zu mehr Motivation führen und ist für viele Pflegekräfte oft der letzte Ausweg, wenn es nicht mehr anders geht. Auch wer erst in fortgeschrittener Berufslaufbahn merkt, dass er seine Arbeitsstelle wechseln möchte, kann sich noch umschulen lassen. Es gibt zahlreiche Institute, die Schüler ohne Altersbegrenzung aufnehmen und unterstützen.

 

Lebenshelfer/in

Für viele Menschen, die unzufrieden mit ihrer derzeitigen beruflichen Situation sind, ist dennoch die Pflege ihre “Berufung”. Daher sind Alternativen wie der Beruf des Lebenshelfers die ideale Lösung. Ein Lebenshelfer ist eine Person, die ältere Menschen und Senioren in ihrem Alltag begleitet und ihnen beim Bewältigen der täglichen Aufgaben behilflich ist. Dafür ist eine Vorausbildung gut, aber keine zwingende Voraussetzung. Es werden im Vergleich zum Altenpfleger/in mehr soziale Kompetenzen gefordert und die körperliche Belastung ist geringer. Lebenshelfer können sich auch mehr Zeit für die Betreuten nehmen und dies sorgt automatisch für ein besseres Verhältnis, mehr Spaß an der Arbeit und eine enge Bindung zu den Senioren.
Lebenshelfer können angestellt arbeiten, aber auf Wunsch auch selbstständig und haben ein größeres Mitbestimmungsrecht bezüglich des Gehalts. Die Zeiteinteilung erfolgt nach Absprache, wobei Wochenenddienst eher die Ausnahme ist.

 

Kauffrau/Kaufmann im Gesundheitswesen mit IHK-Prüfung

Dieser anerkannte Ausbildungsberuf schließt eine wichtige Lücke, indem er eine Brücke zwischen Altenpflege und dem kaufmännischen Bereich der Heime und Senioreneinrichtungen schließt. Es werden Themen zu Wirtschafts- und Sozialkunde, Betriebswirtschaftslehre und weitere kaufmännische Inhalte vermittelt. Auch Marketing und Personalwesen sind ein wichtiger Bestandteil. Der deutliche Unterschied liegt in der kaufmännischen Gewichtung der Ausrichtung, die dann später mehr Büroarbeit ermöglicht und weniger körperliche Belastung beinhaltet. Ein großer Vorteil: Diese Umschulung ist kostenlos. Es werden für den Auszubildenden lediglich eigene Kosten für Lehrmaterial und Bücher fällig, da die Ausbildung mithilfe eines Bildungsgutscheins finanziert wird. Sie erfolgt in Vollzeit und erstreckt sich auf 2 Jahre. Potentielle Arbeitgeber sind Einrichtungen des Gesundheitswesens, wie z.B. Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.
Es ist in jedem Fall ein Beruf mit Zukunft und er guten Perspektive, die viel Abwechslung und interessante Tätigkeiten verspricht.

 

Erzieher oder Sozialassistent werden

Als “Quereinsteiger” ist es zudem möglich, in einen sozialen Beruf einzusteigen. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Einerseits kann ein ausgebildeter Pfleger als Weiterbildung zum Sozialassistenten ausgebildet werden, der später in Kindergärten und Behindertenwerken arbeitet. Denkbar ist auch eine Ausbildung zum Erzieher, beispielsweise in Teilzeit und im Rahmen des ESF-Bundesmodellprogramms „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“. Dieses sieht vor, dass Quereinsteiger in Modellprojekten die notwendigen Kompetenzen erlernen und dient als Alternative zur klassischen dreijährigen Erzieherausbildung. Diese wird nämlich in der Regel nicht vergütet, was eine Umschulung gerade für Menschen mit Kindern/ Familie erschwert. Das ESF-Bundesmodellprogramm schafft eine gute Basis, um die Absicherung des Lebensunterhaltes während der Qualifizierung zur/zum staatlich anerkannten Erzieher/in zu gewährleisten.

 

Weiterbildungsmöglichkeit zum staatlich anerkannten Praxisanleiter

Die Alternativen sind vielfältig, wobei von einem Angestelltenverhältnis bis hin zur Selbstständigkeit nahezu alles möglich ist. So kann nach dem Ausstieg zum Praxisanleiter ausgebildet werden, sofern man zu diesem Zeitpunkt bereits eine examinierte Pflegekraft ist. Innerhalb einer Weiterbildung mit vorgeschriebenem Umfang wird die Pflegekraft theoretisch und praktisch ausgebildet.
Der Praxisanleiter verbindet Theorie und Praxis der Altenpflege und spielt eine große Rolle in der Ausbildung neuer Pflegekräfte. Er sorgt für eine gute Vorbereitung des Fachpersonals von Morgen. Nach abgeschlossener Weiterbildung steht ein Praxisanleiter mit Fachwissen und der Erfahrung den Auszubildenden unterstützend zur Verfügung. Dabei kann er in allen gesundheitlich-medizinischen Bereichen arbeiten. Die Weiterbildung umfasst insgesamt rund 200 Stunden Theorie. Dabei werden ein umfassender Einblick in die Tätigkeitsfelder gewonnen und Wissen angeeignet, das später von großer Bedeutung ist. Die Themen reichen von Pflegewissenschaft, über pädagogische, psychologische und methodische Grundlagen bis hin zu Ethik. Es werden Hospitationen in der Praxis, absolviert sowie auch praktischen Übungen zur Personalbetreuung und -führung geprobt.

Die Kosten für die Weiterbildung trägt der Auszubildende selbst, wobei es sich hier um einen Rahmen von circa 1000-1500 €. Ebenfalls ist die Voraussetzung eine staatliche Anerkennung als Pflegefachkraft in der Altenpflege oder alternativ Kinder-, Gesundheits- und Krankenpflege.

Die Nachfrage nach staatlich anerkannten Praxisanleitern ist hoch und die Vergütung und Arbeitsbedingungen sind im Vergleich zum klassischen Altenpflegeberuf besser. Beispielsweise verdient ein Praxisanleiter bei 40 Wochenstunden bis zu 3.300 €. Dies variiert natürlich von Bundesland zu Bundesland.

Doch der Bedarf steigt und somit auch die Jobaussichten. Praxisanleiter werden beispielsweise in Wohnheimen, stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern benötigt. Ein Jobwechsel ist also nicht immer notwendig, vielmehr sind Umschulungen und Weiterbildungen eine ideale Option für alle, die trotzdem den Pflegebereich nicht verlassen möchten.

 

Offizielle Ansprechpartner und Förderprogramme

 

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe DBfK

Als berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bietet der DBfK umfassende Informationen. Der DBfK stellt auf seiner Internetseite dazu passend Inserate und Angebote ein. Er handelt dabei frei und unabhängig, um möglichst die Interessen aller Beschäftigten durchsetzen. Er ist zwar nicht der einzige, dennoch aber der größte Berufsverband im Bereich Pflege.

 

Der Europäische Sozialfonds (ESF)

Dieser Fonds ist speziell eingerichtet worden, um die Förderung der Beschäftigung und sozialer Integration zu bewerkstelligen.
Dabei wird besonderes Augenmerk auf Unterstützung von Menschen durch Ausbildung und Qualifizierung gelegt. Es soll möglich sein, einen Berufswechsel vorzunehmen, ohne dabei seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten zu können.
In den individuellen Programmen wird die berufliche Perspektive neu geschaffen- für eine bessere Entlohnung und mehr Aufstiegschancen.

 

Bundesagentur für Arbeit

Offizielle Informationen erhalten Interessenten auch hier, bei der Bundesagentur für Arbeit. Sie bietet Unterstützung beim Berufswechsel durch vielfältige Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, sowohl schulisch als auch betrieblich. Auch eine Erstberatung kann schon sehr hilfreich sein.

 

Quellen:
https://www.lebenshelferwerden.de/raus-aus-der-pflege/
https://die-pflegebibel.de/2016/03/01/pflexit-raus-aus-der-pflegehoelle/
http://www.score-personal.de/weiterbildung-altenpflege/
https://www.lebenshelferwerden.de/raus-aus-der-pflege/
http://www.score-personal.de/weiterbildung-altenpflege/
https://die-pflegebibel.de/2016/03/01/pflexit-raus-aus-der-pflegehoelle/
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/89132/Altenpfleger-leisten-mehr-als-neuneinhalb-Millionen-Ueberstunden
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/89186/Deutsche-fordern-bessere-Bedingungen-fuer-Pflegekraefte
https://www.lebenshelferwerden.de/raus-aus-der-pflege/#10
http://www.awoakademie.de/index.php?mid=745
https://www.agsb-ggmbh.de/berufsausbildung/staatlich-anerkannte-weiterbildungen-berufsbegleitend/staatlich-anerkannter-praxisanleiter-in-der-pflege