Umschulung während Corona: Das müssen Sie wissen!


Wer sich momentan in einer Umschulung befindet oder für das Jahr 2020 von der Arbeitsagentur oder Rentenversicherung eine Umschulung bewilligt bekommen hat, der bekommt unweigerlich die Auswirkungen von Corona zu spüren. Wenn Sie dieses Jahr erst eine Umschulung beantragen wollten, dann drängt sich die Frage auf, ob diese verkürzten Ausbildungen 2020 überhaupt bewilligt werden.

Erfahren Sie alles zu Ihren Rechten und Ansprüchen während Ihrer Umschulung in Zeiten von Corona: Verlängerung und Gültigkeit des Bildungsgutscheins, Abbruch der Umschulung, Anwesenheitspflicht beim Umschulungsanbieter, Fortzahlung des Umschulungsgelds und vieles mehr.

 

Rechtliche Fragen zum Coronavirus in Ausbildungsverhältnissen

Wenn Sie gerade an einer Umschulung teilnehmen, dann wurden Sie von Ihrem Umschulungsanbieter sicherlich schon über die Einschränkungen des Ausbildungsablaufs und daraus folgenden Änderungen für das Umschulungsjahr 2020 informiert worden. Wir haben die von Umschülern am häufigsten gestellten Fragen für Sie hier nochmal zusammengefasst. Sollte Sie Ihre Frage zu Umschulung und Corona nicht beantwortet finden, dann schreiben Sie uns bitte einen Kommentar.

 

Verliert der Bildungsgutschein seine Gültigkeit wenn Umschulung ausfällt?

Nein, es ist nicht davon auszugehen, dass Ihr Bildungutschein seine Gültigkeit verliert, wenn die Umschulung wegen der Corona-Krise verschoben werden muss. Dies gilt selbst dann, wenn Ihre Umschulung mehrere Wochen oder Monate unterbrochen wird. Auch wenn Sie bislang eine genehmigte Umschulung noch nicht begonnen haben, ist davon auszugehen, dass der Bildungsgutschein seine Gültigkeit verliert, falls der Start der Umschulung nur aufgrund des Coronavirus nicht wie geplant stattfindet.

Der Bildungsgutschein ist in seiner Gültigkeit zwar befristet, aber es dürfte sich um eine Formalie handeln, dass Sie sich das Dokument mit neuem Datum ausgestellten lassen müssen. Die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung sind aus Gründen des Vertrauensschutzes und Art. 3 GG an die eigene Entscheidung (dass Sie die Voraussetzungen für eine förderbare Umschulung erfüllen) gebunden.

 

Umschulung wegen dem Coronavirus unterbrochen: Werden Leistungen weiter gezahlt?

Ja, das Umschulungsgeld wird an alle Teilnehmer von Umschulungen, die über die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die Rentenversicherung oder die Berufsgenossenschaft weitergezahlt. Dies gilt selbstverständlich für beide Fälle:

  • Der Umschulungsanbieter muss die Schulung pausieren lassen oder abbrechen oder
  • Sie können an der Umschulung nicht teilnehmen, da Sie krankgeschrieben sind oder wenn an einem Ort eine absolute Ausgangssperre gilt.

Gehen Sie davon aus, dass Sie zeitnah Post von Ihrem Kostenträger erhalten werden und klären Sie sich daraus ergebende Fragen gegebenenfalls telefonisch oder schriftlich.

 

Bekommt man weiter das Umschulungsgeld gezahlt, wenn die Umschulung nun länger dauert?

Ja, Sie dürfen davon ausgehen, dass Ihre Umschulung durch das Arbeitsamt oder die Rentenversicherung bis zum Abschluss finanziert wird, selbst wenn die Dauer der Umschulung nun länger als die angesetzten zwei oder drei Jahre ist. Es wird jedoch for die Verlängerung der Leistungen ein neuer Bescheid nötig sein. Erkundigen Sie sich rechtzeitig vor Ende des Leistungszeitraums bei Ihrem Umschulungsanbieter, ob aktuelle Informationen seitens der Arbeitsagentur oder Rentenversicherung mitgeteilt wurden oder wenden Sie sich im Zweifel immer direkt an Ihren Kundenbetreuer der Agentur für Arbeit.

 

Wie wirkt sich Corvid-19 für Umschüler aus?

Sie dürfen also davon ausgehen, dass sich durch das Coronavirus rechtlich wenig ändern wird: Ihre bewilligte Umschulung, gleich ob Sie die verkürzte Ausbildung schon begonnen haben oder nicht, wird Ihnen durch Corona nicht gefährdet. Tatsächlich wird es aber zu Einschränkungen kommen, da zwingende Entscheidungen der Behörden die Durchführung der Umschulung schwer möglich machen.

 

Verlängert sich die Dauer meiner Umschulung wegen Corona?

Ja, es ist davon auszugehen, dass es tatsächlich nicht möglich ist, das Ausbildungsjahr Ihrer Umschulung wie geplant zu beenden. Das gilt sowohl für Umschüler im ersten Jahr, als auch für Umschüler unmittelbar vor den Abschlussprüfungen. Nach Prognosen des Robert-Koch-Instituts wird die Corona-Krise bis in das zweite Halbjahr 2020 andauern.

Faktisch wird Ihre Umschulung somit länger dauern als die ideale zwei bis dreijährige Ausbildungszeit (Vollzeit). Vorsicht: Der Umschulungsvertrag verlängert sich jedoch nicht automatisch. Nach § 1  Abs. BBiG iVm § 8 Abs. 2, 3 BBIG gilt:

(2) In Ausnahmefällen kann die zuständige Stelle auf Antrag Auszubildender die Ausbildungsdauer verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Vor der Entscheidung über die Verlängerung sind die Ausbildenden zu hören.
(3) Für die Entscheidung über die Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungsdauer kann der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung Empfehlungen beschließen.

Da diese gesetzliche Regelung eigentlich nicht auf den Sachverhalt von Ausbildungsverzögerungen durch eine weltweit herrschende Pandemie zutrifft, werden Sie sich keine Sorgen machen müssen: Sie dürfen davon aller Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Bundesinstitut für Berufsbildung eine entsprechende Regelung erlassen wird. Im Zweifel wenden Sie sich bitte an Ihren Umschulungsanbieter und Sachbearbeiter des Kostenträgers.

 

Müssen Teilnehmer trotz Corona im Umschulungsbetrieb anwesend sein?

Ja, solange die Behörden nur eine eine Ausgangssperre veranlasst haben, gilt für Umschüler, dass der tägliche Weg zum Umschulungsbetrieb zurückgelegt werden darf und ihre Anwesenheitspflicht fortbesteht. Sie sollten zur Sicherheit Nachweise bei sich führen: ein Ausweisdokument aus dem Ihr Wohnort ersichtlich ist, sowie ein Dokument, dass erklärt, dass Sie Umschüler eines bestimmten Umschulungsbetriebs sind. Die Ausgangssperren werden durch einen Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Ihrem Bundesland für entweder einzelne Städte, Regionen oder das gesamte Bundesland geregelt.

Sie müssen und dürfen nicht mehr zum Umschulungsbetrieb aufbrechen, wenn an Ihrem Wohnort oder dem Ort des Umschulungsbetriebs eine absolute Ausgangssperre erlassen wird. Eine absolute Ausgangssperre ist vergleichbar mit einem Kontaktverbot: Auszubildende und Umschüler dürfen an der Ausbildungsstelle nicht mehr zusammen kommen, selbiges gilt für die Ausbilder und sonstigen Mitarbeiter der Umschulungsstelle. Ob Sie eine schulische oder betriebliche Umschulung machen, wirkt sich hier nicht unterschiedlich aus.

 

Darf der Umschulungsanbieter die Umschulung unterbrechen?

Ja, der Umschulungsanbieter kann dazu gezwungen sein, die Umschulung zu unterbrechen, wenn dies zum Schutz der Gesundheit seiner Arbeitnehmer und die der Umschüler erforderlich ist. Zwar sind Umschulungsanbieter keine öffentlich-rechtlichen Schulen, die bereits länger schon geschlossen sind. Der Anbieter kann aber durch einen Erlass des zuständigen Ministeriums oder Anordnungen des Gesundheitsamts dazu gezwungen sein, den Ausbildungsbetrieb zumindest vorübergehend zu pausieren.

 

Darf ich meine Umschulungen wegen dem Coronavirus abbrechen?

Nein, die durch das Coronavirus verursachte Krise ist kein Grund für einen Abbruch der Umschulung. Lassen Sie sich unbedingt krankschreiben, wenn Sie Symptome einer Infektion mit Corvid-19 zeigen oder aus anderen gesundheitlichen Gründen momentan nicht an der Umschulung teilnehmen können. Unentschuldigtes Fernbleiben von der Umschulung kann als Abbruch gewertet werden und bedeutet für Sie ein hohes Kostenrisiko, da die Agentur für Arbeit von Ihnen die Kosten zurückfordern kann.

 

Umschulung erfolgreich abschließen: Werden 2020 Prüfungen stattfinden?

Dies hängt von Ihrem Prüfungszeitraum ab. Es ist nicht denkbar, dass im Frühjahr 2020 Prüfungen abgenommen werden. Dies gilt sowohl für schriftliche und mündliche Prüfungen, ungeachtet ob es sich um Zwischenprüfungen oder die Abschlussprüfung der Umschulung handeln. Auch Prüfungsleistungen, die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) abgenommen werden würden, müssen momentan aufgrund des Coronavirus aufgeschoben werden.

Fragen Sie bei Ihrem Umschulungsanbieter nach, ob Ersatztermine im Sommer vorgesehen sind. Da die weitere Entwicklung der Coronavirus schwer abzuschätzen sind, kann es zu Verschiebungen der Prüfungstermine bis in den Herbst oder frühen Winter 2020 kommen.

Teilweise müssen Umschüler wegen des Coronavirus an keiner Zwischenprüfung teilnehmen: Die Zwischenprüfung gilt als abgelegt und bestanden. Ob dies auch für Ihre Umschulung gilt, erfahren Sie über Ihren Umschulungsanbieter bzw. die zuständige Prüfungsstelle, zum Beispiel die IHK. Abschlussprüfungen werden hingegen verschoben und gelten nicht als automatisch bestanden.

 

Kann man 2020 eine Umschulung beginnen?

Ja, der Start einer Umschulung zum Herbst 2020 ist denkbar, wenn Sie einerseits einen beantragten Bildungsgutschein bewilligt bekommen haben und der gewünschte Umschulungsanbieter die Ausbildung durchführen kann. Sie müssen davon ausgehen, dass das Arbeitsamt und Jobcenter zur Beantragung des Bildungsgutscheins nicht für Publikumsverkehr geöffnet ist, so der Stand 20.3.2020. Dieser Umstand macht die Beantragung eines Bildungsgutscheins zwar schwieriger, aber nicht unmöglich.

 

Wie beantragt man einen Bildungsgutschein für eine Umschulung?

Alle Behörden in Deutschland haben momentan die Standorte geschlossen (Stand 20.3.2020). Wenn Sie einen Bildungsgutschein beim Jobcenter oder Arbeitsamt beantragen möchten, dann machen Sie dies bitte telefonisch oder schriftlich (per Post oder eMail). Im Gespräch oder Schriftverkehr wird Ihnen der Fallmanager das Vorgehen erklären und Sie beraten, wie Sie trotz der momentanen Umstände den Antrag auf die Umschulung stellen können.

Der Coronavirus ändert selbstverständlich nichts daran, dass Sie die Voraussetzungen nach § 81 SGB III erfüllen müssen, um einen Bildungsgutschein bewilligt zu bekommen.

 

Wie finde ich einen Anbieter für meine Umschulung?

Erkundigen Sie sich bitte ausschließlich im Internet über Umschulungsanbieter und nehmen Sie telefonisch oder schriftlich Kontakt auf. So können Sie Ihre Fragen mit Hilfe eines Servicemitarbeiters klären, ohne sich und andere gesundheitlichen Gefahren auszusetzen.

 

Kann man auch eine Umschulung von Zuhause Online machen?

Ja, es ist möglich eine Umschulung teilweise oder vollständig im Internet zu machen. Während die meisten Umschulungsanbieter aktuell noch keine Umschulungen im Netz anbieten, können Sie jedoch über einen Fernlehrgang daheim flexibel sich umschulen lassen. Die von den Fernschulen und Fernakademien angebotenen Online-Umschulungen schließen mit einem Zertifikat, mit IHK-Prüfungen oder mit einem Bachelor-Abschluss ab.

Umschulungen im Internet bieten nicht nur den Vorteil, dass Sie sich räumlich und zeitlich flexibel weiterbilden können – deutsche Fernschulen sind auch bei Arbeitgebern geschätzt und anerkannt.

 

Online Umschulung: So gelingt es!

Wir haben Ihnen die renommiertesten Umschulungsanbieter zusammengestellt. Nutzen Sie Ihre Zeit für eine Umschulung oder Weiterbildung, indem Sie sich unverbindliche Informationsmaterialien zuschicken lassen. Dieser Service ist kostenlos für Sie!

Umschulung per Fernstudium - unsere Empfehlungen:

 

 

Herzliche Wünsche Ihres Teams von www.Ratgeber-Umschulung.de

Umschulung hin, Berufswechsel her: Das wichtigste ist, dass Sie und Ihre Familie gesund bleiben. Verbringen Sie nach Möglichkeit viel Zeit Zuhause, waschen Sie sich mehrfach täglich gründlich die Hände und berühren Sie Ihre Gesicht nicht mit ungewaschenen Händen. Halten Sie in der Öffentlichkeit einen Abstand von mindestens 1.50 Metern zu Ihren Mitmenschen ein, aber zögern Sie nicht ihnen ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. Alles Gute für Sie!

 

Das interessiert Sie vielleicht auch

  1. 7 Umschulungen mit glänzender Zukunftsperspektive (2020)
  2. Die besten Umschulungen mit Hauptschulabschluss und Berufsreife (2020)
  3. Wer bezahlt meine Umschulung und wieviel Geld bekomme ich? 
  4. Antrag auf Umschulung abgelehnt – Was Sie jetzt tun müssen!

2 Gedanken zu „Umschulung während Corona: Das müssen Sie wissen!“

  1. Hallo,
    ich habe gerade Ihren Artikel zum Thema Umschulung/Corona gelesen, aber habe nicht wirklich Antwort auf meine Frage umd Sorgen gefunden.
    In diesem Jahr habe ich am 2. März eine 2-jährige Umschulung zur Tischlerin begonnen. Seit dem 16.3. ist die Tischlerei des Bildungsträgers geschlossen, somit haben wir keine Möglichkeit, uns die Praxis anzueignen.
    Seit ca. 3 Wochen ist die Schulung also unterbrochen, was für mich persönlich schon schlimm ist, wenn bisher 3 Wochen Praxis fehlen.
    Zwar sollen wir bis jeden Montag Theorieaufgaben einsenden, aber mir geht es um die Praxis die 4 Tage/Woche einnimmt.
    Wie ist das mit dem Thema Verlängerung der Umschulung wegen Corona.
    Mein Ausbilder meinte vor der Unterbrechung grob, wenn der Betrieb ein halben Jahr geschlossen werden müsste, erst dann würde eine Verlängerung erfolgen.
    Aber was ist bspw., wenn der Betrieb nun 3 Monate geschlossen hätte? Das ist doch Wahnsinn, wenn man 3 Monate lang weniger Praxis hat, gerade im 1. Halbjahr, wo man die Grundlagen lernt.

    Danke für Ihre Antwort.

    Liebe Grüße

    Judith R.

    Antworten
    • Hallo Judith,

      danke für Ihre Nachfrage.

      Die Ausbildungspläne einer Umschulung sind zwar gestrafft, aber es besteht dennoch eine zeitlicher Puffer. Entfallener Praxisunterricht kann bis zu einem gewissen Umfang innerhalb der verkürzten Zeit von zwei Jahren nachgeholt werden, ohne eine Verlängerung der gesamten Umschulungszeit erforderlich zu machen. Ein Bildungsträger kann bei der Frage, Verlängerung oder nicht, auch nicht frei entscheiden. Angelegenheiten der Finanzierung (und bei einer Verlängerung geht es um beachtliche zusätzliche Geldsummen) entscheidet der Kostenträger und bislang gibt es weder von Arbeitsagentur oder Rentenversicherung Stellungnahmen.

      Die Lernkurve in Umschulungen ist steil und Sie werden den Praxisausfall von einigen Wochen innerhalb der zwei Jahre aufholen. Hoffen wir, dass es kein längerer Reitraum wird….
      Alles Gute für Sie!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar