Einen privaten Bildungsträger gründen – Wie funktioniert das?

Um selbst einen Bildungsträger zu gründen, ist zuerst viel Bürokratie vonnöten.

Ein privater Bildungsträger – Was ist das?

Ein Bildungsträger ist im Allgemeinen jede Einrichtung, die sich mit der Aus- und Weiterbildung von Menschen beschäftigt. Auch wenn man den Begriff noch nie zuvor gehört hat, hatte jeder schon einmal mit Bildungsträgern zu tun. Öffentliche oder staatliche Bildungsträger sind zum Beispiel Hochschulen, Fachhochschulen, Berufsschulen und Akademien.

In der logischen Folge übernimmt ein privater Bildungsträger ganz ähnliche Aufgaben, nur dass es sich bei ihm nicht um eine öffentliche Instanz handelt. Prinzipiell kann jeder sich mit einem privaten Bildungsträger selbständig machen.

Finanziert werden die privaten Bildungsträger indirekt über die Sozialversicherung. Die Arbeitsagentur beziehungsweise das Jobcenter stellt einem Umschulungs- oder Weiterbildungswilligen einen Bildungsgutschein aus, mit dem dieser die entsprechende Maßnahme beim Bildungsträger finanziert. Dementsprechend hängt der Gewinn des Bildungsträgers natürlich auch davon ab, dass regelmäßig zahlreiche Anwärter eine Schulungsmaßnahme bei ihm buchen. Allerdings müssen es nicht immer gleich mehrjährige Ausbildungen sein. Viele Bildungsträger bieten auch einfache Kurse zum Thema Bewerbung, Fremdsprachen oder zur Vermittlung anderer Fähigkeiten, die für die berufliche Zukunft der Kursteilnehmer eine Rolle spielen könnten.

 

Was ist bei der Gründung eines privaten Bildungsträgers zu beachten?

Als Bildungsträger müssen Sie natürlich für die Arbeitsagentur attraktiv wirken. Außerdem sollten Sie ihr Angebot konkurrenzfähig anpreisen. Wenn Ihre Maßnahmen teurer sind als alle Konkurrenten, werden ihnen wahrscheinlich nicht viele Aufträge zugeführt werden. Ebenso sieht es aus, wenn Sie eine Maßnahmen anbieten, die längst schon von einem Dutzend anderer Bildungsträger bedient wird. Dann hätten Sie eine ziemlich schlechte Startposition. Es gilt also vor allem effizient und innovativ zu sein.

 

Das Preis-Leistungsverhältnis entscheidet über die Annahme

In der Regel veröffentlicht die Agentur für Arbeit Ausschreibungen zu den gewünschten Maßnahmen. Bewerben Sie sich dort mit einer Beschreibung Ihres Projektes. Machen Sie unbedingt auch einen Vorschlag über den Preis, welchen die Absolvierung der Maßnahme die Arbeitsagentur kosten wird. Erkundigen Sie sich hier im Vorfeld unbedingt über das Preisniveau der Konkurrenz. Liegen Sie erheblich darüber, gibt es praktisch keine realistische Aussicht, dass Ihr Projekt überhaupt angenommen wird. Allerdings sollten Sie im Gegenzug auch nicht versuchen, die Konkurrenz unter den Tisch zu dumpen.

Wenn jeder so handelt, dann erzeugt dies eine bodenlose Abwärtsspirale, außerdem wollen Sie doch auch rentabel arbeiten. Setzen Sie Ihren Preis am besten im unteren Drittelpunkt an und versuchen Sie, sich durch Ihre Qualifikationen und Originalität von anderen Bewerbern abzuheben, nicht durch einen gnadenlos billigen Preis!

 

Ohne Fachkenntnisse und Referenzen haben Sie schlechte Karten

Weiterhin müssen Sie eine Dokumentation Ihrer Fachkunde und Ihre bisherigen Referenzen angeben. Im besten Falle haben Sie zuvor schon einige Jahre selbst mit dem Thema Ihres Projektes zu tun gehabt. Die Anwendung dieser Kenntnisse darf außerdem nicht mehr als drei Jahre zurückliegen. Im konkreten Fall bedeutet dies: Sie wollen eine Weiterbildungsmaßnahme zum Thema Verhandlungsenglisch anbieten, beherrschen aber selbst bestenfalls Schulenglisch und können auch niemanden vorweisen, den Sie als Lehrer einstellen? Dann ist ihr Antrag vom Start weg schon gescheitert.

Ein anderes Beispiel: Sie sind Kfz-Mechatronikermeister und wollen eine Umschulung in dieser Richtung anbieten, sind allerdings schon seit 5 Jahren aus Ihrem Beruf raus? Dann haben Sie leider ebenfalls schlechte Karten. Es ist allerdings nicht zwingend nötig, dass Sie selbst diese Kenntnisse beherrschen. Ihr Bildungsträger muss ja keine reine Ich-AG sein. Wichtig ist nur, dass Sie jemanden mit Fachkompetenz vorweisen können, der bereit ist, gemeinsam mit Ihnen zu arbeiten.

 

Ein Raum muss her!

Schlussendlich müssen Sie auch eine Räumlichkeit vorweisen können, in welcher die Maßnahme vonstatten gehen soll. Bei einfachen Abendkursen ist dies kein großes Problem. Mit etwas Glück lässt sich irgendwo ein Konferenzraum für überschaubares Geld einmal in der Woche für ein paar Stunden mieten. Schwieriger wird es dagegen schon, wenn Ihr Angebot technische Ausstattung in großem Umfang erfordert.

Eine Umschulung zum Konditor ist ohne entsprechende Küche kaum zu bewerkstelligen, eine Umschulung zum Kfz-Mechatroniker verlangt eine ganze Werkstatt. Vielleicht finden Sie aber einen selbständigen Inhaber einer kleinen, freien Werkstatt, der bereit ist mit Ihnen zu kooperieren und sich etwas dazu verdienen möchte?

 

Mit Akkreditierung auf der sicheren Seite

Wenn Sie sich über Bildungsgutscheine finanzieren lassen wollen, so ist es unabdingbar, Ihre Maßnahme zuvor gemäß der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifizieren zu lassen. Wichtige rechtliche Informationen zur Gründung und Zulassung eines privaten Bildungsträgers finden Sie auf dieser Seite und auch unter folgendem Link, der Sie direkt zu den entsprechenden Einträgen auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales führt.