Umschulungen in Österreich: ein Überblick

In Österreich sind Umschulungen ein wenig anders gestaltet als in Deutschland.

Umschulungen werden in Österreich vor allem gefördert, wenn gesundheitliche Gründe die Ausübung des bisherigen Berufes nicht mehr zulassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gründe körperlicher oder psychischer Natur sind. Als körperliche Gründe werden sowohl Beeinträchtigungen in Folge von Unfällen als auch chronische Erkrankungen wie Rheuma akzeptiert.

Vor dem 1. Januar 1964 geborene Versicherungsnehmer und Selbständige besitzen in Österreich einen Rechtsanspruch auf eine Umschulung. Weiterführende Informationen dazu bietet das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs.

Die gängige Bezeichnung in Österreich ist übrigens nicht Umschulung. In der Regel wird von einer „beruflichen Rehabilitation“ gesprochen. Wer sie in Anspruch nehmen möchte, der muss sich zuerst einer arbeitsmedizinischen Untersuchung unterziehen, in welcher das Ausmaß der Beeinträchtigung und die verbliebene Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Eine Kurzinformation zu dieser Untersuchung, die gleichzeitig zur Feststellung etwaiger Pensionsansprüche dient, gibt es auf der Seite des österreichischen Sozialministeriums.

 

AMS als erste Anlaufstelle

In Österreich gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Umschulung in die Wege zu leiten. Da wäre zunächst einmal der Arbeitsmarktservice (AMS) zu nennen. Er übernimmt als öffentlich-rechtliche Einrichtung im Wesentlichen alle Funktionen, die in Deutschland bis vor wenigen Jahren das Arbeitsamt ausgefüllt hat und die sich heute auf das Jobcenter und die Arbeitsagentur verteilen. Der AMS hilft Ihnen bei der beruflichen Neuorientierung und bei der gezielten Auswahl einer Umschulung mit finanziellen Beihilfen und Hilfestellung bei der Stellensuche.

Außerdem ist er mit psychologischer Betreuung zur Hilfe, wenn Ihnen während Ihrer Umschulung Probleme erwachsen sollten. Eine Broschüre des AMS mit Einstiegsinformationen zu Umschulungen in Österreich finden Sie hier.

 

Kostenübernahme einer Umschulung in Österreich

Die Kosten für die Umschulung und die Sicherung des Lebensunterhaltes können vom AMS übernommen werden.
Allerdings werden Umschulungen in Österreich viel häufiger von Unfallversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen oder der Pensionsversicherung bezahlt. Die Gründe liegen auf der Hand: Es ist für die Versicherungsgesellschaften beziehungsweise den Staat günstiger, in eine Umschulung zu investieren, als dem Betreffenden eine lebenslange Rente auszahlen zu müssen. Um die Anzahl der Empfänger einer Frühpensionierung zu reduzieren, wird in Österreich sogar bevorzugt auf das Ergreifen einer Umschulung hingearbeitet, bevor dem Versicherten eine Pension gewährt wird. Das Ziel dabei ist zudem, dass der neu erlernte Beruf nicht unterhalb des Qualifikationsniveaus des bisherigen Berufs liegen sollte. Umschulungswillige können sich auch direkt an ihren Versicherer wenden.

Eine Umschulung aus beruflichen Gründen, das heißt aufgrund mangelnder beruflicher Perspektive, ohne dass eine körperliche oder seelische Beeinträchtigung vorliegen sollte, ist allerdings in Österreich schon schwieriger in die Wege zu leiten. Natürlich bleibt am Ende immer die Möglichkeit, diese aus eigener Tasche zu bezahlen.

Für Einwohner der Bundesrepublik Deutschland ist eine Umschulung in Österreich allerdings keine Option, zumindest wenn diese auf deutsche Staatskosten finanziert werden soll. Leistungsberechtigt ist nämlich ausdrücklich nur, wer seinen ständigen Wohnsitz in Deutschland hat.

Umschulungen in Österreich: ein Überblick
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