Möglichkeiten einer Umschulung während des Berufs

Vorteile einer nebenberuflichen Umschulung oder Weiterbildung

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen dreißig Jahren fundamental gewandelt. Auf dem Weg in die postindustrielle Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft reicht es heute für den Einzelnen kaum mehr aus, auf die Kenntnisse und Kompetenzen zurückgreifen zu können, die er oder sie sich im Rahmen einer ersten Ausbildung oder in einem Erststudium sowie durch die bisherige Berufserfahrung angeeignet hat.Lebenslanges Lernen ist dabei aber nicht nur eine Forderung von Seiten der Unternehmen, die immer mehr Arbeitgeber an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen, sondern auch eine Chance für den Einzelnen, sich beruflich weiterzubilden, neue Erfahrungen zu machen, neue Kompetenzen zu erwerben und die eigenen Fähigkeiten kennenzulernen.

Arbeitssuchende dagegen sind oft gezwungen, sich aus unterschiedlichen Gründen ganz neu am Arbeitsmarkt zu orientieren, weil sie beispielsweise gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, in ihrem ursprünglichen Beruf zu arbeiten, weil es nicht ausreichend Stellen für sie gibt, weil sie im fortgeschrittenen Alter kaum noch eine Anstellung finden oder es nur Angebote in Teilzeit gibt, sie aber eine Vollzeitbeschäftigung suchen. Eine Umschulung oder Weiterbildung ist in diesen Situationen die einzige Chance, sich neu am Arbeitsmarkt zu positionieren. Eine Möglichkeit, die dabei oft außer Acht gelassen wird, ist die Möglichkeit einer Umschulung beziehungsweise Weiterbildung neben dem Beruf.

Diese bietet unter anderem den großen Vorteil, dass weiterhin ein Einkommen bezogen wir und der Teilnehmer/ die Teilnehmerin an der Umschulungs- oder Weiterbildungsmaßnahme nicht auf Sozialleistungen angewiesen ist oder die Ersparnisse aufbrauchen muss. Außerdem wird der Kontakt zu den Arbeitskolleginnen und -kollegen aufrecht erhalten und nicht zuletzt der Arbeitsplatz gesichert. Oft können dann die in der Umschulung oder beruflichen Weiterbildung erworbenen Kenntnisse direkt im Berufsalltag Anwendung finden und erprobt werden. Im Rahmen einer Weiterbildung oder Umschulung neben dem Beruf ist oft eine erhebliche Verkürzung der Ausbildungsdauer gegenüber Anfängern vorgesehen, sodass der Berufsabschluss sehr viel schneller erworben werden kann. Wer sich für eine berufsbegleitende Umschulung oder Weiterbildung an einem Ferninstitut entscheidet, hat außerdem den Vorteil relativ freier Zeiteinteilung und die Möglichkeit eines selbstgesteuerten, orts- und zeitunabhängigen Lernens.

 

Anbieter von Umschulungen und Weiterbildungen neben dem Beruf

Mit dem wachsenden Bedarf an qualifizierten Umschulungen und Weiterbildungen ist in den vergangenen Jahren auch die Zahl an Instituten, Hochschulen und Fachhochschulen explodiert, die solche Maßnahmen nebenberuflich anbieten.

Als Weiterbildungsmöglichkeiten, die neben dem Beruf wahrgenommen werden können, sind besonders Abendschulen und Fernakademien. Hier kann in der Freizeit an einzelnen Kursen, aber auch an ganzen Aus- und Weiterbildungen sowie an Bachelor- und Masterstudiengängen teilgenommen werden, die neue Karriereperspektiven eröffnen, ohne dabei die Berufstätigkeit wesentlich einzuschränken. Um auf diesem Weg neben dem Beruf einen Abschluss zu erlangen, gehören ein fester Wille, Durchhaltevermögen und ein Umfeld, das Verständnis für die zusätzliche Belastung aufbringt. Ein Entgegenkommen des Arbeitgebers ist selbstverständlich ein großer Vorteil.
Zum Zweck einer Weiterbildung werden häufig sogenannte Abendschulen besucht. Hier können Teilnehmerinnen und Teilnehmer keineswegs nur Schulabschlüsse nachholen, sondern auch direkt auf sie zugeschnittene Kurse aus dem Bereich der beruflichen Weiterbildung besuchen, etwa Techniker- oder Meisterkurse. Im Rahmen von Umschulungen können hier außerdem Sprach- und Computerkurse belegt werden.

Eine Alternative zu Abendschulen stellen die Fernakademien dar, die gerade in den vergangenen Jahren rasch expandiert sind. Entsprechende Institute in privater Trägerschaft bieten zumeist entweder fachspezifische Fernlehrgänge in einem bestimmten Bereich, beispielsweise dem Gesundheitsbereich, dem kaufmännischen Bereich, der IT oder auch der Gastronomie an, oder sie haben ein breiteres Angebot an Lehrgängen, Zertifikatsstudiengängen oder vollwertigen Umschulungen oder Fernstudiengängen. Wer neben dem Beruf eine Umschulung beziehungsweise Weiterbildung absolvieren möchte, kann hier in einer Kombination aus klassischen Studienbriefen, E-Learning-Angeboten und vereinzelten Präsenzphasen an Wochenenden bei weitgehend freier Zeiteinteilung ortsabhängig und selbstbestimmt lernen und einen Abschluss erwerben.

An entsprechenden Fernakademien oder Fernhochschulen können dabei beispielsweise auch Umschulungen beziehungsweise Vorbereitungskurse in Berufsfeldern absolviert werden, in denen tätig zu werden das Bestehen einer zentralisierten Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) voraussetzt. Vom Fitnesstrainer oder Heilpraktiker über den Medienkaufmann/ die Medienkauffrau bis hin zum Elektroingenieur – mittlerweile gibt es fast keine Umschulung, die nicht im berufsbegleitenden Fernunterricht absolviert werden kann. Dadurch wird eine Flexibilisierung der eigenen Karriereplanung erreicht, die es Teilnehmerinnen und Teilnehmern an entsprechenden Programmen ermöglicht, neue Kompetenzen zu erwerben und sich neue berufliche Perspektiven zu eröffnen, ohne in dieser Phase den Beruf aufgeben zu müssen.

 

Dauer einer Umschulung oder Weiterbildung neben dem Beruf

Die Dauer einer Umschulung oder Weiterbildung neben dem Beruf hängt wesentlich davon ab, welchen Abschluss die Teilnehmenden dabei anstreben. Kurse, die an bestehendes Know-how anknüpfen und das vorhandene Wissen vertiefen oder ergänzen, können wenige Wochen bis Monate dauern und sich damit neben dem Beruf zumeist besser zu bewältigen. Längere Kurse, die zu einem Abschluss führen, der mit einem Ausbildungsabschluss gleichwertig ist, können dagegen mehrere Jahre beanspruchen. Auch ein Bachelor- oder Masterabschluss, wie er mittlerweile in verschiedensten Bereichen nebenberuflich an Fernhochschulen erworben werden kann, erfordert es, dass sich die Studierenden neben dem Beruf mehrere Jahre lang intensiv dem Studium widmen.

 

Nebenberufliche Weiterbildung: Bildungsurlaub, Bildungsprämie und andere Finanzierungsmöglichkeiten

Neben der klassischen nebenberuflichen Umschulung beziehungsweise Weiterbildung gibt es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, einen Bildungsurlaub zu beantragen, den sie zur beruflichen Weiterbildung nutzen können. Dieser Bildungsurlaub ist allerdings sehr begrenzt und in den meisten Bundesländern auf 5 Arbeitstage begrenzt, sodass in dieser Zeit kaum ein Abschluss erworben werden kann. Ähnliches gilt für die Bildungsprämie in Höhe von bis zu 500 Euro, die der Bund Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellt, die ein Jahreseinkommen von nicht mehr als 20 000 Euro haben und mindestens den gleichen Betrag selbst für ihre Weiterbildung aufbringen.

Der Bildungsgutschein, mit dessen Hilfe zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland ihre Weiterbildung oder Umschulung finanzieren, kann leider nur dann bewilligt werden, wenn die Antragssteller arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind; eine nebenberufliche Weiterbildung oder Umschulung kann deshalb nur in seltenen Ausnahmefällen auf diesem Weg finanziert werden. Der “Königsweg” ist dabei sicherlich die finanzielle Förderung der berufsbegleitenden Umschulung oder Weiterbildung durch den Arbeitgeber. Besonders in großen Unternehmen lohnt es sich, bei der Personalabteilung nach entsprechenden Programmen und den jeweiligen Bedingungen der Förderungsleistungen zu fragen.

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