Umschulung zum/ zur Destillateur/in

Destillateur werden per Umschulung – wie funktioniert das?

Wer sich für die Herstellung von Spirituosen und die damit verbundenen Prozesse und chemischen Hintergründe interessiert, der sollte über eine Umschulung zum Destillateur nachdenken. Dieser abwechslungsreiche Beruf beschäftigt sich mit der Fertigung von Alkohol aus Zutaten, wie Obst, Kartoffeln oder Weizen. Anhand verschiedener Prozesse wird aus den Grundzutaten und Aromen eine schmackhafte Spirituose.

Auch Früchte, Kräuter und ätherische Öle können dabei zum Einsatz kommen und werden zu neuen Kreationen verarbeitet. Dabei arbeitet der Destillateur stets auf dem höchstem Standard und muss viele Normen und gesetzliche Regularien beachten. Vom Rohstoff bis zum fertigen Endprodukt ist eine große Expertise gefragt.

 

Welche Zukunftsaussichten gibt es?

Die Zukunftsaussichten sind gut, da in vielen Betrieben immer wieder Destillateure gesucht werden. Eine Vielzahl der Unternehmen in Deutschland sind Kleinbetriebe, die von Familien über Generationen geführt werden. Doch durch den demographischen Wandel dürften auch hier zukünftig Plätze frei werden.

Um sich beruflich noch weiter fortzubilden gibt es eine Option ist: Den Destillateur-Meister. Der Titel befähigt zu einer höheren Verantwortung und gegebenenfalls auch der selbstständigen Tätigkeit. Nachdem der Auszubildende mindestens ein Jahr im Beruf des Destillateurs gearbeitet hat, nimmt er an mehreren Meisterprüfungen teil, um sich zu qualifizieren.
Der Erwerb des Meisters ist zwar mit durchschnittlichen Kosten von ca. 750 € verbunden, bringt jedoch später auch ein höheres Gehalt.

Es gibt auch andere Möglichkeiten der Weiterqualifizierung und Spezialisierung, beispielsweise in der Betriebsanlagenüberwachung, Prozessautomatisierungstechnik sowie im Vertrieb und im Marketing. Das empfiehlt sich vor Allem für alle Absolventen, die nach einigen Jahren im Beruf nach einem neuen Weg suchen.

 

Inhalte und Länge der Umschulung zum Destillateur

Ein Destillateur erzeugt Essenzen, Grundstoffe und ätherische Öle für die Produktion und stellt daraus hochwertige Spirituosen her. Dabei muss er nicht nur die Rohstoffe beurteilen und sie extrahieren, sondern auch Klären, Filtern und die Abfüllung bewachen. Die im Regelfall zweijährige Umschulung setzt sich aus einem praktischen und theoretischen Teil zusammen. Der theoretische Part wird im Rahmen des Berufsschulunterrichts vermittelt. Auf der anderen Seite ist der Betrieb für die Vermittlung der Praktiken zur Herstellung zuständig. Die Auszubildenden lernen die Destillations- und Brennvorgänge kennen und wie durch diese die Konzentration erzielt wird.

Sie müssen dafür in der Lage sein, den Produktionsprozess zu kontrollieren und durch Messungen sowie Proben Alkoholgehalt und die Qualität des Destillates zu identifizieren. Eine wichtige Herausforderung dabei ist es, die perfekte Mischung aus Aroma und Alkoholgehalt zu finden. Dabei arbeiten Destillateur auch an den Produkten von morgen mit- zum Beispiel bei namhaften Likör- und Spirituosenherstellern. Teil der Tätigkeit ist zudem die Vermarktung der Produkte, beispielsweise Gestaltung von Etiketten, Werbung und Produktsortiment.

Zwar werden viele Arbeitsschritte in großen Unternehmen von Maschinen durchgeführt, so gibt es trotzdem viel zu tun: Die vielfältigen Aufgaben erstrecken sich auch auf die Wartung und Pflege der Produktionsanlagen.

 

Inhalte sind unter anderem auch:

  • Kontrolle der Rohstoffe, Halbfabrikate, und Spirituosen
  • Herstellung von Spirituosen
  • Klären und Filtern der Halbfabrikate und Spirituosen
  • Abfüllen der Spirituosen
  • Lagerwirtschaft

In der Regel dauert eine Umschulung nicht so lange wie die reguläre Ausbildung zum Destillateur. Sie nimmt mit einem gleichwertigen vorigen Abschluss circa 2 Jahre in Anspruch. Danach folgt die Prüfung durch die IHK und der Absolvent kann offiziell als Destillateur tätig sein oder sich entsprechend fortbilden.

 

Für welche Berufsgruppe ist die Umschulung geeignet?

Generell gilt, dass kein Mindestschulabschluss vorgesehen ist. Jedoch erwarten viele Betriebe eine gute mittlere Reife, Fachhochschulreife beziehungsweise auch die allgemeine Hochschulreife. In jedem Fall sind einige Soft Skills gefordert, wie gute Konzentrationsfähigkeit, schnelle Auffassungsgabe und handwerkliches Geschick. Beim Warten und Instandhalten der technischen Anlagen ist ein gutes technisches Verständnis sehr wichtig. Der Auszubildende sollte stets mit Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein vorgehen zum Beispiel beim Einhalten der Brenntemperaturen, Befolgen von Vorschriften zu steuer- und lebensmittelrechtlichen Vorschriften. Gute Leistungen im Bereich Physik, Chemie und Mathematik sind von Vorteil.

 

Kosten, Förderung durch Jobcenter, sonstige Förderung etc.

Wie bei anderen Umschulungen ist für eine Übernahme der Kosten durch die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter zunächst ein Antrag notwendig. Sollte dieser bewilligt werden oder andere Gründe dagegen sprechen, so muss der Auszubildende keine Kosten tragen.
Da der Beruf des Destillateurs allerdings im Rahmen einer dualen Ausbildung erlernt wird, hat der Auszubildende einen Anspruch auf das tariflich festgelegte Gehalt. Der Unterricht erfolgt in der Berufsschule, wobei Unterrichtsmaterialien oft auch vom Betrieb erstattet werden.

Wer aufgrund eines Arbeitsunfalles oder einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme eine Umschulung in Anspruch nimmt, erhält Förderung nach dem sechsten / siebten Sozialgesetzbuch. Hier werden die Kosten durch den Rentenversicherungsträger oder die Genossenschaft übernommen.

 

Tipps zur Bewerbung

Für den Beruf wichtige Eigenschaften sollten in der Bewerbung besonders hervorgehoben werden, beispielsweise Verantwortungsbewusstsein, Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Falls besondere Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern vorliegen, ist es ratsam, sie besonders hervorzuheben. Ein guter Notendurchschnitt und ein Praktikum in einem Betrieb aus dem Bereich der Spirituosenherstellung oder einer Brauerei runden das Bild ab.

 

Anbieter der Umschulung

Im Normalfall ist der erste Ansprechpartner bei der Suche nach einer passenden Umschulung die Bundesagentur für Arbeit. Sie, aber auch die Rentenversicherungsträger steuern die Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen in allen Branchen.

Nützliche Informationen finden sich außerdem beim Branchenverband (BSI). Der Branchenverband der Deutschen Spirituosen-Industrie engagiert sich unter Anderem für die Qualifizierung des Nachwuchses. So wurde in Kooperation mit der IHK Berlin die Weiterbildung zum Destillateur-Meister entwickelt.

 

Verwandte Bereiche der Umschulung als Fernstudium

Falls eine Berechtigung zum Hochschulstudium vorliegt, ist ein Studium im Bereich der Lebensmitteltechnologie (Bachelor) denkbar. In einigen Fällen ist sogar auch ein Studium ohne Abitur möglich, da ein Ausbildungsabschluss in einem verwandten Bereich bzw. gewisse Berufserfahrungen genügen.

Wer sich zudem für die Wissenschaft des Brauens begeistert, der sollte über ein Studium der Getränketechnologie oder des Brauwesens nachdenken. Dieses befähigt später zu einer leitenden Stelle im Unternehmen, beispielsweise als Geschäftsführer.

Eine Selbstständigkeit ist denkbar, wobei hier Faktoren wie das Startkapital, die berufliche Erfahrung sowie persönliche Eignung bedacht werden sollten.