Das Berufsbild

Viele waren haben einen langen Weg hinter sich, wenn sie bei uns im Regal liegen.
© Eisenhans – Fotolia.com

Eigentlich ist die Berufsbezeichnung „Speditionskaufmann/-frau“ schon lange nicht mehr korrekt. Genauer gesagt wurde sie bereits am 1. August 2004 durch die Bezeichnung „Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung“ ersetzt. Damit sollte den Entwicklungen gerecht werden, die zwischenzeitlich in der Branche vonstattengegangen waren.

Nicht geändert haben sich jedoch die Kernaufgaben der Speditionskaufleute, die in erster Linie im Bereich Umschlag und Lagerwirtschaft von Fuhrunternehmen im Straßen- oder Eisenbahnverkehr, aber auch von Transportbetrieben in der Schifffahrt arbeiten. Eine davon behandelt die Zuteilung – der wirtschaftlich korrekte Fachbegriff hierfür lautet „Disposition“ – von Fahrzeugen und Gütern. Hierbei organisieren die kaufmännischen Fachkräfte geschäftsprozessorientiert die Transporte von Waren und koordinieren und kontrollieren die richtige Lagerung beispielsweise von Gefahrgut. Außerdem kalkulieren und verkaufen sie Verkehrsdienstleistungen. Die Tätigkeitsfelder sind also sehr vielfältig.

 

Zukunftsaussichten

Italienische Tomaten nach Dänemark. Japanische Automobilteile in die tschechische Niederlassung eines hiesigen Unternehmens. Schon jetzt ist Deutschland das Transitland schlechthin. Innerhalb Europas ist es die Nummer eins. Und jede EU-Erweiterung lässt es noch mehr zur Drehscheibe von Warenverkehr aller Art werden. Denn in der Folge verteilen zahlreiche Betriebe immer öfter ihre Produktionsstätten auf mehrere Standorte. Diese wiederum werden logistisch miteinander verknüpft, was mehr Verkehr für Straße und Schiene bedeutet.

Und auch der zunehmende Verkauf von Gütern über das Internet sorgt für einen erhöhten Einsatz von Transportunternehmern und Logistikdienstleistern. Schließlich müssen diese Waren ja irgendwie vom Lager auf den Weg zum Kunden gebracht werden.

Speditionskaufleute haben demnach einen Beruf mit Zukunft gewählt. Gestandene Vertreter führen als weiteres Plus die guten Weiterbildungsmöglichkeiten in der Branche an. So bestehen ebenfalls staatlich anerkannte und Kammer geprüfte Aufstiegsfortbildungen – je nach Berufserfahrung zum/zur Fachkaufmann/-frau, Fachwirt/in oder Betriebswirt/in.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine Regelausbildung zum/zur Speditionskaufmann/-frau dauert drei Jahre und schließt mit einer Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab. Bei Umschulungen sind jedoch Verkürzungen auf 24 Monate möglich.

Zwar ist laut Gesetz keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben, doch wird mittlerweile besonderer Wert auf eine Affinität für zeitgemäße Technologien gelegt. Denn moderne speditionelle und/oder logistische Dienstleistungen sowie notwendige Sicherheitsvorkehrungen im Güterverkehr funktionieren nur mit einer Informationstechnik, die stets auf dem neuesten Stand ist. Diese gehören bei den Lernfeldern der Umschulung zum berufsübergreifenden Teil.

Fachübergreifend finden sich betriebswirtschaftliche Grundlagenvermittlungen, wie spezifische Organisations- und Managementprozesse sowie last but not least Englisch. Denn nichts geht auf internationaler Ebene ohne ein gewisses Maß an Kenntnissen in dieser Sprache mit dem entsprechenden Vokabular für den Bereich Wirtschaft und Handel.

Der fachspezifische Teil umfasst alles, was mit Transport und Logistik konkret zu tun hat. Auch ein betriebliches Praktikum gehört dazu, bei dem das in der Theorie Gelernte direkt angewendet werden kann.

 

Zielgruppe der Umschulung

Die Anforderungen, die an Speditionsfachleute gestellt werden, setzen nicht nur ein hohes Maß an Flexibilität voraus. Auch Einsatzbereitschaft und Zielstrebigkeit sind hier gefragt. Eine weitere, vorherrschende Begleiterscheinung dieses Berufes ist der hohe Stressfaktor, der eine entsprechende Belastbarkeit des Personals erfordert. Um ein reales Bild der Position zu erhalten, sei Interessenten deshalb angeraten, zunächst einmal ein Praktikum in einem Fuhrbetrieb zu absolvieren. Damit lässt sich die persönliche Eignung für das Anforderungsprofil bereits im Vorfeld schon sehr gut einschätzen.

Für die Ausbildung wie auch für die Umschulung wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss verlangt. Da sich Speditionskaufleute zudem mit zum Teil internationalen Kunden, Dokumenten und Frachtabrechnungen befassen müssen, sind entsprechende Leistungen insbesondere in Deutsch, Englisch, Mathematik, Wirtschaft und Geografie vonnöten. Außerdem sollten Bewerber kontaktfreudig und redegewandt sein.

 

Fördermaßnahmen

Eine Umschulung zum/zur Speditionskaufmann/-frau kann unter Umständen mit einem Bildungsgutschein staatlich gefördert werden. Dies erfolgt oft auf den Nachweis hin, dass sich die Chance für eine/n Hilfebedürftige/n, ansonsten aber Erwerbsfähige/n in Sachen berufliche (Wieder)Eingliederung durch eine Bildungsmaßnahme deutlich verbessern würde. Auch wenn sich eine konkret drohende Arbeitslosigkeit durch eine modulare Qualifizierung abwenden ließe, kann das die Wahrscheinlichkeit einer Vergabe des Gutscheins begünstigen. Eine weitere Berechtigung wird Personen zugestanden, die bis dato ohne Berufsabschluss sind und diesen nun nachträglich erwerben wollen.

Da solche Aus- und Weiterbildungen in erster Linie von der Bundesagentur für Arbeit angeboten werden – wo dann auch entschieden wird, wer förderfähig ist –, wäre dies in den meisten Fällen die erste Beratungsadresse.

 

Anbieter der Umschulung

Eine bundesweit tätige Institution, mit der viele Arbeitsagenturen kooperieren, ist die Deutsche Angestellten-Akademie. Allerdings besteht nicht an all ihren Standorten das gleiche Qualifizierungsangebot. Interessierte können sich aber einen ersten Überblick über die Haupt-Website der DAA verschaffen.

Einige Technische Überwachungsvereine bieten ebenfalls Lehrgänge für Speditionskaufleute an. Eine Übersicht über das Wer und Wo ermöglicht der ihr Verband (VdTÜV) mit weiterführenden Links zur jeweils regionalen TÜV-Akademie.

Wer in Thüringen lebt, für den mag auch die WHW Verkehrsbildungsgesellschaft mit Sitz in Erfurt eine passende Anlaufstelle sein. Hier werden berufsbegleitende Lehrgänge zur Vorbereitung auf die IHK-Externenprüfung durchgeführt.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Wer sich qualifizieren möchte, dabei aber noch berufstätig ist, sich gleichzeitig um Kinder oder Angehörige kümmern muss, oder andere zeitliche Einschränkungen zu berücksichtigen hat, für den könnte die Teilnahme an einem Fernlehrgang eine vorteilhafte Lösung sein.

Dabei muss der Wunschberuf nicht unbedingt „Speditionskaufmann/-frau“, sondern kann – je nach persönlicher Neigung und schulischem Angebot – beispielsweise auch Speditionssachbearbeiter/in lauten, oder Kaufmann/-frau im Eisenbahn- und Straßenverkehr, Kaufmann/-frau für Verkehrsservice, Servicekaufmann/-frau im Luftverkehr, Luftverkehrskaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, Schifffahrtskaufmann/-kauffrau, Touristikkaufmann/-frau, Reiseverkehrskaufmann/-kauffrau, Kaufmann/-frau Groß- und Außenhandel, Disponent/in oder Fachkraft Lagerlogistik.

Wie bewerten Sie dieses Angebot?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.