Den ganzen Tag beruflich Zug fahren – warum denn nicht?

Zubegleiter/innen und Schaffner/innen sind aus dem Alltag der Bahnreisenden nicht wegzudenken. Doch wie schafft man es, ebenfalls solch einen abwechslungsreichen Beruf zu ergreifen? Die Ausbildungsgänge unterscheiden sich zwischen den einzelnen Unternehmen stark, doch eine Umschulung ist in der Regel mit nahezu jeder vorherigen Berufsausbildung möglich.

 

Die Tätigkeit als Zugbegleiter oder Schaffner

Das typische Bild, welches die meisten Reisenden von den Zugbegleitern haben, ist das folgende: Sie kontrollieren in erster Linie die Tickets der Fahrgäste, beantworten Fragen, geben Auskunft bei Verspätungen oder Fahrplanänderungen und sorgen dafür, dass die Fahrt insgesamt ohne Probleme durchgeführt werden kann. Darüber hinaus sind sie dafür zuständig, Reisenden auch auf Bahnhöfen behilflich zu sein, die Sicherheit an den Bahnsteigen zu gewährleisten.

Doch Zugbegleiter erfüllen auch eine Reihe von Aufgaben, die von den Fahrgästen weitgehend unbemerkt bleiben. So bedienen sie verschiedene technische Einrichtungen des Zuges, haben die Situation an den Zwischenhalten im Auge und überprüfen auch die Situationen potentieller Anschlusszüge, um Veränderungen zeitnah mitteilen zu können. Die Arbeitszeit teilt sich bei der Deutschen Bahn in Früh-, Spät- und Nachtdienst auf und zu Beginn der Ausbildung entscheidet man sich für den Regionalverkehr oder den Fernverkehr. Abweichungen bei privaten Bahnunternehmen können jedoch vorkommen.

 

Welche Zukunftsaussichten hat man mit diesem Beruf?

Auf Zugbegleiter kann auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Zwar hat sich deren Aufgabe im Laufe der Jahre natürlich verändert, sodass sie heute mehr Servicekräfte als Fahrzeugführer sind, doch im Allgemeinen bietet die Tätigkeit noch immer vielseitige Herausforderungen. Zugbegleiter werden inzwischen auch stark nachgefragt. Inzwischen wird der Schienenverkehr schließlich nicht mehr ausschließlich von der Deutschen Bahn bedient, sondern eine Vielzahl privater und regionaler Bahnunternehmen hat sich hinzu gesellt. Diese stehen zwar häufig in der Kritik, Angestellte schlechter zu entlohnen und weniger Wert auf Qualität zu legen, doch Interessierte sollten dies vorab unbedingt selbst prüfen. In der Realität stehen diese Unternehmen dem Marktführer tatsächlich häufig in nichts nach. Allerdings sind die Zugangswege zum Beruf des Zugbegleiters oft etwas anders gestaltet.

 

Dauer und Inhalte der Umschulung

Die Umschulungen sind inzwischen sehr unterschiedlich geregelt. Die Deutsche Bahn bildet Zugbegleiter und Schaffner beispielsweise ganz anders aus als kleinere, regionale Bahnunternehmen. Letztere bieten für Interessierte mit vorheriger abgeschlossener Berufsausbildung (mitunter genügt auch ein Schulabschluss) oft sehr kurze Ausbildungen an. Die Dauer liegt dann unter Umständen gerade einmal bei fünf Wochen. In dieser Zeit lernen die Teilnehmer hauptsächlich den Umgang mit den Fahrgästen kennen und beschäftigen sich kaum mit den technischen Aspekten des Bahnfahrens. Im Mittelpunkt dieser Ausbildungen stehen oft die Sicherheit am Bahnhof, der Kontakt mit Kunden und sämtliche Serviceangebote des Unternehmens (beispielsweise Snacks und Getränke an Bord).

Um als Zugbegleiter ein erfülltes Berufsleben zu genießen, sind Kontaktfreude und Offenheit folglich unabdingbar. Die Deutsche Bahn bietet stattdessen ausschließlich kaufmännische Ausbildungen im Verkehrsservice an. Diese Ausbildung nimmt in der Regel drei Jahre in Anspruch, kann bei entsprechenden Vorkenntnissen jedoch etwas verkürzt werden. Die Inhalte der Qualifizierung bei der Deutschen Bahn sind zudem wesentlich umfangreicher und komplexer. Darüber hinaus stehen den Absolventen auch Berufsperspektiven in verschiedenen Abteilungen der DB offen.

 

Für wen ist eine Umschulung als Zugbegleiter oder Schaffner geeignet?

Interessenten sollten auf keinen Fall kontaktscheu und verschlossen sein, um als Zugbegleiter zu arbeiten. Der tagtägliche Umgang mit den Kunden erfordert zudem ein sicheres Auftreten, Durchsetzungskraft, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, auch in Konfliktsituationen konsequent aufzutreten. Wer sich für eine Umschulung bei der Deutschen Bahn entscheidet, sollte zudem Stärken im kaufmännischen Bereich besitzen.

Für die Qualifikation bei regionalen Bahnunternehmen ist die vorherige Berufslaufbahn oft weniger entscheidend. In erster Linie sollten Interessenten serviceorientiert agieren, Freude am Umgang mit Menschen haben und selbstbewusst auftreten. Die vorherige Berufsausbildung spielt in diesem Fall eine untergeordnete Rolle, hin und wieder genügt sogar ein Schulabschluss, um eine Ausbildung beginnen zu können.

 

Welche Möglichkeiten der Ausbildungsförderung gibt es?

Eine kurze Ausbildungsdauer birgt einen immensen Vorteil: Man ist schnell in der Lage, selbst für den Lebensunterhalt zu sorgen. Idealerweise erhält man im Anschluss an die Qualifikation eine Anstellung im ausbildenden Unternehmen. Vor allem kleine Bahnunternehmen bilden nach Bedarf aus und ermöglichen auf diese Weise einen nahezu unverzüglichen Einstieg. Finanziert wird eine solche Umschulung beispielsweise durch die Bundesagentur für Arbeit. Mit einem sogenannten Bildungsgutschein werden sämtliche Auslagen erstattet und darüber hinaus anfallende Schulkosten oder Ähnliches übernommen. Erhältlich ist dieser Gutschein für Personen, die bereits arbeitssuchend oder aber akut von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Bei der Deutschen Bahn besteht ferner die Möglichkeit, bis zum 30. Lebensjahr eine reguläre, je nach Vorqualifikation verkürzte, Ausbildung zu beginnen und auf diese Weise ein monatliches Gehalt zu beziehen. Sollte dies nicht möglich sein, ist auch hier die Bundesagentur für Arbeit der geeignete Ansprechpartner. Wird eine Umschulung aufgrund gesundheitlicher Schäden notwendig, die in früheren Arbeitsverhältnissen entstanden sind, tritt mitunter die Gesetzliche Rentenversicherung als Kostenträger auf.

 

Wer bietet eine solche Umschulung überhaupt an?

Eine Qualifizierung zum Zugbegleiter oder Schaffner kann selbstverständlich nicht nur bei der Deutschen Bahn absolviert werden. Eine Nachfrage bei kleineren Bahnunternehmen kann durchaus lohnenswert sein. Gerade in sehr kleinen Unternehmen wird häufig nach Bedarf Personal gesucht, sodass die Ausbildung treffender als „Training on the Job“ bezeichnet werden kann. Diese Variante ist vor allem für Interessenten, die lokal gebunden sind, von Vorteil. Aufgrund der hohen Anzahl von Bahnunternehmen ist es empfehlenswert, detaillierte Informationen direkt bei dem gewünschten Ausbildungsbetrieb einzuholen. Pauschale Angaben können dazu kaum gemacht werden.

 

Gibt es ähnliche Ausbildungen als Fernstudium?

Eine Alternative zur Umschulung als Zugbegleiter oder Schaffner ist das Fernstudium der Wilhelm Büchner Hochschule im Bereich Leit- und Sicherungstechnik. Voraussetzung für diese Qualifikation auf Bachelor-Niveau ist nicht zwingend das Abitur. Die Eignung kann auch durch eine Berufsausbildung oder Berufserfahrung erworben werden. Das Studium findet berufsbegleitend statt. Die Teilnehmer erwerben nach 12 Monaten ein Hochschulzertifikat.

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