Depression, Burnout, Tinnitus: Umschulung wegen psychischer Erkrankung

Depressionen gehören zu den häufigsten Umschulungsgründen.
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Stress, zu hoher Leistungsdruck, Mobbing durch die Kollegen oder andere Schwierigkeiten im Arbeitsumfeld sind häufige Auslöser für psychische Probleme. Daher ist es nicht nur wichtig, eine Therapie durchzuführen. Wenn diese erfolgreich beendet wurde, kann es auch notwendig sein, das Berufsfeld zu verändern.
Denn nur wenn die Ursachen für die psychische Erkrankung beseitigt werden, ist ein dauerhafter Heilungserfolg möglich. Eine Umschulung kann ein sehr gutes Mittel dazu sein, um den spezifischen Problemen eines bestimmten Berufsfeldes aus dem Weg zu gehen.

 

Eine Umschulung kann bei der Therapie einer Depression helfen

[wp-svg-icons icon=“home“ wrap=“i“]Viele Depressionen werden durch das berufliche Umfeld hervorgerufen oder verstärkt. Gründe dafür können beispielsweise eine zu hohe Verantwortung sein, der sich der Arbeitnehmer nicht gewachsen fühlt. Auch ein hoher Zeitdruck, ein zu hoher Schwierigkeitsgrad der Aufgaben oder ein unsicheres Arbeitsverhältnis kann der Auslöser für eine Depression sein. Auch persönliche Probleme – beispielsweise ein Streit mit den Kollegen – können eine psychische Erkrankung hervorrufen.

Wenn die Situation am Arbeitsplatz für die Erkrankung verantwortlich ist, ist es immer wichtig, nicht nur im Rahmen einer Therapie für eine Heilung der Krankheit zu sorgen, darüber hinaus ist es auch wichtig, dass die krank machenden Elemente aus dem beruflichen Umfeld beseitigt werden. In vielen Fällen ist ein Wechsel zu einem anderen Betrieb ausreichend. In anderen Fällen liegen die Ursachen der Erkrankung jedoch in der Aufgabenstellung eines spezifischen Berufsfeldes. In diesen Fällen ist eine Umschulung sehr hilfreich, um in einem neuen Berufsfeld einen Neuanfang durchzuführen.

 

Berufliche Probleme können ein Burn-out-Syndrom hervorrufen

Eine starke Konkurrenzsituation und eine hohe zeitliche Belastung im Berufsleben sind die wesentlichen Ursachen für das Burn-out-Syndrom. Die Betroffenen müssen in einer Therapie die Folgen dieses Erschöpfungssyndroms bekämpfen, eine dauerhafte Heilung ist jedoch nur möglich, wenn auch die Auslöser im Berufsleben beseitigt werden. Da in den meisten Fällen die Gründe für das Burn-out-Syndrom nicht von einem speziellen Arbeitgeber, sondern allgemein in den Anforderungen in einem bestimmten Berufsfeld liegen, kann auch hier in vielen Fällen eine Umschulung helfen, die Ursachen dieser Erkrankung zu bekämpfen.

 

Tinnitus durch Probleme am Arbeitsplatz

Als Tinnitus wird die Wahrnehmung eines dauerhaften Geräusches bezeichnet, das keine physikalischen Ursachen hat. Die Ursachen für dieses Problem sind vielfältig, sehr häufig entsteht dieses Symptom jedoch aufgrund von Stress oder einer dauerhaften akustischen Belastung. Oftmals liegen die Gründe für das Auftreten des Tinnitus im beruflichen Umfeld.

Eine starke Lärmbelastung am Arbeitsplatz kann beispielsweise den Tinnitus hervorrufen und viel Stress am Arbeitsplatz kann ebenfalls zu einer Erkrankung führen. Daher ist auch bei der Behandlung des Tinnitus eine Umschulung eine geeignete Maßnahme, da die betroffenen auf diesem Wege den Ursachen des Problems aus dem Weg gehen können.

 

Die Finanzierungsmöglichkeiten für die Umschulung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine Umschulung zu finanzieren, wenn man aufgrund psychischer Probleme im bisherigen Beruf nicht mehr arbeitsfähig ist. Wenn die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, ist sicherlich die Berufsgenossenschaft der erste Ansprechpartner für die Finanzierung. Je nach persönlicher Situation kann auch die Rentenversicherung oder das Arbeitsamt für die Finanzierung aufkommen.

Die Rentenversicherung kann beispielsweise Umschulungsmaßnahmen bezahlen, wenn ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente besteht oder wenn Sie bereits über mindestens 15 Jahre hinweg Beiträge für diese Versicherung bezahlt haben. Für eine Förderung durch das Arbeitsamt ist es hingegen sehr wichtig, dass sich durch die Umschulung die Aussichten, eine Anstellung zu finden, erheblich verbessern.

 

Wo können Sie sich umschulen lassen?

Bei einer Umschulung aufgrund einer psychischen Erkrankung ist es besonders wichtig, einen Beruf zu wählen, der Sie wirklich erfüllt. Daher ist es beispielsweise sehr sinnvoll, zunächst einige Praktika in den möglichen Bereichen durchzuführen, um zu ermitteln, ob Ihnen der entsprechende Beruf tatsächlich Spaß macht. In allen größeren Städten gibt es ein reichhaltiges Angebot an verschiedenen Bildungseinrichtungen, die Umschulungen in verschiedenen Berufsfeldern durchführen.

Die Institution, die Ihre Umschulungsmaßnahme finanziert, kann Ihnen die Adressen der zugelassenen Einrichtungen übermitteln. Wenn Sie vor Ort keine Möglichkeit finden, den von Ihnen erstrebten Beruf zu erlernen, besteht auch die Möglichkeit, ein Fernstudium zu absolvieren. So erhöht sich die Zahl der Möglichkeiten erheblich und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie einen Beruf finden, der Ihnen Spaß macht und in dem Sie Ihre psychischen Probleme überwinden können.

10 Gedanken zu „Depression, Burnout, Tinnitus: Umschulung wegen psychischer Erkrankung“

  1. Guten Tag,
    aufgrund von Depressionen und Ängsten kann und möchte ich in meinem alten Beruf nicht mehr arbeiten, da hier Situationen und Arbeitsanforderungen entstehen, die ich nicht bewältigen kann. Schon seit längerem setzte ich mich mit anderen möglichen Berufen auseinander und habe auch schon seit über 1 Jahr für mich eine Alternative gefunden, mich an den entsprechenden Schulen beworben und die Antragstellung um die Trägerschaft mit der Kündigung an meiner alten Stelle im April 2021 gestartet. Inzwischen ist mir vom Arbeitsamt aufgrund ärztlichem Anraten und Befunden nach Aktenlage eine eingeschränkte Erwerbsfähigkeit von 3-6h tägl. attestiert und ich sollte und habe für „Teilhabe am Arbeitsleben“ einen Antrag bei der Rentenversicherung gestellt. Nach Gespräch mit der Reha-Beraterin von der RV vor wenigen Tagen muss ich nun an einem 4-6wöchigen Assessment teilnehmen. Meine fokussierte schulische Ausbildung startet aber schon in 3 Wochen und dann erst wieder nächster Jahr und es war mir nicht möglich, schon eher mit einem Berater von der RV zu sprechen. Denn: erst Antrag und Gesundheitsfragebogen bei der AfA, hier Bearbeitungszeit von April bis Juli. Dann erst der Auftrag an mich, den Antrag auf Teilhabe bei der RV zu stellen. Vor Antragstellung, kein informierendes Gespräch mit einem RV Mitarbeiter möglich (wurde abgelehnt und auf vorher nötige Antragstellung verwiesen.)
    Für mich ist die Vorstellung sehr schwierig, ob der verlorenen Zeit. Die Beraterin bleibt bei Ihrem Standpunkt, hätte sogar Rücksprache mit Ihrem Chef gehalten, so wären die Regeln und da führe kein Weg vorbei. Mir wird suggeriert, ich bin „behindert“ und meine Entscheidung für diesen neuen Beruf muss auf’s schärfste überprüft werden. Ich verstehe die Reglements, aber nicht, dass man hier keine verkürzte Variante als Kompromiss finden kann, damit ich die Ausbildung/Umschulung wie schon sehr lange in meiner Lebensplanung vorgesehen, starten kann.
    Nun meine Frage: Was passiert, wenn ich dieses Assessment ablehne und demnach sehr wahrscheinlich nicht von der RV unterstützt werde? Wird dann wieder das Arbeitsamt tätig und kommt noch für eine Trägerschaft in Frage?
    Ich bitte am baldige Antwort, da hier schon in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen muss. Besten Dank!

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    • Hallo,

      danke für Ihre Anfrage.

      Was konkret passieren wird, wenn Sie das Assessment ablehnen, können wir leider nicht beurteilen. Wenn die Rentenversicherung für Sie zuständig ist und Sie sich nicht an deren „Vorschläge“ halten, dann werden Sie nicht zurück an die Arbeitsagentur verwiesen. Das beeinflusst keine Zuständigkeiten, aber vielleicht die zwischenmenschliche Stimmung…

      Wenn die Ansprechpartnerin sagt, dass sie mit Vorgesetzten Rücksprache gehalten hat, dann müssen Sie davon ausgehen, dass Sie sich mit dem von der RV präferierten Weg arrangieren werden müssen. Sie haben ja bereits einiges versucht…

      Wir wünschen Ihnen gute Nerven, Geduld und alles Gute!

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  2. Hallo,
    Ich bin 31 und bei mir wurde Burn out mit einer starken Depression diagnostiziert! Ich war nun 8 Jahre in der Industrie tätig in Wechselschicht (Früh/Spätschicht)! Ich bin komplett ausgebrannt und teilweise komplett überfordert, weil mich mein Vorgesetzter mit Arbeit überhäuft und mir eigentlich so gut wie immer Druck macht und immer 1000% erwartet! Mittwoch hab ich ein Vorgespräch in einer Klinik die auf Fälle wie ich es bin spezialisierst sind!
    Meine Angst ist die Zukunft? werde ich nach der Therapie in meine alte Firma gehen? Bekomme ich eine Umschulung? Wer bezahlt diese? Habe ich überhaupt eine Chance diese genehmigt zu bekommen, egal von welchem Träger? Fragen die mich seit Tagen quälen!

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    • Hallo Doka,

      vielen Dank für Ihre Nachricht.

      Es ist sehr gut, dass Sie sich bei der von Ihnen beschriebenen Symptomatik in einer Klink vorstellen. Fokussieren Sie Ihre Gedanken und Energien zunächst ganz auf sich selbst und Ihre Gesundheit. Ein Klinikaufenthalt kann hierfür die ideale Umgebung sein.

      Wenn es Ihnen gesundheitlich besser geht und Sie wieder arbeitsfähig sind, dann nehmen Sie Kontakt mit der Agentur für Arbeit auf und beantragen Sie eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen. Informieren Sie sich schon vorab, welche Umschulungsberufe für Sie in Betracht kommen könnten, zum Beispiel hier: Welche Umschulungen gibt es?

      Auch wenn es Ihnen frei gestellt ist, sich ganz anders zu entscheiden, mag es doch Sinn machen, dass Sie nach Ihrem Klinikaufenthalt / Therapie, in ein anderes Arbeitsumfeld wechseln. Es muss nicht unbedingt ein neuer Beruf sein, manchmal macht ein anderer Vorgsetzter bereits einen großen Unterschied. Über eine Umschulung haben Sie jedoch die Möglichkeit, sich beruflich nochmal in eine ganz andere Richtung zu entwickeln, wenn Sie das möchten. Die Rentenversicherung ist nicht für Sie zuständig, da Sie noch nicht ausreichend Beitragsjahre eingezahlt haben. Über die Arbeitsagentur stehen Ihnen aber die gleichen Möglichkeiten offen.

      Wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute, insbesondere eine Linderung Ihrer Symptomatik, Lebensfreude und Gelassenheit. Am Ende wird alles Gut werden. Geben Sie sich die Zeit, die Sie für dich benötigen….

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  3. Hallo,
    das Jobcenter hat mir von 2013 bis 2016 eine Umschulung zur Lerntherapeutin finanziert.
    Seit vier Jahren arbeite ich als Erzieherin 22 Stunden/Woche an einer Brennpunktgrundschule in der Ganztagsbetreuung (gefühlt Vollzeit!).
    Inzwischen stehe ich kurz vor dem burnout! Und ich möchte keine Wut auf Kinder entwickeln, die aufgrund ihrer Umwelt, sei es familiär, finanziell, oder oder oder,…unschuldig sind.
    Aufgrund einer Migräneerkrankung habe ich einen Schwerbehindertenausweis (50%).
    Ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine Umschulung!
    Über eine Freundin habe ich eine Hundefriseurin kennengelernt. Deren Salon so gut läuft, dass sie keine Neukunden mehr annehmen kann.
    Seit Jahren suche ich nach Ausbildungen, in denen man nicht nur mit Tieren arbeiten, sondern von der man mit der anschließenden Arbeit auch leben kann.

    Finanziert das Jobcenter auch mehrere Umschulungen/Weiterbildungen? Oder an wen müsste ich mich wenden? Wie sind meine Chancen einzuschätzen?

    Viele Grüße

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    • Hallo Mary,

      danke für Ihre Nachfrage.

      Ja, es ist denkbar, dass Sie auch eine zweite Umschulung finanziert bekommen, wenn Sie zB in Ihrem ersten Umschulungsberuf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Der Ablauf ist dann faktisch der gleiche wie bei der ersten Umschulung, also Beantragung eines Bildungsgutscheins.

      Bei der Umschulung zur Hundefriseurin handelt es sich ja nicht um eine staatlich anerkannte Ausbildung. Die erforderlichen Kenntnisse werden Ihnen im Rahmen einer Weiterbildung vermittelt, die Sie jedoch auch über einen Bildungsgutschein abdecken können. Mögliche Anbieter finden Sie zB hier: Umschulung zum/ zur Hundefriseur/in

      Wichtig ist auch, dass Sie sich fit machen in allen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen rund um die Selbstständigkeit.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg!

      Antworten
  4. Hallo,

    Ich habe leider seit vielen Jahren eine rezidivierende depressive Störung also wiederkehrende Depressionen. Da ich 5 Jahre lang Psychoanalyse gemacht habe weiß ich schon Recht gut warum wieso weshalb und kann mir normalerweise selbst raushelfen. Dennoch habe ich immer wieder depressive Episoden die nicht unerheblich im Rahmen meiner Arbeit ausgelöst werden. Ich bin in einer ziemlichen Stressbranche nämlich der Architektur tätig. Das bedeutet bei mir z.b. ständig viele Überstunden. Alles in allem empfinde ich meine Tätigkeit als überhaupt nicht sinnvoll und Hinsichtlich des Stresspegels in Kombi mit meinen Depressionen als ungeeignet für mich. Ich würde den Beruf heute nicht mehr wählen. Nun habe ich seit November eine akute depressive Phase mit der ich weiter arbeiten aber mittlerweile auch mehrere körperliche Probleme habe U.a Flecken auf der haut, Haarausfall, zeitweise Tinnitus. Kurz um ich kann langsam nicht mehr und möchte gerne etwas anderes machen. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Meine Frage… Kann ich hinsichtlich meiner Diagnose auf meine ehemalige Analytikerin zurückgreifen oder muss die Diagnose eine vom Amt benannte Stelle erstellen? Vielen Dank!

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    • Hallo,

      danke für Ihre Nachricht.

      Die Diagnose von Ihrer Psychoanalytikerin ist lediglich für die Feststellung Ihres Krankenbildes relevant. Die Empfehlung eines Berufswechsels gilt als ein Indiz, dass die Rentenversicherung oder Arbeitsagentur Ernst nimmt. In der Regel wird jedoch ein weiteres medizinisches Gutachten erforderlich sein. Dieses wird dann direkt von dem Kostenträger in Auftrag gegeben. Es handelt sich hierbei um den regulären Ablauf und es macht keinen Unterschied, ob es sich um eine Diagnose von einem Psychoanalytiker, Psychotherapeuten oder einfach nur Allgemeinmediziner handelt.

      Wenn Sie bereits 15 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung einbezahlt haben, dann ist diese auch für eine mögliche Umschulung zuständig. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihren Berufswechsel!

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  5. Ich kenne nicht den Grund meiner psychischen Erkrankung, bin aber interessiert an einer Umschulung. Wie kann/sollte ich vorgehen?

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    • Hallo,

      danke für Ihre Nachfrage.

      Also letztlich müssen Sie für eine Umschulung nicht wissen, was der Kern der psychischen Erkrankung ist, sondern benötigen eine Diagnose. Die Diagnose richtet sich nach Ihren Symptomen. Für die Umschulung ist auch nicht Voraussetzung, dass die psychische Krankheit von Ihrem Beruf herrührt. Relevant ist die Frage, sind Sie durch Ihren Gesundheitszustand dauerhaft daran gehindert, Ihrer Arbeit nachzugehen und gibt es einen Beruf, der höchstwahrscheinlich zu einer Besserung der Symptomatik führt.

      Vermutlich wissen Sie, was die Punkte sind, die Ihre jetzige Arbeit zu einer Belastung werden lässt. Versuchen Sie zusätzlich zu analysieren, welche Arbeitsumgebung und Tätigkeiten Ihnen gut gelingen und berücksichtigen Sie dies bei der Wahl des Umschulungsberufs.
      Hier finden Sie eine Liste zu Umschulungsberufen.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg!

      Antworten

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