Umschulung für Berufstätige – gibt es das?

Sie sind Arbeitnehmer und gehen Tag für Tag Ihrer Berufstätigkeit nach. Ihren Beruf haben Sie in jungen Jahren nach der Schule gewählt oder vielleicht auch erst vor nicht allzu langer Zeit. Mit den Jahren ändern sich Interessen und Prioritäten und es keimt der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung auf: Nochmal was ganz anderes machen. Dem eigentlichen Wunschberuf nachgehen. Gleich, ob Sie durch äußere Umstände gezwungen sind (Arbeitslosigkeit, Krankheit), einen neuen Beruf zu erlernen oder ob es Ihr Wunsch nach einem Berufswechsel ist, unter bestimmten Voraussetzungen ist dies mit einer zweiten Ausbildung, einem Studium oder einer Umschulung einfacher möglich als gedacht.

Berufstätige suchen im Arbeitsleben mehr als einen Arbeitsvertrag und diese Haltung ist gesellschaftlich bereichernd, denn im Alltag schätzen wir alle den Unterschied, wenn Arbeitnehmer ihre Arbeit mit Engagement und Herzblut machen. In diesem Beitrag erfahren Sie alles zu staatlich geförderten Umschulungen für angestellte Berufstätige.

 

Bekommen Arbeitnehmer einen Umschulung finanziert?

Was eine Umschulung ist, wissen die meisten Arbeitnehmer in der Regel: Die Arbeitsagentur, das Jobcenter, die Berufsgenossenschaft oder die Rentenversicherung finanzieren dem einzelnen eine zweite Ausbildung, die auf zwei Jahre verkürzt als Umschulung bezeichnet wird. Der Berufswechsel, meist mit schon bestehenden familiären Verpflichtungen, ist oft finanziell gerade nur möglich, da während der Umschulungszeit die Kosten der Schulung und des Lebensunterhalts vom Staat übernommen und sogar weitere Zuschüsse gewährt werden. Um die Frage vorweg zu beantworten: Ja, auch Berufstätige können eine Umschulung und die Übernahme der Kosten durch einen Bildungsgutschein bewilligt bekommen. Es gelten allerdings Bedingungen. 

 

Ohne Arbeitslosigkeit keine Förderung? Warum der Fokus auf Arbeitslosigkeit?

Das Sozialgesetz geht in § 81 SGB III davon aus, dass eine staatliche Förderung mit Steuergeldern der Allgemeinheit nur gerechtfertigt ist, wenn bei dem Einzelnen ein “Förderbedarf” besteht. Die geförderten Personengruppen haben die Gemeinsamkeit, dass sie vermehrt auf das Sozialsystem angewiesen sind (arbeitslose, ungelernte oder kranke Menschen) oder sie bereit sind, einen Beruf zu erlernen, der für die Gesellschaft von besonderem Nutzen ist. Da von arbeitslosen Menschen die durch die Arbeitstätigkeit entstehenden Abgaben und Beiträge (Lohnsteuer, Kranken-, Renten-, Sozialversicherung etc.) fehlen, ist es für den Staat finanziell günstiger, eine neue, zweite Berufsausbildung zu finanzieren. Aus diesem Grund werden Umschulungen überwiegend Arbeitslosen, aber auch kranken und rehabilitierten Arbeitnehmer bewilligt.

 

Wann fördert das Arbeitsamt Berufstätige mit einer Umschulung?

Wer eine Umschulung machen möchte ohne arbeitslos zu sein, wird in seinem Vorhaben ebenso finanziell unterstützt, wenn der Berufswechsel im gesellschaftlichen Interesse steht. Es besteht zwar kein Anspruch auf die Bewilligung der Förderung, aber Ihre Chancen stehen jedenfalls gut, wenn Sie bislang einen nicht sehr gefragte Beruf ausgeübt haben und ein einen Beruf mit hoher Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt (Mangelberuf / Engpassberuf) wechseln möchten. Ähnliches gilt, wenn Sie zwar in einem gefragten Beruf arbeiten, aber durch eine Umschulung oder Weiterbildung auf eine noch gefragtere Schnittstellenposition wechseln könnten.

Wer als Pflegehelfer eine Umschulung zur Pflegefachkraft (Altenpfleger, Krankenpfleger) machen möchte, wird durch den Bildungsgutschein zwei Jahre lang finanziell unterstützt,  da das Gesundheitswesen seinen hohen Bedarf an Pflegeexperten aktuell nicht decken kann. Ganz anderes sieht es jedoch aus, wenn eine Erzieherin sich den Wunsch erfüllen möchte, endlich Friseurin oder Visagistin werden möchte. Die Agentur für Arbeit fördert nicht den Wechsel einer gefragten Berufsgruppe in Berufe mit weniger Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Wer jedoch beruflich erfolgreich als Vertriebsmitarbeiter arbeitet und sich zum Beispiel zum Key Account Manager weiterbilden lassen möchte, kann unter Umständen mit einem Zuschuss rechnen.

 

Wie bekomme ich den Bildungsgutschein?

Nachdem Sie für sich entschieden haben, welchen Umschulungsberuf Sie ergreifen möchten, sollten Sie recherchieren, wie die Arbeitsmarktdaten in Ihrer Region aussehen. Werden Absolventen der Umschulung aktuell gesucht? Kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage in zwei Jahren nach Abschluss Ihrer Umschulung weiter besteht? Ist beides der Fall, dann überlegen Sie sich eine plausible Argumentation, warum Sie Ihren bisherigen Job verlassen möchten. Langeweile oder Unterforderung sind große Belastungen im Arbeitsleben, aber als Grund für eine staatliche Förderung eher ungeeignet. Ideal sind gesundheitliche Gründe für einen Wechsel, ebenso bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc.

Vereinbaren Sie eine Termin mit der regionalen Zweigstelle der Agentur für Arbeit für ein Beratungsgespräch. Dort ist man nicht nur für ALG1-berechtigte Arbeitslose zuständig, sondern auch für Berufstätige, die eine Umschulung oder Weiterbildung machen möchten. Gehen Sie nicht naiv an das Beratungsgespräch heran: Nur wenn Sie aus einem Nicht-Mangelberuf in einen Engpassberuf wechseln möchten, wird es Ihnen die Arbeitsagentur leichter machen. Ansonsten müssen Sie zunächst gute Gründe für eine Umschulung bieten, damit der Mitarbeiter des Arbeitsamts auch einen Förderbedarf bei Ihnen sieht.

 

Wie kann eine Förderung konkret aussehen?

Wenn Sie in einen sehr gefragten Beruf wechseln möchten, kann die Arbeitsagentur Ihnen einen Bildungsgutschein ausstellen (§ 82 Abs.1 S.3 SGB III). Dieser deckt nicht nur die Kosten der Umschulung, sondern auch Ihren Lebensunterhalt ab. Die Höhe des Übergangsgeldes orientiert sich an Ihrem ALG1-Satz oder wenn Sie keinen Anspruch darauf haben, an den Leistungen nach ALG2.

Ist die Umschulung für den Berufswechsel nicht erforderlich, sondern reicht auch eine berufsbegleitende Weiterbildung dafür aus, dann dürfen Sie sich sicher sein, dass nur ein Bildungsgutschein für diese Fortbildung neben Ihrer Arbeit bewilligt wird. Der Bildungsgutschein umfasst dann nur die Kosten der Schulung sowie Prüfungsgebühren, nicht aber den Lebensunterhalt. Für Ihre laufenden Kosten haben Sie weiterhin Ihre Arbeitsstelle. Eine Weiterbildung neben dem Job wird im Idealfall als Fernkurs mit einzelnen Präsenzphasen absolviert.

Ist die Umschulung oder Weiterbildung auch im Interesse Ihres aktuellen Arbeitgebers, was insbesondere anzunehmen ist, wenn Sie im Anschluss weiter bei diesem beschäftigt sein werden, dann gilt die abweichende Regelung des § 82 SGB III. Demnach wird erwartet, dass der Arbeitgeber Teile der Kosten der Umschulung trägt. Faktisch erfolgt hier keine Leistung an den Arbeitnehmer, sondern der Arbeitgeber stellt einen Antrag bei der Arbeitsagentur für eine finanzielle Förderung. Der Arbeitnehmer muss also gegebenenfalls den Arbeitgeber von der innerbetrieblichen Umschulung überzeugen.

 

Wann bezahlt die Arbeitsagentur Weiterbildungen für Arbeitnehmer?

Ja, die Weiterbildung wird vollständig oder zumindest teilweise bezahlt, wenn entweder sie für einen sehr gefragten Beruf qualifiziert oder die Fortbildung nötig ist, damit der Arbeitnehmer dauerhaft seinen Beruf weiter vorführen kann (Stichwort: Verhinderung von Arbeitslosigkeit durch Digitalisierung) und in den letzten vier Jahren keine Weiterbildung von der Arbeitsagentur finanziert wurde.

Wichtig: Einen finanzielle Förderung ist nur möglich, wenn der Anbieter der Umschulung oder Weiterbildung AZAV-zertifiziert ist, was einen Mindeststandard des Ausbildungsinstituts garantiert. Eine beliebte Form der berufsbegleitenden Umschulung für Berufstätige ist ein Fernstudium oder Fernkurs: Mehrere renommierte Ausbildungsinstitute qualifizieren Arbeitnehmer neben dem Job überwiegend im Fernstudium und bestehen nur für die Teilnahme an einem Präsenzseminar auf die Anwesenheit vor Ort am Bildungsinstitut.

Kostenlose Informationen zu Weiterbildungen und Umschulungen

Sie möchten neben der Arbeit eine verkürzte Umschulung oder neben dem Beruf eine Weiterbildung machen, Sie sind sich aber noch nicht sicher welche Qualifizierung es sein soll? Lassen Sie sich inspirieren: Wir haben Ihnen eine Liste anerkannter Ausbildungsinstitute zusammengestellt, deren Bildungsangebot überwiegend AZAV-zertifiziert und somit durch einen Bildungsgutschein finanzierbar ist. Bestellen Sie sich kostenfrei und unverbindliche einen Studienkatalog nach Hause. Dieser Service ist selbstverständlich kostenlos für Sie. 

 

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