Wer finanziert eine Umschulung nach der Schwangerschaft oder nach der Elternzeit?

Der berufliche Wiedereinstieg nach der Geburt des Kindes oder das Ende der Elternzeit kann ein guter Zeitpunkt für eine Veränderung sein. Eine Umschulung bringt Familien einige Vorteile.

Wer nach einer Schwangerschaft oder nach der Elternzeit zu dem Ergebnis kommt, dass man nicht mehr in den alten Beruf zurückkehren möchte, der steht vor der Frage: Kann man nach der Schwangerschaft und Elternzeit eine Weiterbildung machen? Habe ich nach der Geburt einen Anspruch auf eine Umschulung und wer finanziert diese? Kann ich eine zweite Ausbildung machen um mich beruflich neu zu orientieren? Dieser Ratgeber klärt alle Fragen von zukünftigen oder frisch gebackenen Eltern, die einen neuen Beruf ergreifen möchten. Sollten Sie bereits eine Umschulung machen und nun während der Umschulung schwanger werden, dann erfahren Sie in diesem Artikel alles zu Mutterschutz, Elternzeit und Fortsetzung der Umschulung. 

Kann man nach der Schwangerschaft, Geburt und Elternzeit eine Umschulung machen?

Ja, eine Umschulung ist unmittelbar nach der Elternzeit möglich, da die Rückkehr in den bisherigen Beruf mit Kind unmöglich sein kann. Die Schwangerschaft und die sich daran anschließende Geburt eines Kindes sind sicherlich sehr freudige Ereignisse im Leben der meisten Menschen. Wer bereits mit seinem bisherigen Beruf Schwierigkeiten hatte, kann nach der Schwangerschaft vor noch größeren Beruflichen Herausforderungen stehen. Zum einen kann es vorkommen, dass durch die Belastungen der Schwangerschaft und die Geburt bestimmte schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr ausgeübt werden können. Andererseits sehen nach der Geburt Eltern ihren Beruf und Karrieremöglichkeiten unter einem anderen Blickwinkel (Wunsch nach höherem Gehalt, besseren Aufstiegschancen, Karriereperspektiven und flexiblen Arbeitszeiten). 

 

Welche Gründe sprechen für eine Umschulung nach der Elternzeit?

  • Körperliche Beeinträchtigung durch Schwangerschaft oder Geburt: Insbesondere nach einem Kaiserschnitt können die Betroffenen für einen langen Zeitraum keine schwere körperliche Arbeit mehr verrichten – in manchen Fällen können sogar bleibende Beschwerden entstehen.
  • Unflexible, starre Arbeitszeiten wegen Schichtdienst oder Wochenendarbeit:  Sehr viel häufiger kommt es jedoch vor, dass die neue familiäre Situation die weitere Berufsausübung erschwert. Wer beispielsweise bislang im Schichtdienst tätig war oder häufig am Wochenende arbeiten musste, dann verträgt sich das nur schwer mit der Erziehung eines Kindes. In diesem Fall kann ebenfalls ein Berufswechsel helfen, Familie und Arbeit besser miteinander zu vereinbaren.
  • Wiedereinstieg erst nach langer Baby-Pause und Kindererziehung: Ein weiterer Grund, der dazu führt, dass nach der Schwangerschaft und der Geburt ein neuer Beruf erlernt werden muss, besteht darin, dass nach einer längeren Pause der Einstieg oftmals nur noch schwer möglich ist. Insbesondere in Berufen mit einer geringen Nachfrage kann eine längere Baby-Pause dazu führen, dass eine weitere Berufsausübung unmöglich wird.

 

Kann ich nach dem Kind eine zweite Ausbildung machen?

Ja, Eltern können nach der Geburt ihres Kindes eine zweite Ausbildung machen, wenn sie den bisherigen Beruf nicht mehr ausüben wollen. Die zweite Ausbildung kann verkürzt werden, wenn die Voraussetzungen für eine Umschulung vorliegen:

  • bereits erlernter und bisher ausgeübter Beruf kann nicht mehr weiter ausgeübt werden
  • neuer Beruf baut auf die bisherige berufliche Tätigkeit auf
  • ausreichende Aussicht auf eine Arbeitsstelle nach der Umschulung (Prognose der zukünftigen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt)

Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, dann müssen Mütter und Väter, die nach der Elternzeit eine neue Ausbildung machen möchten, tatsächlich den Weg einer zweiten Ausbildung von Anfang an gehen. Leider bringt eine reguläre zweite Ausbildung, die keine Umschulung ist, für Eltern Nachteile: 

  • reguläre, unverkürzte Ausbildungszeit statt verkürzte Umschulungszeit
  • geringe Ausbildungsvergütung statt Umschulungsgehalt

Die Empfehlung lautet damit eindeutig, dass Sie versuchen sollten, Ihre berufliche Neuorientierung mit Kind über den Weg einer Umschulung zu gehen.

 

Wer finanziert mit eine Weiterbildung nach der Schwangerschaft und Geburt?

Eine Weiterbildung nach der Geburt bzw. der Elternzeit wird vom bisherigen Arbeitgeber, der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter bezahlt. Zunächst müssen Sie für sich klären, ob eine Weiterbildung nach der Elternzeit Sie Ihrem neuen Berufswunsch näher bringt. Eine Weiterbildung vertieft Ihr Wissen und mehrt Ihre Fähigkeiten in einem Bereich Ihres bisherigen Arbeitslebens. Eine Weiterbildung ist meist nicht ausreichend, wenn Sie nach der Schwangerschaft und Geburt einen ganz neuen Beruf ergreifen möchten. Ein Berufswechsel setzt regelmäßig eine Umschulung voraus. 

Für eine Weiterbildung nach der Schwangerschaft wenden Sie sich bitte an die folgenden Stellen:

  • Finanzierung der Weiterbildung durch den Arbeitgeber: Der bisherige Arbeitgeber kann seinerseits einen staatlichen Zuschuss beantragen und Ihnen eine Weiterbildung nach der Elternzeit finanzieren. Voraussetzung wird immer sein, dass Sie sich verpflichten, weiter (längerfristig) für den alten Arbeitgeber zu arbeiten und dass die Weiterbildung für den Betrieb hilfreich ist. Will Ihr Arbeitgeber Ihnen keine neuen Tätigkeitsbereiche übertragen, dann wird der Weiterbildungswunsch meist abgelehnt.
  • Weiterbildung bezahlt vom Arbeitsamt: Wenn Sie trotz Ihres Anspruchs auf Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz (Vorsicht: Es wird nur die Rückkehr zum bisherigen Arbeitgeber garantiert, nicht aber auf die exakt selbe Arbeitsstelle.) nicht zu ihrem Arbeitgeber zurückkehren können (zum Beispiel wegen Insolvenz), dann sind Sie bei Rückkehr aus der Elternzeit von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Agentur für Arbeit kann Ihnen mit der Kostenübernahme für eine Weiterbildung die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz erhöhen. Ob die Weiterbildung bezahlt wird, hängt von vielen Faktoren ab (insbesondere Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt), die von Einzelfall zu Einzelfall variieren.
  • Weiterbildung finanziert vom Jobcenter: Wenn Sie vor der Elternzeit arbeitslos waren, dann ist das Jobcenter die richtige Anlaufstelle für Weiterbildungen. Auch hier ist die Frage der Finanzierung von individuellen Details abhängig.

 

Berufsorientierung mit Kind: Neue Arbeitsstelle nach der Elternzeit dank Fernstudium

Ein anderer Weg zum Wechsel des Arbeitsplatzes nach einem Kind kann ein Fernstudium sein. Fernstudiengänge sind mit den Herausforderungen eines Familienalltags gut zu vereinbaren:

  • Kein Pendeln zur Ausbildungsstelle, sondern Lernen zu Hause oder ortsnah, zum Beispiel in einer Bibliothek
  • Keine Anwesenheitspflicht und Abhängigkeit von Arbeitszeiten: Wann. und wo Sie sich bilden, entscheiden Sie alleine

Wenn Sie sich für ein Fernstudium interessieren, dann finden Sie hier mehr Informationen zu Fernschulen und deren Kursangebot.  

 

An wen wendet man sich für die Finanzierung der Umschulung?

Mütter und Väter, die nach der Elternzeit nicht mehr in den alten Beruf zurückkehren können, haben drei Anlaufstellen für die Übernahme der Umschulungskosten: Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Rentenversicherung.

So vielfältig wie die Gründe für eine Umschulung nach der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes sind, so unterschiedlich sind also auch die Möglichkeiten für deren Finanzierung. Gemein ist ihnen jedoch, dass Sie bei den Kostenstellen einen Antrag auf Erteilung eines Bildungsgutscheins stellen müssen. Weitere Informationen, was Sie vor der Antragstellung wissen sollten und wie Sie Ihrem Antrag zu Erfolg verhelfen, finden Sie hier.

  • Die Finanzierung der Umschulung durch die Rentenversicherung erfolgt, wenn die Mutter bei der Geburt bleibende gesundheitliche Schäden erlitten hat, die die weitere Berufsausübung verhindern, ist die Rentenversicherung ein guter Ansprechpartner – allerdings nur, wenn Sie entweder bereits seit mindestens 15 Jahren Beiträge bezahlen oder wenn Sie aufgrund der Beschwerden eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Sollte dies nicht zutreffen, haben Sie auch die Möglichkeit, sich an die Arbeitsagentur zu wenden.
  • Das Arbeitsamt übernimmt die Kosten der Umschulung, wenn Sie nach der Elternzeit arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, beispielsweise weil absehbar ist, dass Sie nach Rückkehr zum bisherigen Arbeitgeber die Arbeitsstelle zeitnah verlieren werden. Deutlich schwieriger wird die Umschulung, wenn Sie diese durchführen wollen, um familienfreundlichere Arbeitszeiten zu erhalten. In solchen Fällen ist eine Finanzierung nur sehr schwer möglich, doch kann manchmal auch hier die Agentur für Arbeit weiterhelfen. Deshalb ist es stets zu empfehlen, hier rechtzeitig vor Ende der Elternzeit die Möglichkeiten zu überprüfen. Grundsätzlich sollen Arbeitgeber zum Beispiel eine Rückkehr von einer Vollzeitstelle auf eine Teilzeitstelle ermöglichen. Wenn sich während der Baby-Pause die Arbeitsmarktsituation zu Ihren Ungunsten verändert hat, sodass Sie keine neue Anstellung finden, können Sie sich ebenfalls an das Arbeitsamt wenden.
  • Das Jobcenter bezahlt die Umschulung, wenn Sie bereits vor der Geburt arbeitslos waren und die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt mit Ihrer bisherigen Berufsausbildung sehr schlecht sind. Für diese Zukunftsprognose werden auch Aspekte der Kindererziehung berücksichtigt, zum Beispiel Unmöglichkeit des Schichtdienst in den ersten Lebensjahren des Kindes, insbesondere auch bei einer gesundheitlichen Beeinträchtigung des Kindes

 

Welche Umschulungsberufe eignen sich nach der Schwangerschaft und Elternzeit?

Wenn Sie nach der Geburt eines Kindes einen neuen Beruf erlernen wollen, sollten Sie stets darauf achten, dass dieser familienfreundliche Arbeitszeiten mit sich bringt, damit der neue Beruf langfristig Ihr Einkommen sichert. Tätigkeiten im Bereich des Bildungswesens und der öffentlichen Verwaltung sind hierbei beispielsweise sehr gute Optionen. Unregelmäßige Arbeitszeiten wie im Gesundheitswesen sollten Sie nach Möglichkeit vermeiden.

Wenn durch die Schwangerschaft bleibende gesundheitliche Schäden entstanden, sollten Sie selbstverständlich einen Beruf auswählen, der keine schwere körperliche Arbeit mit sich bringt. In diesem Fall sollten Sie unbedingt auch die Berufswahl mit Ihrem Arzt besprechen, um sicherzugehen, dass Sie der neuen Aufgabe gewachsen sein werden.

 

Wie finde ich einen familienfreundlichen Umschulungsanbieter?

In Deutschland gibt es eine sehr große Zahl an Einrichtungen, die für eine Umschulung nach der Babypause infrage kommen. Wenn Sie sich nach der Elternzeit für einen neuen Beruf entscheiden, sollten Sie bereits bei der Wahl des Umschulungsbetriebs auf eine familienfreundliche Ausrichtung achten. Es gibt einige Bildungseinrichtungen, die sich speziell auf Kurse für junge Mütter spezialisiert haben. Diese Anbieter berücksichtigen ausdrücklich, dass die Zeiten, in denen die Umschulung stattfindet, gut mit dem Familienleben vereinbar sind.

Außerdem bieten viele Anbieter die Möglichkeit, einen großen Teil des Lernstoffs der Umschulung zu Hause zu bewältigen. So können Sie Ihre Berufsaussichten verbessern und dennoch flexibel für Ihr Kind da sein. Eine sehr gute Alternative ist auch ein Fernstudium. So können Sie die komplette Umschulung zu Hause durchführen. Die Einteilung der Lernzeiten können Sie völlig unabhängig gestalten, beispielsweise anhand der Zeiten, in denen das Kind schläft oder eine Kita besucht.

 

Zusammenfassung:

  • Viele Eltern überlegen nach einer Geburt des Kindes sich auch beruflich umzuorientieren. Es stehen unterschiedliche Wege zum neuen Beruf offen: eine zweite Ausbildung, eine Weiterbildung oder eine Umschulung.
  • Für Mütter und Väter eigenen sich für einen Berufswechsel eine Umschulung am Besten: Das Umschulungsgehalt ist höher als eine Ausbildungsvergütung und die Umschulung ist zeitlich kürzer.
  • Eine Alternative zur Umschulung kann ein Fernstudium sein, das maximal zeitlich flexibel mit der Betreuung des Kindes vereinbart werden kann.
  • Für eine Umschulung ist ein Antrag beim Kostenträger erforderlich. als Kostenträger kommen die Agentur für Arbeit, das Jobcenter oder die Rentenversicherung in Betracht.
  • Bei der Wahl des Umschulungsberufs und Umschulungsanbieters muss der Aspekt der Familienfreundlichkeit berücksichtigt werden: Die Argumentation, der bisherige Beruf ist nicht mit einer angemessenen Erziehungsarbeit vereinbar, läuft ins Leere, wenn der neue Umschulungsberuf diese Anforderung auch nicht erfüllen kann.