Umschulung Tagesmutter / Kinderbetreuung

„Mutter“ für ein paar Stunden täglich: Der Nachfrage nach qualifizierter Kinderbetreuung kann nur durch den Einsatz von Tagesmüttern  nachgekommen werden.

Nach der Umschulung betreut eine Tagesmutter selbständig und gegen Entgelt Kinder in Form einer zeitweiligen Kindertagespflege. Die Betreuung von Kindern in Kleingruppen stellt damit eine Alternative zu einer Unterbringung in einer Kindertagesstätte dar. Regelmäßig werden Kinder im Alter zwischen 0 und 6 Jahren (in Einzelfällen bis zum 14. Lebensjahr) von Tagesmüttern betreut. Eine Ausbildung oder Umschulung zur Erzieherin ist hierfür nicht erforderlich, stellt aber eine beliebte Aufstiegsfortbildung dar. Momentan befindet sich die Qualifizierungsmaßnahme im Umbruch, da an einem bundesweit einheitlichen Ausbildungsstandard für Kinderbetreuungskräfte gearbeitet wird. Dieser Artikel wird regelmäßig einem Update unterzogen.

Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kosten der Weiterbildung zur Tagesmutter von der Arbeitsagentur übernommen. Wir haben Ihnen die wichtigsten Informationen zur Umschulung für Tagesmütter rund um die Themen Kosten, staatlich Förderung, Dauer, Anbieter der Qualifizierung, Abschlussprüfungen und Berufseinstieg zusammengefasst. Wichtiger Hinweis vorab:

Die Umschulung zur Kindertagespflegeperson ist keine Ausbildung im eigentlichen Sinne, sondern erfolgt über eine Qualifizierung, mit der Sie sich als Tagesmutter zertifizieren lassen.

 

Wie und wo arbeiten Tagesmütter?

Die Betreuung erfolgt bedarfsorientiert für einige Stunden, halb- oder ganztags. Zuweilen wird z. B. bei einer Nachtschichttätigkeit der Eltern auch eine nächtliche Betreuung vereinbart. Meist erfolgt die Kinderbetreuung in der Wohnung der Tagesmutter, teilweise aber auch im Elternhaushalt. Die Tagesbetreuung wird familiär gestaltet, verfügt über eine feste Tagesstruktur und beinhaltet eine Förderung der Kinder.

 

Welche Voraussetzungen muss man als Tagesmutter erfüllen?

Wer dauerhaft (für mehr als drei Monate und über 15 Stunden wöchentlich) als Tagesmutter Kinder betreuen möchte, benötigt eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes nach § 43 SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe). Die Erlaubnis des Jugendamtes berechtigt zur Betreuung von maximal fünf gleichzeitig in der Wohnung der Tagesmutter anwesenden Tageskindern. Landesrechtliche Bestimmungen können auch die Betreuung einer größeren Anzahl von Kindern zulassen, wenn die Tagesmutter über eine pädagogische Ausbildung verfügt.

 

Zukunftsaussichten

Um den hohen Bedarf an Kinderbetreuungskräften abzudecken, fördert das „Aktionsprogramm Kindertagespflege“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Freizeit und Jugend die Fortbildung von Kinderbetreuern/Kinderbetreuerinnen zu Erziehern und Erzieherinnen.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Eine formelle Ausbildung zur Tagesmutter existiert noch nicht, doch bestehen Richtlinien der Jugendämter und des Tagesmütter-Bundesverbandes.

Das Jugendamt verschafft sich durch Gespräche und Hausbesuche einen Eindruck über die Eignung der Tagesmutter. Die Genehmigung des Jugendamtes wird auf fünf Jahre befristet. Die Erteilung der Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt setzt die Eignung der Tagesmutter voraus, die umfassende Kenntnisse in der Kindertagespflege nachweisen muss, die sie in Fachlehrgängen oder im Rahmen einer Ausbildung erworben hat.

Unterschiedlichste Voraussetzungen
Die einzelnen Bundesländer stellen unterschiedliche Voraussetzungen an die fachliche Qualifikation von Tagesmüttern: Während teilweise Fortbildungen von 160 Unterrichtsstunden, eine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung sowie alljährliche Fortbildungen verlangt werden, genügt in anderen Bundesländer ein 16-stündiger Lehrgang.

 

Was lernt man in der Umschulung zur Tagesmutter?

Die Qualifizierungs- und Prüfungsordnung“ des Bundesverbandes für Kinderbetreuung in Tagespflege e. V. bezieht 10 Lernfelder ein, die in 160 Unterrichtsstunden zu absolvieren sind. Zu den vermittelten Lernfeldern gehören:

  • die Schaffung einer beruflichen Identität der Tagesmütter (Motive der Pflegeperson, Erwartungshaltungen der Tagesmutter an die Kinderbetreuung sowie rechtliche und finanzielle Aspekte),
  • das an die Tagesmutter gestellte Anforderungsprofil (zu erfüllende persönliche Voraussetzungen, Umgang mit Kritik, Rollenerwartungen),
  • die Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung (Arbeitsplatz und Lebensumfeld in der eigenen Familie, Alltagsgestaltung, pädagogische Konzepte),
  • die Kinderbetreuung aus den Sichtweisen der Kinder und ihrer Eltern (das betreute Kind zwischen zwei Familien,
  • der Tagesablauf betreuter Kinder, Bedürfnisse von Kindern unterschiedlichen Alters,
  • das Sicherheitsbedürfnis von Eltern, Gestaltung der Erziehungspartnerschaft, an die Tagesmutter gestellte Elternerwartungen, Kommunikation mit den Eltern, Konfliktlösung, Rechte und Pflichten),
  • der Umgang mit rechtlichen Aspekten der Kindertagesbetreuung (Kinder- und Jugendhilfegesetz, Pflegeerlaubnis des Jugendamtes, Gestaltung des Vertrags mit den Eltern, Unfallversicherung, Datenschutz, pädagogische Aufgaben, strafrechtliche Risiken),
  • Möglichkeiten der Betreuung und Erziehung der Kinder (kindliche Bedürfnisse und Entwicklungsphasen, Sozialverhalten von Kindern, emotionale und kognitive Förderung, Umgang mit Aggressionen, Kinderängsten und Verhaltensstörungen),
  • pädagogische Maßnahmen zur Förderung der Kreativität der Kinder (Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung, Gestalten von Geburtstagen und Festen, Bedeutung von Büchern und Sprache),
  • das Eingehen auf in besonderen Lebenssituationen befindliche Kinder (Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Gewalt und Misshandlungen, Suchtproblemen von Eltern und bei getrennt lebenden Eltern) sowie das Haushaltsmanagement während der Tagesbetreuung.

 

Zielgruppe der Umschulung

Voraussetzung für eine Tätigkeit als Tagesmütter ist Freude am Umgang mit Kindern, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und eine hohe Belastbarkeit. Unerlässlich ist in der Beziehung zu den Eltern eines Pflegekindes Toleranz, Selbstkritikfähigkeit, Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft. Zudem muss die Tagesmutter über ausreichenden Platz zum Spielen, Rückzugsmöglichkeiten und eine entsprechend des Kindesalters abgesicherte Wohnung für die Pflegekinder verfügen. Das Jugendamt verlangt auch ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, ein Arztattest über die physische und psychische Gesundheit der Tagesmutter sowie die Durchführung eines kinderbezogenen Erste-Hilfe-Kurses.

Fördermaßnahmen

Die Umschulung zur Tagesmutter kann über das Arbeitsamt, die Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaften finanziell unterstützt werden. Grundlage hierfür sind das Qualifizierungschancengesetz, die Bewilligung eines Bildungsgutscheins oder gesundheitliche Gründe, die einen Berufswechsel erforderlich machen. Häufig wird die Qualifizierung zur Kinderfrau von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter übernommen.

 

Wie bekommen Sie eine Umschulung vom Arbeitsamt?

Die Arbeitsagentur kann die Kosten einer Umschulung zur Tagesmutter durch Ausstellung eines Bildungsgutscheins übernehmen, wenn die Umschulung erforderlich ist. Dies ist der Fall, wenn durch die Maßnahme Arbeitslosigkeit beendet werden kann oder Sie wegen Krankheit nicht mehr im bisherigen Job arbeiten können. Grundsätzlich wird aber ein vorangegangener Berufsabschluss oder eine mehrjährige Berufstätigkeit verlangt. Zur Beantragung des Bildungutscheins ist ein persönliches Beratungsgespräch beim Arbeitsamt erforderlich.

Tagesmutter werden: Mündliche und schriftliche Prüfung verpflichtend

Wer den Berufswechsel zur Tagesmutter vollziehen möchte, der muss nach der Teilnahme an der Grundqualifizierung eine Prüfung ablegen. Diese Abschlussprüfung zur Kinderbetreuerin besteht aus einer mündlichen Prüfung und einem schriftlichen Leistungsnachweis. Da es keine verbindliche Prüfungsordnung für Kindertagespflegepersonen gibt, hängt die Prüfung und faktisch auch der Prüfungsstoff von dem Bildungsanbieter ab. Eine aussagekräftige Musterprüfung für Tagesmütter gibt es somit nicht.  

Die mündliche Prüfung („Kolloquium“) kann als Einzelgespräch (circa 20 Minuten) oder in einer Gruppe (etwa eine Stunde) statt finden. Wenn das Prüfungsgespräch mit 2-3 Prüflingen veranstaltet wird, dann wird gewöhnlich jedem Kandidaten Fragen direkt gestellt. Wenn die Prüfungsfrage nicht beantwortet werden kann, dürfen die anderen Teilnehmer antworten.

Die schriftliche Prüfung ist meist eine Mischung aus Multiple-Choice-Fragen und Fragestellungen, die mit eigenen Worten beantwortet werden sollen. Die Qualifizierungsstelle hat hier einen großen Spielraum, wie die Klausur ausgestaltet wird. Fragen Sie nach einer Musterprüfung aus vergangenen Jahren, um zu wissen, was verlangt wird.

 

Wieviel verdient man als Tagesmutter?

Nach der kurzen Umschulung verdienen Tagesmütter zwischen 1500 und über 3400 Euro pro Monat. Der Stundensatz pro betreutem Kind unterscheidet sich von Bundesland zur Bundesland stark. Der gezahlten Beträge für Betreuung inklusive Verpflegung schwanken zwischen 4 bis 12 Euro pro Kind (Stand 2022). Erfahrungsgemäß variiert der Stundenlohn auch abhängig von der Ausbildung. Kinderbetreuungskräfte mit Qualifizierung zur pädagogischen Fachkraft wie Erzieherin, Kinderpfleger oder Sozialpädagogische Assistentin verdienen statistisch mehr. Aus diesem Grund sind für Tagesmütter berufsbegleitende Weiterbildungen, die neben der Arbeit absolviert werden können, sehr empfehlenswert.

 

Weiterbildungsmöglichkeiten für Tagesmütter

Wenn Sie eigenständig in der Kindertagesbetreuung arbeiten, dann sind Sie alle zwei Jahr zu einer Anpassungsfortbildung verpflichtet. Fortbildungsveranstaltungen für Tagesmütter in Form von Vorträgen, Seminaren und sonstigen Fortbildungen werden von Tagesmütterverbänden sowie von einigen Jugendämtern und Volkshochschulen angeboten. Darüberhinaus gibt es viele interessante Fortbildungsangebote für alle pädagogischen Fachkräfte, die Kinder betreuen. Beliebt sind dabei nebenberufliche Weiterbildungsmöglichkeiten, die zeitlich flexibel wahrgenommen werden können. Zum Beispiel Fernkurse wie:

 

Aufstiegsfortbildung: Von Tagesmutter zu Erzieherin

Nach der Qualifizierung möchten manche Tagesmütter sich zur Erzieherin umschulen lassen. Es handelt sich bei der Umschulung zum Erzieher um eine der beliebtesten Weiterbildungen überhaupt. Tatsächlich besteht auch bundesweit eine sehr hohe Nachfrage und Kinderfrauen sind mit ihrer Berufserfahrung durch die Organisation einer Kinderbetreuungsstelle sehr begehrt. Das durchschnittliche Gehalt von Erzieherinnen liegt bei monatlich 2.300 Euro (Berufseinstieg) und steigt mit zunehmender Arbeitserfahrung auf bis zu 3.700 Euro.

Wenn Sie mit dem Gedanken einer Umschulung spielen, dann  benötigen Sie vor der Erzieherausbildung Arbeitserfahrung in einem sozialen Beruf oder eine erste abgeschlossene Berufsausbildung. Für die erstgenannte Voraussetzung, ist die Grundqualifizierung in der Tagespflege mit anschließender Berufspraxis ausreichend.

 

Alternative Umschulungen im Fernstudium

Für benachbarte Berufe im Erziehungsbereich stehen Fernstudiengänge (teilweise auch bis zum Bachelor-Abschluss ohne Fachabitur) und nicht-akademische Fernkurse zur Verfügung. Fernschulen sind optimal für Berufstätige, die sich am Wochenende oder in der Freizeit beruflich fortentwickeln möchten.

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Anbieter der Umschulung

Wenn Sie die Zertifizierung zur Tagesmutter machen möchten, dann gibt es in jedem Bundesland zugelassene Bildungsanbieter. Auch an Berufsakademien können Fachlehrgänge zur Ausbildung als Tagesmutter belegt werden. Eine Übersicht aller Qualifizierungsstellen, bei denen Sie sich zur Tagesmutter fortbilden lassen können, finden Sie hier: Tagesmutter werden.

 

Qualifizierungsanbieter nach Orten

  • Niedersachsen
  • NRW: Düsseldorf, Duisburg, Dortmund, Essen, Köln, Oberhausen, Wuppertal
  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Schleswig-Holstein
  • Dresden
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern

 

Update 2022: Bundesweit gleicher Ausbildungsstandard für Tagesmütter

Der Bundesverband für Kindertagespflege erarbeitet aktuell eine verbindliche Richtlinie für die Ausbildung zur Tagesmutter. Aktuell wird der Prüfungsinhalt und die Ausgestaltung der Abschlussprüfung von dem gewählten Bildungsträger festgelegt. So kann es zu Schwankungen bei der Ausbildungsqualität kommen. Ziel ist, dass ab 2023 jede Kinderbetreuungskraft für das Zertifikat zur „Qualifizierte Kindertagespflegeperson“ die gleichen Umschulungsinhalte vermitteltt bekommen haben muss.

 

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1 Gedanke zu „Umschulung Tagesmutter / Kinderbetreuung“

  1. Hallo liebes Team,
    Seid Januar hat sich mein Leben etwas geändert. Nun bin ich im Reha Programm des Arbeitsamtes.
    Sie bewilligen mir eine Umschulung. Gibts es Möglichkeiten dies vom Arbeitsamt zu tun zur Ausbildung zur Tagesmutter?
    Wie soll ich weiter vorgehen? Soll ich mich beim Jugendamt melden?

    Lg Vulaj

    Antworten

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