BAföG bei einer Zweitausbildung

Was sagt das BAföG zur Zweitausbildung?
Was sagt das BAföG zur Zweitausbildung?

Das Berufsausbildungsförderungsgesetz (BAföG) war ursprünglich vor allem dazu vorgesehen, auch Kindern armer und bildungsferner Familien eine Schulausbildung und ein Studium zu ermöglichen. Heute haben sich die Kriterien teilweise etwas geändert, doch bleibt der Grundgedanke der gleiche: BAföG soll den Personen einen Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Studium ermöglichen, die es sich sonst nicht leisten könnten. 

Im Geiste dieser Idee wird BAföG im Grundsatz nur für eine Erstausbildung gezahlt. So bestimmt § 7 Abs. 1 BAföG, dass die Ausbildungsförderung nur für eine Erstausbildung geleistet werden kann. Eine Erstausbildung kann eine weiterführende allgemein bildende Schulausbildung sein oder aber auch eine berufsbildende Ausbildung. Somit kann man bereits als Schüler einer Mittelschule, Realschule oder eines Gymnasiums unter Umständen BAföG erhalten, um den Schulabschluss machen zu können und – im Falle des Gymnasiums – die Hochschulreife zu erlangen.

 

BAföG fürs Studium

Man kann aber dann auch BAföG für eine konkrete Berufsausbildung bekommen. Gemeint ist hierbei im allgemeinen nicht eine Berufsausbildung in einem klassischen Ausbildungsberuf, sondern der Besuch einer Universität, Fachhochschule, Berufsakademie oder sonstigen Bildungseinrichtung, der berufliches Wissen vermittelt und am Ende zu einer beruflichen Qualifikation führt.

Gemäß dem Gesetz werden nach der Sekundarschulausbildung mindestens drei Jahre Ausbildung gefördert, die zu einem Beruf führen. Betriebliche Ausbildungen, also zum Beispiel die Lehre zum Bäcker oder zur Bankkauffrau sind hier gemäß § 7 Abs. 1 BAföG übrigens nicht förderungsfähig und beinträchtigen daher auch nicht einen künftigen Förderungsanspruch, was interessant für eine zukünftige Zweitausbildung sein kann.

Und auch wenn Sie innerhalb von weniger drei Jahren eine Ausbildung abschließen, verwirken Sie nicht den Anspruch auf BAföG für eine weitere Ausbildung. Gemäß dem § 7 Abs. 1 BAföG haben Sie weiter Anspruch auf die Förderung einer zweiten Ausbildung, auch wenn die kombinierten Ausbildungszeiten dann die drei Jahre Förderung überschreiten. Hier ein Beispiel, wie Sie den Grundförderungsanspruch aufbrauchen: Zunächst legen Sie Ihr Abitur ab, dann schließen Sie Ihr mit BAföG gefördertes Studium erfolgreich ab. Grundsätzlich ist nun mit dieser Erstausbildung der Förderungsanspruch aufgebraucht. Wenn Sie nun an Ihr abgeschlossenes Studium ein weiteres Aufbaustudium anhängen wollen, ist dies im Grundsatz nicht mehr förderfähig. Aber nur im Grundsatz, denn der § 7 Abs. 2 BAföG nennt einige Ausnahmevoraussetzungen, unter denen auch ein weiteres Studium gefördert werden kann.

 

Die Ausnahmen im Gesetz

Das Gesetz sieht im § 7 Abs. 2 BAföG einige Förderungsmöglichkeiten vor, mit denen eine weitere Ausbildung gefördert werden kann. Die Kriterien sind allerdings recht eng gefasst, denn sie sollen wirklich Ausnahmen bleiben.

Folgende Fälle sind möglich:

 

Fall 1:

Eine bereits bestehende Hochschulausbildung wird durch eine weitere Hochschulausbildung ergänzt. Die ergänzende Ausbildung ist von Gesetzes wegen zwingend notwendig, damit Sie Ihren angestrebten Beruf ausüben können. Ein Beispiel hierfür kann zum Beispiel die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer nach einem abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaft sein. Oder die Facharztausbildung nach einem Studium der allgemeinen Medizin.

 

Fall 2:

Die zweite Möglichkeit einer Ausnahme entsteht, wenn Sie auf dem zweiten Bildungsweg zum Beispiel Ihr Abitur nachholen wollen. Sie haben also bereits eine Berufsausbildung, wollen aber einen allgemein bildenden Schulabschluss nachholen. Auch in diesem Falle sind Sie zum Bezug von BAföG berechtigt.

 

Fall 3:

Der dritte Fall ist dem zweiten verwandt. Nachdem Sie zum Beispiel auf dem zweiten Bildungsweg Ihre allgemeine Hochschulreife erworben haben, beginnen Sie eine weitere Ausbildung, zum Beispiel ein Universitätsstudium. Dieses ist für Sie mit BAföG förderungsfähig.

 

Fall 4:

Sie haben bereits an einer Berufsfachschule oder eine Fachschule eine Ausbildung abgeschlossen und wollen nun eine zweite Ausbildung machen. Diese ist ebenfalls förderungsfähig.

 

Zusammenfassung: Diese vier Fälle sind die Ausnahmen im ansonsten relativ restriktiven Gesetz. Eine weitere Möglichkeit gibt es nur noch, wenn Sie nach einem Bachelor einen höheren Studienabschluss absolvieren wollen, wie Master oder Magister.

 

Master oder Magisterstudiengang?

Gemäß § 7 Abs. 1a BAföG kann nämlich ein Master- oder Magisterstudiengang oder ein postgradualer Studiengang ebenfalls gefördert werden. Voraussetzung für die Förderung ist, dass der Studiengang erstens auf einem bereits abgeschlossenen Bachelor- oder Bakkalaureusstudiengang aufbaut und dass der Student zweitens nur den Bachelor- oder Bakkalaureus abgeschlossen hat, aber keinen weiteren Studiengang.

Der Bachelor- oder Bakkalaureusstudiengang und das darauf aufbauende Studium müssen übrigens zeitlich nicht unmittelbar aufeinander folgen, damit eine Förderung gewährleistet ist. Vielmehr ist eine zeitliche Trennung sogar ein gewisser Vorteil. Wenn Sie nämlich nach Ihrem Bachelor oder Bakkalaureus mindestens drei Jahre lang gearbeitet haben und voll erwerbstätig waren, dann erhalten Sie die Förderung gemäß § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 BAföG unabhängig vom Einkommen Ihrer Eltern. Lediglich die Altersgrenze gemäß § 10 Abs. 3 BAföG müssen Sie einhalten. Diese liegt für Magister- oder Masterstudiengänge bei 35 Jahren.

Fazit
BAföG im Rahmen einer Zweitausbildung zu beantragen kann ein gewisser bürokratischer Aufwand sein. Zu durchschauen, wann Förderungsanspruch besteht und wann nicht, ist nicht ganz einfach. Aber im Zweifel sollten Sie sich immer die Mühe machen, BAföG zu beantragen, denn es ist auf jeden Fall der günstigste Weg, eine zweite Ausbildung zu finanzieren und es ist weitaus nicht so unwahrscheinlich, BAföG zu bekommen, wie man vielleicht denken würde.

13 Gedanken zu „BAföG bei einer Zweitausbildung“

  1. Hallo,
    Meine Tochter hat eine fertig abgeschlossene Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen und arbeitet auch schon seit 9 Jahren in ihrem Beruf. Nun möchte sie aber mit 29 Jahren eine Ausbildung bei der Polizei beginnen. Sie hat auch schon eine Zusage. Sie wohnt nicht mehr zu Hause. Besteht hier eine Fördermöglichkeit mit Bafög?

    Antworten
    • Hallo Manuela,

      wir können Ihnen nicht rechtsverbindlich sagen, ob Ihre Tochter einen Anspruch auf Bafög hat oder nicht. Wir meinen aber, dass die Voraussetzungen sehr wahrscheinlich nicht erfüllt sind.

      Wir wünschen Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute!

      Antworten
  2. Hallo,

    ich habe eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten gemacht und arbeite jetzt aber in einem Pflegeheim. Ich würde nun gerne auf meine medizinische Ausbildung eine Umschulung zur Pflegefachfrau aufsatteln. Mit einem durchschnittlichen Ausbildungsgehalt kann ich mir den Berufswechsel nicht leisten. Wäre die Ausbildung mit BAföG förderfähig?

    Vielen Dank!

    Antworten
    • Hallo Kimberly,

      vielen Dank für Ihre Nachfrage.

      Wir können Ihnen nicht abschließend sagen, ob Ihre Zwietausbildung mit BAföG finanziert werden könnte. Wir gehen aber davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering sind. Da bei Ihnen wohl keine gesundheitlichen Gründe eine Umschulung erforderlich machen und Sie auch nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind, scheidet auch eine Finanzierung über das Arbeitsamt aus.

      Wir haben hier einen Ratgeber Umschulungen für Berufstätige, der möglicherweise Ihre Situation betrifft. Unsere Empfehlung wäre, dass Sie versuchen über Ihren jetzigen Arbeitgeber berufsbegleitend zur Pflegefachfrau umschulen. Recherchieren Sie, ob in Ihrem Bundesland eine Externenprüfung zur Pflegefachfrau möglich ist.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei den nächsten Schritten!

      Antworten
  3. Hallo!
    Ich habe eine schulische Ausbildung zur Sozialassistentin abgeschlossen. Wenn ich den Text richtig verstehe, dann habe ich bei einer weiteren schulischen Ausbildung, z.B. Grafikdesign einen Anspruch auf Bafög?

    Könnten Sie mir die gesetzlichen Paragraphen nennen? Das wäre super!

    Antworten
  4. Hallo,

    ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Ich möchte jetzt aber eine Ausbildung zur Pflegefachfrau im Bereich Pädiatrie (umgangssprachlich: Kinderkrankenschwester) machen. Würde ich Bafög bekommen?

    Ich lebe auch nicht mehr bei meinen Eltern, sondern allein.

    Dankiii

    Antworten
    • Hallo Ireya,

      leider ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Sie eine Förderung über Bafög erhalten werden, da Sie eine erste Berufsausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Bei Ihrem Berufswunsch Kinderkrankenschwester handelt es sich auch nicht um eine weiter aufbauende Qualifizierung, sondern um einen Berufswechsel.

      Mutmaßlich gibt es außer Interessenswegfall auch keinen Grund, warum Sie Ihren Bürojob nicht weiter ausführen können und in den medizinischen Bereich wechseln sollten. Da Ihnen vermutlich keine Arbeitslosigkeit droht oder aus gesundheitlichen Gründen die Berufsausübung unmöglich wird, ist es leider unwahrscheinlich, dass das Arbeitsamt Ihnen einen Berufswechsel fördert.

      Sie sollten den Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung ernst nehmen. Denkbar wäre ergänzend zum Ausbildungsgehalt zum Beispiel ein Bildungskredit oder unter Umständen Bafög auf Darlehnsbasis (hier gelten teilweise andere Regelungen).

      Wir wünschen Ihnen viel erfolg bei den nächsten Schritten und alles Gute!

      Antworten
  5. Hallo
    Ich bin 23 und habe eine abgeschlossene Ausbildung. Allerdings würde ich gerne nächstes Jahr eine neue Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte machen wollen. Zudem wohne ich alleine in einer Wohnung. Würde ich da Bafög bekommen?

    Antworten
    • Hallo Jessi,

      danke für Ihre Nachfrage.
      Wie im Artikel beschrieben, hat die Förderung von Zweitausbildungen durch Bafög einen Ausnahmecharakter. Der Gedanke dabei ist, dass jedem Anspruchsberechtigten mit Steuergeldern eine Berufsausbildung gefördert werden soll. Es gibt Konstellationen in denen anerkannt ist, dass die Berufsausbildungsförderung auch bei einer zweiten Ausbildung möglich ist. Insbesondere wenn Sie durch die erste Berufsausbildung erst den für die zweite Ausbildung erforderlichen Schulabschluss erreicht haben.

      Stellt sich die Berufswahl später leider als unpassend dar, stellt dies keinen Ausnahmegrund dar. Letztlich kommt es für Sie also darauf an, ob Sie durch die erste Ausbildung erst den erforderlichen Schulabschluss zur Verwaltungsfachangestellten erreicht haben.

      Alternative Wege der Finanzierung sind ein Bildungskredit oder ein nebenberuflicher Berufswechsel über eine Abendschule oder Fernstudium. Leider ist eine Ausbildung in der Verwaltung nicht über solch flexible berufsbegleitende Programme möglich. Aber es wäre eine denkbare Option, falls Sie sich auch einen anderen Beruf vorstellen können.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei den nächsten Schritten!

      Antworten
  6. Guten Tag,

    Ich hatte einen Berufsunfall und muss wahrscheinlich eine Umschulung in Form von einer 2-jährigen Ausbildung machen. Die BGW würde die Umschulung bezahlen.

    Da ich bisher Friseurin war, wird das monatliche Gehalt über die Berufsgenossenschaft in den Ausbildungsjahren viel zu gering sein. Dürfte ich in diesem Fall Bafög beantragen?

    Vielen dank,
    Anastasia

    Antworten
    • Hallo Anastasia,

      danke für Ihre Nachricht.

      Bafög ist nicht als Finanzierungsmittel bei Umschulungen vorgesehen, sondern vorrangig bei Ausbildungen. Umschulungen werden über Leistungen der Arbeitslosen-, Unfall- oder Rentenversicherung bzw. Beiträge zu Berufsgenossenschaften finanziert.

      Wenn bei Ihnen die Berufsgenossenschaft die Umschulung finanziert, dann sollten Sie den Bescheid zur Höhe der Zahlung abwarten. Anschließend können Sie zusätzliche Förderungen beantragen, wie zum Beispiel Wohngeld über die Gemeinde/Stadt. Bei einer betrieblichen Umschulung ist auch ein Gehalt seitens des Umschulungsbetriebs innerhalb des Freibetrages denkbar.

      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umschulung und alles Gute!

      Antworten
  7. Ich habe ein Kulturwissenschaftliches Studium im Bachelor abgeschlossen – ohne Bafög in Anspruch genommen zu haben.
    Jetzt mache ich eine Ausbildung (Berufskolleg) zur Goldschmiedin (ich bin 24 Jahre alt).
    Kann ich Bafög beantragen?

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