Arbeitslos, aber schon neuen Job – muss ich mich dennoch arbeitslos melden?

Sie haben Ihren aktuellen Job zwar verloren, aber schon jetzt einen neuen Arbeitgeber gefunden, bei dem Sie einsteigen können?In welchen Situationen Sie sich dennoch arbeitslos melden müssen und welche weiteren Besonderheiten es außerdem zu bedenken gibt, haben wir Ihnen in diesem Artikel zusammengestellt.Im letzten Teil des Artikels finden Sie einige Beispiele, anhand derer wir die Möglichkeiten praktisch darstellen wollen.
Im nächsten Teil werden einige Grundsätze dargestellt, die den Zusammenhang von Arbeitgeber, Sozialabgaben und Steuern betreffen.

 

Grundsätze

Wer ist zuständig?

Für alle Fragen rund um die Themen Arbeitslosigkeit, Arbeitssuche, Sozialleistungen und Umschulung sind die Zweigstellen der Bundesagentur für Arbeit zuständig.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen Sie bei der Suche nach neuen Tätigkeiten, dem Beantragen von Leistungen und auch bei der Neuanmeldungen einer Beschäftigung.
Sie finden die für Sie zuständige Zweigstelle auf der offiziellen Homepage der Bundesagentur.

 

Wer muss sich melden?

Im Grundsatz müssen sich alle Personen melden, die aktuell kein eigenes Einkommen erwirtschaften und auf Unterstützungen vom Staat angewiesen sind. Die Ermittlung des Ihnen zustehenden Arbeitslosengeldes oder sonstigen Leistungen übernimmt, wie oben dargestellt, die Bundesagentur für Arbeit.

 

Wann muss eine Arbeitslosigkeit gemeldet werden?

Eine bevorstehende Erwerbslosigkeit muss der Bundesagentur für Arbeit schnellstmöglich mitgeteilt werden, also schon bei Bekanntwerden der Kündigung. Sollten Sie einen Arbeitsvertrag haben, der zeitlich befristet ist, gilt der Fristablauf für Sie als Stichtag.
Im Grundsatz sollte die bevorstehende Erwerbslosigkeit schnellstmöglich, also nach der ersten Information, an die Bundesagentur gemeldet werden, um eine drohende Versorgungslücke möglichst schnell zu schließen, bzw. garnicht erst aufkommen zu lassen.

 

Wie muss die Mitteilung erfolgen?

Sie müssen die erste Mitteilung einer bevorstehenden Arbeitslosigkeit nicht persönlich machen, es reicht sich telefonisch bei der Bundesagentur zu melden oder die Meldung online durchzuführen. Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite der Arbeitsagentur.

 

Welche Leistungen sind betroffen?

Bei der Meldung einer Erwerbslosigkeit geht es vor allem darum, etwaige Versorgungslücken zu verhindern.
Betroffen sind alle Sozialleistungen, die bei einem ausgelaufenen Arbeitsvertrag wegfallen – also alle Arbeitgeberanteile zu Kranken-, Renten-, und Sozialversicherung. Insbesondere bei der Krankenversicherungen ist es kritisch, wenn Sie sich nicht schnell um eine Nachbesserung kümmern. Zwar übernehmen die Kassen eine so genannte Übergangsfrist, diese läuft jedoch lediglich einen Monat – danach sind Sie nicht mehr versichert!

 

Arbeitslos und neuer Job in Aussicht – Szenarien

Wie bereits erläutert dient das Melden bei der Bundesagentur nicht etwa einer schlichten Registration von arbeitslosen Menschen, sondern schließt eventuelle Versorgungslücken. Dies ist auch wichtig für die persönliche Altersvorsorge, denn eine lückenlose Versorgung ist auch für eine spätere Rentenberechnung ausschlaggebend!

Wir haben Ihnen im Folgenden drei Szenarien dargestellt, die das unterschiedliche Vorgehen darstellen.

 

Aktuell arbeitslos und neuer Job in Aussicht

Sie sind aktuell ohne Arbeit und haben sich auf eine neue Stelle beworben und sich gegen Ihre Konkurrenten durchgesetzt? Herzlichen Glückwunsch! Nun gilt es, sich bei der Bundesagentur zu melden und das Ende Ihrer Erwerbslosigkeit mitzuteilen. Die neue Anmeldung bei der Rentenkasse und für weitere Sozialabgaben ist nun Ihr neuer Arbeitgeber verantwortlich.
Die Bundesagentur für Arbeit ist ab Beginn Ihrer neuen Tätigkeit grundsätzlich nicht mehr für Sie zuständig.

 

Im Job befindlich, aber gekündigt – neuer Job in Aussicht

Sie befinden sich aktuell in einem Arbeitsverhältnis, doch Ihr Vertrag läuft auf Grund von Kündigung oder Fristablauf ab. Eine neue Tätigkeit ist bereits in Aussicht, doch der Beginn der Tätigkeit liegt in der Zukunft, Sie müssen eine gewisse Zeit überbrücken.
In diesem Fall ist es dringend notwendig, dass Sie der Bundesagentur für Arbeit mitteilen, zu welchem Datum Sie erwerbslos sind und ab wann Ihre neue Tätigkeit beginnt. Die dazwischen liegende Zeit wird dann von der Bundesagentur überbrückt und es wird berechnet, welchen Leistungsanspruch Sie für die Zeit „zwischen den Jobs“ haben.

Ganz wichtig: Auch eine Lücke von nur wenigen Tagen (auch ein Wochenende reicht!) kann sich auf die Versorgung auswirken und muss dementsprechend an die Bundesagentur gemeldet werden!

 

Arbeitsvertrag beendet, doch die neue Stelle beginnt ab sofort

Sie befinden sich aktuell in einem bestehenden Arbeitsverhältnis und haben gekündigt bzw. Ihr Vertrag läuft aus. Der nächste Arbeitgeber wartet jedoch schon und übernimmt Sie direkt im Anschluss? Dann haben Sie Glück und müssen sich um nichts weiter kümmern, denn Ihr neuer Arbeitgeber wird die Ummeldung für die Sozialabgaben selbst übernehmen.

Ganz wichtig: Zwischen Ende des ersten Vertrages und Beginn des darauffolgenden Vertrages darf kein weiterer Tag liegen – beachten Sie insbesondere auch Wochenenden oder Feiertage!

 

Fazit

Abschließend lässt sich also folgender Ablauf festhalten: Nur wenn Sie sich aktuell in einem Job befinden, der zu einem festen Datum beendet werden soll und Ihr nachfolgender Arbeitsvertrag exakt am darauffolgenden Tag beginnt, sich die neue Arbeit also lückenlos anschliesst, müssen Sie sich nicht arbeitslos melden.
In allen anderen Situationen ist es zur Vermeidung von Versorgungslücken unbedingt geraten, sich bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden, entweder persönlich oder per Telefon oder online.

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Text eine Übersicht zur aktuellen Situationen gegeben zu haben und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem neuen Job!

10 Gedanken zu „Arbeitslos, aber schon neuen Job – muss ich mich dennoch arbeitslos melden?“

  1. Guten Tag

    Bis Ende Oktober habe ich noch einen festen Arbeitsvertrag. Der Arbeitsvertrag wurde von meiner Seite, in Einverständnis mit meinem Arbeitgeber, gekündigt.
    Ab der zweiten Novemberwoche beginnt eine 5-wöchige Schulung für meine Tätigkeit, bei einem neuen Arbeitgeber. Während der Schulung bekomme ich vom Arbeitgeber kein Geld. Erst nach Schulungsabschluss wird mitgeteilt, ob man die Prüfung bestanden und übernommen wird.
    Hinzu kommt noch, dass ich in ein anderes Bundesland umziehen muss.
    Meine Anfragen und Antragstellung auf Arbeitslosengeld wurde, bereits mehrmals abgelehnt sowie konnten die Mitarbeiter vom Jobcenter keine Auskunft geben, ob mir überhaupt was zu steht.
    Frage: Steht mir in der Zeit, ab November bis zum Ende meiner Schulung, vom Staat etwas zu?

    MfG Dirlam

    Antworten
    • Hallo Dirlam,

      danke für Ihre Nachfrage.

      Ob Ihnen Leistungen während der Schulung vom Jobcenter gewährt werden, ist eine gesetzlich vorgesehene Ermessensfrage. Ihre Konstellation erfüllt eher den Fall, in denen Leistungen abgelehnt werden.
      Zunächst haben Sie freiwillig ein Anstellungsverhältnis beendet. Dies löst regelmäßig eine Sperrfrist für ALG-Leistungen aus. Einzelne Ausnahmen sind zwar anerkannt, zum Beispiel wenn ein Arbeitnehmer durch Mobbing zur Kündigung gedrängt wurde.
      Bei der Schulung handelt es sich auch nicht im eine durch das Jobcenter geförderte Maßnahme, die mit Leistungen bezuschusst werden könnte. Dafür hätte die Schulung zuerst genehmigt werden und Gründe, wie die des § 81 SGB III hätten gegeben sein müssen. Zusätzlich stehen Sie „dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung“ (Voraussetzung für eine Arbeitslosmeldung mit Leistungsbezug), da Sie durch die Schulung gebunden sind.
      Es sprechen somit einige Gründe dafür, dass das Ermessen, ob Ihnen Leistungen gewährt werden sollten, zu einem ablehnenden Bescheid führen.

      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Schulung und die Abschlussprüfung!

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  2. Hallo,

    vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel!
    Ich habe daran anschließend 2 Fragen:
    – Wie ist das, wenn auf die Beschäftigung ein Vollzeit-Praktikum folgt?
    – Und was passiert, wenn man aus familiären Gründen in ein anderes Bundesland zieht und in dem Zeitraum des Umzuges einige Wochen arbeitslos ist? Wie wirkt sich das auf die Jobvermittlung aus?

    Vielen Dank schonmal im Voraus!

    Antworten
    • Hallo Maxi,

      ich bin mir nicht ganz sicher, in welchem Kontext Sie die Fragen beantwortet brauchen. Ich gehe davon aus, dass Sie in beiden Varianten jeweils den nächsten Job bereits verbindlich erhalten haben und es um einen ALG1-Anspruch geht.

      Ein Vollzeitpraktikum und zeitgleich arbeitslos melden ist immer problematisch, da Sie als Praktikant dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und ALG-Leistungen nicht zur Subvention oder Finanzierung von einem Praktika dienen sollen. Nur im absoluten Ausnahmefall gestattet die AfA Vollzeitpraktika während ALG-Bezug. Wenn es sicher ist, dass Sie nach kurzer Zeit wieder in einem festen Arbeitsverhältnis stehen werden, dann kommt Ihnen das Arbeitsamt ggf. Ihnen entgegen.

      Wenn Sie Ihre Stelle in einem anderen Bundesland kündigen oder verlieren melden Sie sich innerhalb der Fristen bei der lokalen Dienststelle der Arbeitsagentur arbeitssuchend bzw. arbeitslos und würden dort bereits angeben, dass Sie umziehen werden, deswegen sich auf Stellen am neuen Wohnort bewerben und werden am neuen Wohnort einem neuen Sachbearbeiter zugeteilt werden. Wenn Sie dort bereits eine neue Stelle in Aussicht haben, überbrücken Sie die Zwischenzeit mit Ihren ALG1-Leistungen.
      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihr neues Vorhaben!

      Antworten
      • Vielen Dank für die Antworten und die guten Wünsche!
        Sie haben es richtig verstanden: Es ging mir in diesem Fall um bereits verbindlich zugesagte nächste Jobs. Jetzt würde mich aber doch noch interessieren, was passiert, wenn man sich arbeitslos meldet (in unserem konkreten Fall 3 Monate vor Vertragende) und zu diesem Zeitpunkt noch keine feste Stelle am neuen Wohnort hat. Wird man dann bereits vermittelt, sobald man sich arbeitslos gemeldet hat? Oder sind da auch individuelle Absprachen mit der Arbeitsagentur möglich?
        Und was passiert, wenn man weder ALG und noch eine Vermittlung haben will bzw. kein Anspruch auf ALG hat (weil noch nie eingezahlt)? Muss man sich dann überhaupt arbeitslos melden?

        Schöne Feiertage und viele Grüße!

        Antworten
        • Nein, es gibt keine Pflicht sich arbeitssuchend oder arbeitslos zu melden. Wenn Sie die dreimonatige Frist einhalten, übernimmt die Arbeitsagentur die Beiträge für die Rentenversicherung und Krankenversicherung, was für viele Arbeitslose eine große Entlastung darstellt. Sollten Sie keinen ALG1-Anspruch haben, dann ist das Jobcenter für Sie zuständig und Sie können Hartz4-Leistungen beziehen.

          Sie werden vermittelt, sobald Sie sich arbeitssuchend melden (3 Monate vor Vertragsende). Halten Sie die Frist nicht ein und melden sich zum Beispiel arbeitslos (d.h. das Arbeitsverhältnis ist bereits beendet), dann werden Sie für die ALG1/ALG2-Leistungen zunächst gesperrt.

          Nach unserer Erfahrung können mit kulanten Mitarbeitern der AfA oder des JC sehr individuelle Absprachen getroffen werden. Wenn Sie nachvollziehbare Gründe haben und nicht den Eindruck vermitteln, sich auf Kosten der Steuerzahler eine lauschige Zeit machen zu wollen, und auf einen flexiblen Kundenberater treffen, dann ist vieles möglich.
          Alles Gute!

          Antworten
    • Wie ist das zu deuten? Ich würde gekündigt, ich hatte 3Std am Tag von MO-Fr so war der AV.Nun sollte ich noch eine andere Arbeit wo anders machen in der gleichen Firma noch 2 St dazu, anderes Objekt also Baustellen Wechsel, dem zu Folge HABE ICH gesagt Nein, da ich DARÜBER KEINEN AV HABE.Der Arbeitgeber sagte Verweigerung.Aber einen anderen AV hatte ich nicht. Demzufolge WÜRDE ich in der Probezeit gekündigt, aber einfach deswegen und an 14 Tage Kündigung wie es im AV steht , hat er sich nicht gehalten. Ist diese Kündigng DEMZUFOLGE unwirksam ?

      Antworten
      • Hallo Annett,

        leider ist uns nicht ganz klar, wie Ihre Situation tatsächlich abgelaufen ist. Rein rechtlich, können Sie während der Probezeit so gekündigt werden, wie es in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt ist. Meist ist geregelt, dass die Kündigung in der Probezeit ohne bestimmte Gründe möglich ist und dass die Kündigung fristlos erfolgen kann.

        Wenn bei Ihnen im Vertrag steht, dass die Frist 14 Tage beträgt, dann haben Sie auch für diese 14 Tage eine Anspruch auf Lohn.

        Wenn der Vertrag Sie zu einem Leistungsumfang von 3 Stunden verpflichtet, dann sind Sie natürlich nicht zu weiteren 2 Stunden Arbeit verpflichtet. Etwas anderes kann gelten, wenn der Vertrag eine Regelung zu Mehrarbeit enthält.

        Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihren weiteren Weg!

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  3. Hallo wie geht es ihnen ????? ?????
    Ich bin schweißfachingenieur aber ich möchte für immer nach deutschland gehen und an der pilotschule studieren.

    Kann Sie mir helfen ?? ??????????

    Antworten
    • Hallo Shahram,

      danke für Ihre Nachricht. Eine Umschulung vom Schweißfachingenieur auf Pilot wird in Deutschland von der Agentur für Arbeit nicht gefördert. Sie können lediglich die Ausbildung zum Piloten privat finanzieren (zum Beispiel über einen Ausbildungskredit).
      Viel Erfolg!

      Antworten

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