Kündigung durch den Arbeitgeber im Krankheitsfall – und nun?

Kündigung wegen langer Erkrankung – was nun?

Das eigene Immunsystem ist anfällig für Krankheiten, welche manchmal einige Wochen bis Monate andauern. Für Arbeitnehmer besteht die Chance, während eines Krankheitsfalls eine Freistellung von der Arbeit zu erhalten. Doch nicht jeder Arbeitgeber sieht den Krankheitsfall eines Angestellten positiv. In bestimmten Fällen ist der Arbeitgeber berechtigt, eine Kündigung im Krankheitsfall durchzuführen. Was die betroffenen Arbeitnehmer in solchen Situationen tun können, verrät Ihnen der nachfolgende Artikel.

 

Kündigung trotz Krankheit leicht möglich

Obwohl Unternehmen wenig von kranken Arbeitnehmern profitieren, weigern sich viele von ihnen, in den Krankenstand zu gehen. Dies hängt vor allem mit der Angst zusammen, währenddessen gekündigt zu werden. Der Mythos, dass Krankheit vor einer Kündigung schützt, ist schon lange widerrufen. Ab einer Krankheitsdauer von sechs Wochen jährlich besteht ein hohes Risiko, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer trotz anhaltender Krankheit kündigt. Ist der Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig, kann der Arbeitgeber ihn mittels Kündigungsschreiben nach Hause leicht feuern.

Die Anzahl an krankheitsbedingten Kündigung nimmt dabei stark zu. Vor allem Arbeitnehmer mit einer dauerhaften bzw. wiederkehrenden Krankheit werden häufig während des Krankenstands entlassen, da die anfallenden Arbeitszeiten nicht mehr aufgeholt werden können und das Unternehmen folglich Schwierigkeiten besitzt.

Verhältnismäßigkeitsprüfung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Ist der Arbeitnehmer mehr als sechs Wochen im Jahr krank, kann der Arbeitgeber ihn kündigen. Jeder Arbeitnehmer besitzt jedoch das Recht auf eine Verhältnismäßigkeitsprüfung. Bei dieser Prüfung werden die Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgewogen. Die Krankheit des Arbeitnehmers spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Handelt es sich beispielsweise um eine körperlich extrem belastende Tätigkeit wie etwa in der Produktion, weist der Körper nach zahlreichen Arbeitsjahren schlichtweg Gebrechen auf, welche zu anhaltenden Erkrankungen führen.

Obwohl bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung die Kündigung meist nicht zurückgenommen wird, einigen sich viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf eine Abfindung. Diese hilft dem Arbeitnehmer für einige Woche bzw. Monate finanziell, bis er eine neue Tätigkeit gefunden hat. Ebenfalls lassen sich mittels Abfindung leichter Therapien und Behandlungen bezahlen, um wieder arbeitsfähig zu werden.

 

Besondere Regelungen für Schwangere und Beeinträchtigte

Eine Kündigung in der Schwangerschaft ist unzulässig und kann folglich angefochten werden. Schwangerschaft fällt nicht unter Krankheit, wobei Schwangere generell einen besonderen Kündigungsschutz genießen. Erfolgt während Ihrer Schwangerschaft eine Kündigung, ist diese nichtig und Sie müssen nicht um Ihren Arbeitsplatz bangen. Auch bei beeinträchtigten Personen liegt ein besonderer Kündigungsschutz vor.

Möchte der Arbeitgeber einen beeinträchtigten Arbeitnehmer kündigen, muss dies zunächst vom Integrationsamt zugestimmt werden. Anders sieht es aus, wenn der beeinträchtigte Mitarbeiter eine Krankheit aufweist, welche nichts mit Beeinträchtigung zu tun hat. In diesem Fall liegt ein Kündigungsgrund vor, welcher auch bei herkömmlichen Angestellten angewandt wird.

Die Kündigung während einer Krankheit muss jedoch bei beeinträchtigen Personen überprüft werden, um festzustellen, ob die Krankheit mit der Beeinträchtigung zusammenhängt oder nicht. Ist ein klarer Zusammenhang gegeben, wird die Kündigung überprüft, sodass der Arbeitsplatz gegebenenfalls erhalten bleibt.

 

Versetzung als Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu behalten

Wird die anhaltende Erkrankung aufgrund eines sehr belastenden Arbeitsumfelds verursacht, sodass ein dauerhaftes Fernbleiben vom Arbeitsplatz und folglich eine Kündigung durch den Arbeitgeber eintritt, besteht die Chance auf eine Versetzung am Arbeitsplatz. Können Sie aufgrund Ihres Arbeitsumfelds nicht mehr arbeiten, können Sie mit Ihrem Arbeitsgeber bezüglich einer Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz reden. Ebenfalls bietet sich ein Gespräch an, welches die Anpassung der Arbeitsumgebung beinhaltet. Eine Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz oder zu einer anderen Position kann dazu führen, dass Ihre gesundheitlichen Beschwerden verschwinden oder sich zumindest lindern, wodurch Sie vor allem einer personenbedingten Kündigung entgehen.

 

Klage als letzte Lösung

Sind Sie der Meinung, Ihre Kündigung aufgrund einer anhaltenden Krankheit sei ungerecht, können Sie dies entweder persönlich mit dem Arbeitgeber bereden oder eine Klage vor Gericht vorbringen. Eine Klage ist meist die letzte Lösung für Arbeitnehmer, welche jedoch plausible Gründe benötigt, damit die Kündigung als ungerechtfertigt behandelt wird. Beispielsweise können Sie Ihren Arbeitgeber verklagen, wenn dieser Sie trotz Rehabilitationsmaßnahmen kündigt, welche wiederum eine positive Zukunftsprognose für Sie als Arbeitnehmer verspricht. Jede Klage wird einzeln überprüft, sodass Sie teilweise Wochen bis Monate auf ein Ergebnis warten müssen.

 

Gerechtfertigte Kündigung im Krankheitsfall – Lösungen für Ihr Problem

Liegt eine gerechtfertigte Kündigung aufgrund anhaltender gesundheitlicher Probleme vor und können Sie diese Lage nicht mit Ihrem Arbeitgeber klären, bieten sich mehrere Alternativen für Sie an. Zunächst können Sie Rehabilitationsmaßnahmen durchführen, welche Ihre Beschwerden lindert oder gar beseitigt. Hiermit werden Sie wieder arbeitsfähig und können entweder zurück an Ihren alten Arbeitsplatz oder sich auf die Suche nach einer neuen Stelle begeben. Ebenfalls bieten sich für Sie Umschulungen an.

Zahlreiche Umschulungen werden von Personen in Anspruch genommen, welche aufgrund körperlicher Beschwerden ihre alte Tätigkeit nicht mehr fortführen können. Im Zuge eines Gesprächs mit dem zuständigen Jobcenter oder dem Amt für Arbeit erfahren Sie schnell, welche Umschulungen für Sie verfügbar sind. Angebote bezüglich Umschulungen erhalten Sie auch online bei zahlreichen Anbietern.

Können Sie jedoch durch Ihre Erkrankung keine Tätigkeit mehr ausüben, können Sie eine Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen. Diese ist speziell für Personen verfügbar, welche durch psychische oder physische Krankheiten nicht mehr in der Lage sind, eine Arbeit nachzugehen. Weitere Informationen bezüglich Erwerbsunfähigkeitsrente erhalten Sie auf der Website erwerbsunfähigkeitsrente.de.

Kündigung durch den Arbeitgeber im Krankheitsfall – und nun?
5 (100%) 1 Bewertung[en]


Mit Ihrem Erfahrungsbericht oder Kommentar können Sie anderen Besuchern helfen: