Die Düsseldorfer Tabelle legt den Mindestunterhalt für Kinder fest.

Wenn Sie eine zweite Ausbildung beginnen und bisher von Ihren Eltern Unterhalt bezogen haben, interessiert es Sie sicher, was sich nun für Sie ändert.
Sind Ihre Eltern weiterhin zum Unterhalt verpflichtet?

Hier ein paar Infos zur Unterhaltspflicht während einer Zweitausbildung.

 

Die Grundsätze: Unterhaltspflicht der Eltern

Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sind Eltern ihren Kindern gegenüber unterhaltspflichtig, sofern diese nicht selbst in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Unterhaltspflicht ist allein dadurch gegeben, dass Eltern und Kinder in gerader Linie verwandt sind und besteht im Grunde das ganze Leben. Kristallklar ist natürlich der Fall bei minderjährigen Kindern im Vorschul- und Schulalter, da diese noch kein eigenes Einkommen haben.

Einkünfte aus Schülerarbeiten, die in ihrer Höhe einem Taschengeld vergleichbar sind, müssen übrigens nicht für die Deckung der Lebenshaltungskosten herangezogen werden. Die rechtliche Lage ändert sich, sobald ein noch minderjähriges Kind eine Berufsausbildung beginnt und hierfür eine Vergütung erhält. Die Ausbildungsvergütung muss das Kind für die Deckung des Lebensunterhalts einsetzen, sie wird in der Regel jedoch nicht ausreichen, weswegen die Eltern weiterhin in der Unterhaltspflicht bleiben. Der Unterhaltsanspruch des Kindes mindert sich dann aber entsprechend (§ 1612 Abs. 1 BGB).

Solange das Kind zuhause in einer intakten Ehe wohnt, wird der Unterhalt in der Regel durch Sachleistungen wie Verpflegung und Kleidung sowie ideelle Leistungen wie Pflege und Erziehung erbracht. Wenn jedoch ein Ehepartner die Familie verlässt und keine Leistungen mehr erbringt, muss er ersatzweise finanziellen Unterhalt leisten. Die Bedarfssätze hängen vom Alter des Kindes ab und werden nach der sogenannten “Düsseldorfer Tabelle” berechnet.

 

Unterhaltspflicht beim volljährigen Kind

Prinzipiell hat auch das volljährige Kind noch Anspruch auf Unterhalt durch die Eltern. Ausbildungsvergütungen oder sonstige Einkünfte aus Vollzeitarbeit (nicht Ferienjobs oder Schülerarbeit) muss das Kind jedoch zur Finanzierung seines Lebensstandards verwenden, denn das volljährige Kind ist nun für sich selbst verantwortlich. Das heißt, das volljährige Kind muss nun eigenverantwortlich für seinen Lebensunterhalt aufkommen – außer es ist in Ausbildung.

 

Unterhalt während der Ausbildung

Hier wird es nun allmählich interessant für Sie. Denn gemäß § 1610 Abs. 2 BGB können Sie als volljähriges Kind von Ihren Eltern den sogenannten Ausbildungsunterhalt verlangen, wenn und solange Sie sich in der Ausbildung befinden. Hier kommt dann immer wieder die Frage auf, ob Eltern auch unterhaltspflichtig bleiben, wenn ihre Kinder nach abgeschlossener Erstausbildung eine zweite Ausbildung beginnen oder ein Studium beginnen. Die aktuelle Rechtslage hierzu ist, dass die Eltern während einer Zweitausbildung nur noch ausnahmsweise zum Unterhalt verpflichtet sind.

Die Argumentation ist wie folgt: Indem die Eltern mit ihren Unterhaltsleistungen dem Kind eine angemessene Berufsausbildung ermöglicht haben, haben sie ihre gesetzlichen Verpflichtungen erfüllt. Sie sind deshalb nicht verpflichtet, weiteren Unterhalt zu zahlen, wenn das Kind eine Zweitausbildung beginnt. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, die wir uns nun ansehen wollen.

Nach verschiedenen Urteilen des Bundesgerichtshofs besteht in folgenden Fällen ein Anspruch auf Unterhalt weiter:

  1. Ihr Beruf kann von Ihnen aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht ausgeübt werden. Die Gründe waren bei Ausbildungsbeginn nicht absehbar. Ein Beispiel hierfür ist wieder einmal die klassische Mehlstauballergie des Bäckers.
  2. Die Eltern haben Sie gegen Ihren Willen in die falsche Ausbildung gedrängt oder Sie haben die Ausbildung nur den Eltern zuliebe abgeschlossen, zum Beispiel der Arztsohn, der unbedingt Chirurg werden sollte, aber kein Blut sehen kann.
  3. Die Ausbildung, die Sie begonnen haben beruhte auf signifikanten Fehleinschätzungen Ihrer Begabung. Das könnte zum Beispiel ein Fluglotse mit ADHS sein.
  4. Die weitere Ausbildung steht zeitlich und sachlich in engem Zusammenhang zur bisherigen Ausbildung.

Konkrete Entscheidungen zum vierten Fall hängen aber extrem stark vom Einzelfall ab und sind deshalb kaum zu verallgemeinern, deshalb hierzu auch kein konkretes Beispiel.

 

Minderjährigenunterhalt und Volljährigenunterhalt

Da Sie bereits eine Erstausbildung hinter sich haben und eine Zweitausbildung anstreben, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Sie bereits volljährig sind. Während wie oben erläutert Minderjährigen ihren Unterhalt in Form von Naturalleistungen und ideellen Leistungen wie Betreuung, Pflege und Erziehung erhalten, benötigt ein Volljähriger solche Leistungen nicht mehr. Das bedeutet, Sie haben als Volljähriger grundsätzlich Anspruch auf Unterhaltsleistung in monetärer Form. Ihre Eltern werden also barunterhaltspflichtig.

Im Fall von getrennt lebenden Eltern werden zur Berechnung der jeweiligen Leistungen die Einkommen und Vermögen der Eltern miteinander verrechnet. Wenn zum Beispiel Ihre Mutter EUR 3.000 pro Monat verdient, Ihr Vater aber nur EUR 2.000, muss die Mutter 3/5 Ihres Unterhaltsbedarfs decken, der Vater 2/5.

Fazit:

In gewissen Fällen haben Sie bei einer Zweitausbildung Anspruch auf Unterhalt, es sind jedoch eher Ausnahmen. Richten Sie sich also besser darauf ein, ihre zweite Ausbildung auf anderen Wegen zu finanzieren als durch den Unterhalt Ihrer Eltern.


7 Kommentar zu “Zweitausbildung und Unterhalt”

  1. Hallo, ich bin auf der Suche nach Antworten. Mein Sohn (23) hat 2016 das Berufskolleg für Gesundheit und Pflege abgeschlossen. Damit verbunden war auch der Abschluss als Assistent im Sozial- und Gesundheitswesen. Bis zum Abschluss habe ich Unterhalt gezahlt. Nach nunmehr 2 Jahren hat ihm die Berufsberatung geraten, eine Ausbildung zum Erzieher zu beginnen. Er begehrt nun erneut Unterhalt und Chancen stehen für mich schlecht, keinen Unterhalt zahlen zu müssen. Obwohl der fachliche Zusammenhang erkennbar ist, so ist der zeitliche Zusammenhang doch eher grenzwertig.
    Meine Anwältin rät mir tatsächlich dazu, zu zahlen, da die Gerichte in diesen Fällen einen Unterhaltsanspruch befürworten. Ich weiß, dass mein Sohn im erlernten Beruf nie gearbeitet hat, stattdessen ein FSJ in einem Kino gemacht hat und sich danach ein weiteres Jahr in verschiedenen Bereichen “orientiert” hat. Vielleicht kann mir jemand sagen, warum ich nun doch wieder Unterhalt zahlen muss?

    1. Lieber Rollwage,

      für den Unterhaltsanspruch ist es maßgeblich, ob das Berufskolleg als Ausbildung im Sinne des Unterhaltsrechs verstanden wird. Denn einerseits müssen Sie nach einer bereits abgeschlossenen Ausbildung nicht für eine zweite Ausbildung aufkommen. Andererseits ist die Frage, ob der “Assistent im Gesundheits- und Sozialwesen” als vollwertige Ausbildung gesehen werden kann, da dieser ja nur 12 Monate dauert und nicht 3 Jahre, wie eine reguläre Ausbildung.

      Wenn Ihre Anwältin dazu rät, den Unterhaltsanspruch anzuerkennen, dann geht sie von der Einschätzung aus, dass das Gericht die erste schulische Ausbildung auch nicht als “vollwertige” Ausbildung sehen wird und den Unterhaltsanspruch deshalb bejahen wird.

  2. Hallo. Ich habe nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Sozialassistentin begonnen und erfolgreich beendet. Nun beginne ich eine Ausbildung zur Gesundheits-und Krankenpflegerin. Von zu Hause bin ich ausgezogen. Jetzt ist die Frage ob ich weiterhin Unterhalt bekomme da es ja meine zweite Ausbildung ist?

    1. Hallo Jasmin, in der Regel bekommen Sie bei einer erfolgreich abgeschlossenen Erstausbildung keinen Unterhalt mehr. Nun lässt sich darüber streiten, ob die Sozialassistenten-Ausbildung eine “vollständige” Ausbildung ist, da sie ja nur 24 Monate dauert. Das wird dann bei einer evtl. gerichtlichen Auseinandersetzung darüber, wenn Sie es denn so weit kommen lassen sollten, die Richterin entscheiden und abwägen.

  3. Hallo.
    Mein Mann hat 2 Kinder aus einer vorherigen Ehe. Die eine ist ausser Haus aber die andere (19 jahre) ist jetzt einfach wie selbstverständlich wieder bei uns eingezogen . Sie hat eine Ausbildung absolviert als hauswirtschaftlerin . Die haben wir finanziell auch komplett getragen . Nun hat sie einfach ne neue Ausbildung begonnen als köchin? Da bekommt sie 600 Euro im Monat die sie auch für sich einbehält. Mein Mann und ich haben einen gemeinsamen 5 jährigen Sohn und ich bin zur Zeit schwanger mit unseren 2 gemeinsamen Kind. Die familiäre Situation ist im Moment sehr schwierig da seine Tochter Der Meinung ist sie hätte hier all in gebucht und sagt immer zu uns wir wären bis 25 Jahre dazu verpflichtet sie zu finanzieren . Das wird unsere Ehe aber keine 3 Jahre überstehen . Ihre Mutter hat noch nie Unterhalt bezahlt da mein Mann keine Lust hat sich mit ihr deswegen zu unterhalten .
    Müssen wir sie jetzt bei uns wohnen lassen und ihr 3 Jahre die 2 Ausbildung finanzieren oder nicht? Wir haben ja auch bald noch ein Baby. LG Corinna

  4. Mein Sohn hat eine Ausbildung als Kinderpfleger erfolgreich abgeschlossen und absolviert nun eine Ausbildung zum Erzieher. Er wohnt noch bei mir aber sein Vater (von mir getrennt lebend) kann auf Grund von ALG 2 Bezug kein Unterhalt bezahlen. Bei Auszug in eine eigene Wohnung wäre ich dazu verpflichtet Unterhalt zu zahlen oder bekäme mein Sohn mehr Bafög?

  5. Hi,
    Ich habe eine Ausbildung zur Krankenschwester erfolgreich abgeschlossen (31.3.2014), danach war ich 30Monate jobben (Nicht als Krankenschwester) in der ganzen Welt (Tauchlehrer, etc) und habe nun ein Studium in Biologie begonnen (1.10.2016).
    Das BaföG-Amt hält meine Eltern für weiterhin Unterhaltspflichtig, obwohl zwischen den beiden Ausbildungen (mMn) kein enger fachlicher Zusammenhang besteht, die zweite Ausbildung nicht im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Erstausbildung aufgenommen wird und die weitere Ausbildung für die Eltern nicht vorhersehbar war.
    Leider ist eine Uni auch kein Abendgymnasium oder Kolleg, ich bin noch keine 30, war keine fünf Jahre erwerbstätig oder drei Jahre als Krankenschwester …
    Die Unterhaltspflicht meiner Eltern könnte man wohl rechtlich prüfen lassen, allerdings fürchte, dass es die Situation nur verschlimmert… Sollte ich es machen in der Hoffnung doch noch BaföG zu bekommen, oder lieber den Kopf einziehen und mich meinem Schicksal ergeben?
    Gruß, Verena

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