Ergotherapeuthen helfen Menschen dabei, ihre (körperliche) Autonomie zu erhalten bzw. wiederzuerlangen.
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Die Ergotherapie ist eine Behandlungsform, die Menschen mit verschiedenen Einschränkungen die Teilnahme am soziokulturellen Leben ermöglichen soll. Die Menschen, die eine Behandlung im Bereich der Ergotherapie benötigen, sind oftmals alte oder behinderte Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen selbst einfache Alltagstätigkeiten nicht mehr ausführen können.

Die Ergotherapeuten versuchen mit verschiedenen Techniken, den Patienten Möglichkeiten aufzuweisen, um diese Tätigkeiten wieder ausführen zu können und um so selbstbestimmt am Leben teilhaben zu können.

 

Das Berufsfeld der Ergotherapeuten

Ergotherapeuten können in vielen unterschiedlichen Einrichtungen eine Anstellung erhalten. Zum einen gibt es spezielle Praxen für Ergotherapie, bei denen die Patienten ambulant behandelt werden. Zum anderen gibt es jedoch auch viele andere Einrichtungen, die Menschen mit verschiedenen Einschränkungen behandeln oder pflegen und die zur Unterstützung einen Ergotherapeuten anstellen. Möglichkeiten dafür sind Pflegeheime, Sonderschulen, Wohnheime für behinderte oder ältere Menschen sowie Rehabilitations-Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch ein Teil der Ergotherapeuten im Bereich der Ausbildung neuer Fachkräfte tätig werden, da hier die Nachfrage ebenfalls hoch ist.

Das vordringliche Ziel ist die Wiederherstellung der verlorenen Fähigkeiten, um wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, werden Techniken zur Kompensation derselben vermittelt, um auf anderem Wege die Alltagstätigkeiten wieder ausführen zu können. Die Ergotherapie hat drei unterschiedliche Ansatzpunkte. Zunächst soll die Selbstversorgung der Patienten sichergestellt werden. Die Betroffenen sollen lernen, die grundlegenden Dinge des Alltags – wie selbst zu essen oder sich anzuziehen – wieder selbst durchzuführen.

Darüber hinaus sollen die Patienten auch erlernen, ihre Freizeit selbst zu gestalten. Ihnen werden Möglichkeiten vermittelt, um sich mit Freunden zu treffen, zu spielen oder andere Freizeitaktivitäten durchzuführen. Der dritte Ansatzpunkt ist die Produktivität. Im ersten Schritt werden in der Regel Tätigkeiten im eigenen Haushalt erlernt. Sollte dies erfolgreich sein, kann auch die Wiedereingliederung in das Berufsleben anvisiert werden.

 

Die Berufsaussichten für Ergotherapeuten

Die Berufsaussichten in diesem Bereich sind recht gut. Dies liegt zum einen daran, dass die Gesellschaft statistisch immer älter wird. Da ein großer Teil der Patienten ältere Menschen sind, sorgt diese Gesellschaftsstruktur dafür, dass eine hohe Nachfrage an Ergotherapeuten besteht. Außerdem setzt sich in der modernen Gesellschaft immer stärker die Meinung durch, dass es sinnvoll ist, es den Betroffenen wieder zu ermöglichen, einfache Tätigkeiten selbst durchzuführen, um so eine dauerhafte Pflege zu vermeiden. Auch dieser Punkt macht die Ergotherapie zu einer immer beliebteren Behandlungsmethode, weshalb die Berufsaussichten in diesem Berufsfeld positiv sind.

Allerdings gibt es einige regionale Unterschiede und oft ist es gerade für Berufsanfänger nicht einfach, eine Arbeit zu finden. Daher ist es immer ratsam, sich beim Arbeitsamt und gegebenenfalls bei Ergotherapie-Praxen in der Umgebung zu erkundigen, wie die Arbeitsmarktsituation in diesem Bereich an Ihrem Wohnort aussieht.

 

Die Ausbildung zum Ergotherapeuten

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, sich zum Ergotherapeuten ausbilden zu lassen. Zum einen gibt es in Deutschland etwa 200 anerkannte Schulen, die eine Ergotherapieausbildung anbieten. Darüber hinaus gibt es auch Hochschulstudiengänge in diesem Fachbereich. Zwar ist das Angebot in diesem Bereich recht gering, doch gibt es einige Fachhochschulen, die einen Bachelorstudiengang für Ergotherapie anbieten. Bei beiden Varianten beträgt die Ausbildungszeit 3 Jahre.

 

Für wen ist die Umschulung zum Ergotherapeuten geeignet?

Voraussetzung für die Umschulung zum Ergotherapeuten ist mindestens ein Realschulabschluss. Außerdem sollten Sie sich in einer guten körperlichen Verfassung befinden, da die Arbeit als Ergotherapeut körperlich anstrengend sein kann. Wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen eine Umschulung anstreben, sollten Sie genau überprüfen, ob sie den Anforderungen gewachsen sind. Der beste Weg dazu kann ein Praktikum sein.

Außerdem sollten Sie Interesse am sozialen und medizinischen Bereich haben und idealerweise dort auch bereits Berufserfahrungen gesammelt haben. Dies erleichtert nicht nur die Umschulung, sondern verbessert auch die Berufsaussichten nach dem Abschluss des Lehrgangs.

 

Wie viel verdient man nach einer Umschulung zum/zur Ergotherapeuten/ Ergotherapeutin?

Einkünfte während der Ausbildung

Die Ausbildung zum/zur Ergotherapeuten/Ergotherapeutin verläuft relativ einheitlich, was sich auch beim Gehalt während der Ausbildung bemerkbar macht. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufen existiert hier keine duale Ausbildungsform. Das bedeutet in der Praxis, dass Personen, die eine Umschulung machen, auch öfters in den Seminaren neben Interessierten in der herkömmlichen Ausbildungsform sitzen werden. Dabei erfolgt die Ausbildung an sogenannten Fachschulen. Diese können dabei privat oder öffentlich geführt sein. Wer Ergotherapeut/Ergotherapeutin werden möchte, sollte also entweder über ein gesundes Finanzpolster verfügen oder mithilfe von staatlichen Förderungen die Ausbildungszeit meistern. In öffentlichen Fachschulen entfallen zudem die regelmäßig zu zahlenden Schulgelder. Das erleichtert die eigene wirtschaftliche Situation zum Teil erheblich. Neben diesen Möglichkeiten besteht auch die Ausbildung in Form eines Studiums. Je nach Bildungseinrichtung sind hier auch Ausbildungsformen im berufsbegleitenden Modus möglich.

Wer Probleme hinsichtlich der finanziellen Situation erwartet, kann sich hierbei mit einem temporären Nebenjob über Wasser halten. Daneben gibt es noch die Möglichkeit einer berufsintegrierten Fachausbildung, wobei sich der Besuch an Fachschulen und Hochschulen abwechselt. Was das Gehalt während der Ausbildung angeht, bestehen hier allerdings keine Unterschiede oder Vorteile.

Einkünfte nach Abschluss der Ausbildung

Wie hoch das Gehalt als Ergotherapeut/Ergotherapeutin ausfällt, hängt vor allem mit der Art des Arbeitgebers zusammen. Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Arten von Dienstgebern festhalten: private, öffentliche und kirchliche Arbeitgeber. Ein ungefährer Richtwert von € 18.000 – 30.000 pro Jahr sollte aber für alle Interessierten möglich sein. In diesem Berufsfeld fallen die individuellen Unterschiede noch größer ins Gewicht als bei vielen anderen Berufen. Zum einen profitiert man in strukturstarken Gegenden wie üblich von einer höheren Bezahlung. In Deutschland existiert beispielsweise ein West-Ost Gefälle, aber auch ein Nord-Süd Gefälle ist bemerkbar. Daneben gibt es aber eine Reihe weiterer Aspekte, die das jeweilige Gehalt beeinflussen: erworbene Erfahrung, Zusatzqualifikationen, Betriebsart und -größe sind dabei sehr entscheidend.

Wem nach einigen Berufsjahren die Bezahlung zu gering ausfällt, kann sich mit diversen Weiterbildungsmöglichkeiten finanziell und fachlich weiterentwickeln. Weiterbildungen zu neuen Therapieformen oder eine Ausbildung zum/zur geprüften Fachwirten/Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen sind lediglich zwei Möglichkeiten für solche Weiterbildungen.

 

Finanzierungsmöglichkeiten

Wenn Sie arbeitslos sind und die Berufsaussichten in Ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld schlecht sind, kann das Arbeitsamt für die Finanzierung aufkommen. Sollten Sie aus gesundheitlichen Gründen die Umschulung durchführen wollen, ist die Rentenversicherung oder – wenn es sich um eine Berufskrankheit handeln sollte – die Berufsgenossenschaft der richtige Ansprechpartner. Bei gesundheitsbedingten Umschulungen müssen Sie jedoch darauf achten, dass Ihre Krankheit Sie nicht bei der Ausübung des neuen Berufs beeinträchtigt, da sonst die Finanzierung nicht übernommen wird.

 

Alternativen durch ein Fernstudium

Wenn Sie sich für eine Arbeit im Gesundheitsbereich interessieren, finden Sie auch viele weitere Alternativen, die Sie durch ein Fernstudium bequem berufsbegleitend erlernen können. Es gibt Angebote für Studiengänge zum Ernährungsberater, zum Heilpraktiker oder in den Bereichen der Altenbetreuung oder Homöopathie.

 

Andere Alternativen, um Ergotherapeut bzw. Ergotherapeutin zu werden

Die berufsbegleitende sowie Vollzeitausbildung zum Ergotherapeuten bzw. zur Ergotherapeutin findet an eigenen Berufsfachhochschulen statt. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, den Beruf durch ein Studium oder einen Quereinstieg zu ergreifen.

 

Berufsbegleitende Ausbildung

Die berufsbegleitende und Vollzeitausbildung zum Ergotherapeuten bzw. zur Ergotherapeutin stellt die Alternative zum Studium dar. Die Ausbildung dauert durchschnittlich drei Jahre und findet standardmäßig an eigenen Berufsfachschulen statt. Da die Ausbildungsplätze in Deutschland äußerst begrenzt sind, legen die einzelnen Fachschulen eigenen Auswahlverfahren statt. Unter anderem müssen die Auszubildenden Eignungstests und persönliche Vorstellungsgespräche absolvieren. Außerdem verlangen manche Schulen bereits erfolgte Praktika im Bereich der Ergotherapie.

Als Zugangsvoraussetzung gilt ein mittlerer Schulabschluss. Interessenten mit einem Hauptschulabschluss können die Ausbildung durchführen, wenn sie eine zweijährige Berufsausbildung absolviert haben. Die rein schulische Ausbildung zum Ergotherapeuten bzw. zur Ergotherapeutin wird nicht vergütet, sodass die angehenden Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen keine Ausbildungsvergütung erhalten.

Allerdings besteht die Möglichkeit, Fördermaßnahmen wie BAföG oder einen Bildungskredit in Anspruch zu nehmen, wenn die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt werden.

 

Studium

Das Studium ist neben der Ausbildung die gängige Variante, um den Beruf des Ergotherapeuten bzw. der Ergotherapeutin zu ergreifen. Deutschlandweit werden vor allem Bachelorstudiengänge mit Schwerpunkt Ergotherapie angeboten, welche als Voll- und Teilzeit- sowie berufsbegleitendes und duales Studium belegbar sind. Neben einem Abitur, einer Fachhochschulreife oder einer fachgebundenen Hochschulreife können die einzelnen Hochschulen eigene Zugangsvoraussetzungen für die Ergotherapiestudiengänge festlegen.

Manche Hochschulen verlangen beispielsweise ein Vorpraktikum oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Auch persönliche Aufnahmegespräche oder spezifische Eignungsprüfungen können als Voraussetzungen vorhanden sein.

Unter anderem bieten die Hochschule Fresenius in Idstein, Berlin, München und Hamburg, die Alice Salomon Hochschule in Berlin, die Hochschule Döpfer in Köln und Regensburg, die IB Hochschule in Berlin, Coburg, Köln und Stuttgart, die SRH Hochschule Heidelberg und die Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland in Saarbrücken passende Studiengänge an.

Zugleich eignen sich Studiengänge mit Schwerpunkt Therapiewissenschaften, Heilpädagogik und Physiotherapie für angehende Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen.

 

Quereinstieg

Die Umschulung ist die gängige Variante, um den Quereinstieg als Ergotherapeut bzw. Ergotherapeutin durchzuführen. Je nach Anbieter können Interessenten die Umschulung im Voll- oder Teilzeitausmaß durchführen. Deutschlandweit unterliegt die Umschulung zum Ergotherapeuten bzw. zur Ergotherapeutin gesetzlichen Regelungen, sodass sie einheitlich drei Jahre dauert und rein schulisch stattfindet. Am Ende der Umschulung erfolgt eine staatlich anerkannte Abschlussprüfung, welche die Umschüler als Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen qualifiziert.

Der Zugang zur Umschulung besteht aus einem mittleren Bildungsabschluss. Bei Bedarf lässt sich die Umschulung durch die Arbeitsagentur oder die Rentenversicherung fördern, wenn die Umschüler die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.

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