Weiterbildung, Fortbildung oder Umschulung? Was ist die richtige Wahl?

Weiterbildung, Fortbildung und Umschulung sind keine Synonyme, sondern stehen für unterschiedliche Bildungsmöglichkeiten.

Wissensstand und Fertigkeiten zur Ausführung eines bestimmten Berufes sind mit dem Abschluss der Berufsausbildung noch lange nicht ausentwickelt. Wer sich jahrelang nur auf dem ausruht, was ihm während der Lehrzeit beigebracht worden ist, der ist im heutigen Berufsleben schnell von gestern. Dies gilt umso mehr bei modernen und schnellebigen Berufszweigen. Während beim Handwerk des Schreiners oder Konditors keine bahnbrechenden Veränderungen mehr zu erwarten sind, müssen der IT-Techniker, der Kfz-Mechatroniker oder der Fachlagerist ständig auf dem Laufenden bleiben, auf die aktuellen technischen Herausforderungen reagieren und die neueste Errungenschaften in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Hierfür sind regelmäßige berufliche Weiterbildungen unabdingbar.

Wer seine persönlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern will, der muss nicht immer gleich auf eine zeit- und kostenintensive Umschulung zurückgreifen. Auch mit einer Fort- oder Weiterbildung lassen sich die persönlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Doch worin liegen die Unterschiede dieser drei Bildungsmaßnahmen?

 

Weiterbildung ist ein weites Feld

Der Begriff der Weiterbildung ist zunächst einmal sehr schwammig. Bilden tut sich prinzipiell jeder, auch wenn er nur ein Buch liest oder eine Dokumentation im Fernsehen schaut. An dieser Stelle soll es jedoch um die berufliche Weiterbildung gehen.

Im Gegensatz zur Fortbildung muss die Weiterbildung nicht in einem unmittelbaren Bezug zum bestehenden Beruf stehen, vielmehr verhilft sie zum Erwerb von Zusatzqualifikationen. Dabei sind Weiterbildungen in Umfang und Ausrichtung aber nicht mit Umschulungen vergleichbar und führen anders als diese auch nicht in einen neuen Berufszweig ein. Vielmehr handelt es sich um zeitlich und thematisch eng umgrenzte Bildungsmaßnahmen. Gerne genutzte Weiterbildungsmaßnahmen sind zum Beispiel Fremdsprachenkurse, Kurse im blinden Tastaturschreiben oder Kurse zur Beherrschung von Word, Excel oder Photoshop. Diese können berufliche Vorteile verschaffen, stehen aber nicht im Zusammenhang mit einem bestimmten Beruf und erfordern auch kein entsprechendes Vorwissen.

Weiterbildungen werden mitunter auch vom Arbeitgeber unterstützt, oftmals müssen sie jedoch in Eigenregie besucht und finanziert werden. Sie eignen sich vor allem für Menschen, die schon immer eine bestimmte Fertigkeit erlernen wollten, die ihnen sowohl im Berufsleben als auch im Privatleben Vorteile bringen kann, den Berufsalltag erleichtert und das Arbeiten beschleunigt, auch wenn diese Fertigkeit mit den eigentlichen Berufsinhalten nur indirekt zu tun hat. Üblicherweise erfolgen solche Weiterbildungen in Form von (Abend-)Seminaren und erstrecken sich nur über wenige Sitzungen.

 

Die Fortbildung erhält und erweitert berufliche Qualifikationen

Anders als die Weiterbildung baut die Fortbildung immer auf den bestehenden beruflichen Qualifikationen auf. Sie führt im Gegensatz zur Umschulung auch nicht zu einer beruflichen Neuorientierung, sondern vielmehr zu einer Spezialisierung im bisherigen Beruf. Es werden grundsätzlich vier verschiedene Formen der beruflichen Fortbildung unterschieden.

Bei der Erhaltungsfortbildung geht es darum, bereits vorhandenes Wissen aufzufrischen. Wer erinnert sich schon nach vielen Jahren noch an jede Lektion aus der Lehrzeit? Daher ist es von Zeit zu Zeit nötig, die grundlegenden Ausbildungsinhalte wieder ins Gedächtnis zu rufen. Bei dieser Gelegenheit können diese auch gleich dem aktuellen Stand angepasst werden.
Gibt es dagegen im Berufsfeld konkreten Aktualisierungsbedarf, etwa im Zuge der Einführung von neuen Geräten, Softwarelösungen oder Arbeitsabläufen, so geschieht die Fortbildung in Form einer sogenannten Anpassungsfortbildung. Durch sie bleiben die Teilnehmer in Theorie und Praxis auf der Höhe der Zeit.

Mitunter kann es auch nicht schaden, neben dem bereits Gelernten einen neuen Zweig des eigenen Berufsfeldes zu erkunden. Dies geschieht dann mit Hilfe einer Erweiterungsfortbildung. Anders als bei der Anpassungsfortbildung kann es sich hier auch um sehr traditionelle Techniken handeln. Diese Form der Fortbildung wird zum Beispiel angewandt, wenn ein Arbeitnehmer zwischen zwei Bereichen eines Unternehmens mit unterschiedlicher Ausrichtung wechseln soll. Denkbar wäre etwa ein Arbeiter aus der Automobilherstellung, der von der Motoren- in die Getriebefertigung versetzt werden soll.
Schließlich gibt es auch die Möglichkeit der Aufstiegsfortbildung. Mit ihr soll dem Arbeitnehmer der Wechsel in höhere, verantwortungsvollere und in der Regel auch besser bezahlte Positionen ermöglicht werden. Eine solche Aufstiegsfortbildung kann auch zu einem neuen Abschluss führen. Die Meisterausbildung ist eine bekannte Form der Aufstiegsfortbildung.
Fortbildungen werden normalerweise vom Arbeitgeber ausgerichtet und finanziert, da dieser ein Interesse am Erhalt der Leistungsfähigkeit seiner Beschäftigten besitzt. Diese kann schließlich nur gewährleistet bleiben, wenn die Arbeitnehmer ihre beruflichen Qualifikationen erhalten und erweitern.

Der Umfang einer Fortbildung kann stark variieren. Je nach Typ und Ausrichtung können sie sich über wenige Tage erstrecken, aber auch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Fortbildungen richten sich generell an Arbeitnehmer, die sich in ihrem bestehenden Beruf wohl fühlen und dort ihre Qualifikationen langfristig ausbauen wollen.

 

Die Umschulung bereitet auf einen beruflichen Neuanfang vor

Die Umschulung unterscheidet sich von der Weiterbildung und der Fortbildung dahingehend, dass sie viel Aufwand und Zeit in Anspruch nimmt und mit einem völlig neuen Berufsabschluss endet. Es handelt sich sozusagen um eine zweite Ausbildung. Die Umschulung kann in gewissen Fällen von beruflichen Vorkenntnissen profitieren, setzt diese jedoch im Gegensatz zur Fortbildung nicht voraus.

Umschulungen richten sich in erster Linie an Menschen, die in ihrem bisherigen Beruf keine Perspektive mehr sehen. Dies kann aus Gründen des zu geringen Verdienstes sein oder weil die Aussichten auf einen langfristig gesicherten Arbeitsplatz im alten Beruf schlecht sind. Oftmals spielen aber auch gesundheitliche Faktoren eine Rolle, meist wenn der bisherige Beruf durch einen Unfall oder eine chronische Erkrankung nicht mehr ausgeübt werden kann.

Eine Umschulung kann über die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, über den TÜV oder die DEKRA und über viele weitere private Bildungsträger absolviert werden.

Umschulungen sind üblicherweise mit hohen Ausbildungskosten verbunden, daher können die meisten Interessenten sie nicht aus eigener Tasche bezahlen. Es gibt jedoch die Möglichkeit der Kostenübernahme durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter, durch Unfall- oder Rentenversicherungen, durch Fördergelder der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) und bei Berufs- und Zeitsoldaten auch durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr.

Wer eine Umschulung beginnt, der begibt sich auf einen völlig neuen Berufsweg. Entsprechend gut sollte man sich vorher über die Chancen und Risiken dieser Bildungsmaßnahme informieren.

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