Muss man den Bildungsgutschein zurückzahlen bei Abbruch einer Umschulung?

Sie befinden sich aktuell in einer Umschulungsmaßnahme und sind mit dem Verlauf der Maßnahme nicht zufrieden oder wollen sich verändern?
Wir haben Ihnen im Folgenden einige wichtige Fakten zum Thema zusammengestellt und hoffen, dass Sie mit diesen Informationen eine gute Entscheidungsgrundlage finden werden.

Zunächst werden wir einige Grundsätze zum Thema Abbruch einer Umschulung auffassen.

 

Grundsätze

 

Ablauf einer Umschulung

Bei einer Umschulung sollen Sie auf Ihren eigenen Antrag hin einen neuen Beruf erlernen und sich so eine bessere und günstigere Ausgangsposition auf dem Arbeitsmarkt sichern.
Gründe für eine beantragte Umschulung sind etwa gesundheitliche Aspekte, schlechte Berufsaussichten oder längerfristige Abwesenheiten.

Wird Ihr Antrag angenommen erhalten Sie einen so genannten Bildungsgutschein, welcher Ihnen finanzielle Unterstützung bietet, während Sie mit der Umschulung beschäftigt sind. Die Umschulung selbst ist dann in unterschiedlichen Formen organisiert.

Duale Ausbildungen mit Berufsschule und Berufspraktika sind ebenso denkbar wie die Umschulung bei einem staatlichen Träger.Da es sich bei der Umschulung um eine sogenannte „Kann-Leistung“ der Bundesagentur für Arbeit handelt, müssen Sie einen triftigen Grund für den Abbruch der Maßnahme vorbringen. Dazu erfahren Sie im folgenden Teil mehr.

 

Mögliche Probleme beim Abbruch einer Umschulung

Auch wenn Sie prinzipiell immer berechtigt sind, eine Umschulung abzubrechen, kann diese Entscheidung gravierende Folgen für Sie bringen.

Zunächst müssen Sie sich vor Augen führen, dass im Rahmen der Umschulung enorme finanzielle Aufwendungen übernommen werden – diese Ausgaben sind aus staatlicher Sicht eine Investition in Sie. Wird das Investitionsziel nicht erreicht, ergibt das einen herben Verlust.

Um sich vor diesen Verlusten zu schützen fügt die Bundesagentur für Arbeit Klauseln in den Vertrag ein, wonach Sie, brechen Sie die Maßnahme ohne triftigen Grund ab, zur Rückzahlung der Leistungen verpflichtet werden können.

 

Was beutetet „Triftiger Grund“ im Zusammenhang mit einem Abbruch?

Im Zusammenhang mit dem Abbruch einer Umschulung oder einer anderen Maßnahme wird immer wieder von „triftigen Gründen“ gesprochen.

Hierbei handelt es sich um eine Formulierung aus dem Sozialgesetzbuch. Der Hintergrund ist, dass sich der Gesetzgeber dagegen absichern möchte, dass es zu einem Missbrauch der Umschulungsangebote kommt.

Ändern sich etwa die persönlichen Interessen im Laufe einer Umschulung ist das für den Gesetzgeber kein triftiger Grund, aus dem die Maßnahme, die vom Staat finanziert wurde, abgebrochen werden kann.

Triftige Gründe sind in diesem Zusammenhang aber zum Beispiel Überforderung oder gesundheitliche Gründe.

 

Abbruch wegen Überforderung

Überforderung ist eine sehr individuelle Form des Abbruchsgrundes und recht häufig. Wenn die Anforderungen der Umschulung so hoch sind, dass der Teilnehmer keine Chance hat, die Prüfungen zu bestehen oder sich nach Abschluss der Umschulung zu qualifizieren, so besteht die Möglichkeit, die Maßnahme abzubrechen.

Wichtig ist es, vorher mit einem verantwortlichen Mitarbeiter der Ausbildungsstelle zu sprechen und eine Lösung für das Problem zu suchen. Sollten auch in diesem Gespräch keine Lösungsmöglichkeiten gefunden werden, lassen Sie sich bescheinigen, dass Sie nicht in der Lage sind, die Umschulung durchzuführen.

Regelmäßig wird eine solche Bescheinigung akzeptiert und Sie müssen nicht für die entstandenen Kosten aufkommen.

 

Abbruch aus gesundheitlichen Gründen

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, seine Umschulung zu beenden, der hat ebenfalls einen triftigen Grund, die Umschulung zu beenden.
Hierbei ist ausschlaggebend, dass die gesundheitliche Belastung erst im Rahmen der Maßnahme auftritt. Unerheblich ist hingegen, ob es sich um eine physische oder psychische Erkrankung oder Überlastung handelt.

Insbesondere hohe körperliche Belastungen oder psychische Ansprüche führen häufig zu einem Abbruch aus gesundheitlichen Gründen. Langes Stehen, Belastungen durch psychische Faktoren in der Pflege oder extreme Stressbelastungen können Beispiele der gesundheitlichen Gründe sein.

Liegt ein solcher Grund bei Ihnen vor, können Sie einen Arzt aufsuchen und sich Ihre Arbeitsunfähigkeit in diesem speziellen Bereich bescheinigen lassen. Ist dies erfolgt, können Sie ein ärztliches Attest vorlegen und dieses wird in der Regel akzeptiert und befreit Sie von Rückzahlungsansprüchen.

 

Ist eine Rückzahlung des Bildungsgutscheins notwendig?

Liegen bei Ihnen andere Gründe dafür vor, Ihre Umschulung abbrechen zu wollen, so müssen Sie damit rechnen, dass Sie die entstandenen Kosten zurückzahlen müssen.
Hierbei handelt es sich jedoch nicht nur um die bereits entstandenen Kosten, sondern auch um die laufenden Kosten der bestehenden Umschulung.

Diese finanzielle Belastung können Sie zwar übernehmen, es wird Ihnen jedoch dringend davon abgeraten!
Weitere Informationen zum Thema Umschulung und Weiterbildung finden Sie auch hier bei der Bundesagentur für Arbeit.

 

Abbruch einer Umschulung und Rückzahlung – Fazit

Wenn Sie triftige Gründe vorbringen, ist ein Abbruch Ihrer Umschulung auch ohne Rückzahlung an den Leistungsträger möglich – jedoch nur, wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Beachten Sie diese Umstände und haben Sie gesundheitliche oder belastungsabhängige Begründungen für einen Abbruch Ihrer Umschulung, so ist es möglich, auch ohne Rückzahlung der Bezüge eine Umschulung abzubrechen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem weiteren Weg und hoffen, Ihnen mit diesem Artikel einen Überblick zum Thema verschafft zu haben.