Umschulung zum/zur technischen Produktdesigner/in

Form und Funktion in Einklang bringen- das sollte ein guter Produktdesigner können. © delux - Fotolia.com
Form und Funktion in Einklang bringen- das sollte ein guter Produktdesigner können.

Der Umschulungsberuf des technischen Produktdesigners/-designerin wurde 2011 modernisiert und hat große Überschneidungen mit der überarbeite Version der Ausbildung zum Technischen Systemplaner (vormals Technischen Zeichner). Produktdesigner arbeiten nach ihrer Umschulung  meist in Unternehmen und wirken dort an der Produktentwicklung und dem Produktionsdesign mit. Die Umschulung kann unabhängig ob sie in Voll- oder Teilzeit absolviert wird, vom Arbeitsamt finanziell gefördert werden. Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin hoch, insbesondere in Regionen mit (Automobil-)industrie und Zulieferer wie in München, Hamburg und Düsseldorf. 

Wir haben Ihnen im folgenden alle Informationen rund um die Umschulung zum Technischen Produktionsdesigner zusammengestellt. Unter anderem mit Antworten auf die Fragen Wer trägt die Kosten der Umschulung? Welche Erfahrungen machen die Teilnehmer der Umschulung? Gibt es Alternativen zum IHK-Abschluss? Welche kürzeren Weiterbildungen können eine Umschulung ersetzen? Welche Hilfen gibt es vom Arbeitsamt?

 

Aufgabenbereich: Was macht ein Technischer Produktdesigner?

Die Umschulung vereint Aufgabenbereiche mit sehr verschiedenen Tätigkeiten in sich. Umgeschulte Produktdesigner stellen häufig eine Schlüsselstelle zwischen Entwicklungsteam und Produktion dar. Durch die voranschreitende Digitalisierung stehen unter anderem Computersimulationen und CAD-Programme im Fokus.

Gleich ob in den Fachbereichen “Produktgestaltung und -konstruktion” oder “Maschinen- und Anlagenkonstruktion”, Produktdesigner wirken bei der Konstruktion und Gestaltung neuer Projekte mit, führen Berechnungen durch und erstellen 3D-Simulationen. Der erfolgreiche Produktdesigner versteht die technische Lösung der Ingenieure und kann diese für die Produktion visualisieren. Dabei wird auf ein ansprechendes Design für eine ideale Handhabung geachtet. Weitere Tätigkeiten sind:

  • Erstellen technische Dokumentationen, detaillierte Konstruktions- und Montagepläne
  • Begleiten die Produktentwicklung vom Design über den Modellbau bis hin zum Testeinsatz
  • Umsetzen von Vorlagen der Ingenieure auf dem Computer (3D-Simulationen)

Dabei müssen sie Fertigungsverfahren und Werkstoffeigenschaften beachten. Außerdem planen und koordinieren sie Arbeitsabläufe und Konstruktionsprozesse und beurteilen deren Ergebnisse. Sie übernehmen damit auch alle Inhalte aus dem Beruf des technischen Zeichners.

 

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Gesetzlich ist kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben, um eine Ausbildung oder Umschulung zum/zur technischen ProduktdesignerIn zu beginnen. Erfahrungsgemäß haben die meisten Anwärter jedoch mindestens einen Realschulabschluss (etwa 40%).

  • ausgeprägtes Interesse an Design, Mathematik und Technik
  • ästhetisches Auge und sehr gutes räumliches Denken
  • Sinn für lösungsorientiertes, systematisches Arbeiten
  • interdisziplinärer Teamplayer
  • Hauptschulabschluss genügt; Abitur nur bei Dualen Studiengängen erforderlich, nicht aber bei Fernstudiengängen

 

Zukunftsaussichten

Technische DesignerInnen haben aktuell ideale Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt: der jungen Beruf ist sehr modern ausgerichtet ist und entspricht dem aktuellen Stand der Anforderungen der Industrie. Der flächendeckende Einsatz neuer Technik und die Abhängigkeit von Computerprogrammen erfordert geschultes Fachpersonal. Während der Umschulung können durch die Wahl des entsprechenden Umschulungsbetriebs oder der verpflichtenden Praktika bereits Schwerpunkte gesetzt werden.

Potenzielle Arbeitgeber mit Schwerpunkt “Produktgestaltung und -konstruktion” können Hersteller von Autos, technischer Geräte und sonstige Konsumgüter sein. In der Fachrichtung “Maschinen- und Anlagenkonstruktion”   finden Technische ProduktdesignerInnen ihre Arbeit in Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen von Unternehmen der Branchen Maschinen-, Anlagen- oder Fahrzeugbau sowie unter anderem bei Herstellern von Elektrogeräten sowie in der Spielzeugindustrie.

 

Inhalte und Dauer der Umschulung

Während der Umschulung sind an der Berufsschule, deren Besuch freiwillig ist, als Schwerpunktfächer zwingend vorgesehen: Mathematik, Werken/Technik, Physik, Informationstechnik, Elektrotechnik und Wirtschaft. Die Umschulung gliedert sich in allgemeine und schwerpunktspezifische Inhalte. Alle Auszubildenden lernen das Erstellen technischer Dokumente, computergestützte Konstruktion sowie Fertigungsverfahren und Montagetechniken.

Des Weiteren sind gemeinsame Inhalte, wie Produkte entwickelt werden, welche Verfahren wann Anwendung finden und wie Simulationen ausgeführt werden. Theoretische Inhalte, die an der Berufsschule gelernt werden, sind beispielsweise die Analyse technischer Systeme, kundenorientiertes Arbeiten, das Entwickeln von Bauteilen unter spezifischen Anforderungen sowie das Erstellen, Bearbeiten und Verändern von 3D-Datensätzen.

 

Welche Schwerpunkte gibt es?

Während der Umschulung werden meist zwei Spezialisierungen angeboten: Im Fachbereich “Produktgestaltung und -konstruktion” lernen die Umschüler, wie Objekte gestaltet, entworfen und am Computer konstruiert werden. In der Spezialisierung “Maschinen- und Anlagenkonstruktion” wird gelehrt, wie Werkstoffeigenschaften verändert und überprüft werden können. Ebenfalls wird Wissen vermittelt, wie Konstruktionen erstellt werden.  Auch Kenntnisse in Fertigungstechnik, Füge- und Montagetechnik sowie Steuerungs- und Elektrotechnik sind Bestandteil.

 

Wie lange dauert die Umschulung?

Umschulungen sind zeitlich verkürzt und bereiten innerhalb von zwei Jahren auf die IHK-Abschlussprüfung vor. Dabei macht es nicht zwingend einen Unterschied, ob die Umschulung in Vollzeit oder in Teilzeit absolviert wird.  Es besteht dann jedoch die Möglichkeit einer Verlängerung um ein halbes Jahr. Eine Teilzeitumschulung wird meist nur bewilligt, wenn Sie betreuungspflichtige Kinder haben oder pflegebedürftige Angehörige versorgen. Auch aus gesundheitlichen Gründen kann eine Umschulung in Teilzeit genehmigt werden.

Der Unterschied zwischen Umschulung und Ausbildung, die bekanntlich 3,5 Jahre dauert, liegt nur in der Ausbildungszeit. Umschüler müssen somit in kürzerer Zeit denselben Lernstoff lernen und die selbe Abschlussprüfung bestehen. Der Besuch einer Berufsschule ist für Umschüler nicht vorgeschrieben, aber sehr empfohlen. Die Erfahrung zeigt, dass der Unterricht in der Berufsschule auch für ältere Teilnehmer sehr hilfreich ist.

 

Umschulung finanzieren: Staatliche Fördermaßnahmen

Für eine schulische Umschulung können beträchtliche Kosten anfallen. Die Kosten der Schulung an sich ist dabei meist nicht die größte finanzielle Belastung. Tatsächlich sind es die Lebenshaltungskosten mit Miete und Versicherungen, die über den Zeitraum von mindestens zwei Jahren sich summieren.

Die betriebliche Umschulung hat den Vorteil, dass sie wie eine Ausbildung vergütet wird. Die Höhe des Verdienstes richtet sich nach der Branche, in der die Ausbildung stattfindet. Meist ist das Gehalt für Menschen, die mit Familie und anderen Verbindlichkeiten bereits mitten im Leben stehen, zu niedrig. Die folgenden Zahlen können nur der Orientierung dienen:

  • Im ersten Jahr der Ausbildung erhalten die angehenden technischen ProduktdesignerInnen ca. 950 Euro pro Monat.
  • Ab dem zweiten Jahr liegt der Ausbildungslohn bis circa 1.200 Euro.

 

Finanzierung über einen Bildungsgutschein des Arbeitsamts

Die Agentur für Arbeit unterstützt unter den Voraussetzungen des § 81 SGB III Umschulungen finanziell. Bedingung ist in der Regel, dass Sie mit Ihrer aktuellen Berufsausbildung nicht mehr ausreichend qualifiziert sind, um auf dem Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden zu können. In der Regel sind Teilnehmer geförderter Umschulungen arbeitslos oder arbeitssuchend. Die Unterstützung von festangestellten Arbeitnehmern, die sich beruflich neuorientierten möchten, ist im Ausnahmefall ebenso möglich.

Für die Förderung muss nach einem Beratungsgespräch ein Bildungsgutschein beantragt werden. Über diesen werden die Kosten der Schulung sowie des Lebensunterhalts gedeckt. Umfasst sind dann auch eventuelle Kosten für anfallendes Lehrmaterial sowie Anmelde- und Prüfungsgebühren. Kommt ein Bildungsgutschein nicht in Betracht, dann können unter bestimmten Voraussetzungen auch Hilfen nach der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) gewährt werden.

 

Finanzielle Unterstützung vom Jobcenter

Das Jobcenter übernimmt die Kosten der Umschulung, wenn Sie keinen Anspruch auf ALG1 haben, also zum Beispiel schon länger als ein Jahr arbeitslos sind. Der Lebensunterhalt muss dann mit Hartz4-Leistungen bestritten werden. Ansonsten besteht kein Unterschied hinsichtlich der Beantragung des Bildungsgutscheins nach § 81 SGB III.

 

Umschulung über die Rentenversicherung

Wenn Sie wegen Krankheit oder Erwerbsminderung nicht mehr in Ihrem bisherigen Beruf arbeiten können, dann kann die gesetzliche Rentenversicherung eine Umschulung finanzieren. Es handelt sich hierbei um eine berufliche Reha-Maßnahmen. Voraussetzung für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist in aller Regel, dass Sie bereits 15 Jahre in die Rentenkasse einbezahlt haben. Ist dies nicht der Fall, dann ist die Agentur für Arbeit richtiger Ansprechpartner für eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen.

 

Anbieter der Umschulung

Wird die Umschulung zum Technischen Produktionsdesigner schulisch absolviert, dann wird ein Platz bei einem Schulungsanbieter benötigt. Überregionale Anbieter sind zum Beispiel die WBS. Die praktische Ausbildung findet in eigenen Werkstätten statt, überwiegend jedoch im Rahmen von Praktika bei Betrieben. Der Praxisbezug bei betrieblichen Umschulungen ist in der Regel größer.

 

Wie ist eine betriebliche Umschulung möglich?

Die betriebliche Umschulung kann in der Industrie und bei Ingenieurdienstleistern absolviert werden. Meist findet sie bei Unternehmen der Luftfahrt- und Automobilindustrie, Automobilzulieferern, im Maschinenbau sowie der Möbel- oder Konsumgüterindustrie statt. Ansprechpartner können die Industrie- und Handelskammern (IHK) der Länder sein, die meist ein Verzeichnis regional angebotener Ausbildungsplätze haben. Einige Unternehmen bieten auch ein duales Studium an, das mit einem Studienabschluss (z. B. ein Bachelor in Maschinenbau) und dem Ausbildungsabschluss “Technischer Designer” endet. Hier wird von den Bewerbern mindestens Fachhochschulreife, teils auch Abitur erwartet.

Für eine betriebliche Umschulung müssen Sie mit einem prägnanten, aussagekräftigen Bewerbungsschreiben den späteren Ausbildungsbetrieb von sich überzeugen. Denken Sie insbesondere auch an das “Design” Ihres Anschreibens und Lebenslaufs. Als angehender Produktdesigner darf man in der Bewerbung auch etwas “kreativer” sein.

 

Wo kann man sich zum Technischen Produktdesigner umschulen lassen?

Ganz gleich, für welchen Anbieter Sie sich entscheiden: Ihre Umschulung sollte mit einer IHK-Abschlussprüfung enden oder zumindest auf einen IHK-Prüfung vorbereiten.

  • Hamburg
  • NRW: Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund, Gelsenkirchen, Köln, Siegen, Paderborn, Essen
  • Baden-Württemberg: Reutlingen, Ulm, Stuttgart, Freiburg, Sindelfingen
  • Niedersachsen: Hannover, Osnabrück
  • Thüringen: Jena
  • Sachsen: Dresden, Leipzig
  • Sachsen-Anhalt: Magdeburg
  • Mecklenburg-Vorpommern: Schleswig
  • Hessen
  • Berlin
  • Brandenburg: Potsdam
  • Bremen und Bremerhaven
  • Bayern: München, Nürnberg

 

Alternative Umschulungen als Fernstudium

Alternativ kann auch eine Umschulung als (Fern-)Studium absolviert werden. Wichtig: Ein Fernstudium setzt kein Abitur oder Fachhochschulzulassung voraus. Ein Schulabschluss und / oder eine erste abgeschlossen Berufsausbildung bzw. Berufserfahrung genügen. Ein Fernlehrgang ist ideal für alle, die sich neben dem Beruf weiterbilden möchten oder berufsbegleitende den Berufswechsel absolvieren.

Bei einem Fernlehrgang kommen die Fachbereiche Maschinenbau mit Schwerpunkt Konstruktionstechnik oder Produktgestaltung und Produktion sowie Industriedesign in Frage. Ebenso denkbar ist ein Studium im Bereich Produktdesign, Elektrotechnik oder Informationstechnik. Etwas weiterführend, aber mit der Möglichkeit der Spezialisierung sind die Ausbildungsrichtungen Architektur und Ingenieurwesen.

 

Weiterbildung und Berufswechsel

Wenn Sie bereits als Technischer Zeichner ausgebildet sind und Ihr Wissen auffrischen möchten, ist eine Weiterbildung ideal. Auch wenn Sie sich eine Umschulung von Technischer Produktdesigner in einen anderen Beruf wünschen, kann in manchen Fällen eine Fortbildung ausreichend sein. Weiterbildungen werden unter beistimmten Voraussetzungen ebenfalls vom Arbeitsamt gefördert. Solche Fortbildungen haben den Vorteil, dass sie kürzer dauern und der Stoff meist kompakter vermittelt wird. Häufige berufliche Neuorientierungen zielen in diese Berufe ab:

 

Weiterbildungen für Technische Produktzeichner

Nur wenn Sie planen in einen neuen Beruf zu wechseln, der mit Ihrer Ausbildung und Arbeitserfahrung als Technische Produktdesignerin nichts zu tun hat, führt kein Weg an einer Umschulung vorbei. Folgende Wege können Sie alternativ zu Ihrem Ziel bringen:

  • Weiterbildung neben dem Beruf, die zum benötigten Abschluss führt (auch über Fernstudium denkbar)
  • Berufsbegleitende Fortbildung als Fernlehrgang und eigenständige Anmeldung zur Externenprüfung (zum Beispiel bei der IHK)
  • Seminare am Wochenende oder an einer Abendschule (Leider sehr eingeschränktes und regional schwankendes Angebot)

 

Umschulung per Fernstudium - unsere Empfehlungen:

 

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