Während einer Umschulung selbständig tätig sein: So geht´s

Sie befinden sich in einer Umschulungsmaßnahme, welche Ihnen durch die Bundesagentur für Arbeit vermittelt wurde und erhalten hierzu auch eine finanzielle Unterstützung im Sinne eines Bildungsgutscheins? Nun möchten Sie begleitend selbstständig tätig sein? Sei es durch Nachhilfestunden, Texterstellungen online oder andere Arbeiten – selbstständige Tätigkeiten bieten Ihnen die Möglichkeit, sich neben Ihrem Haupteinkommen einen Nebenverdienst zu sichern.

Im folgenden Text möchten wir Ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, die Sie haben, sowohl Selbstständigkeit als auch Umschulung unter einen Hut zu bringen. Zunächst beginnen wir mit einigen Worten zur Selbstständigkeit.

Selbstständigkeit – Welche Formen gibt es?

Als selbstständige Arbeit bezeichnet man im deutschen Wirtschaftsjargon all diejenigen Tätigkeiten, die nicht in Abhängigkeit zu einem Arbeitgeber, sondern auf eigene Initiative hin unternommen werden.
Selbstständigkeit ist demnach sowohl als Ein-Personen-Unternehmen möglich, zum Beispiel als Onlinetexter oder DJ, als auch mit mehreren Angestellten. Der Selbständige ist dann ebenfalls Arbeitgeber.
Als Definitionskriterium ist ebenfalls die freie Zeiteinteilung heranzuziehen: Wer sich nicht an vorgeschriebene Arbeitszeiten halten muss und nicht in einer Organisation untergeordnet tätig ist, ist selbstständig.

Es gibt, je nach Größe und Umsatz des selbstständigen Gewerbes, unterschiedliche Formen der Selbstständigkeit, insbesondere die Abgrenzung von Kleingewerbe und Unternehmern ist in Fragen des Steuerrechts interessant und soll hier kurz erläutert werden:

Selbstständig als Kleingewerbe

Kleingewerbe sind grob gesprochen all diejenigen Selbstständigen, deren Tätigkeit nicht an die Bestimmungen des Handelsgesetzbuches und an andere kaufmännische Spezialvorschriften gebunden ist. Kurz gesagt sind all diejenigen Tätigkeiten, die nicht als Kaufmann ausgeübt werden, geeignet um in Form eines Kleingewerbes betrieben zu werden.

Insbesondere in der weiteren Folge ist die Eintragung als Kleingewerbe für Startups und Einzelpersonen leichter und schneller zu erledigen, als im Falle der Unternehmen gem. Handelsgesetzbuch.

Welche Eintragungen vorgenommen werden müssen und welche Punkte Sie beachten müssen, wenn Sie als Kleingewerbetreibende/-r selbstständig sein möchten, finden Sie hier.

Kleinunternehmerregelung

Die sogenannte Kleinunternehmerregelung findet im Rahmen der Lohnsteuererklärung ihre Anwendung.
Selbstständige, deren Gewerbe Gewinne unterhalb des Freibetrages von 24.500 Euro pro Jahr abwirft, müssen keine Gewerbesteuer zahlen. Zusätzlich ist immer dann eine einfache Lohnsteuererklärung ausreichend, wenn die Gewinne eine Schwelle von 17.500 Euro pro Jahr nicht übersteigen – hier reicht eine Anlage zur normalen Steuererklärung mit Aufrechnung von Gewinnen und Ausgaben.

Weitere Informationen rund um das Thema Selbstständigkeit, Gewerbeformen, Meldeauflagen und Steuerfragen erhalten Sie auf den folgenden Seiten:

Nachdem nun die Grundlagen der Selbstständigkeit geklärt wurden, wird im folgenden Teil auf die Besonderheiten im Zusammenhang mit Umschulungsmaßnahmen durch die Bundesagentur für Arbeit eingegangen.

Umschulung und Selbstständigkeit – die Zusammenhänge

Grundsätzlich ist es durchaus möglich im Rahmen einer Umschulung selbstständig zu arbeiten und in dieser Arbeit Gewinne zu erzielen.
Die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen richten sich hier nach der individuellen Arbeitsform, dem Einkommen und der Art des eingetragenen Gewerbes.

Hinsichtlich der Umschulungsmaßnahmen ist zu prüfen, ob die Umschulung durch einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit unterstützt oder sonst in einer Weise finanziell begünstigt wird.
Ist das der Fall, müssen diese Begünstigungen mit den Einnahmen aus der Selbstständigkeit verrechnet werden. Hintergrundinformationen zum Thema Bildungsgutschein und Zuschüsse finden Sie auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit.

Zusätzlich zu den finanziellen Fragen ist auch die Arbeitszeit und die Belastung, welche durch die selbständige Arbeit anfällt zu berücksichtigen.
Eine unterstützte Umschulungsmaßnahme wird immer dann gewährt, wenn die Bundesagentur für Arbeit von einem Erfolg dieser Maßnahme ausgeht. Sollten Anhaltspunkte dagegen sprechen (etwa ein zu hoher Arbeitsansatz im Rahmen einer Selbstständigkeit) können Maßnahmen abgelehnt oder nicht genehmigt werden.

Wichtig: Wird eine Umschulung auf eigenen Wunsch abgebrochen, sind bereits erstattete Kosten an den Träger zurückzuzahlen. Ein Abbruch auf Grund einer bestehenden Selbstständigkeit gilt nicht als triftiger Grund und kann einen hohen finanziellen Aufwand bedeutet.

Zum Abschluss dieses Artikels werden wir nun auf eine weitere Fragestellung eingehen, welche die Möglichkeit einer Umschulungsmaßnahme für bereits Selbstständige betrifft.

Umschulungsmaßnahme als Selbstständiger – Geht das?

Selbstständigkeit ist für viele Menschen ein Traum, den sich nicht alle erfüllen. Und diejenigen, die es versuchen, werden viel zu häufig von der Realität eingeholt: Gegründete Gewerbe gehen aus wirtschaftlichen oder privaten Gründen kaputt und die Selbstständigen stehen vor der Frage, wie es in Zukunft weiter gehen soll.

Wenn jedoch bestimmte Faktoren zutreffen, können auch ehemalige Existenzgründer Unterstützungen für Umschulungsmaßnahmen erhalten.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Sie als ehemaliger Selbstständige/-r eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche haben, oder zumindest eine Berufsausbildung begonnen haben. Ist dies nicht der Fall, redet man nicht von einer Umschulung, sondern von einer Erstausbildung. Diese richtet sich in ihren Anforderungen und Fördermöglichkeiten nach anderen Regularien, als die Umschulung.

Bei allen Antragstellern wird zudem zuerst geprüft, ob eine Weiterbildung nicht einen ähnlichen Erfolg verspricht. Hintergrund sind die hohen Kosten und die Dauer der üblichen Umschulungsmaßnahmen.

Umschulung und Selbstständigkeit – Fazit

Sie sehen, im Zusammenhang zwischen Umschulung und Selbstständigkeit gibt es diverse Faktoren, die beachtet werden müssen. Die steuerlichen und rechtlichen Aspekte richten sich immer nach den individuellen Vorgaben und müssen im Einzelfall betrachtet werden.
Grundsätzlich ist es jedoch möglich, sowohl während einer Umschulung selbstständig tätig zu sein, als auch als Selbstständiger eine Umschulungsmaßnahme gestattet zu bekommen.


Für welchen Weg Sie sich auch entscheiden: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!