Umschulung trotz bestehenden Arbeitsvertrages: Alle Fakten

Sie sind bereits in einem festen Arbeitsverhältnis tätig und möchten an einer Umschulung teilnehmen? Grundsätzlich steht dem nichts im Wege, allerdings müssen Sie im Vorhinein einiges beachten.

 

1. Umschulung, die in bisheriges Arbeitsgebiet passt

Sie möchten an einer Umschulung teilnehmen, die sich mit dem Berufsfeld Ihres bereits bestehenden Arbeitsvertrags deckt? Das ist die unkomplizierteste Variante, denn es wird Ihnen am leichtesten fallen, Ihren Chef davon zu überzeugen. Am besten Sie machen sich vor dem Gespräch mit Ihrem Chef Notizen. Weshalb ist es sinnvoll, dass Sie gerade an dieser Umschulung teilnehmen? Welche Vorteile bietet diese Teilnahme für Sie, aber auch vor allem für den Gesamtbetrieb?

Welche Vorschläge können Sie vorbringen, um die Maßnahme der Umschulung konkret zu realisieren? Dabei sollten Sie sich die Frage nach der Durchführbarkeit stellen: Wie lange wird die Umschulung dauern? Wollen Sie dafür Arbeitszeit in Anspruch nehmen oder Ihren Chef doch lieber bitten, Sie freizustellen? Am besten suchen Sie hierbeit nach einem Kompromiss, mit dem Sie, aber auch Ihr Chef leben kann. Hier ist Fingerspitzenfühl gefragt. Argumentieren Sie folgendermaßen: Sicherlich werden Sie bei der Arbeitsleistung insgesamt zunächst einiges aufholen müssen, aber auf lange Frist werden Ihre neuerworbenen Kenntnisse dem Betrieb nützen und ihn voranbringen.

 

2. Umschulung, die nicht in bisheriges Arbeitsverhältnis passt

Möchten Sie an einer Umschulung teilnehmen, die thematisch nicht in Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis passt? Dann sollten Sie sich zunächst die Frage stellen, was Sie nach der Umschulung mit Ihrem neu erworbenen Wissen zu tun gedenken. Möchten Sie die Umschulung wahrnehmen, um sich weiterzubilden oder um danach in dem anderen Berufsfeld tätig zu werden?

Im Falle, dass Sie sich persönlich weiterbilden möchten, können Sie auch so vor Ihrem Chef argumentieren. Am besten halten Sie sich im Voraus eine geeignete Strategie fest, mit der Sie dagegen argumentieren können, dass Sie bei der Arbeitsleistung für die Dauer der Umschulung fehlen werden. Wieso würden Sie diese Umschulung als persönlichere Bereicherung empfinden? Wenn Sie dies Ihrem Chef überzeugend vorbringen können, dann wird er Ihnen eher gestatten, die Umschulung wahrzunehmen, denn das ausgeglichene und glückliche Arbeitnehmer besser arbeiten, ist schon lange bewiesen. Kommen Sie Ihrem Chef im Gegenzug auch entgegen – wenn er Ihnen anbietet, sie für die Zeit freizustellen oder den Lohn entsprechend Ihrer fehlenden Stunden zu kürzen, dann versuchen Sie, wenn Sie es mit sich und Ihrer Situation vereinbaren können, dem zuzustimmen.

Sollten Sie jedoch nach der Umschulung in einem anderen Berufsfeld tätig sein wollen, müssen Sie sich die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller wäre, gleich zu kündigen. Was versprechen Sie sich davon, während oder nach der Umschulung noch in einem Berufsfeld tätig zu bleiben, in dem Sie sowieso nicht bleiben wollen? Finanziell gefördert zu werden ist oft einfacher, wenn man als arbeitssuchend gemeldet ist. Vereinbaren Sie am besten so bald wie möglich einen Termin bei der Agentur für Arbeit, die für Sie zuständig ist und schildern Sie dort Ihre Situation. Eine gute Möglichkeit Ihr bestehendes Arbeitsverhältnis trotzdem noch weiterzuführen, ist die Teilzeit-, Fern- oder aber Abendumschulung. In diesem Bereich gibt es bereits sehr viele Anbieter.

 

3. Der rechtliche und finanzielle Hintergrund für Umschulungen mit bestehendem Arbeitsverhältnis

Unter Umständen haben Sie in jedem Fall Anspruch auf eine Umschulung, auch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis. Dabei müssen folgende Sachverhalte gegeben sein:

  • Es ist Ihnen nicht mehr möglich, einer Tätigkeit im bisherigen Beruf nachzugehen. Dies kann der Fall sein, weil persönliche Voraussetzungen nicht mehr erfüllt werden oder aber weil das Berufsbild als solches auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr existent ist oder aber rapide verschwindet. Persönliche Voraussetzungen meinen dabei vor allem psychische oder physische Beeinträchtigungen, die durch beispielsweise ein Trauma oder einen Unfall hervorgerufen worden sind. In diesem Fall ist es möglich, eine Umschulung im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme wahrzunehmen.
  • Die Umschulung, die Sie wählen, sollte Ihnen nach der Umschulung ermöglichen, einem Beruf nachzugehen, der Arbeitslosigkeit abwendet.

Die Umschulung, die Sie wählen, sollte Ihnen nach der Umschulung ermöglichen, einem Beruf nachzugehen, der Arbeitslosigkeit abwendet.
In diesen beiden oben genannten Fällen ist eine Förderung durch staatliche Stellen möglich.

Die Agentur für Arbeit bietet auch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis viele Möglichkeiten der Förderung an, wie beispielsweise den Bildungsgutschein. Auch die verschiedenen Bundesländer haben immer wieder variable Angebote in diesem Bereich. Einen guten Überblick über Möglichkeiten, die sich Ihnen im Rahmen der Agentur für Arbeit bieten, erhalten Sie hier.

Zu den Möglichkeiten, die sich im Rahmen der Bundesländer anbieten, kann man sich hier einen guten Überblick verschaffen.

In jedem Fall ist es auch sinnvoll, sich damit zu befassen, wie man eine Umschulung steuerlich absetzen kann. Gerade hier gibt es einige Möglichkeiten, an die Sie auf jeden Fall denken sollten.

4 Gedanken zu „Umschulung trotz bestehenden Arbeitsvertrages: Alle Fakten“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin 35 Jahre und arbeite seit jahren im Lager und habe Bandscheibenvorfall . Mein Arzt hat gesagt : dein Rücken wird schlimmer in dieser Arbeit.(ich habe Attest und Bericht von Radiologie Arzt )
    Deswegen möchte ich selbst kündigen und eine Umschulung machen .
    Die Berufsberaterin hat mir gesagt : selbst nicht kündigen weil Sie 100% eine Sperrzeit für 3 Monaten eintreten werden außdem schicken wir Ihnen wieder zu andere Lager wieder und wenn Sie nicht gehen dann kriegen Sie wieder Sperrzeit.
    Meine frage bitte wenn ich selbst kündige , bekomme ich Bildungsgutschein für eine Umschulung von Agentur für Arbeit ?
    für eine antwort wäre ich ihnen sehr dankbar.

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    • Hallo Dily,

      danke für Ihre Nachricht.

      Wenn Sie von sich aus kündigen, dann tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sperrzeit in Kraft und Sie können in den ersten 3 Monaten keine Leistungen von der Arbeitsagentur beziehen.
      Nur zur Klarstellung: Die Leistungen von Arbeitslosengeld und die Finanzierung der Umschulung kommen jeweils vom selben Kostenträger, von der Agentur für Arbeit. Wir raten Ihnen also auch davon ab zu kündigen.

      Kündigen Sie also nicht voreilig. Die Frage ist eher, wie bekommen Sie wegen Krankheit eine Umschulung finanziert. Wenn Sie schon mehr als 15 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen, wäre übrigens die Rentenversicherung auch für die Finanzierung der Umschulung zuständig.

      Geben Sie das Attest und die schriftliche Einschätzung des Arztes, dass Sie auf Dauer nicht mehr im Lager arbeiten können, an den Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur weiter. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nicht mehr arbeiten können, dann lassen Sie sich unbedingt krankschreiben.

      Leider machen viele die Erfahrung, dass die Erforderlichkeit einer Umschulung von der Arbeitsagentur erst Ernst genommen wird, wenn Arbeitnehmer sich länger krankschreiben lassen müssen.

      Informieren Sie sich schon jetzt, welche Umschulung denn für Sie in Frage kommen würde. Eine Übersicht mit Umschulungsberufe finden Sie hier: Welche Umschulungen gibt es?

      Auch wenn es viel Energie kostet, geben Sie nicht auf. Sprechen Sie immer wieder an, dass Sie eine Umschulung machen möchten. Kündigen Sie nicht – wenn Sie nicht arbeiten können, dann lassen Sie sich krankschreiben. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

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  2. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin Exam. Altenpflegerin mit den Weiterbildungen Stationsleitung, Pflegedienstleitung, Hygienefachmann. Seit über 20 Jahren im Beruf. Nun bin ich schon längere Zeit an Depression, Burnout und posttraumatischen Belastungsstörungen erkrankt weiterhin habe ich durch die schwere körperliche Arbeit meine Wirbelsäule kaputt und musste mich jetzt 3 operativen Eingriffen unterziehen und bin aus der Lohnfortzahlung raus und beziehe Krankengeld. Mein Anstellungsverhältnis besteht allerdings. Nun gehe ich Mitte März in die Reha mind. 5 Wochen. Aus ärztlicher Sicht wird mir angeraten umzuschulen. Gern würde ich dies auch machen und habe mich erkundigt, hier würde ich gern Pflegemanagement an der Fachhochschule umschulen damit ich mein fundiertes Fachwissen mit einfließen lassen kann. Ich kann auf Grund der Erkrankung nicht mehr direkt am Patienten arbeiten, der zeitliches Stressfaktor bringt mich um, die Personalführung ist im Bereich der Pflege schrecklich. Kann man mir ggf. Tipps geben wie ich für eine berufliche Umschulung bei der Rentenversicherung argumentiere, oder habe ich überhaupt Chancen die Umschulung bewilligt zu bekommen. Werden z.B. die Apollon Hochschule von der Rentenversicherung bezahlt oder übernehmen diese nicht die Umschulung?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

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    • Hallo Tanja,

      danke für Ihre Nachricht. Wenn Ärzte zur Umschulung raten, dann ist das schon mal eine gute Grundlage. Die Rentenversicherung müssen Sie eigentlich nicht mit anderen Argumenten überzeugen – relevant ist hier vor allem, dass Sie gesundheitsbedingt nicht mehr in Ihrem alten Beruf arbeiten können. Sie sollten zeitnah mit Ihrem Berater bei der Rentenversicherung sprechen.

      Ungünstig ist, dass Sie an ein Studium an der Fachhochschule denken. “Hauptberufliche” Umschulungen sind immer verkürzte Berufsausbildungen. Die Kosten des Studiums können zwar von der Arbeitsagentur als Weiterbildung übernommen werden, jedoch zahlen weder Rentenversicherung noch Arbeitsamt in dem Zeitraum Ihren Lebensunterhalt. Auch Pflegemanagement an der Apollon Hochschule ist als nebenberufliche Weiterbildung in Form einer Fernstudiums konzipiert, dass Sie neben Ihrem Beruf absolvieren.

      Wir können Ihnen nur raten, dass Sie sich bei der Rentenversicherung beraten lassen, welche Wege zu Ihrem Lebenslauf passen, wobei dies erst der zweite Schritt ist. Zunächst müssen Sie klären, dass die Rentenversicherung grundsätzlich eine Umschulung für Sie übernimmt.

      Wir wünschen Ihnen beruflich und gesundheitlich das Beste!

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