Wie kann man die Umschulung wechseln?

Das Berufsleben kann manchmal bitter sein: Nachdem der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, erkämpft man die Bewilligung einer Umschulung und muss dann feststellen, dass die erhoffte berufliche Veränderung doch nicht zielfördernd ist. Probleme verschiedenster Art können immer wieder während einer Qualifizierungsmaßnahme auftreten. Aber es ist von Person zu Person unterschiedlich, wieviele Probleme man bereit ist für den Zeitraum von etwa zwei Jahren auszuhalten. Es macht dabei keinen Unterscheid, ob Sie lediglich den Umschulungsanbieter oder den Umschulungsberuf wechseln möchten: Der bewilligte Bildungsgutschein kann nachdem er eingelöst wurde, nicht für eine andere Umschulung mehr verwendet werden.

Dieser Artikel richtet sich an alle, die eine begonnene verkürzte Ausbildung nicht mehr fortsetzen möchten. Hier erfahren Sie alles, was für Sie wichtig ist bevor Sie eine Umschulung wechseln oder ohne Abschlussprüfung beenden. Wenn Sie Ihre Umschulung bereits gekündigt haben, dann erfahren Sie hier welche Konsequenzen sich für Sie ergeben.

 

Ist es möglich die Umschulung zu wechseln?

Der Wechsel der Umschulung  kann bedeuten, dass Sie den Wechsel des Umschulungsberufs oder Wechsel des Bildungsträgers, Betrieb, Schule oder Praktikumsstelle überlegen.

 

Probleme bei der Umschulung: Ich will nicht mehr weiter machen

Wenn Sie die bereits bewilligte Umschulung nicht beginnen oder fortführen wollen / können, dann benötigen Sie einen neuen Bildungsgutschein. Dies ergibt sich aus der Kopplung des Bildungsgutscheins mit einer konkreten Umschulung bei einem konkreten Umschulungsanbieter. Der Wunsch, die selbe oder eine andere Umschulung bei einem anderen oder dem selben Umschulungsanbieter neu zu beginnen, bedeutet also, dass Sie noch einmal den Bewilligungsprozess bei der Arbeitsagentur, dem Jobcenter oder der Rentenversicherung durchlaufen müssen. Ein Wechsel der Umschulung oder des Umschulungsanbieters ist somit gleichbedeutend mit einem Abbruch der Umschulung.

Sollten Sie Ansicht mit dem Umschulungsberuf zufrieden sein, aber Probleme mit dem Ausbildungsträger bestehen, dann lesen Sie bitte hier weiter.

 

Wie soll man umgehen bei Problemen mit Betrieb, Schule, Praktikumstelle oder Bildungsträger?

Für niemand sind Probleme während der Umschulung so unangenehm wie für den Umschüler. Teilnehmer einer Umschulung stehen meist stark unter Druck, da sie unterschiedlichsten Belastungen zusätzlich zur Ausbildung ausgesetzt sind (Gesundheit, Familie etc.). Auch wenn es sich nicht immer so anfühlt, Sie sind mit den vielen Problemen nicht allein und viele Teilnehmer machen ähnliches durch. Das soll Ihre Schwierigkeiten natürlich nicht relativieren.

 

Umschulungsanbieter wechseln

Wenn Sie sicher sind, dass Sie den für Sie passenden Umschulungsberuf schaffen, aber die Qualität der Schulung beim Bildungsträger zu wünschen lässt, dann sprechen Sie unbedingt mit dem Arbeitsamt. Hier macht der Wechsel der Umschulungsstätte oder Schule Sinn.

 

Verpflichtendes Praktikum abbrechen

Bei einem verpflichtenden Praktikum sollten Sie bei Problemen überlegen ob es wirklich eines Wechsels bedarf. Es handelt sich schließlich um einen kürzeren Zeitraum. Andererseits ist es eine wichtige Möglichkeit Praxiserfahrung zu sammeln oder kann sogar das Sprungbrett zu einer Arbeitsstelle nach der Umschulung sein. Suchen Sie in jedem Fall vor der Kündigung sich ein neues Praktikum. Meist dauert dies einige Zeit und Sie möchten nicht ohne Zusage in der Luft hängen. Überlegen Sie sich auch, wann ein guter Zeitpunkt zum Wechseln ist, wie zum Beispiel Ende eines vollen Monats.

 

Falscher Beruf: Kann ich meine Umschulung wechseln ohne Abbruch?

Nein, selbst wenn Sie beim selben oder einem anderen Umschulungsanbieter einen anderen oder den selben Umschulungsberuf lernen möchten, ist dies dennoch immer ein Abbruch der Umschulung. Wurde die Umschulung mit einem Bildungsgutschein finanziert, dann gilt dieser immer nur für einen konkreten Lehrgang. Es steht Ihnen natürlich dennoch frei, das Ausbildungsverhältnis mit dem Umschulungsträger zu kündigen. Zuvor sollten Sie sich aber über die aus der Kündigung Ihrer Umschulung ergebenden rechtlichen Konsequenzen informieren.

 

Was sind die Konsequenzen des Abbruchs einer Umschulung?

Sollten Sie nach Beginn der Umschulung feststellen müssen, dass diese nicht der richtige Weg für Sie zurück ins Berufsleben ist, stellt sich die Frage, wie Sie ohne unnötige finanzielle Nachteile, eine Qualifizierungsmaßnahme beenden können.

Wenn Sie die Umschulung eigenmächtig abbrechen, dann bedeutet dies in aller Regel, dass der Kostenträger von Ihnen die Rückerstattung aller bisher an den Bildungsträger geleisteten Zahlungen, also sowohl Ausbildungsvergütung, als auch Ausbildungskosten verlangen wird.  Dies ist in der Summe selbst bei einer nur teilweisen Rückforderung ein beachtlicher Geldbetrag. 

Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der eine vorzeitige Beendigung der Ausbildung als die einzige verbleibende Möglichkeit erscheint, dann leiten Sie unbedingt alle Schritte ein, die eine Rückforderung der bisherangefallenen Kosten verhindert. 

 

Umschulung über die Arbeitsagentur und Jobcenter

Wenn Sie während der Umschulung Schwierigkeiten erfahren, der Ihnen den die Fortsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen unmöglich macht, dann suchen Sie zeitnah ein Gespräch mit dem Kostenträger. Die Arbeitsagentur, das Jobcenter und die Rentenkassen dürfen in bestimmten Konstellationen von der Rückforderung der Umschulungskosten absehen und Sie sollten vor der Kündigung abklären, ob Sie einen solchen günstigen Fall darstellen.

Tipp: Geldrückforderung des Kostenträgers verhindern – Kein Wechsel der Umschulung ohne vorheriges Gespräch

 

Umschulung über die Rentenversicherung

Die Rentenversicherung verlangt die Kosten der Umschulung nicht zurück, wenn die Umschulung aufgrund Ihrer Erkrankung entgegen der anfänglichen Prognose doch nicht für Sie passend ist. Generell fordern die Kostenträger kein Geld zurück, wenn der Abbruch der Umschulung medizinisch begründet ist. Zur Feststellung, ob dies der Fall ist, reicht in der Regel ein einfaches Attest eines behandelnden Arztes nicht aus, sondern Sie werden meist zu einer amtsärztlichen Untersuchung aufgefordert.

 

Dokumentation aller Kündigungsgründe für das Gespräch mit dem Kostenträger erforderlich

Sollten die Probleme mit dem Umschulungsanbieter zusammenhängen, dann ist eine detaillierte Dokumentation aller Vorkommnisse, im optimalen Fall mit Benennung eines weiteren Zeugen, Nachweise etc. sehr hilfreich, um den Sachbearbeiter des Kostenträgers von der Alternativlosigkeit des Abbruchs zu überzeugen. Hier wird die Frage, wie gravierend die Versäumnisse des Ausbildungsträgers einzuordnen sind, die Entscheidung des Kostenträgers über die Rückforderung maßgeblich beeinflussen.

Wenn Sie bei der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter oder der Rentenversicherung auf wenig Verständnis stoßen und Ihnen eine Kostenrückforderung droht, dann sei Ihnen vor einer Kündigung geraten, zunächst die geschätzte Rückforderungssumme in Erfahrung zu bringen.

 

Brauche ich einen neuen Bildungsgutschein?

Ja, in jedem Fall, denn ohne neuen Bildungsgutschein können Sie keine neue Umschulung beginnen. Wie einfach Sie den Bildungsgutschein ein zweites Mal bewilligt bekommen, hängt einerseits wieder von den allgemeinen Voraussetzungen ab. Zusätzlich wird auch eine Rolle spielen, warum und wie die erste Umschulung abgebrochen wurde. Der Eindruck von fehlende Leistungsbereitschaft wäre sehr ungünstig. Überforderung, gesundheitliche Probleme, gegebenenfalls auch das Erleiden von Mobbing lässt eine schlechte Leistung natürlich wieder in einem anderen Licht erscheinen.

 

Unterstützung für Umschüler: Ansprechpartner bei Überforderung, Unterforderung oder Krankheit

Enttäuschend ist die Tatsache, dass Umschüler anders als Studenten (Angebot psychologischer Sprechstunden durch die Studentenwerke) keine organisierte psychologische Unterstützung erfahren, wenn sie sich während der Ausbildung überfordert fühlen oder der Erfolg der Umschulung aufgrund einer Erkrankung (z.B. akute Depression) in Gefahr gerät.

Probleme während einer Qualifizierungsmaßnahme können immer mal wieder auftreten. Versuchen Sie zunächst unbedingt das Problem in einem direkten Gespräch mit dem Ausbildungsträger oder Umschulungsbetrieb zu lösen oder suchen Sie sich Unterstützung innerhalb der Institution des Ausbildungsträgers, wenn Sie sich alleine zu einem offenen Gespräch nicht in der Lage sehen. Oftmals erreichen Sie mehr Wohlwollen, wenn das Problem noch nicht nach Außen gelangt ist und ohne möglichen Reputationsverlust für den Umschulungsträger gelöst werden kann. Versuchen Sie trotz der gegebenenfalls angespannten und emotional aufgeladenen Situation stets sachlich und ruhig das Problem zu verdeutlichen und schlagen Sie im Optimalfall gleich eine oder mehrere Lösung vor.

 

Umschulung retten statt wechseln

Wann auch immer Sie während der Umschulung kleine oder große Probleme erfahren, denkbar sind immer Gespräche mit Ihrem Sachbearbeiter der Arbeitsagentur, Jobcenter oder Rentenkasse. Der Kostenträger sollte ein Interesse habe, dass das in Ihre Ausbildung investierte Geld zu einer erfolgreichen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt führt. Insbesondere wenn die Probleme im Verhältnis zwischen dem Ausbildungsbetrieb und Ihnen bestehen, könnte der Kostenträger als eine vermittelnde Instanz auftreten. Sie haben keinen Anspruch auf das Tätigenden, jedoch können Sie mit einem gezielten Vorschlag während eines Gesprächstermins mit dem Sachbearbeiter entsprechend auf eine unterstützende Intervention hinwirken.

Mangels spezifischen Angeboten für Umschüler kann für psychologischen Rat in vielen Städten sozial-psychologische Beratungsstellen aufgesucht werden. Die dort tätigen Lebensberater, Psychologen und Sozialarbeiter können Ihnen oft einen zur Problemlösung wichtigen Input geben, der einen Abbruch der Umschulung vielleicht doch noch verhindern kann.

 

Zusammenfassung

  • Der Wunsch des Wechseln des Umschulungsanbieters oder des Umschulungsberufs ist gleichbedeutend mit dem Abbruch der Umschulung.
  • Der eigenmächtige Abbruch der Umschulung zieht regelmäßig eine Rückforderung der bisher angefallenen Kosten Ihrer Umschulung seitens des Kostenträgers nach sich. Sprechen Sie deswegen unbedingt mit dem Arbeitsamt, bevor Sie kündigen!
  • Vor der irregulären Beendigung der Umschulung ist Ihnen dringend geraten mit der Arbeitsagentur, dem Jobcenter oder der Rentenkasse Rücksprache zu halten.
  • Der Wechsel eines verpflichtenden Praktikums ist möglich – Suchen Sie unbedingt einen neuen Platz, bevor Sie den alten aufgeben. Andernfalls verlieren Sie kostbare Zeit.
  • Wenn Sie mit dem Bildungsträger unzufrieden sind, dann kann die Umschulung gegebenenfalls auch bei einem anderen Umschulungsanbieter nach der Zwischenprüfung fortgesetzt werden. Dies geht jedoch nicht ohne neuen Bildungsgutschein.
  • Auch bei Problemen während der Qualifizierungsmaßnahme, die Sie zwar nicht eine Kündigung erwägen lassen, aber Ihre Ausbildung belasten, sollten Sie dennoch ein Gespräch mit dem Ausbildungsträger, der Kostenstelle oder einem vermittelnden Dritten suchen.
  • Eine Kündigung der Umschulung gegenüber dem Umschulungsanbieter hat schriftlich zu erfolgen.

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