Wie lange dauert eine Umschulung?

Umschulungen sind zeitlich verkürzte Ausbildungen, die Arbeitnehmern, Arbeitslosen und Arbeitssuchenden einen qualifizierten Berufswechsel ermöglichen. Nicht reduziert werden hingegen die Ausbildungsinhalte. Dabei werden Teilnehmer auf dem Zweiten Bildungsweg unter bestimmten Voraussetzungen finanziell vom Arbeitsamt oder der Rentenversicherung durch einen Bildungsgutschein unterstützt. Menschen, die eine Umschulung in Betracht ziehen, befinden sich meist schon im mittleren Alter und nicht wenige Umschüler haben durch Familie etc. finanzielle Verbindlichkeiten. Auch aus diesem Grund ist es wichtig zu wissen, wie lange eine Umschulung in Vollzeit oder Teilzeit dauert, welche Ausnahmen und Besonderheiten es hierbei gibt und wie selbst in sehr kurzer Zeit Umschulungen möglich sind. 

 

Grundsatz: Umschulungen dauern zwei Jahre

Wenn Sie einen Berufswechsel durch ein Umschulung in Vollzeit anstreben, dann müssen Sie sich grundsätzlich auf 24 anstrengende Monate einstellen. In diesen zwei Jahren lernen Sie an der Berufsschule, in der Abendschule oder in dem Umschulungsbetrieb die gesamte Theorie wie jeder Auszubildende in dem Beruf auch. Ebenso bewältigen Sie in den 2 Jahren alle praktischen Ausbildungsabschnitte und leisten die gegebenenfalls erforderlichen Praktika ab. Allgemein hat es auf die Dauer der Umschulung keinen Einfluss, ob Sie an einer schulischen, betrieblichen oder überbetrieblichen Qualifizierung teilnehmen.

 

Kann man eine Umschulung verlängern?

Nein, eine Verlängerung der Ausbildungszeit auf Antrag ist nicht vorgesehen. Dies gilt insbesondere für Umschüler über die Agentur für Arbeit, die ALG1 beziehen. Der Anspruch auf ALGI wird während der 24 Monaten Umschulung faktisch verdoppelt bzw. für zwei Tage Leistungsdauer nur ein Tag von den zustehenden Tagen abgezogen. Wenn Sie zum Beispiel die Abschlussprüfung nicht bestehen, dann verlängert sich nicht der ALG1-Anspruch, sondern Sie werden sich auf ALG2 umstellen müssen, sobald das Arbeitslosengeld aufgebraucht ist.

 

Kann man eine Umschulung noch weiter verkürzen?

Ja und nein zugleich. Bei Ausbildungen ist es anerkannt, dass man die Länge verkürzen kann, wenn man durch eine vorherige Ausbildung zum Beispiel einzelne Ausbildungsmodule anrechnen lassen kann. Rein theoretisch ist dies bei einer Umschulung auch denkbar, wobei sich dann jedoch die Frage stellen kann, warum überhaupt weitere 24 Monate Berufsbildung erforderlich sind, wenn aus einer ersten Ausbildung bereits Inhalte konkret angerechnet werden können. In der Praxis kommen diese Konstellationen auch nicht vor, da dann in der Regel auch statt zwei Jahren Umschulung eine kürzere Fortbildung das Ziel erreichen könnte. Wenn Sie davon ausgehen, dass Teile Ihrer Erstausbildung auf die Dauer der Umschulung angerechnet werden könnten, dann wenden Sie sich zur Klärung der Frage direkt an die Prüfungsstelle für den neuen Beruf.

 

Wie hoch ist der Zeitaufwand einer Umschulung in Teilzeit?

Eine Umschulung in Teilzeit dauert zwischen 24 und 30 Monaten. Entgegen der verbreiteten Annahme bedeutet Teilzeit nicht, dass die Ausbildung in der doppelten Zeit absolviert wird. Teilzeitumschulungen sind ideal, wenn Sie neben der beruflichen Qualifizierung einen Angehörigen pflegen oder Kinder bereuen. Jedoch ist diese Form der Umschulung besonders herausfordernd: Wenn Sie in der regulären Zeit umschulen, dann nehmen Teilnehmer einer Umschulung in Teilzeit zwar an allen Theorieeinheiten teil, es reduziert sich jedoch die praktische bzw. betriebliche Ausbildungszeit. Nach 24 Monaten nehmen sie an der selben Abschlussprüfung teil.

Eine Teilzeitumschulung ist somit ideal bei Qualifizierungen in der Verwaltung oder im Büro, schwierig hingen Berufe mit praktischen Prüfungen wie im Handwerk. Es gibt deswegen unter Umständen die Möglichkeit, eine Umschulung in Teilzeit von regulär zwei Jahren auf insgesamt 30 Monate zu verlängern. Da dies mit mehr Kosten verbunden ist, gelten hier besondere Bedingungen. Weitere Informationen, insbesondere zu den Voraussetzungen für die Finanzierung durch einen Bildungsgutschein, erfahren Sie hier: Wann ist eine Umschulung in Teilzeit möglich?

 

Ausnahme: In manche Umschulungen müssen Sie drei Jahre Zeit investieren

Es gibt einzelne Ausbildungsberufe, die auch im Rahmen einer eigentlich verkürzten Umschulung, weiterhin 36 Monate in Vollzeit beanspruchen. Ein Beispiel hierfür ist die beliebte Umschulung zur Erzieherin oder zum Erzieher. Hier gibt es zwar Möglichkeiten der Verkürzung, allerdings nur für wenige Vorausbildungen wie zum Beispiel Kinderpfleger/in. In der Konsequenz bedeutet dies zum Glück auch, dass der Bildungsgutschein für diese Umschulungen nicht nur zwei Jahre, sondern die gesamte Dauer der Umschulung, also drei Jahre, gilt.

 

Wenn es sehr schnell gehen muss: Umschulung innerhalb eines Jahres

Wenn Sie möglichst schnell eine Umschulung abschließen möchten, dann gibt es die Möglichkeit 24 Monate zu unterschreiten. Nicht allerdings in der Form, dass ein dreijähriger Ausbildungsberuf auf bist zu 12 Monate Umschulungszeit reduziert werden könnte. Vielmehr gibt es Weiterbildungen, die innerhalb von einem Jahr zur Aufnahme eines neuen Berufs qualifizieren.

Eine Fortbildung statt einer Umschulung kann durchaus Sinn haben, denn nicht immer ist die Investition von zwei Jahren nötig um einen gelungenen Berufswechsel zu vollziehen. Viele dieser Weiterbildungen werden auch neben dem Beruf angeboten und stellen Sie dadurch nicht vor Finanzierungsprobleme. Die Kosten einer Bildungsmaßnahme können zusätzlich mindernd in der Lohnsteuererklärung geltend gemacht werden.

 

Berufsbegleitende Umschulungen an einer Fernschule: Flexible Länge möglich

Insbesondere für Berufstätige, die sich ohne Arbeitsamt weiterbilden möchten, ist eine flexible Weiterbildung durch ein berufsbegleitendes Fernstudium eine interessante Option. Die praktisch ausgerichteten Fernkurse anerkannter Institutionen lassen sich zeit- und ortsunabhängig in den individuellen Arbeitsalltag integrieren. Die Dauer einer selbstorganisierten Umschulung variiert und ist dabei auch durch die eigene Disziplin beeinflussbar: Sie haben bei so gut wie jedem Kurs ohne Zusatzgebühren die Möglichkeit, die Länge zu verkürzen oder mehr Zeit in Anspruch zunehmen.

Als Daumenregel gilt, dass Weiterbildungen neben der Arbeit etwa sechs bis 18 Monate dauern, wenn diese ohne IHK-Prüfung abgeschlossen werden. Fortbildungen mit IHK-Abschluss bedeuten einen Zeitaufwand von 1 bis 2 Jahren, es gibt jedoch auch hier die Möglichkeit schneller zum Abschluss zu kommen, wenn Ihnen neben dem Job entsprechend viel Zeit übrig bleibt. Berufswechsel per Fernschule bringt Ihnen eine Reihe an Vorteilen: Nicht nur haben Sie eine Auswahl an Anbietern, insbesondere Ihr eigener Wohn- und Arbeitsort ist zweitrangig. Die Kosten der meisten Fernkurse können als Umschulung oder Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanziert werden. Sie sind aber in der Regel nicht auf den guten Willen der Arbeitsagentur angewiesen, denn die moderaten Gebühren können in monatlichen Raten bezahlt und in der Steuererklärung berücksichtig werden.

 

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