Wann habe ich Anspruch auf eine Umschulung?

Recht auf UmschulungWenn eine Arbeitnehmer die bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr durchführen kann, ist es in vielen Fällen sinnvoll, eine Umschulungsmaßnahme durchzuführen. So können sich die Betroffenen in einem neuen Beruf wieder eigenständig ihren Lebensunterhalt verdienen ohne von staatlichen Leistungen abhängig zu sein. In vielen Fällen ist es ihnen jedoch nicht möglich, selbst für die teils hohen Kosten der Umschulung und dem Lebensunterhalt aufzukommen. Aus diesem Grund werden Umschüler finanziell vom Staat unterstützt.

Doch gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Förderung und die Umfassendste ist der sogenannte Bildungsgutschein aus dem Sozialgesetzbuch (SGB III). Allerdings werden diese Förderungsmaßnahmen nicht immer bewilligt. Teilweise zu recht, nicht selten auch zu unrecht. Viele Betroffene fragen sich daher, in welchen Fällen sie einen Anspruch auf eine Umschulung haben.

 

Wann bekommt man eine Umschulung durch das Arbeitsamt finanziert?

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter fördern Arbeitnehmer bei einer beruflichen Neuorientierung, wenn bestimmte Gründe dafür sprechen. Wann Sie einen Anspruch auf eine Umschulung haben, legt das Arbeitsamt nicht im Einzelfall nach willkürlichen Kriterien fest, sondern ist natürlich gesetzlich geregelt.

 

Wann gibt der Gesetzgeber mir einen Anspruch auf eine Umschulung?

Nach § 81 Abs.1 SGB III können Arbeitsagentur und Jobcenter Arbeitnehmern eine Umschulung finanzieren, wenn diese

notwendig ist, um sie bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern, eine ihnen drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden oder weil bei ihnen wegen fehlenden Berufsabschlusses die Notwendigkeit der Weiterbildung anerkannt ist,

wenn also objektive Gründe vorliegen. Um einen Anspruch zu haben, muss Ihre Arbeitssituation jedoch nicht mal so dringend sein, wie es im Gesetz klingt.

 

Ist das Arbeitsamt oder das Jobcenter für mich zuständig?

Ihren Antrag für eine Umschulung stellen Sie bei der Agentur für Arbeit, wenn Sie arbeitssuchend oder seit weniger als einem Jahr arbeitslos sind. Das Jobcenter ist hingegen für Sie zuständig wenn Sie länger als ein Jahr ohne Arbeit sind.

Wichtig: Beginnen Sie niemals auf eigene Faust eine Umschulung oder zweite Ausbildung. Sie haben nur eine Anspruch auf Finanzierung der Umschulung, wenn Sie vor dem Beginn der verkürzten Ausbildung, also noch vor Unterschreiben des Ausbildungsvertrages, sich vom Arbeitsamt haben beraten lassen. Dieser Schritt ist essentiell. 

 

Habe ich auch einen Anspruch auf eine Umschulung, wenn ich Arbeit habe, aber Stellen abgebaut werden?

Ja, denn wenn in Ihrem Berufsfeld Stellen abgebaut werden, sodass Sie dort zukünftig keine Anstellung mehr finden könnten, kann eine Umschulung dabei helfen, einen Beruf mit höherer Nachfrage zu erlernen. Sollten Sie sich in einer derartigen Situation befinden, ist die Arbeitsagentur der richtige Ansprechpartner für die Finanzierung. In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine Kannleistung. Dies bedeutet, dass kein Anspruch auf eine Förderung der Umschulung besteht, da Sie formal werde arbeitssuchend noch arbeitslos sind.

Die Arbeitsagentur entscheidet über die Förderung nach verschiedenen Kriterien. Zum einen muss in ihrem bisherigen Beruf die Nachfrage sehr gering sein, sodass selbst bei anderen Weiterbildungsmaßnahmen keine Aussicht auf eine erneute Anstellung besteht. Zum anderen ist es jedoch auch notwendig, dass in dem Beruf, den Sie erlernen wollen, eine hohe Nachfrage herrscht. In diesen Fällen ist eine Förderung wahrscheinlich, auch wenn kein Anspruch darauf besteht.

Sie brauchen noch mehr Informationen? Vertiefen Sie sich in den Artikel Umschulung mit Hilfe der Agentur für Arbeit. 

 

Wann habe ich Anspruch auf Förderung durch die Berufsgenossenschaft?

Die Berufsgenossenschaft finanziert Ihre Umschulung, wenn Sie einen Arbeitsunfall erlitten haben oder an einer Berufskrankheit leiden, die Ihnen die Ausübung Ihres bisherigen Berufs unmöglich macht. In diesem Fall besteht ein Anrecht auf die Umschulung, wenn Sie die folgenden Bedingungen erfüllen:

 

Unter welchen Voraussetzungen wird eine Umschulung finanziert?

Zum einen muss es sich um einen anerkannten Arbeitsunfall beziehungsweise um eine anerkannte Berufskrankheit handeln. Ohne diese Anerkennung ist eine Förderung nicht möglich. Betroffen berichten immer wieder, dass der Weg zur Anerkennung zermürbend sein kann. Achten Sie auf Ihr Wohlbefinden und suchen Sie sich Unterstützer sowie professionellen Rat von einem Fachanwalt für Sozialrecht.

Zum anderen müssen Sie auch über eine staatlich anerkannte Ausbildung verfügen, die einer Berufsgenossenschaft angehört. Angelernte Kräfte haben zum Beispiel kein Recht auf eine Umschulung.

Eine weitere Bedingung besteht darin, dass Sie trotz Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung nach der Umschulung in der Lage sein müssen, im neuen Beruf langfristig zu arbeiten. Hier fällt die Berufsgenossenschaft letztlich eine Zukunftsprognose, die falsch, aber auch richtig sein kann. Wichtig ist, dass Sie Ihren Anspruch durchsetzen, indem Sie im Antrag und im Beratungsgespräch Argumente einfließen lassen, die Ihren Wunsch auf die eine bestimmte Umschulung stärken.

 

Was kann ich tun, wenn mein Antrag von der Berufsgenossenschaft abgelehnt wird?

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Leider werden immer wieder Anträge fehlerhaft abgelehnt. Gehen Sie nach folgendem Muster vor:

  • Legen Sie Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein.
  • Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Sozialrecht oder einer Beratungsstelle beraten, ob der Bescheid fehlerhaft sein könnte.
  • Begründen Sie den Widerspruch (nachträglich möglich).

Sollte auch der Widerspruch die Berufsgenossenschaft dazu bewegen, Ihren Anspruch zu erfüllen, dann steht immer noch der Weg zum Sozialgericht offen.

Noch mehr Details erfahren Sie in dem Beitrag Finanzierung einer Umschulung durch die Berufsgenossenschaft.

 

Förderungsmöglichkeiten für die Umschulung durch die Rentenversicherung

Eine weitere Möglichkeit, eine Umschulung finanziert zu bekommen, besteht in der Förderung durch die Rentenversicherung. Auch hier haben die Betroffenen grundsätzlich einen Anspruch auf die Förderung – wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Die Rentenversicherung übernimmt die Kosten für die Umschulung in zwei verschiedenen Fällen:

 

Wann habe ich einen Anspruch auf eine Umschulung durch die Rentenversicherung?

Zum einen haben Sie einen Anspruch auf Förderung, wenn Sie bereits seit 15 Jahren in die Rentenversicherung einzahlen. Zum anderen können Sie eine Umschulung beantragen, wenn Sie eine Erwerbsminderungsrente beziehen, da Sie in ihrem bisherigen Beruf aufgrund gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr voll erwerbstüchtig sind.

Sollte eine dieser Bedingungen erfüllt sein, prüft die Rentenversicherung den jeweiligen Einzelfall. Dabei wird insbesondere der Gesundheitszustand der Betroffenen analysiert. Dieser Teil des Prozedere ist für viele Antragsteller aus nachvollziehbaren Gründen unangenehm, aber aus ökonomischen Gründen nötig.

 

Welche Voraussetzungen muss man für die Förderung erfüllen?

Für den Anspruch auf die Umschulung, muss zum einen geklärt werden, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung die weitere Berufsausübung in der bisherigen Tätigkeit zu einem hohen Grad verhindert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Arbeitnehmer sich langfristig krankschreiben lassen muss oder die Fortsetzung des Berufs den Gesundheitszustand mittelfristig so sehr nachteilig beeinflussen wird, dass eine Berufsunfähigkeit eintreten würde.

Zum anderen dürfen diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen jedoch nicht dazu führen, dass Sie auch im neuen Umschulungsberuf nicht voll arbeiten können. Nur wenn die Rentenversicherung zu dem Ergebnis kommt, dass eine Umschulung Ihnen eine langfristige Möglichkeit bietet, durch den neuen Beruf Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, besteht ein Anspruch auf die Förderung durch die Rentenversicherung.

 

Welche Nachweise brauche ich für den Anspruch auf eine Umschulung?

Die Rentenversicherung wird von Ihnen eine umfassende medizinische Dokumentation fordern. Dies beinhaltet ärztliche Atteste und einen Nachweis des Verlaufs der Krankheit. Die Plausibilität der Nachweise wird von einem Amtsarzt überprüft. Die Rentenversicherung kann auch über einen Amtsarzt eine körperliche Untersuchung und Befragung anordnen.

 

Wie setze ich meinen Anspruch auf eine Umschulung durch?

Zunächst stellen Sie einen Antrag. Wird der Antrag widerstandslos bewilligt, dann können Sie Ihre Umschulung zeitnah beginnen. Sollte jedoch der Antrag abgelehnt werden, dann müssen Sie für Ihre recht kämpfen. Legen Sie gegen den ablehnenden Bescheid einen Widerspruch ein. Diesen sollten Sie detailliert begründen. Idealerweise lassen Sie sich hierbei von einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten. Führt auch der Widerspruch nicht zum Erfolg, dann lassen Sie sich vom Anwalt beraten, ob Sie für Ihren Anspruch auf die Umschulung vor Gericht ziehen sollen.

Wenn für Ihre Umschulung die Rentenversicherung zuständig ist, dann erfahren Sie alles weitere hier unter Wann zahlt die Rentenversicherung eine Umschulung? 

 

Update Januar 2020

Nach dem im Jahr 2019 bereits das Qualifizierungschancengesetz beschlossen wurde, kämm von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) der Vorstoß, jedem Arbeitnehmer ein Recht auf eine Umschulung, unabhängig von den in diesem Artikel genannten Voraussetzungen, zu geben. Dieser Rechtsanspruch wurde letztlich jedoch auch von der gesamten SPD getragen und dann bislang noch nicht beschlossene Arbeit-von-morgen-Gesetz wieder fallen gelassen. (Mitteilung der SPD-Fraktion)

 

5 Gedanken zu „Wann habe ich Anspruch auf eine Umschulung?“

  1. guten tag, (34)

    ich arbeite in der Logistik, habe auch Logistiker gelernt. Leider hatte ich letztes jähr zwei knie ops und habe immer noch starke Probleme mit dem knie und mit meinem rücken, so das ich einmal im Monat zum doc muss wegen meinem rücken. Hätte ich eine Anspruch auf eine Umschulung und würde ich auch me Umschulung als Physio bezahlt bekommen?

    DANKE

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    • Hallo Ben,

      wenn Sie aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr in der Logistik arbeiten können, dann prüft die Rentenversicherung zwei Dinge relativ genau:
      1. Ist eine Umschulung erforderlich, da Sie gesundheitlich nicht in den ursprünglichen Beruf zurückkehren können? Es wird erwartet, dass Sie entsprechende Atteste vorzeigen können, die durch einen Amtsarzt meist noch bestätigt werden müssen.
      2. Ist der gewünschte Umschulungsberuf Physiotherapeut mit Ihrer körperlichen Einschränkung eine dauerhafte berufliche Alternative? Stellen Sie sich auf entsprechende kritische Nachfragen ein, da umgeschulte Physiotherapeuten körperlich anstrengend arbeiten.

      Lassen Sie sich zeitnah von der Rentenversicherung beraten um Sicherheit über berufliche Alternativen zu erhalten.
      Wir wünschen Ihnen dabei alles Gute und viel Erfolg!

      Antworten
  2. Ich bin seit 30 Jahren Landwirtin, hatte im letzten Jahr einen Arbeitsunfall gehe jetzt wieder arbeiten. Allerdings ist die Arbeit für mich körperlich kaum noch zu schaffen, ich setze mich aber so unter Druck das ich im Moment diesem ganzen Stress psychisch nicht gewachsen bin. Ich möchte gern eine Umschulung machen wo sollte ich mich am besten hinwenden?
    Vielen Dank

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  3. Hallo,

    Ich bin allein erziehende Mutti und meine Tochter geht ab nächstes Jahr in die Krippe. Ich habe Verkäuferin gelernt und möchte gerne wieder arbeiten gehen. Leider geht die Betreuung nur bis 16 Uhr und am Wochenende ist gar keine Betreuung vorhanden. Ich selber müsste aber bis abends und Wochenende arbeiten, wo niemand auf die kleine aufpassen könnte. Habe ich Anspruch auf eine Umschulung als Kauffrau im Gesundheitswesen ?

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