Wann habe ich Anspruch auf eine Umschulung?

Recht auf UmschulungWenn eine Arbeitnehmer die bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr durchführen kann, ist es in vielen Fällen sinnvoll, eine Umschulungsmaßnahme durchzuführen. So können sich die Betroffenen in einem neuen Beruf wieder eigenständig ihren Lebensunterhalt verdienen ohne von staatlichen Leistungen abhängig zu sein. In vielen Fällen ist es ihnen jedoch nicht möglich, selbst für die teils hohen Kosten der Umschulung und dem Lebensunterhalt aufzukommen. Aus diesem Grund werden Umschüler finanziell vom Staat unterstützt.

Doch gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Förderung und die Umfassendste ist der sogenannte Bildungsgutschein aus dem Sozialgesetzbuch (SGB III). Allerdings werden diese Förderungsmaßnahmen nicht immer bewilligt. Teilweise zu recht, nicht selten auch zu unrecht. Viele Betroffene fragen sich daher, in welchen Fällen sie einen Anspruch auf eine Umschulung haben.

 

Wann bekommt man eine Umschulung durch das Arbeitsamt finanziert?

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter fördern Arbeitnehmer bei einer beruflichen Neuorientierung, wenn bestimmte Gründe dafür sprechen. Wann Sie einen Anspruch auf eine Umschulung haben, legt das Arbeitsamt nicht im Einzelfall nach willkürlichen Kriterien fest, sondern ist natürlich gesetzlich geregelt.

 

Wann gibt der Gesetzgeber mir einen Anspruch auf eine Umschulung?

Nach § 81 Abs.1 SGB III können Arbeitsagentur und Jobcenter Arbeitnehmern eine Umschulung finanzieren, wenn diese

notwendig ist, um sie bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern, eine ihnen drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden oder weil bei ihnen wegen fehlenden Berufsabschlusses die Notwendigkeit der Weiterbildung anerkannt ist,

wenn also objektive Gründe vorliegen. Um einen Anspruch zu haben, muss Ihre Arbeitssituation jedoch nicht mal so dringend sein, wie es im Gesetz klingt.

 

Ist das Arbeitsamt oder das Jobcenter für mich zuständig?

Ihren Antrag für eine Umschulung stellen Sie bei der Agentur für Arbeit, wenn Sie arbeitssuchend oder seit weniger als einem Jahr arbeitslos sind. Das Jobcenter ist hingegen für Sie zuständig wenn Sie länger als ein Jahr ohne Arbeit sind.

Wichtig: Beginnen Sie niemals auf eigene Faust eine Umschulung oder zweite Ausbildung. Sie haben nur eine Anspruch auf Finanzierung der Umschulung, wenn Sie vor dem Beginn der verkürzten Ausbildung, also noch vor Unterschreiben des Ausbildungsvertrages, sich vom Arbeitsamt haben beraten lassen. Dieser Schritt ist essentiell. 

 

Habe ich auch einen Anspruch auf eine Umschulung, wenn ich Arbeit habe, aber Stellen abgebaut werden?

Ja, denn wenn in Ihrem Berufsfeld Stellen abgebaut werden, sodass Sie dort zukünftig keine Anstellung mehr finden könnten, kann eine Umschulung dabei helfen, einen Beruf mit höherer Nachfrage zu erlernen. Sollten Sie sich in einer derartigen Situation befinden, ist die Arbeitsagentur der richtige Ansprechpartner für die Finanzierung. In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine Kannleistung. Dies bedeutet, dass kein Anspruch auf eine Förderung der Umschulung besteht, da Sie formal werde arbeitssuchend noch arbeitslos sind.

Die Arbeitsagentur entscheidet über die Förderung nach verschiedenen Kriterien. Zum einen muss in ihrem bisherigen Beruf die Nachfrage sehr gering sein, sodass selbst bei anderen Weiterbildungsmaßnahmen keine Aussicht auf eine erneute Anstellung besteht. Zum anderen ist es jedoch auch notwendig, dass in dem Beruf, den Sie erlernen wollen, eine hohe Nachfrage herrscht. In diesen Fällen ist eine Förderung wahrscheinlich, auch wenn kein Anspruch darauf besteht.

Sie brauchen noch mehr Informationen? Vertiefen Sie sich in den Artikel Umschulung mit Hilfe der Agentur für Arbeit. 

 

Wann habe ich Anspruch auf Förderung durch die Berufsgenossenschaft?

Die Berufsgenossenschaft finanziert Ihre Umschulung, wenn Sie einen Arbeitsunfall erlitten haben oder an einer Berufskrankheit leiden, die Ihnen die Ausübung Ihres bisherigen Berufs unmöglich macht. In diesem Fall besteht ein Anrecht auf die Umschulung, wenn Sie die folgenden Bedingungen erfüllen:

 

Unter welchen Voraussetzungen wird eine Umschulung finanziert?

Zum einen muss es sich um einen anerkannten Arbeitsunfall beziehungsweise um eine anerkannte Berufskrankheit handeln. Ohne diese Anerkennung ist eine Förderung nicht möglich. Betroffen berichten immer wieder, dass der Weg zur Anerkennung zermürbend sein kann. Achten Sie auf Ihr Wohlbefinden und suchen Sie sich Unterstützer sowie professionellen Rat von einem Fachanwalt für Sozialrecht.

Zum anderen müssen Sie auch über eine staatlich anerkannte Ausbildung verfügen, die einer Berufsgenossenschaft angehört. Angelernte Kräfte haben zum Beispiel kein Recht auf eine Umschulung.

Eine weitere Bedingung besteht darin, dass Sie trotz Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung nach der Umschulung in der Lage sein müssen, im neuen Beruf langfristig zu arbeiten. Hier fällt die Berufsgenossenschaft letztlich eine Zukunftsprognose, die falsch, aber auch richtig sein kann. Wichtig ist, dass Sie Ihren Anspruch durchsetzen, indem Sie im Antrag und im Beratungsgespräch Argumente einfließen lassen, die Ihren Wunsch auf die eine bestimmte Umschulung stärken.

 

Was kann ich tun, wenn mein Antrag von der Berufsgenossenschaft abgelehnt wird?

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Leider werden immer wieder Anträge fehlerhaft abgelehnt. Gehen Sie nach folgendem Muster vor:

  • Legen Sie Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein.
  • Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Sozialrecht oder einer Beratungsstelle beraten, ob der Bescheid fehlerhaft sein könnte.
  • Begründen Sie den Widerspruch (nachträglich möglich).

Sollte auch der Widerspruch die Berufsgenossenschaft dazu bewegen, Ihren Anspruch zu erfüllen, dann steht immer noch der Weg zum Sozialgericht offen.

Noch mehr Details erfahren Sie in dem Beitrag Finanzierung einer Umschulung durch die Berufsgenossenschaft.

 

Förderungsmöglichkeiten für die Umschulung durch die Rentenversicherung

Eine weitere Möglichkeit, eine Umschulung finanziert zu bekommen, besteht in der Förderung durch die Rentenversicherung. Auch hier haben die Betroffenen grundsätzlich einen Anspruch auf die Förderung – wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Die Rentenversicherung übernimmt die Kosten für die Umschulung in zwei verschiedenen Fällen:

 

Wann habe ich einen Anspruch auf eine Umschulung durch die Rentenversicherung?

Zum einen haben Sie einen Anspruch auf Förderung, wenn Sie bereits seit 15 Jahren in die Rentenversicherung einzahlen. Zum anderen können Sie eine Umschulung beantragen, wenn Sie eine Erwerbsminderungsrente beziehen, da Sie in ihrem bisherigen Beruf aufgrund gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr voll erwerbstüchtig sind.

Sollte eine dieser Bedingungen erfüllt sein, prüft die Rentenversicherung den jeweiligen Einzelfall. Dabei wird insbesondere der Gesundheitszustand der Betroffenen analysiert. Dieser Teil des Prozedere ist für viele Antragsteller aus nachvollziehbaren Gründen unangenehm, aber aus ökonomischen Gründen nötig.

 

Welche Voraussetzungen muss man für die Förderung erfüllen?

Für den Anspruch auf die Umschulung, muss zum einen geklärt werden, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung die weitere Berufsausübung in der bisherigen Tätigkeit zu einem hohen Grad verhindert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Arbeitnehmer sich langfristig krankschreiben lassen muss oder die Fortsetzung des Berufs den Gesundheitszustand mittelfristig so sehr nachteilig beeinflussen wird, dass eine Berufsunfähigkeit eintreten würde.

Zum anderen dürfen diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen jedoch nicht dazu führen, dass Sie auch im neuen Umschulungsberuf nicht voll arbeiten können. Nur wenn die Rentenversicherung zu dem Ergebnis kommt, dass eine Umschulung Ihnen eine langfristige Möglichkeit bietet, durch den neuen Beruf Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, besteht ein Anspruch auf die Förderung durch die Rentenversicherung.

 

Welche Nachweise brauche ich für den Anspruch auf eine Umschulung?

Die Rentenversicherung wird von Ihnen eine umfassende medizinische Dokumentation fordern. Dies beinhaltet ärztliche Atteste und einen Nachweis des Verlaufs der Krankheit. Die Plausibilität der Nachweise wird von einem Amtsarzt überprüft. Die Rentenversicherung kann auch über einen Amtsarzt eine körperliche Untersuchung und Befragung anordnen.

 

Wie setze ich meinen Anspruch auf eine Umschulung durch?

Zunächst stellen Sie einen Antrag. Wird der Antrag widerstandslos bewilligt, dann können Sie Ihre Umschulung zeitnah beginnen. Sollte jedoch der Antrag abgelehnt werden, dann müssen Sie für Ihre recht kämpfen. Legen Sie gegen den ablehnenden Bescheid einen Widerspruch ein. Diesen sollten Sie detailliert begründen. Idealerweise lassen Sie sich hierbei von einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten. Führt auch der Widerspruch nicht zum Erfolg, dann lassen Sie sich vom Anwalt beraten, ob Sie für Ihren Anspruch auf die Umschulung vor Gericht ziehen sollen.

Wenn für Ihre Umschulung die Rentenversicherung zuständig ist, dann erfahren Sie alles weitere hier unter Wann zahlt die Rentenversicherung eine Umschulung? 

 

Update Januar 2020

Nach dem im Jahr 2019 bereits das Qualifizierungschancengesetz beschlossen wurde, kämm von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) der Vorstoß, jedem Arbeitnehmer ein Recht auf eine Umschulung, unabhängig von den in diesem Artikel genannten Voraussetzungen, zu geben. Dieser Rechtsanspruch wurde letztlich jedoch auch von der gesamten SPD getragen und dann bislang noch nicht beschlossene Arbeit-von-morgen-Gesetz wieder fallen gelassen. (Mitteilung der SPD-Fraktion)

 

13 Gedanken zu „Wann habe ich Anspruch auf eine Umschulung?“

  1. Guten Tag,
    ich bin zur Zeit als Pflegehelferin in Teilzeit angestellt (seit ca. 20 Monaten) und trage mich mit dem Gedanken nun eine Ausbildung zur Pflegefachfrau (in Teilzeit) zu machen. Ich bin 34 Jahre, habe zwei kleine Kinder (3 und 8 Jahre) und habe bereits zwei abgeschlossene Berufsausbildungen (in anderen Bereichen). Mein jetziger Arbeitgeber hat mir bereits zugesagt, mir eine Ausbildung in Teilzeit zu ermöglichen.
    Angesichts der langen Dauer einer “normalen Ausbildung” (offenbar mind. 4 Jahre in Teilzeit) und der damit einhergehenden finanziellen Einschränkungen wäre eine Umschulung zur Pflegefachkraft für mich natürlich der attraktivere Weg. Ich bin leider absolut ratlos, was ich veranlassen muss, um die Ausbildung im Wege einer Umschulung durchführen zu können. Wo finden diese Umschulungen statt? An den “normalen” Berufschulen für Pflegeberufe? Nach den Infos auf Ihrer Seite wäre ja ggf. sogar eine Kostenerstattung für meinen Arbeitgeber möglich. An wen kann ich mich wenden? Leider haben Rückfragen beim Arbeitsamt bisher keinen Aufschluss gegeben.
    Mein Wohnort und auch mein Beschäftigungsort befinden sich in Niedersachsen im Landkreis Nienburg/W.

    Für weitere Infos / Kontakte wäre ich sehr dankbar.

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    • Hallo Julia,

      danke für Ihre Nachricht.
      Das klingt bei Ihnen schon mal alles sehr gut – als Pflegehelferin sind Sie prädestiniert für die Umschulung zur Pflegefachfrau.
      Wenn Sie die Umschulung in zwei Jahren machen möchten, müsste vorab geklärt werden, dass Ihre Berufserfahrung in der Pflege ausreicht, damit die verkürzte Ausbildung für Sie in Betracht kommt. Eine Umschulung ist nichts anderes als eine Ausbildung, allerdings um ein Jahr gekürzt, da Sie entweder auf eine passende Ausbildung oder eben Berufserfahrung aufbauen können müssen.

      Wenn Sie Ihre Umschulung über Ihren jetzigen Arbeitgeber machen könnten (dieser also ein Ausbildungsbetrieb ist), dann ist das fantastisch. Zusätzlich müssen Sie für die Theorie eine Pflegeschule besuchen.

      Bei einer geförderten Umschulung müssen Sie sich tatsächlich mit dem Arbeitsamt auseinander setzen. Die würden einen Termin für ein “Beratungsgespräch” vereinbaren und müssten dort in Erfahrung bringen, ob Sie mit einem Bildungsgutschein gefördert werden könnte. Erst wenn das grundsätzlich in Aussicht gestellt wird, würden wir empfehlen den Arbeitgeber ins Spiel zu bringen. Es ist sonst denkbar, dass Sie gleich auf eine Lösung über ihren Arbeitgeber verwiesen werden. Hier wird uns von sehr unterschiedlichen Erfahrungen berichtet.

      Bringen Sie in Erfahrung, wie aktuell in Ihrer Zweigstelle des Arbeitsamts Bildungsgutscheine beantragt werden kommen. Dort sagt man Ihnen auch, welche Bildungsträger in der Region für die Umschulung in Betracht kommen könnten…

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und bei Ihrer künftigen Umschulung viel Erfolg!

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  2. Guten Abend,

    ich komme aus dem Einzelhandel und war dort in einer Führungsposition tätig. Durch Corona habe ich nun meinen Job verloren, da bei uns ein massiver Stellenabbau stattgefunden hat und Filialen geschlossen wurden. Nun bin ich seit dem heutigen Tag arbeitsuchend und spiele schon länger mit dem Gedanken eine Umschulung zur Krankenschwester zu machen. Jetzt bietet sich diese Gelegenheit. Das Arbeitsamt sagt sie finanzieren das nicht, da ich eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel habe und die letzten 20 Jahre auch meinen Job ausgeübt habe und somit nicht die Vorraussetzungen für eine Umschulung erfülle. Jetzt meine Frage ist das richtig ? Ich dachte es werden händeringend Leute im Gesundheitswesen gesucht und somit würden meine Zukunftperspektiven auch viel besser aussehen als im Einzelhandel, immerhin muss ich noch 30 Jahre arbeiten. Vielen Dank für Ihre Info !!!

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    • Hallo Superwoman (super Name!),

      danke für Ihr Nachricht.

      Im Grundsatz ist die Umschulung eine Maßnahme für Arbeitssuchende oder Arbeitslose, die mit der vorhandenen Qualifikation nur geringe Chancen auf eine berufliche Wiedereingliederung haben und deswegen förderungsbedürftig sind. Auch Berufstätige können durch eine Umschulung unterstützt werden, wenn sie zum Beispiel aufgrund ihrer Qualifikation kein angemessenes Einkommen erwirtschaften können.

      Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung, einschlägige Berufserfahrung und sich eine Karriere bis in eine Führungsposition erarbeitet. Das spricht erstmal nicht für eine mit Steuergeldern finanzierten Berufswechsel. Wir stimmen Ihnen zu, dass der Einzelhandel mittelfristig einem beachtlichen strukturelle Wandel unterworfen sein wird, das wird aus der Perspektive der Arbeitsagentur aber zu umkonkret sein. Wir vermuten, dass Ihre Konstellation dahingehend eingeschätzt wird, dass Sie nur Corona bedingt arbeitslos wurden und in Ihrem Beruf wieder eine Anstellung finden werden, sobald wir wieder in die Normalität entlassen werden…

      Ablehnungsgrund für eine Umschulung ist nicht, dass Sie eine Ausbildung und Berufserfahrung haben, denn viele Umschüler haben jahrelang in ihrem Ausbildungsberuf gearbeitet. Zusätzlich müssen aber andere Kriterien vorliegen, wie :
      – Sie können nicht ausreichend Geld für Ihren Lebensunterhalt erwirtschaften.
      – Sie haben einen gesundheitliche Beeinträchtigung, die die Ausübung Ihres Berufs stark erschwert oder unmöglich macht.
      – Die Nachfrage für Ihren Beruf geht stark zurück und Sie sind von einer Kündigung konkret bedroht.

      Was könne Sie nun tun? Wenn Sie aus Ihrem Beruf mit Hilfe des Arbeitsamts raus möchten, dann können Sie auf einen schriftlichen Bescheid bestehen und dagegen Widerspruch einlegen. Sie müssen eigentlich auch keinen Bescheid abwarten, sondern können auch einem mündlichen Bescheid widersprechen. Fassen Sie dann aber den Sachverhalt zusammen, denn in der Widerspruchsabteilung wird ein anderer Mitarbeiter sich mit Ihrem Anliegen befassen.

      Der Widerspruch muss begründet werden. In der Begründung geht es nicht um das Thema, dass Sie gerne Krankenschwester sein möchten und der Bedarf hoch ist (was absolut stimmt). Der Widerspruch kann nur darauf gestützt werden, dass Sie wenigstens mittelfristig nicht mehr in Ihrem bisherigen Beruf arbeiten können. Dafür müssen Sie überzeugende Argumente bringen. Gesundheit ist hier ein häufiges Thema, aber das wird Ihnen für einen Wechsel zur Krankenschwester eher nicht hilfreich sein, da die Belastungen hier meist hoch sind.

      Lassen Sie sich nicht beirren, wenn Sie diesen Weg gehen möchten. Nach unserer Erfahrung ist die Aussicht auf den Einsatz von Steuermittel für eine zweijährige Maßnahme in Ihrer Konstellation aber eher gering.

      Wir möchten Sie noch auf etwas anderes Hinweisen: Als Kundin der Arbeitsagentur könnten Sie jedoch einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. So könnten Sie die nächste Zeit dennoch für Ihr berufliches Fortkommen nutzen. Aktuell sind nur Online-Kurse empfehlenswert, wie Sie zum Beispiel an Fernakademien angeboten werden, zB:
      SGD
      ILS
      Apollon Akademie

      Ganz konkret wäre bei Ihnen zB auch eine Weiterbildung zur Betriebswirtin denkbar: Weiterbildung zur Betriebswirtin. Die allermeisten Fernkurse in dem Bereich können durch einen Bildungsgutschein gefördert werden.

      Wenn Sie dazu tendieren, dass Sie nicht mehr in den Einzelhandel zurückkehren möchten, dann finden Sie hier eine Übersicht mit Umschulungen, die häufig auch über nebenberufliche Weiterbildungen neben der eigentlichen Arbeit absolviert werden können: Umschulungen / Weiterbildungen für einen Berufswechsel

      Für welchen Weg Sie sich auch immer entscheiden, wir wünschen Ihnen dabei viel erfolg und alles Gute!

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  3. Hallo,

    folgende Situation beschäftigt mich nun schon seit langer Zeit..
    Ich habe 2020 meinen Bachelorabschluss als Wirtschaftsingenieurin gemacht. Habe dieses Studium dual abgelegt. Die Vergütung wurde vertraglich so geregelt, dass ich einen Teil als Gehalt und einen Teil als „Stipendium“ bekomme, welcher mich nun 3 Jahre an die Firma bindet.
    Ich versuche nun schon seit Arbeitsbeginn, bzw. sogar schon Mitte des Studiums Gefallen an dieser Branche bzw. an diesem Beruf zu finden. Vergebens! Ich weine nahezu jeden Tag, habe eine diagnostizierte Colitis Ulcerosa, welche sich in bestimmten Situationen im Beruf sehr bemerkbar macht. Und es ist eine Qual für mich, mich 8h am Tag vor dem PC zu sitzen und mir für etwas Mühe zu geben, was mir absolut keinen Spaß macht..
    aktuell habe ich allerdings das Problem dass ich das Geld, was mir als Stipendium gegeben wurde nicht zurückzahlen kann und ich somit keine Möglichkeit kenne die Arbeitsstelle zu verlassen.
    Mein größter Traum wäre meine Leidenschaft zum Beruf zu machen, und endlich Physiotherapeutin zu werden..
    gibt es diesbezüglich irgend etwas, was mir helfen könnte, bzw. eine Stelle an die ich mich wenden kann? Ist es möglich, dass ich aus diesem Vertrag herauskomme?

    Ich wäre sehr dankbar für eine Hilfe!

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Antworten
    • Hallo Laura,

      danke, dass Sie uns schreiben.
      Sie möchten alles dafür tun, dass Sie mit Colitis Ulcerosa ein gutes Leben führen können und der falsche Beruf ist fatal, da Sie so nur noch mehr Stress in Ihrem Leben kumulieren. Was können Sie tun:

      1. Ob und wann Sie das Stipendium zurückzahlen müssen, müsste in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt sein. Es ist wohl unwahrscheinlich, dass Sie aus dem Vertrag ohne Rückzahlungspflicht kommen. Den Vertrag kündigen können Sie jedoch, sollten aber zuvor wissen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Auch wenn Sprache manchmal klar verständlich zu sein scheint, ist die Bedeutung juristischer Klauseln teils für den Laien nicht klar einzuordnen. Bevor Sie kündigen, sprechen Sie in jedem Fall mit einem Arbeitsrechtler. Nicht irgendein Anwalt, sondern ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Es gibt mehrere Wege, wie Sie das finanzieren können:

      – Wenn Sie finanziell schlecht gestellt sein sollten, dann beantragen Sie einen Rechtsberatungsschein beim Amtsgericht Ihres Wohnorts. Erforderlich hierfür ist die Offenlegung Ihrer finanziellen Mittel, nehmen Sie also Gehaltsnachweise etc mit. Mit dem Beratungsschein kostet eine Erstberatung nur 15 Euro. Sie müssten jedoch trotz Ihrem Einkommen sehr schlecht gestellt sein.
      – Es gibt Sozialberatungsstellen, indbesondere für Frauen, die auch einen Beratung für Arbeitnehmer anbieten. Hier arbeiten Fachanwälte ehrenamtlich. (Bitte Überzügen Sie sich, dass es auch wirklich ein Arbeitsrechtler ist, sonst sind die rechtlichen Einschätzungen nur halb so viel wert.) Googlen Sie mal die Beratungsstellen / Frauenzentren in Ihrer Region durch.
      – Als Wirtschaftsingenieurin könnten Sie auch Kontakt zu einer Gewerkschaft aufnehmen, wenn Sie gewerkschaftlich organisiert sind. Auch dort gibt es juristische Beratung.
      – Wenn alle drei Möglichkeiten nicht in Frage kommen, dann sparen Sie bitte nicht, sondern gehen Sie zu einem Arbeitsrechtler. Die Erstberatungsgebühr liegt bei 226 Euro.

      2. Ein duales Studium ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und der Weg über eine Umschulung in einen anderen Beruf zu wechseln, steht Ihnen prinzipiell offen. Ich sagen Ihnen das, weil es vereinzelt dazu kommt, dass Kundenberater der Arbeitsagentur dies fälschlicherweise anders sehen. Für eine Umschulung wegen Krankheit über die Rentenversicherung wird es Ihnen wohl an Beitragsjahren fehlen, immerhin 15 Mitgliedsjahre. Der Weg wäre somit über die Arbeitsagentur mit Alg1. Da Sie eigentlich eine wohl gute Ausbildung haben, ist Ihre Chance wohl nur die Colitis Ulcerosa. Lassen Sie sich von allen Ärzten die Unterlagen zuschicken, die Ihren Gesundheitszustand dokumentieren.

      Beantragen Sie ein “Beratungsgespräch” bei der AA und argumentieren Sie immer mit der Krankheit. -> Am Wochenende und im Urlaub flachen die Symptome ab, während der Arbeitszeit haben Sie starke Symptome / Schübe etc., ein sich kontinuierlich verschlimmernder Verlauf, starke Schmerzen im Sitzen usw. Erklären Sie auch Ihre Krankheit in einfachsten Worten, so dass ein Kundenmitarbeiter ohne Kenntnisse von Colitis Ulcerosa Ihren Leidensdruck verstehen kann. Es muss klar die Botschaft gesetzt werden, dass Sie bald nicht mehr aus gesundheitlichen Gründen in Ihrem Beruf arbeiten können.

      Ebenso brauchen Sie Argumente, die eine Ausbildung zur Physiotherapie zur richtigen Antwort auf “Welcher Beruf passt zu mir mit Colitis Ulcerosa?” werden lässt (wenig sitzen usw.). Vorbereitung ist alles, denn Sie bekommen beim Arbeitsamt als Junger Mensch mit objektiv guter Ausbildung nichts geschenkt, allerdings kann Ihnen die Krankheit sehr nützlich sein und die Karte müssen Sie ausspielen… Man kann grundsätzlich zu “Beratungsgesprächen” auch eine Begleitung mitnehmen, aber wegen Corona kann gerade alles anders sein. Vermutlich werden Sie gerade auf ein telefonisches Gespräch vertröstet werden.

      Wenn Sie die Zeit finden, dann freuen wir uns sehr über ein Feedback und Update zu den weiteren Entwicklungen, zB nach dem Gespräch mit einem Arbeitsrechtler oder Beratungsgespräch mit der Arbeitsagentur.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute und für den weiteren weg viel Erfolg, vor allem aber Gesundheit und Wohlbefinden!

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  4. Hallo,

    ich habe mich bereits bei der Agentur für Arbeit als Rat suchend gemeldet.
    Für meinen persönlichen Fall finde ich im www keine Antworten.

    Gern würde ich eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen absolvieren. Ich war 18 Jahre ohne Erwerbstätigkeit, aufgrund der Kindererziehung. Gelernt habe ich Kauffrau für Grundstücks.- Wohnungswirtschaft, 1 Jahr Berufserfahrung. Leistungsanspruch in Form von ALG 1/2 habe ich keinen.

    Würde mir eine Umschulung zustehen?

    Grüße

    Antworten
    • Hallo,

      danke für Ihre Nachricht.
      Wenn Sie zum Beispiel aufgrund einer Ehe und der Einkommenssituation Ihres Partners keinen Anspruch auf Hartz4 haben, dann kann das Jobcenter dennoch Ihnen eine Umschulung fördern. Es geht dann um die Übernahme der Schulungskosten als Hilfe zur beruflichen Eingliederung. Sie hätten aber wohl keinen Anspruch auf Leistungen im Sinne des Lebensunterhalts… Hier finden Sie weitere informationen für Mütter, die sich auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereiten: Wiedereinstieg ins Berufsleben: Umschulung für Hausfrauen und Mütter

      Wir wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Weg viel Erfolg und alles Gute!

      Antworten
  5. guten tag, (34)

    ich arbeite in der Logistik, habe auch Logistiker gelernt. Leider hatte ich letztes jähr zwei knie ops und habe immer noch starke Probleme mit dem knie und mit meinem rücken, so das ich einmal im Monat zum doc muss wegen meinem rücken. Hätte ich eine Anspruch auf eine Umschulung und würde ich auch me Umschulung als Physio bezahlt bekommen?

    DANKE

    Antworten
    • Hallo Ben,

      wenn Sie aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr in der Logistik arbeiten können, dann prüft die Rentenversicherung zwei Dinge relativ genau:
      1. Ist eine Umschulung erforderlich, da Sie gesundheitlich nicht in den ursprünglichen Beruf zurückkehren können? Es wird erwartet, dass Sie entsprechende Atteste vorzeigen können, die durch einen Amtsarzt meist noch bestätigt werden müssen.
      2. Ist der gewünschte Umschulungsberuf Physiotherapeut mit Ihrer körperlichen Einschränkung eine dauerhafte berufliche Alternative? Stellen Sie sich auf entsprechende kritische Nachfragen ein, da umgeschulte Physiotherapeuten körperlich anstrengend arbeiten.

      Lassen Sie sich zeitnah von der Rentenversicherung beraten um Sicherheit über berufliche Alternativen zu erhalten.
      Wir wünschen Ihnen dabei alles Gute und viel Erfolg!

      Antworten
  6. Ich bin seit 30 Jahren Landwirtin, hatte im letzten Jahr einen Arbeitsunfall gehe jetzt wieder arbeiten. Allerdings ist die Arbeit für mich körperlich kaum noch zu schaffen, ich setze mich aber so unter Druck das ich im Moment diesem ganzen Stress psychisch nicht gewachsen bin. Ich möchte gern eine Umschulung machen wo sollte ich mich am besten hinwenden?
    Vielen Dank

    Antworten
  7. Hallo,

    Ich bin allein erziehende Mutti und meine Tochter geht ab nächstes Jahr in die Krippe. Ich habe Verkäuferin gelernt und möchte gerne wieder arbeiten gehen. Leider geht die Betreuung nur bis 16 Uhr und am Wochenende ist gar keine Betreuung vorhanden. Ich selber müsste aber bis abends und Wochenende arbeiten, wo niemand auf die kleine aufpassen könnte. Habe ich Anspruch auf eine Umschulung als Kauffrau im Gesundheitswesen ?

    Antworten

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