Die Gründe für einen Berufswechsel

Viele Menschen sind lebenslang auf der Suche nach ihrem "Traumjob".

Viele Menschen sind lebenslang auf der Suche nach ihrem “Traumjob”.

Die Arbeit soll Freude bereiten, herausfordern, den Lebensunterhalt sichern oder ein soziales Umfeld bieten. Die Dinge, die mit dem Berufsleben verbunden sind, sind sehr vielfältig. Ebenso kann es auch Gründe geben, den bisherigen Beruf hinter sich zu lassen und einen Jobwechsel zu wagen. Doch nicht nur der Wechsel des Arbeitsplatzes ist denkbar, sondern auch ein Neuanfang in einem ganz anderen Beruf.

 

Randphänomen oder Trend?

Im Jahr 2013 haben rund 2000 Menschen im Alter von über 50 Jahren eine zweite Ausbildung begonnen. Sechs Jahre zuvor waren es lediglich rund 600 Personen. Über die tatsächlichen Gründe gibt es jedoch keine statistischen Angaben, doch gesundheitliche Probleme oder Arbeitslosigkeit werden in dieser Altersklasse zu den hauptsächlichen Ursachen für einen Berufswechsel gehören.

Im Ausbildungsjahr 2011 wurden rund 566 000 neue Verträge abgeschlossen, doch nur etwa 497 000 Auszubildende begannen damit ihre erste Berufsausbildung. Knapp elf Prozent der neuen Azubis verfügte bereits über eine abgeschlossene Ausbildung im dualen System. Mit fast 25 % ist die Quote in den Berufen der Branchen Landwirtschaft, Textilherstellung, Holz- und Kunststoffverarbeitung sehr hoch. Im Bereich Kommunikation, Büro und Technik liegt der Anteil derjenigen, die eine zweite Ausbildung beginnen, hingegen gerade einmal bei zwei Prozent.

Von einem Trend zum Berufswechsel kann auf dieser Basis natürlich nicht gesprochen werden, doch es handelt sich um einen Vorgang, der keineswegs selten geschieht. Im Übrigen ist der Anteil der Menschen mit abgeschlossener Ausbildung vor allem in den Berufen hoch, in denen eine erste Ausbildung lediglich zwei Jahre in Anspruch nimmt.

 



Den Beruf wechseln aus gesundheitlichen Gründen

Vor allem ältere Arbeitnehmer leiden häufig körperlich unter der Arbeitsbelastung. In den Bereichen Handwerk und Pflege zeigt sich dies besonders häufig. Der Jobwechsel kann in diesen Fällen auch mit einem Aufstieg einhergehen. Die berufliche Erfahrung wird genutzt, um sich branchenintern mit Zusatzqualifikationen auf eine neue Aufgabe vorzubereiten. Der Schritt zum Wechsel des Berufes will gut überlegt sein. Nutzen Sie zunächst einmal Ihren Urlaub oder eine Krankschreibung, um in Ruhe und mit etwas Abstand eine Entscheidung treffen zu können.

Möchten Sie Ihre Branche und Ihren Arbeitgeber definitiv verlassen, dann sollten Sie dies erst dann tun, wenn ein alternativer Weg gefunden ist. Tun Sie sich mit diesem Absprung zu schwer, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Möglicherweise kommt für Sie anstelle einer ganz neuen Ausbildung auch eine interne Weiterbildung, eine Qualifizierung bei einem externen Anbieter oder ein berufsbegleitendes Studium in Betracht. Wenn Sie Ihrem Arbeitgeber verdeutlichen können, inwiefern auch er davon profitiert, unterstützt er Sie möglicherweise auch in Ihren Plänen.

Ist hingegen ein Arbeitsunfall der Auslöser für einen Berufswechsel, sind Rentenversicherung und Berufsgenossenschaft die richtigen Ansprechpartner. Diese unterstützen Sie bei verschiedenen Eingliederungsmaßnahmen und übernehmen die Kosten, die Ihnen durch den Arbeitsunfall entstanden sind. Auch Verdienstausfälle und Aufwendungen für die spätere Umschulung werden getragen.

 

Fachverwandt oder ganz neu?

Ob Ihr neuer Beruf dem vorherigen ähnelt, hängt vom Grad Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung ab. Gerade Allergien und Unverträglichkeiten, die sich im Laufe des Berufslebens erst entwickelt haben, zwingen häufig auch zu einem Wechsel der Branche. Dennoch sollten Sie versuchen, Ihre früheren Kenntnisse in die Wahl des neuen Jobs einfließen zu lassen. Der Bruch in Ihrem Lebenslauf wirkt dann weniger hart. Sie können den Wechsel des Berufes dann eher im Sinne einer Weiterqualifizierung nutzen.

Sollte eine fachverwandte Umschulung nicht möglich sein, dann nutzen Sie Ihre Kenntnisse bei der späteren Arbeitssuche. So können Sie zum Beispiel bei einem Wechsel vom praktischen Handwerk ins Kaufmännische versuchen, eine Anstellung in einem Handwerksbetrieb zu bekommen.

Eine fachverwandte Ausbildung ist einer völligen Neuorientierung in der Regel vorzuziehen, da Sie Ihr Vorwissen schnell einbringen können und sich die Dauer der neuen Ausbildung damit meist reduziert. Wollen Sie hingegen Ihre Leidenschaft zum Beruf machen oder Ihrem Leben aus verschiedenen Gründen eine ganz neue Wendung geben, dann macht ein grundlegender Wechsel durchaus auch Sinn. Dieser Wechsel muss selbstverständlich nicht gesundheitlich bedingt sein.

 

Neue Perspektiven und Gehaltssteigerungen

Neben gesundheitlichen Aspekten spielen häufig auch fehlende Zukunftsaussichten und Unzufriedenheit mit dem Einkommen eine Rolle. Beginnen Sie jedoch eine neue Ausbildung, wird sich Ihr Einkommen meist noch einmal reduzieren. Eine Aufstiegsweiterbildung ist in diesem Fall die bessere Alternative. Diese können Sie berufsbegleitend absolvieren, sodass Sie auf Ihr bisheriges Einkommen erst einmal nicht verzichten müssen.

Ihr Arbeitgeber wird Sie in Ihren Bestrebungen möglicherweise auch hier unterstützen. Sie bleiben ihm schließlich als Fachkraft erhalten und Ihr Wissen dient weiterhin dem Unternehmen.

Eine Weiterbildung kann auch den beruflichen Wechsel in die Selbstständigkeit einleiten. Hier sind insbesondere Qualifikationen zum Ingenieur, Techniker oder Meister sinnvoll. Dieser Schritt sollte jedoch gut geplant werden und für die ersten Monate sollten Sie über ein finanzielles Polster verfügen.

 

Kleine Veränderungen statt großem Umbruch

Gehen Sie in sich und analysieren Sie, welche Umstände Sie zum Berufswechsel animieren. Denn neben gesundheitlichen Problemen oder dem Wunsch nach Aufstieg können auch ganz andere Faktoren ausschlaggebend sein. Eine Rolle spielt zum Beispiel der soziale Aspekt: Mobbing, Streit und Schwierigkeiten mit Kollegen sorgen schnell dafür, dass man die Freude am Job verliert.

Darüber hinaus können Über- oder Unterforderung, seelische Belastungen und Depressionen oder Burn-out sowie die Unvereinbarkeit mit dem Privatleben Gründe für einen Jobwechsel sein. Mitunter genügt es dann jedoch, den Arbeitgeber zu wechseln oder ein anderes Arbeitszeitmodell zu wählen.

 

Familie und Beruf

Die Zeiten, in denen Sie Ihre Kinder betreuen lassen können, sind mit Schichtarbeit in der Pflege oder auch der Gastronomie häufig nur sehr schlecht vereinbar. Möchten Sie dann nicht auf eine private Tagesmutter oder Nanny zurückgreifen, bleibt häufig nur der Wechsel des Berufes. Analysieren Sie Ihre Beweggründe genau und erarbeiten Sie Alternativen. In den beiden genannten Branchen werden Sie um ungünstige Arbeitszeiten in der Regel nicht herum kommen. In diesen Fällen kann ein Neuanfang sinnvoll sein.