Berufliche Neurorientierung von A bis Z – Ihr großer Ratgeber um neu durchstarten zu können:

Inhaltsverzeichnis

Erwähnung einer beruflichen Neuorientierung in Anschreiben und Vorstellungsgespräch

Jeder Schritt zu einer beruflichen Neuorientierung ist ein großer Wendepunkt des eigenen Lebens. Natürlich sind auch neue Arbeitgeber interessiert, weshalb grade Sie sich für einen anderen Beruf entschieden haben oder weshalb Sie sich beworben haben. Achten Sie darauf, Ihre Stärken hervorzuheben und betonen Sie, weshalb Sie sich für die neue Stelle interessieren.

Hervorheben bisheriger Präferenzen

Hatten Sie beispielsweise bei Ihrer gegenwärtigen Beschäftigung keine Aufstiegs- oder Weiterbildungsmöglichkeiten, können Sie Ihren möglichen neuen Arbeitgeber darauf hinweisen, dass es für Sie selbstverständlich ist, etwas zu erreichen und sich fortzubilden. Formulieren Sie nichts negativ, sondern verwenden Sie eine neutrale, diplomatische Wortwahl.

Ist Ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig, heben Sie hervor, dass Sie zum Beispiel während Ihrer Elternzeit viel Zeit hatten, Ihr Berufsleben neu zu ordnen. Stellen Sie dar, dass Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber nicht die Möglichkeit hatten, Beruf und Familienleben miteinander zu vereinbaren und betonen Sie, dass Sie aus diesen Gründen eine berufliche Neuorientierung suchen. Zeigen Sie bei Ihrer Bewerbung und einem Vorstellungsgespräch, dass Sie sich ausgiebig mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben. Achten Sie aber darauf, Ihren bisherigen Arbeitgeber nicht schlecht zu machen.

Verbesserung Ihrer bisherigen Tätigkeit

War das Arbeitsklima in Ihrem bisherigen Beruf unerträglich, können Sie bei Ihrer Bewerbung und Vorstellung hervorheben, dass Sie aufgrund von Veränderungen bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber, Ihrer Arbeit nicht mehr mit vollem Einsatz nachgehen können. Betonen Sie, dass Ihnen voller Einsatz wichtig ist und sich deshalb neu orientieren möchten.

Haben Sie Angst, Ihren bisherigen Arbeitsplatz zu verlieren, kann auch dies ein Grund für eine Neuorientierung sein. Heben Sie hervor, dass Sie für das Leisten einer guten Arbeit Sicherheit benötigen und deshalb einen Wechsel anstreben. Betonen Sie, dass Sie sich einen Rahmen schaffen wollen, der sicherstellt, dass Sie sich weiterentwickeln können. Zeigen Sie Initiative, indem Sie hervorheben, dass Sie selbst die Rahmenbedingungen ändern wollen.

 

Berufliche Neuorientierung mithilfe des Arbeitsamtes

Sinn einer beruflichen Neuorientierung

Es kann verschiedene Gründe geben, den bisherigen Arbeitsplatz zu kündigen und sich neu zu orientieren. Oftmals zweifeln Menschen, die eine hohe Berufserfahrung haben, ihren bisherigen Job an und sehnen sich nach etwas Neuem, das sie vollständig erfüllt. Allerdings sollte eine Kündigung nicht vorschnell eingereicht werden. Wichtig ist, sich rechtzeitig um eine neue Stelle zu kümmern, wobei insbesondere das Arbeitsamt entsprechende Hilfestellung leisten kann.

Hilfe durch das Arbeitsamt

Oft steht schon lange der Entschluss fest, den bisherigen Job zu kündigen und etwas anderes zu beginnen. Viele Arbeitnehmer wissen jedoch nicht gleich, welche Tätigkeit sie ausüben möchten. Um herauszufinden, was für Sie infrage kommt, haben Sie die Möglichkeit, eine Berufsberatung der Arbeitsagentur in Anspruch zu nehmen. Sind Sie Empfänger von Leistungen nach dem zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) kann eine Neuorientierung im Beruf auch gefördert werden. Das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit kann Weiterbildungen, Umschulungen und sogar Ausbildungen finanzieren.

Angebote

Die Arbeitsagentur bietet die Möglichkeit einer kostenfreien Terminvereinbarung unter der Nummer 0800 4 555500 oder bei der örtlich zuständigen Arbeitsagentur. Hier werden alle Fragen zur Neuorientierung, Weiterbildung oder Umschulung beantwortet. Liegen bei Ihnen gesundheitliche Probleme vor, die Ihnen die Arbeitssuche erschweren, kann Ihr Berater des Arbeitsamtes den ärztlichen Dienst beauftragen, Sie zu begutachten.

Weitere Beratungsangebote bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter der Telefonnummer 0800 2017909.

Ebenso leistet verschiedene Berufsinformationszentren (BiZ) im Internet Hilfestellung bei der Suche nach Arbeitsplätzen. Zudem gibt es Onlinemedien, Infomappen zu den einzelnen Berufsfeldern und viel mehr. Angebote gibt es außerdem bei den Weiterbildungsberatungen der Bundesländer. Ebenfalls gibt es im Internet eine bundesweite Veranstaltungsdatenbank, die, gestaffelt nach einer Landkartensuchfunktion, alle örtlichen Veranstaltungen auflistet.

 

Berufliche Neuorientierung aus gesundheitlichen Gründen

Beibehalten des bisherigen Arbeitsplatzes

Müssen Sie wegen einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls Ihre bisherige berufliche Tätigkeit aufgeben, bedeutet das nicht zwangsläufig, den alten Beruf vollständig zu verlassen. In vielen Fällen ermöglicht eine Zusatzqualifikation im alten Betrieb, dass Sie eine vergleichbare Tätigkeit ausüben können. Verschiedene Internetportale zeigen Möglichkeiten auf wie der Arbeitsplatz beim bisherigen Arbeitgeber erhalten bleiben kann. Die Broschüre “Schritt für Schritt, zurück in den Job” sowie die Anleitung: “durchstarten – berufliche Reha” der Agentur für Arbeit bietet weitere Hilfestellung.

Weiterbildungsangebote

Kann keine Weiterbeschäftigung im bisherigen Beruf mehr erfolgen, wird unter Umständen eine generelle Neuorientierung nötig. Hier helfen berufliche Fortbildungen. Dazu zählen Weiterbildungen, die auf der alen Tätigkeit aufbauen und Umschulungen, bei denen Sie einen ganz anderen Beruf erlernen. Auch der Gesetzgeber hat rechtliche Grundlagen geschaffen, damit Menschen nach einer Erkrankung oder einem Unfall wieder in das Arbeitsleben zurückfinden können.

Sie können bei der Agentur für Arbeit einen “Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitslegen” stellen. Diese umfassen Rehamaßnahmen und Weiterbildungsmaßnahmen, die kranken oder behinderten Menschen helfen, einen Arbeitsplatz zu erhalten.

Reha-Teams der Agentur für Arbeit

Bei den Reha-Teams handelt es sich um Servicestellen, in denen geschulte Berater sich um die Teilhabe kranker oder behinderter Menschen am Arbeitsleben kümmern. Förderschwerpunkte liegen bei Hilfen zum Erhalt eines Arbeitsplatzes, berufsvorbereitende Maßnahmen, Initiativen zur Anpassung und Weiterbildung im Beruf, Ausbildungsmaßnahmen sowie der Gewährung von Gründungszuschüssen und sonstigen Hilfen. Die Mitarbeiter der Reha-Teams können den ärztlichen Dienst, den psychologischen Service oder den technischen Beratungsdienst der Arbeitsagentur hinzuziehen. Alle Beratungen, Feststellung und Gutachten werden zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für die weitere Festlegung erforderlicher Maßnahmen.

 

Berufliche Neuorientierung in einer Bewerbung erwähnen?

Klare Ziele verfolgen

Sind Sie dabei, ein Bewerbungsschreiben neu zu formulieren, sollten Sie klare Ziele verfolgen. Auch wenn Unzufriedenheit oder Frust in Ihrem bisherigen Arbeitsplatz die Hauptgründe für die Stellensuche sind, sollten Sie dies niemals erwähnen.

Erklären Sie Ihrem möglichen neuen Arbeitgeber in Ihrem Bewerbungsschreiben, dass ein Wechsel hervorragende Perspektiven bietet, eine Herausforderung darstellt und Entwicklungsmöglichkeiten entfaltet, die Ihren eigenen Fähigkeiten entsprechen. Legen Sie einen Schwerpunkt auf Ihre Stärken und fachliches Interesse.

Motivation für einen beruflichen Wechsel überlegen

Bevor Sie ein Bewerbungsschreiben verfassen, sollten Sie sich überlegen, was Sie zu einem Wechsel Ihres Jobs bewogen hat und warum dieser Schritt für Sie der beste Weg ist. Fragen Sie auch Ihr soziales Umfeld wie Familie, Freunde und Bekannte. Überlegen Sie auch, wie mögliche Alternativen aussehen könnten. Sind Sie sich wirklich sicher, den Arbeitsplatz wechseln zu wollen? Was ist für Sie das geringere Übel und wo sind die Chancen? Bleiben, Frustration behalten oder doch lieber wechseln?

Gründe für den Wechsel des Arbeitsplatzes in einem Bewerbungsschreiben

Wenn Sie Zweifel beseitigt haben und sich sicher sind, dass Sie sich neu orientieren wollen, sollten Sie diesen Schritt in Ihrem Bewerbungsschreiben individuell begründen. Fragen Sie sich, wie Sie sich bei Ihrem neuen Arbeitgeber weiter entwickeln möchten. Dies bedeutet auch, Ihre Kompetenz zu vergrößern, neue Herausforderungen zu meistern oder Ihre eigenen Fertigkeiten auszubauen.

Suchen Sie neue Herausforderungen, versuchen Sie, diese konkret zu benennen. Gehen Sie auf die Tätigkeit bei Ihrem neuen Arbeitgeber ein. Erwähnen Sie, dass Sie einem größeren Team angehören wollen, das Sie in der Lage sind, Menschen zu führen, neue Märkte zu erschließen oder die Produktpalette zu benennen. Sagen Sie exakt, was Sie an Ihrer neuen Stelle interessiert. Suchen Sie eine neue Arbeitsumgebung, achten Sie darauf, dass Sie keine Struktur beschreiben, die Ihr neuer Arbeitgeber nicht zu bieten hat. Recherchieren Sie im Vorfeld möglichst viele Informationen über Ihren neuen Arbeitgeber.

 

Suche nach Beratung für eine berufliche Neuorientierung

Hilfestellung von extern

Versuchen Sie bei einem für Sie derart einschneidenden Schnitt, wie der Wahl eines neuen Arbeitsplatzes, nicht auf externe Ratschläge zu verzichten. Natürlich können sie zunächst auf Ratschläge von Freunden, Bekannten und Ihrer Familie zurückgreifen. Doch häufig helfen professionelle Berater eher weiter. Wenden Sie sich an die Agentur für Arbeit oder an eine Volkshochschule.

Beschaffung von Informationen zur beruflichen Neuorientierung

Fragen Sie sich, was Sie am besten können oder was Ihnen in Ihrem Beruf am meisten Spaß bereitet. Überlegen Sie sich, wie die Umgebung Ihres neuen Arbeitsplatzes aussehen soll und wo Sie sich am besten entfalten können. Benennen Sie die Themen, die sie am ehesten interessieren und fragen Sie sich, mit welchen Menschen Sie gerne zusammenarbeiten möchten. Analysieren Sie auch, welche weiteren Aspekte, wie zum Beispiel die Struktur oder die Entfernung zu Ihrem neuen Arbeitsplatz für Sie bedeutend sind. Überlegen Sie, wie Ihre weitere Lebensplanung aussieht und ob diese mit Ihrem Vorhaben, einen neuen Arbeitsplatz zu beginnen, übereinstimmt.

Beratungsangebote

Informieren Sie sich durch Fachliteratur. Die Arbeitsagentur bietet eine kostenfreie Berufsberatung an. Ebenfalls gibt es bei den Volkshochschulen Angebote über Gruppen- oder Einzelberatungen. Weitere Angebote finden Sie in den Berufsinformationszentren oder bei der Bundesagentur für Arbeit. Der Deutsche Verband für Berufsberatung bietet auf seiner Internetseite: www.berufsberater.net gute Tipps. Er informiert auch über weitere Anbieter verschiedener weiterer Beratungsangebote. Ebenfalls bietet das Infotelefon zur Weiterbildungsberatung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Hilfe bei der Suche nach neuen Weiterbildungsangeboten. Die Infoseite des IWBB listet Beratungsangebote der jeweiligen Bundesländer auf.

 

Berufliche Neuorientierung nach einer Depression

Wiedereinstieg in das Arbeitsleben

Oft führen Krankheiten dazu, dass man viele Monate keiner Arbeit nachgehen kann. In vielen Fällen wird es sogar notwendig, beruflich mit etwas ganz neuem zu beginnen. Arbeitnehmer, die jedoch wegen einer Depression längere Zeit erkrankt waren, kommen bei einem beruflichen Wiedereinstieg oft in Erklärungsnot. Wer beabsichtigt, wieder in das Berufsleben einzusteigen, muss sich sicher sein, dass er dazu auch in der Lage ist. Ein neuer Arbeitsplatz bringt viele neue Herausforderungen, welche täglich aufs Neue zu meistern sind. Ist man noch von einer Depression geschwächt, bereitet dies große Mühe und es besteht die Gefahr, gleich wieder zu scheitern.

Ehrlichkeit gegenüber dem neuen Arbeitgeber

Wichtig ist daher, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Nur wer eine Lebenskrise vollständig überwunden hat, sollte sich darüber Gedanken machen, was er wieder erreichen möchte. Wichtig ist auch zu erkennen, welche Bedingungen erforderlich sind, um in einem neuen beruflichen Umfeld wieder voll durchzustarten. Bewerber, die wegen einer Depression oder einer Krankheit ihren alten Arbeitgeber verlassen haben, müssen in ihrem Lebenslauf häufig Lücken füllen. Sie sollten an dieser Stelle auch gegenüber einem möglichen neuen Arbeitgeber ehrlich sein. Möglich ist, beispielsweise in einem Lebenslauf eine “längere Krankheit” anzugeben. Allerdings müssen Bewerber damit rechnen, dass im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs nach dieser Lebensphase gefragt wird. Hier sollten Bewerber ehrliche Antworten geben.

Vorteile einer durchgestandenen Krise

Bewerber können einem möglichen neuen Arbeitgeber auch die Vorteile einer Krise darlegen. Es ist möglich, zu erwähnen, dass man jetzt besonders auf sich achtet, noch motivierter ist oder mit einem noch frischeren Elan an die Arbeit geht. Wichtig ist, an einem neuen Arbeitsplatz klare Regeln aufzustellen und aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Das Durchleben einer Depression sollte aber neuen Kollegen nicht gleich berichtet werden.

Finanzierung und Förderung einer beruflichen Neuorientierung

Eine berufliche Neuorientierung kann auf verschiedene Weise finanziert werden.

Möglichkeiten

Eine Möglichkeit ist ein Bildungsgutschein, der durch die Bundesagentur für Arbeit erstellt wird. Jedoch handelt es sich nicht um einen Anspruch. Ein Bildungsgutschein wird nur ausgezahlt, wenn die berufliche Neuorientierung als Umschulung auf jeden Fall benötigt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Arbeitslosigkeit droht oder der Antragsteller aus anderen Gründen förderungswürdig ist. Mit einem Bildungsgutschein können die Kosten für Prüfungen, Fahrten und Unterbringung aber auch für den Lebensunterhalt erstattet werden.

Muss sich ein Antragsteller aus gesundheitlichen Gründen neu orientieren, kann die gesetzliche Rentenversicherung berufsfördernde Maßnahmen zur Rehabilitation leisten. Dem Antragsteller steht ein Recht auf die Gewährung eines Unterhaltsgeldes sowie der Gewährung einer Zuwendung zur beruflichen Neuorientierung zu. Diese Förderung findet ihre gesetzliche Grundlage im SGB VI.

Bei einer Unterstützung nach dem SGB VII werden die gesetzliche Unfallversicherung oder die Berufsgenossenschaft herangezogen. Voraussetzung ist jedoch, dass die berufliche Neuorientierung durch eine berufsbedingte Krankheit oder einen Arbeitsunfall notwendig wird.

Personen, die mindestens zwei Jahre beschäftigt waren, haben einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, das durch die Agentur für Arbeit gewährt wir. Langzeitarbeitslose, die zuvor Arbeitslosengeld II bezogen haben, fallen in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters.

Förderungen

Wenn Sie sich neu orientieren wollen, können Sie bei geringem Einkommen durch eine Bildungsprämie gefördert werden. Möglich ist auch die Gewährung eines Aufstiegs-BAföG, das bei Fortbildungen vergeben wird.

Förderungswürdig sind Lehrmittel, Arbeitskleidung, Lernmittel und die Prüfgebühren. Es können die Fahrtkosten gezahlt werden, die bei der täglichen Fahrt zwischen Wohnung und Umschulungsstätte anfallen. Muss ein vorübergehender Wechsel der Wohnung erfolgen, kann eine einmalige Fahrt zur Ausbildungsstätte und einmal im Monat eine Fahrt in den ursprünglichen Heimatort erstattet werden. Ebenso erfolgt die Übernahme der Kosten für eine Unterkunft möglich, wenn der neue Arbeitsplatz zu weit weg ist. Unter Umständen kann auch die Kinderbetreuung übernommen werden, wenn die Kinder unter 15 Jahre alt sind.

Berufliche Neuorientierung und Unterstützung durch das Jobcenter

Wollen Sie sich beruflich neu orientieren und wissen noch nicht, wie Sie dieses Vorhaben finanzieren können? Sind Sie Bezieher von Leistungen nach dem SGB II oder werden Sie als “Aufstocker” von einem Jobcenter unterstützt? Dann können Sie das Jobcenter bitten, Ihnen finanziell bei Ihrer beruflichen Neuorientierung zur Seite zu stehen.

Gründe für eine berufliche Neuorientierung

Die Förderung einer beruflichen Neuorientierung durch das Jobcenter erfolgt ausschließlich mittels eines Bildungsgutscheins. Möchten Sie, dass das Jobcenter Ihr Vorhaben finanziert, müssen Sie verschiedene Voraussetzungen mitbringen. Entweder Sie finden in Ihrem bisherigen Beruf keine Anstellung mehr und es wird eine Neuorientierung notwendig oder Sie sind schon lange aus Ihrem bisherigen Beruf raus. Weiterer Grund ist, dass Sie Ihre bisherige Tätigkeit infolge von Krankheit nicht mehr ausüben können.

Voraussetzungen für den Erhalt eines Bildungsgutscheins

Damit Sie überhaupt in den Genuss eines Bildungsgutscheins kommen, müssen Sie bereits eine abgeschlossene oder abgebrochene Ausbildung haben. Zudem müssen Sie wenigstens 18 Jahre alt sein. Daneben muss die Chance, in einem neuen Beruf wieder eine Arbeit zu finden, groß sein. Machen Sie sich jedoch bewusst, das Sie keinen Anspruch auf einen Bildungsgutschein haben, der Ihre Neuorientierung finanziert. Es handelt sich vielmehr um eine Kann-Leistung, was bedeutet, dass es sich bei der Bewilligung um eine Einzelfallentscheidung handelt. Ein Bildungsgutschein kann auch dann abgelehnt werden, wenn Sie alle Voraussetzungen erfüllen.

Ebenso ist eine nachträgliche Erstattung von Kosten für eine berufliche Neuorientierung nicht möglich. Lehnt das Jobcenter Ihren Antrag ab, kommt möglicherweise ein anderer Träger in Betracht. Wird das Erlernen eines neuen Berufs durch eine Krankheit notwendig, kann bei der Krankenkasse nach einer Förderung angefragt werden. Kosten können auch durch die Berufsgenossenschaften, die Rentenversicherungen oder Träger von Reha-Leistungen übernommen werden.

 

Berufliche Neuorientierung mit Kind

Gründe für den Neustart

Für fast alle Frauen tritt der Beruf in den Hintergrund, nachdem sie ein Baby bekommen haben. Doch nach und nach entsteht wieder das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und dem Wiedereintritt in das Berufsleben. Je länger man raus ist, umso größer wird die Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Die Arbeitswelt verändert sich derart rasant, sodass man schon nach fast einem Jahr Babypause völlig aus dem Berufsleben raus ist.

Kinder als Privatangelegenheit

Viele Frauen sind nicht darüber informiert, das Kinder ihre eigene “Pivatsache” sind. Bewerberinnen sind nicht verpflichtet, ihren Familienstand und die Kinder in einer Bewerbung anzugeben. Oftmals werden berufstätige Mütter immer noch als “Mama” abgetan. Ihnen wird häufig Engagement und Ehrgeiz abgeschrieben oder es besteht die Gefahr, wegen Kinderkrankheiten häufig bei der Ausübung des Berufs zu fehlen. Sie sollten daher in einem Bewerbungsschreiben auf die Angabe Ihres Familienstandes verzichten.

Konkrete Umsetzung der beruflichen Neuorientierung mit Kind

Beginnen Sie schon während Ihrer Elternzeit, Ihre neuen Bedürfnisse zu ergründen. Fragen Sie sich, was Ihnen wichtig ist und wie Sie die Mutterrolle mit einem neuen Beruf vereinbaren können. Welchen Stellenwert hat der neue Beruf oder wie groß ist die Priorität für Kind und Familie? Fragen Sie sich, welche Ressourcen Sie schon haben oder welche Sie noch benötigen. Haben Sie Unterstützung oder helfende Hände? Klären Sie, wie es mit der Kinderbetreuung aussieht. Steht ein Kitaplatz oder Tagesmutter zur Verfügung und besteht noch genügend Zeit für den Einstieg in einen neuen Beruf? Gewährt Ihr neuer Arbeitgeber Ihnen Flexibilität oder ist Teilzeit möglich?

Berufliche Neuorientierung nach einer Elternzeit

Fragen Sie sich zunächst, wer sich nach einer Elternzeit neu orientiert. Ist es die Mutter oder der Vater? Überlegen Sie, welche Motive Sie für eine Neuorientierung haben und warum Sie Ihren alten Beruf nicht mehr ausüben wollen. Versuchen Sie, sich erst einmal Klarheit darüber zu verschaffen, welche Stärken und Kompetenzen Sie für einen beruflichen Neueinstieg mitbringen. Wo liegt Ihre Motivation und welche Erfahrungen haben Sie? Überlegen Sie sich, wo Ihre Ziele sind und welche Strategie Sie für eine neue Bewerbung in einem anderen beruflichen Umfeld entwickelt haben.

Umorientierung nach der Elternzeit durch Qualifikation

Eine “Auszeit” bietet auch viele Möglichkeiten, beispielsweise für Weiterbildungen in Form von Fernlehrgängen oder Studiengängen. Hinzu kommen Zertifizierungen durch die IHK an Abenden oder Wochenenden. Eine Elternzeit bietet gerade in Büroberufen zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten in Organisation, Strategie, der Analyse von Datenbänken durch WORD oder Excel sowie des Projektmanagements. Elternzeit muss nicht zwangsläufig “Leerlauf” sein. Sie haben vielseitige Möglichkeiten, sich beispielsweise ehrenamtlich zu engagieren oder soziale Beziehungen zu knüpfen. Durch die Kontakte erhalten Sie leichter einen neuen Beruf und Ihnen gelingt eher der Wiedereinstieg.

Ist die Kinderbetreuung sichergestellt, sollten Sie sich möglichst auf eine Vollzeitstelle bewerben. Achten Sie bei der Formulierung eines Bewerbungsschreibens darauf, eine laufende Elternzeit in Ihrem Lebenslauf nicht hervorzuheben.

Unterstützung durch den Staat

Nicht allen ist bekannt, dass Eltern nach einer Elternzeit Ansprüche auf Leistungen durch die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter haben. Die Agentur für Arbeit gewährt in vielen Fällen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III), wozu die Förderung eines beruflichen Neueinstiegs gehört. Auch Personen, die keinen Anspruch auf die Gewährung von Arbeitslosengeld haben, können Zuwendungen erhalten. Möglichkeiten sind Wiedereinstiegskurse, Umschulungen oder Zuschüsse für den Arbeitgeber zum Zwecke der Einarbeitung. Natürlich müssen immer die individuellen Voraussetzungen geprüft und die persönliche Situation des Antragstellers gewürdigt werden.

 

Berufliche Neuorientierung ohne Ausbildung

Klassische Ausbildung

Macht Ihnen Ihre Arbeit keinen Spaß mehr oder entspricht Ihre Tätigkeit nicht mehr Ihren Erwartungen? Tragen Sie sich mit dem Gedanken, einer anderen Tätigkeit nachzugehen, ohne dass Sie die dafür notwendige Ausbildung durchlaufen haben? Beabsichtigen Sie eine berufliche Neuorientierung ohne Ausbildung, gelten Sie als sogenannter “Quereinsteiger”. Dieser definiert sich dadurch, dass er aus einer fremden Branche kommend, in eine neue Betätigung wechselt, ohne dass er die für diesen Beruf sonst erforderliche Berufsausbildung oder ein erforderliches Studium durchlaufen hat.

Für Deutschland gilt ein duales Ausbildungssystem, wo Theorie und Praxis in Schulen und Unternehmen vermittelt werden. Durch diese Standards sollen Arbeits- und Lerninhalte miteinander verbunden werden. Ausbildungen dauern meist drei Jahre und sollen genormte, hochwertige Qualifikationen vermitteln. Somit sind Quereinsteiger eigentlich in Deutschland nicht vorgesehen. Zudem gibt es in Deutschland viele geschützte Berufe, die nicht von Jedermann verwendet werden dürfen.

Quereinsteiger

In vielen Berufsbildern ist ein Quereinstieg nicht möglich. Hierzu zählen Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte oder Psychotherapeuten. Dennoch sind Quereinsteiger in vielen anderen Branchen willkommen. Zu diesen Bereichen zählen zum Beispiel Unternehmensberatungen, wo sich alle möglichen Berufsfelder wiederfinden. Firmen, die sich mit Consulting befassen, benötigen zudem Spezialisten für ihre verschiedenen Aufgabengebiete. In vielen Bereichen herrscht zudem Fachkräftemangel, sodass eine große Offenheit für Neueinsteiger besteht, die in diesem Beruf keine Ausbildung gemacht haben. In IT-Bereich oder Pflegeberufen werden dringend fachfremde neue Mitarbeiter gesucht.

Voraussetzungen für eine berufliche Neuorientierung ohne Ausbildung

Möchten Sie sich als Quereinsteiger beruflich neu orientieren, sollten Sie zunächst eine offene Bestandsaufnahme durchführen. Betreiben Sie eine innere Inventur und versuchen Sie zu ermitteln, was Sie wollen. Alleine Unzufriedenheit mit Ihrem bisherigen Beruf reicht nicht für einen Neuanfang aus. Ziehen Sie alle erdenklichen Möglichkeiten in Betracht und suchen Sie aus verschiedenen Optionen dann diejenige heraus, die sich für Sie am besten anfühlt und die Sie mit Begeisterung ausfüllt.

Analysieren Sie anschließend alle Stellenanzeigen, die für Sie infrage kommen. Viele Stellenausschreibungen nennen bereits in ihrem Anforderungsprofil, dass Quereinsteiger willkommen sind. Viele Unternehmen haben zudem spezielle Programme für Quereinsteiger. Haben Sie Gemeinsamkeiten entdeckt, beginnen Sie, sich zu bewerben.

 

Die richtige Umschulung für eine berufliche Neuorientierung finden

Voraussetzungen für eine Umschulung

Wer den Entschluss fasst, beruflich von vorne anzufangen, muss sich zunächst fragen, welche Richtung in Zukunft eingeschlagen werden soll. Viele Berufe können auch durch eine Umschulung erlernt werden, die schließlich die Weichen für eine weitere berufliche Zukunft stellen soll. Umschüler müssen zwischen den formalen Kriterien und den Voraussetzungen für eine eventuelle Förderung unterscheiden. Hinzu kommen die persönlichen Voraussetzungen und die Bereitschaft in einem anderen Beruf nochmals von vorne zu beginnen und erneut die Schulbank zu drücken. Allerdings besteht kein Anspruch auf eine Umschulung.

Ablauf einer Umschulung

Umschüler sollten zu Beginn Eigeninitiative zeigen und sich über Dauer, Ablauf und Kosten der Umschulung befassen. Zudem kann eine Beratung bei der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen werden, bei der die individuellen Wünsche benannt werden sollten. Bei der Agentur für Arbeit kann auch ein entsprechender Förderantrag gestellt werden. Anschließend kann der Träger kontaktiert werden. Dem folgt der Erhalt eines Platzes in der beabsichtigten Umschulungsmaßnahme.

Die meisten Maßnahmen sind dual strukturiert, wodurch auch noch ein Unternehmen erforderlich wird. Während eine Ausbildung in der Regel drei Jahre dauert, umfassen Umschulungen in der Regel zwei Jahre. Dies liegt darin begründet, dass Umschüler in der Regel schon über eine Berufsausbildung verfügen. Einige Umschulungen können auch in Teilzeit durchgeführt werden, wodurch natürlich die Gesamtdauer länger wird. Interessieren Sie sich für eine solche Maßnahme, können Sie eine Orientierungshilfe auf der Webseite stzgd.de erhalten. Die dort befindliche Liste benennt zahlreiche Umschulungsmaßnahmen.

Kostenübernahme für eine Umschulung

Liegen gesundheitliche Gründe vor oder ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt einfach nur schlecht, können das Arbeitsamt oder die Rentenversicherung die Kosten übernehmen. Eine Kostenübernahme durch das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit erfordert jedoch die Notwendigkeit der Umschulung und setzt eine Beratung voraus. In manchen Fällen wie beispielsweise einer beruflichen Wiedereingliederung, können die Gebühren auch durch die Rentenversicherung getragen werden.