Ist eine Umschulung auch in anderen Bundesländern möglich?

Hin und wieder ergeben sich besonders erfolgsversprechende Möglichkeiten zur beruflichen Veränderung und man will  aus diesem Grund in einem anderen Bundesland umgeschult werden. Eventuell haben Sie dort eine günstige Wohngelegenheit, oder Sie wollen eine seltene Ausbildung starten, die nur in wenigen Bundesländern angeboten wird. Auch in solchen Fällen können Sie eine Bewilligung solcher Umschulungen beantragen. Die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit oder Jobcenter richtet sich nämlich nur nach Ihrem Wohnort, nicht jedoch nach dem Ort der Niederlassung des Umschulungsbetriebs. Theoretisch kann also ein Arbeitsamt in NRW einen Bildungsgutschein für eine Umschulung in München bewilligen. Es gibt jedoch nachvollziehbare Gründe, warum solche Entscheidungen relativ selten ergehen.

 

Aus Kostengründen abgelehnt?

Je nach Träger der Ausbildung kann eine solche Anfrage aber auch abgelehnt werden. Eine solche Umschulung in einem anderen Bundesland kann den Träger mit zusätzlichen Kosten belasten, manche lehnen Umschulungen in anderen Bundesländern daher automatisch ab. Wie Sie wissen steht Ihnen für den täglichen Weg zur Umschulungsstätte eine Reisekostenerstattung zu (bis zur Höhe des Höchstbetrages, dann Deckelung).

Längere Wegstrecken erhöhen somit im Normalfall die Kosten, die mit der individuellen Umschulung einhergehen. Ist die Pendelstrecke zu lang und die Fahrtkosten sehr hoch, dann kann auch eine Anspruch auf Unterbringung am Umschulungsort bestehen. Um diese Kosten zu sparen, lehnen Behörden das Ansuchen, eine Umschulung in einem anderen Bundesland zu absolvieren, gerne ab.

Wann bekommt man eine Umschulung in einem anderen Bundesland genehmigt?

Die Ablehnung des Bildungsgutscheins ist jedoch nicht immer der Fall. Manchmal finden sinnvolle Umschulungsmaßnahmen im eigenen Feld nun mal nur in einem anderen Bundesland statt. In den folgenden Konstellationen spricht nichts gegen eine Umschulung in einem anderen Bundesland:

  • Die Umschulung wird in Ihrer Region nicht angeboten, jedoch in einem Bundesland, dass die unkompliziert erreichen können.
  • Die Umschulung wird auch in Ihrem Bundesland angeboten, allerdings liegt die Umschulungsstätte in dem anderen Bundesland dennoch näher, da Sie zum Beispiel in Grenznähe wohnen.
  • Für eine Umschulung in einem anderen Bundesland kann auch sprechen, dass der dortige Umschulungsbetrieb für den eigenen Bedarf ausbildet und Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit übernehmen möchte.
  • Wenn Sie die Voraussetzungen für eine finanzierte Umschulung in Teilzeit erfüllen, in Ihrem Bundesland oder Wohnregion jedoch die keine Teilzeitumschulung angeboten wird, dann spricht das auch für eine Finanzierung der Maßhname in einem anderen Bundesland.

 

 

Nachfragen kostet nichts – Widerspruch einlegen auch nicht

Sollten Sie dazu tendieren, dass eine Umschulung in einem anderen Bundesland für Sie passender ist, dann beantragen Sie den Bildungsgutschein. Bereiten Sie sich auf das sogenannte Beratungsgespräch beim Arbeitsamt gut vor und haben Sie möglichst viele stichhaltige Argumente parat, warum Ihre Wahl der Umschulungsstätte in einem anderen Bundesland vernünftig ist.

Wenn Ihr Ansuchen auf einen Bildungsgutschein wurde abgelehnt, so bleibt Ihnen noch immer die Möglichkeit, nachzufragen, wieso der Bescheid abgelehnt wurde und dagegen eine Widerspruch einzulegen. Mit etwas Hartnäckigkeit kann in solchen Fällen ein klärendes Gespräch erreicht werden, das letztlich vielleicht doch noch zur gewünschten Umschulungsmaßnahme führt. Vor allem, wenn es für Ihren gewünschten Umschulungsbereich kein passendes Angebot in Ihrem Bundesland gibt, wird Ihnen Ihr Arbeitsberater wahrscheinlich zustimmen und eine Umschulung in einem anderen Bundesland genehmigen. Grundsätzlich sollten solche Maßnahmen aber im näheren Umfeld erledigt werden, innerhalb einer Distanz, in der man pendeln kann – aber eben nur um die Kosten der Allgemeinheit niedrig zu halten.

 

Alternative: Umzug

Falls es dennoch zu keiner Bewilligung kommt, bleibt auch noch ein anderer Weg: Sie können in das bevorzugte Bundesland ziehen und dort den Antrag erneut stellen. Falls Sie eine günstige Wohngelegenheit am Zielort haben, sollten Sie diese Möglichkeit jedenfalls in Betracht ziehen. Ein Zuschuss zu den Umzugskosten ist nur möglich, wenn vor dem Umzug das Arbeitsamt den Zuschuss bewilligt.

Ein Umzug ist auch möglich, nachdem Ihr erstes Ansuchen bereits abgelehnt wurde. Reichen Sie nach Ihrem Umzug einfach Widerspruch ein. Das Arbeitsamt am vorherigen Wohnort wird sich für unzuständig erklären, falls Sie in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Arbeitsamts gezogen sind. Dennoch sollten Sie zur Sicherheit einen Widerspruch einlegen. Es kann immer sein, dass man etwas bei der Zuständigkeit übersehen hat.

Für den Fall, dass Sie das Bundesland gewechselt haben oder nun ein andere Kostenträger für Sie zuständig ist, beantragen Sie erneut einen Bildungsgutschein bei der nun zuständigen Stelle – anschließend wird Ihnen die Umschulung eher genehmigt werden, da Sie nun Ihren Wohnort in größerer Nähe zum Umschulungsort haben. Vorsicht: Wenn Sie planen die Umschulung mit Hartz4 finanzieren, dann muss ein Umzug vom Jobcenter zuerst genehmigt werden!

 

Was passiert bei einem ungeplanten Ortswechsel?

Innerhalb der Familie passiert etwas Unerwartetes, oder Sie lernen vielleicht die große Liebe kennen, er/sie stammt aber aus einem anderen Bundesland als Sie. Vielleicht werden Ihnen die Mieten in Ihrem Heimatbundesland auch einfach zu hoch – es kann viele Gründe geben, weshalb Sie während einer Umschulung plötzlich in ein anderes Bundesland ziehen wollen.

Eine Umschulung kann mehrere Jahre beanspruchen, in dieser Zeit ergeben sich fast immer ungeplante Veränderungen, auf die Sie reagieren müssen. Wenn Sie in eine solche Situation geraten, sollten Sie in jedem Fall zunächst Kontakt zur Leitung Ihrer Ausbildungsstätte und der zuständigen Arbeitsagentur suchen. Es kann nämlich durchaus sein, dass Ihnen die Finanzierung bei einem Umzug gestrichen wird, vor allem wenn Sie den Umzug nicht melden. Achten Sie also unbedingt darauf, dass alles in geregelten Bahnen abläuft. Wenn es konkret wird, und Sie tatsächlich umziehen, muss auch der neue Wohnort zuerst übermittelt werden, da sich die Wegstrecken zu Ihrer Ausbildungsstätte ändern und damit auch die entstehenden Kosten.

Wenn Sie Ihre Umschulung vorzeitig abbrechen, können außerdem die Fördergelder, die Sie bislang für die Umschulungsmaßnahme erhalten haben, vom Staat retour verlangt werden. Brechen Sie aus diesem Grund eine uMschulung nicht ohne vorheriges Gespräch mit der finanzierenden Behörde ab.

 

Nach dem Umzug die Umschulung beenden?

Sollte sich Ihre Lebenssituation grundsätzlich ändern und Sie nach einem Umzug auch Ihre Umschulung beenden wollen, so müssen Sie auch das unbedingt melden. Tun Sie das nämlich nicht, machen Sie sich des Leistungsmissbrauchs schuldig, woraufhin sogar ein Strafverfahren drohen kann.

 

Fazit

Eine Umschulung in anderen Bundesländern ist durchaus möglich, Sie müssen aber von Anfang an bei den Behördengängen mit offenen Karten spielen und alle geplanten Schritte darlegen. Am besten argumentieren Sie bei Ihrem zuständigen Arbeitsberater, wieso eine Umschulung in einem anderen Bundesland für Sie notwendig ist. Sollte Ihr Antrag abgelehnt werden, bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit eines Umzugs. Sollten Sie dagegen während einer bestehenden Umschulung plötzlich umziehen (müssen) und gleichzeitig die Weiterbildung abbrechen wollen, kann es aber komplizierter werden.

 

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2 Gedanken zu „Ist eine Umschulung auch in anderen Bundesländern möglich?“

  1. Hallo, ich wohne in Halle-Saale,bin ab 1.2.21 arbeitslos. Will eine Ausbildung zum Busfahrer machen. Leider in Halle keine Ausbildungstelle frei. Aber ich könnte in Sachsen(nicht weit von Halle entfernt..S-Bahnverkehr) eine Busfahrerausbildung machen.
    Frage: bekomme ich durch Arbeitsargentur Halle die entspr. Förderung.
    Dankeschön

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    • Hallo Bert,

      danke für Ihre Nachricht.
      Die Umschulungsstätte muss nicht an Ihrem Wohnort, nicht mal in Ihrem Bundesland sein. Die Zuständigkeit des Arbeitsamts orientiert sich nur daran, wo Sie wohnen, nicht aber an der Niederlassung des Umschulungsbetriebs.
      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für die Umschulung.Sollte der Sachbearbeiter es anders sehen, dann können Sie sich zwecks Widerspruch gerne nochmal melden.
      Alles Gute!

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