Betriebliche oder überbetriebliche Umschulung?

Betriebliche oder überbetriebliche Umschulung – und was ist eigentlich der Unterschied?

Anders als bei den meisten Weiterbildungen geht es bei einer Umschulung nicht darum, die eigene Expertise in einem Fachbereich zu vertiefen. Sinn einer Umschulung ist es, einen bislang nicht ausgeübten Bereich zu erlernen, um anschließend in diesem Bereich tätig zu werden. Für diese Maßnahme gibt es verschiedene Arten – hier erfahren Sie den Unterschied zwischen einer betrieblichen und überbetrieblichen Umschulung.

 

Betriebliche Umschulungen

Bei einer betrieblichen Umschulung sind Sie direkt bei einem Betrieb angestellt und erhalten Ihre Ausbildung aus dualem Weg. Das bedeutet, dass sich in Ihrem Lernprozess Praxis- und Theorieteile abwechseln. Da Sie bei einer Umschulung einen Beruf ähnlich wie ein Lehrling lernen, werden Sie auch ähnliche Bedingungen vorfinden – das heißt, Sie werden genauso ein Gehalt von Ihrem Ausbildner beziehen, wie es der Lehrling macht. Sie werden unter Umständen sogar mit Lehrlingen in Kontakt kommen, die gemeinsam mit Umschülern eingearbeitet werden. Dieses Aufeinandertreffen kann spätestens in einer Berufsschule zustande kommen – der Besuch dieser staatlichen Einrichtung ist für Sie zwar nicht zwingend erforderlich, aber in jedem Fall empfehlenswert. Meist regelt der Umschulungsvertrag den Besuch einer Berufsschule.

 

Voraussetzungen für betriebliche Umschulungen

Als Arbeitnehmer müssen Sie keine hochgesteckten Voraussetzungen für eine betriebliche Umschulung erfüllen. Es gibt aber eine Reihe an Voraussetzungen für Betriebe, die eine betriebliche Umschulungen anbieten wollen. Die genauen Bedingungen dafür listet die Arbeitsagentur auf dieser Homepage auf.
Dazu gehört unter anderem ein Umschulungsvertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, aber der Betrieb muss auch über die Berechtigung verfügen, Menschen auszubilden. Auch die Ausbildungszeit ist geregelt und soll zwei Drittel der Lehrdauer des gewünschten Berufs betragen.

 

Finanzielle Unterschiede

Bei der Frage nach Vor- und Nachteilen steht der finanzielle Aspekt meistens ganz vorne: Sollten Sie sich für eine betriebliche Umschulung interessieren, haben Sie in jedem Fall den Vorteil, ein fixes Gehalt zu beziehen, was bei schulischen oder außerbetrieblichen Umschulungen nicht der Fall ist. Überbetriebliche Umschulungen kosten den Bildungsträgern Geld – dieses Geld kann zwar über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit meist komplett beglichen werden, allerdings benötigen Sie darüber hinaus Geld für Lebenserhaltungskosten. Was den finanziellen Aspekt angeht, sind Sie bei betrieblichen Umschulungen daher im Vorteil, da die betriebliche Entlohnung die Zahlungen für Arbeitslose in der Regel deutlich übersteigen.

 

Überbetriebliche Umschulungen

Anders als bei betrieblichen Umschulungen sind Sie hier nicht in einem Betrieb angestellt. Das bedeutet für Sie, dass Sie kein fixes Gehalt beziehen, es bedeutet aber auch, dass jemand anderes Ihre Ausbildung übernehmen muss. Das sind in diesem Fall private Bildungsträger – diese kümmern sich um theoretische und praktische Aspekte Ihrer Ausbildung, meist erfolgt ein Wechselspiel von Praxis- und Theorieteilen. Die praktischen Ausbildungsabschnitte erfolgen dabei entweder im hauseigenen Umfeld der Ausbildungsstätte (zum Beispiel in einer schulischen Werkstatt) oder über zugewiesene Praktika in richtigen Unternehmen. Den privaten Bildungsträgern entstehen durch Ihre Ausbildung allerdings Kosten, die Sie decken müssen.

Eine gute Möglichkeit, um die Kurskosten für überbetriebliche Umschulungen übernehmen zu können, sind die Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit. Diese Bildungsgutscheine können Sie für die anfallenden Kosten der Umschulung verwenden, in der Regel übernimmt die Bundesagentur die entstehenden Kosten in diesen Fällen. Sollte sich der private Ausbildungsträger außerdem weit entfernt vom eigenen Wohnort befinden, besteht auch oft die Möglichkeit, dass Sie während der Ausbildung in einem Internat schlafen.

 

Fazit: Welche Umschulung ist die bessere für mich?

Welche Art der Umschulung für Sie besser ist, lässt sich wohl nicht ganz pauschal sagen. In jedem Fall haben Sie bei betrieblichen Umschulungen den Vorteil eines fixen Gehalts. Für viele Arbeitnehmer hat es auch positive psychologische Effekte, ein geregeltes Einkommen von einer gewissen Stelle zu erhalten – letztlich bleibt auch mehr Geld in der eigenen Tasche. Einer der größten Vorteile der außerbetrieblichen Umschulung liegt in seiner vereinheitlichten Ausbildung: Sie müssen kaum fürchten, dass andere Umschüler in einem anderen Bundesland eine bessere Ausbildung als Sie erhalten.

Außerdem sind die Chancen einer Weiterverpflichtung bei betrieblichen Umschulungen naturgemäß besser als bei überbetrieblichen Umschulungen durch einen privaten Bildungsträger – das liegt aber in der Natur der Sache und muss nicht bedeuten, dass die privaten Bildungsträger ein schlechteres Ausbildungsniveau aufweisen würden! Die beste Möglichkeit, die Sie haben, um den Nutzen und die fachliche Güteklasse der gewünschten Ausbildung zu erfahren, sind Gespräche mit ehemaligen Absolventen – eventuell finden Sie auch online Meinungen ehemaliger Umschüler, die Ihnen weiterhelfen.


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